Tobit 10

Zürcher Bibel

von Theologischer Verlag Zürich
1 Tag für Tag aber berechnete Tobit die Tage, die Tobias unterwegs sein und in denen er zurückkehren würde. Und als die Tage um waren und sein Sohn nicht da war,[1]2 sagte er: Vielleicht ist er dort aufgehalten worden! Oder vielleicht ist Gabael verstorben, und niemand gibt ihm das Geld!3 Und es kam Betrübnis über ihn.[2]4 Da sagt Hanna, seine Frau: Mein Kind ist verloren und ist nicht mehr unter den Lebenden! Und sie begann zu weinen und um ihren Sohn zu klagen und sprach:5 Wehe mir, Kind, dass ich dich habe ziehen lassen - das Licht meiner Augen!6 Und Tobit sagte zu ihr: Schweig, mach dir keine Gedanken, Schwester, er ist bei guter Gesundheit! Und gewiss sind sie dort abgelenkt worden. Auch ist der Mensch, der mit ihm auf die Reise gegangen ist, vertrauenswürdig, und er ist einer unserer Brüder. Sei seinetwegen nicht betrübt, Schwester, bald schon wird er auftauchen!7 Aber sie sagte zu ihm: Schweig vor mir und täusche mich nicht! Mein Kind ist verloren. Und täglich stürmte sie hinaus und hielt Ausschau auf dem Weg, den ihr Sohn gegangen war, und sie liess sich von niemandem überzeugen, und wenn die Sonne unterging, ging sie ins Haus und klagte und weinte die ganze Nacht hindurch und fand keinen Schlaf. Und als die vierzehn Tage der Hochzeit um waren, die seiner Tochter auszurichten Raguel geschworen hatte, kam Tobias zu ihm und sagte: Lass mich gehen, denn ich weiss, dass mein Vater und meine Mutter das Vertrauen verloren haben, mich noch zu sehen. Und nun bitte ich dich, Vater, dass du mich gehen lässt und ich zu meinem Vater gehen kann. Ich habe dich ja schon unterrichtet, wie ich ihn verlassen habe.8 Aber Raguel sagte zu Tobias: Bleib, Kind, bleib bei mir, und ich sende Boten zu Tobit, deinem Vater, und sie werden ihn über dich unterrichten.9 Da sagte er zu ihm: Auf keinen Fall! Ich bitte dich, dass du mich von hier fort zu meinem Vater gehen lässt.10 Und Raguel stand auf und übergab Tobias Sara, seine Frau, und die Hälfte von allem, was ihm gehörte, Knechte und Mägde, Rinder und Schafe, Esel und Kamele, Kleider und Geld und Geräte.11 Und er liess sie gehen, bei guter Gesundheit, und er verabschiedete ihn und sagte zu ihm: Bleib gesund, Kind, bleib gesund und geh zurück! Der Herr des Himmels führe euch und Sara, deine Frau, auf gutem Weg. Und möge es mir gegeben sein, eure Kinder zu sehen, bevor ich sterbe!12 Und er sagte zu Sara, seiner Tochter: Geh zu deinem Schwiegervater, denn von nun an sind sie deine Eltern - wie die, die dich gezeugt haben. Geh in Frieden, Tochter, möge es mir gegeben sein, gute Nachricht von dir zu hören, solange ich lebe. Und er umarmte sie zum Abschied und liess sie los. Da sagt Edna zu Tobias: Kind und geliebter Bruder, möge der Herr dich zurückbringen und möge es mir gegeben sein, deine Kinder zu sehen, solange ich noch lebe, und die von Sara, meiner Tochter, bevor ich sterbe. Vor dem Herrn vertraue ich dir meine Tochter als Gut an. An keinem Tag deines Lebens sollst du sie betrüben. Kind, in Frieden! Von nun an bin ich deine Mutter, und Sara ist deine Schwester. Mögen wir alle in gleicher Weise auf gutem Weg geführt werden an allen Tagen in unserem Leben. Und sie küsste die beiden und liess sie bei guter Gesundheit gehen.[3]13 Und Tobias ging fort von Raguel, gesund und freudig und den Herrn des Himmels und der Erde, den König von allem, preisend, dass dieser hatte seinen Weg gelingen lassen. Und er sprach zu ihm: Dir ist ein guter Weg bereitet, um sie alle Tage ihres Lebens zu ehren.

Tobit 10

Lutherbibel 2017

von Deutsche Bibelgesellschaft
1 Tag für Tag zählte Tobit, wie lange sein Sohn Tobias hinreisen und wann er zurückkehren werde. Als aber die Tage um waren und sein Sohn nicht erschien,2 fragte er sich: Ist er vielleicht dort aufgehalten worden? Vielleicht ist Gabaël gestorben, und niemand will ihm das Silber zurückgeben?3 Da wurde er sehr traurig.4 Und Hanna, seine Frau, klagte: Mein Kind ist umgekommen und weilt nicht mehr unter den Lebenden! So begann sie, über ihren Sohn zu weinen und zu klagen, und sie sprach:5 Weh mir, Kind, dass ich dich ziehen ließ, du Licht meiner Augen!6 Und Tobit sagte zu ihr: Sei still und sorge dich nicht, Schwester! Unserm Sohn geht’s gut! Gewiss sind sie dort aufgehalten worden. Er hat doch einen zuverlässigen Begleiter, einen von unseren Brüdern! Trauere nicht um ihn, Schwester, er wird schon zurückkehren!7 Sie aber sagte zu ihm: Schweig still und täusche mich nicht! Umgekommen ist mein Kind! Und sie sprang auf und hielt alle Tage Ausschau auf den Weg, den ihr Sohn gegangen war, und ließ sich durch niemanden überzeugen. Und wenn die Sonne unterging, kehrte sie ins Haus zurück und klagte und weinte die ganze Nacht und fand keinen Schlaf. Und als die vierzehn Tage der Hochzeit um waren, die Raguël seiner Tochter versprochen hatte, ging Tobias zu ihm hinein und sagte: Lass mich ziehen! Ich weiß, dass mein Vater und meine Mutter schon nicht mehr glauben, mich wiederzusehen! Und nun bitte ich dich, mich ziehen zu lassen, um zu meinem Vater zu reisen! Ich habe dir ja schon erzählt, wie ich ihn zurückgelassen habe.8 Raguël aber sagte zu Tobias: Bleib, Kind, bleibe bei mir; ich will Boten zu deinem Vater Tobit schicken und ihn wissen lassen, wie es dir geht.9 Tobias aber antwortete: Nein! Ich bitte dich: Lass mich zu meinem Vater ziehen!10 Da erhob sich Raguël und gab Tobias seine Frau Sara und die Hälfte von all seinem Hab und Gut: Knechte und Mägde, Rinder und Schafe, Esel und Kamele, Kleidung und Silber und kostbares Geschirr. (1Mo 24,35)11 Und er ließ ihn gesund und fröhlich von sich ziehen und sprach zu ihm: Bleib gesund, Kind, und zieh wohlbehalten dahin! Der Herr des Himmels sei mit dir und deiner Frau Sara auf dem Wege! Meine Augen mögen eure Kinder sehen, ehe ich sterbe.12 Und Raguël sprach zu Sara, seiner Tochter: Geh zu deinem Schwiegervater, denn er und seine Frau sind von nun an wie deine eigenen Eltern! Zieh hin in Frieden, Tochter; ich möchte gute Nachricht von dir hören, solange ich lebe. So nahm er Abschied von ihnen und ließ die beiden ziehen. Edna aber sprach zu Tobias: Kind und geliebter Bruder! Der Herr bringe dich zurück, und noch zu meinen Lebzeiten möchte ich eure Kinder sehen! Der Herr sei Zeuge: Wie ein kostbares Gut vertraue ich dir meine Tochter an. Betrübe sie nicht, dein Leben lang! Kind, zieh in Frieden. Von nun an bin ich deine Mutter, und Sara ist deine Schwester! Mögen wir alle gesund und fröhlich sein alle Tage unseres Lebens. Und sie küsste sie beide und ließ sie wohlbehalten ziehen.13 Und Tobias zog von Raguël los, gesund und fröhlich, und er pries den Herrn des Himmels und der Erde, den König über alles, dass er seinen Weg hatte gelingen lassen.[1]