Projekt B18
Autor: Marcus Heckerle ·
nur Bibeltext ·
546 Einheiten · fortlaufend · täglich
Der Bibelleseplan für biblische Zusammenhänge
Wenn man die Bibel in der uns vertrauten Reihenfolge liest, kann man einige Irritationen erleben: Nach den Samuel- und Königebüchern wird deren Geschichte in den Chronikbüchern wiederholt. Ein ähnliches Phänomen begegnet uns im Neuen Testament, wo die vier Evangelien den Anfang bilden: Welchen Sinn soll es ergeben, alle vier Jesus-Berichte hintereinander zu lesen, wo sich darin doch vieles wiederholt? Dafür wird das zweiteilige Werk von Lukas – sein Evangelium und die Apostelgeschichte – vom Johannesevangelium unterbrochen. Und warum sind die Paulusbriefe eigentlich nicht chronologisch geordnet?
Manche Bibellesepläne bringen die biblischen Bücher daher in eine chronologische Reihenfolge – was aber auch nicht alle genannten Probleme löst. Projekt B18 hingegen verfolgt einen Ansatz, der auf theologisch-inhaltliche Zusammenhänge ausgerichtet ist. Für das Alte Testament greift dieser Leseplan auf eine sehr alte jüdische Tradition zurück, die im Babylonischen Talmud überliefert ist (Traktat Baba Bathra 14b). Grundlegend ist dafür die Dreiteilung in das „Gesetz“, die „Propheten“ und die (anderen) „Schriften“, die schon zu neutestamentlichen Zeiten belegt ist (vgl. Lukas 24,44, wobei hier die „Psalmen“ wahrscheinlich den dritten Hauptteil bezeichnen). Neuere Untersuchungen legen die Vermutung nahe, dass diese Anordnung der Bücher mit der Absicht erfolgte, die theologische Botschaft des Alten Testaments zu unterstreichen. So haben beispielsweise die Chronikbücher als letzte Schriften eine abschließende Funktion. Aus christlicher Sicht kann am Ende sogar ein Hinweis auf Jesus Christus erkannt werden.
Für das Neue Testament werden in diesem Leseplan die Evangelien voneinander getrennt und bilden vier Blöcke, denen jeweils eines der Evangelien vorangestellt ist. Sie werden durch passende Bücher ergänzt, die den jeweiligen besonderen Charakter der verschiedenen Jesus-Berichte betonen. Dabei bleiben aber das Matthäusevangelium das erste und die Offenbarung des Johannes das letzte Buch. Das ist deshalb von Bedeutung, weil Matthäus selbst an den Schluss des Alten Testaments anknüpft und die Offenbarung am Ende den Bogen zurück zum Anfang der Bibel schlägt. Schöpfung und Neuschöpfung bilden eine Klammer um die gesamte Bibel.
Mit diesem Ansatz ergeben sich für den Leseplan sieben größere Abschnitte, drei im Alten Testament und vier im Neuen Testament:
Die 5 Bücher Mose („Das Gesetz“, hebr.: Tora)
Josua, Richter, 1. und 2. Samuel, 1. und 2. Könige, Jeremia, Hesekiel, Jesaja und Hosea bis Maleachi („Die Propheten“, Neviim)
Ruth, Psalmen, Hiob, Sprüche, Prediger, Hohelied, Klagelieder, Daniel, Ester, Esra, Nehemia, 1. und 2. Chronik („Die Schriften“, Ketuvim)
Matthäusevangelium mit Jakobus- und Hebräerbrief
Lukasevangelium mit Apostelgeschichte und Paulusbriefen (vorwiegend chronologisch)
Markusevangelium mit Petrusbriefen und Judasbrief
Johannesevangelium mit Johannesbriefen und Offenbarung
Für die Auswahl der täglichen Textabschnitte wurde besondern Wert darauf gelegt, keine Sinnzusammenhänge zu unterbrechen. Denn leider berücksichtigen die bestehenden Kapiteleinteilungen in der Bibel nicht immer, was inhaltlich zusammenhängt und wo eine Zäsur passend wäre, denn Verse und Kapitel sind nicht ursprünglich; sie wurden erst Jahrhunderte später hinzugefügt. So endet beispielsweise die Hochzeitsszene im Hohelied mit Kapitel 5, Vers 1; Vers 2 beginnt eine neue Geschichte. Die Konsequenz dieses Ansatzes ist, dass die täglichen Lesemengen nicht immer gleich lang sind. Außerdem ist die durchschnittliche tägliche Textmenge beim Neuen Testament (48 Verse) etwa ein Fünftel geringer als beim Alten Testament (61 Verse). So bleibt etwas mehr Zeit zum „Verdauen“ der neutestamentlichen Texte, die meist als inhaltlich dichter empfunden werden.
Zum Buch
Wer die theologischen Zusammenhänge dieses Leseplans vertiefen möchte, findet im Begleitbuch „Die roten Fäden der Bibel entdecken. Ein Reiseführer durch die große Geschichte Gottes“ aus dem Neufeld Verlag die passende Hilfe. Es erklärt die Verbindungslinien zwischen den einzelnen Büchern und erleichtert dir den Einstieg in die jüdische Buchfolge des Alten Testaments. Du findest es hier im Shop.