Tobit 11

Zürcher Bibel

von Theologischer Verlag Zürich
1 Und als sie sich Kaserein näherten - das ist gegenüber von Ninive -,2 sagte Rafael: Du weisst, wie wir deinen Vater verlassen haben.3 Lass uns deiner Frau vorauseilen und das Haus vorbereiten, während sie kommen.4 Und die beiden gingen gemeinsam, und er sagte zu ihm: Nimm die Galle in deine Hände. Und der Hund lief hinter ihnen her.[1]5 Und Hanna sass da und hielt auf dem Weg Ausschau nach ihrem Sohn.6 Und sie nahm wahr, dass er kam, und sie sagte zu seinem Vater: Sieh, dein Sohn kommt und auch der Mensch, der mit ihm die Reise unternommen hat!7 Und Rafael sagte zu Tobias, bevor er sich dem Vater näherte: Ich bin mir gewiss, dass seine Augen geöffnet werden.8 Träufle die Galle des Fischs in seine Augen, und das Heilmittel wird dafür sorgen, dass die weissen Flecken sich zusammenziehen, und sie wird sie von seinen Augen lösen, und dein Vater wird aufblicken und das Licht sehen.9 Und Hanna lief den Weg hinauf und fiel ihrem Sohn um den Hals und sagte zu ihm: Ich habe dich gesehen, Kind! Von nun an kann ich sterben. Und sie weinte.[2]10 Und Tobit war aufgestanden und stiess mit seinen Füssen an und kam aus der Tür des Vorhofs. Und Tobias ging auf ihn zu.11-12 Und die Galle des Fischs war in seiner Hand, und er blies in seine Augen und hielt ihn fest und sagte: Sei zuversichtlich, Vater! Dann trug er ihm das Heilmittel auf und fügte noch mehr hinzu.[3]13 Und er löste es mit seinen beiden Händen aus seinen Augenwinkeln. Und sein Vater fiel ihm um den Hals[4]14 und weinte und sagte zu ihm: Ich habe dich gesehen, Kind, Licht meiner Augen! Und er sprach: Gepriesen ist Gott, und gepriesen ist sein grosser Name, und gepriesen sind alle seine heiligen Engel! Möge sein grosser Name auf uns kommen, und gepriesen seien alle Engel in alle Ewigkeit!15 Denn er hat mich geschlagen, aber sieh, ich sehe Tobias, meinen Sohn! Und Tobias kam herein, freudevoll und Gott aus voller Kehle preisend, und Tobias legte seinem Vater dar, dass seinem Weg Erfolg beschert worden war und dass er das Silber gebracht hatte, und wie er Sara, die Tochter Raguels, zur Frau genommen hatte, und dass sie - sieh! - gerade ankomme und nahe dem Tor von Ninive sei.16 Und Tobit ging hinaus, um seiner Schwiegertochter entgegenzugehen, freudevoll und Gott preisend, bis ans Tor von Ninive. Und als die in Ninive ihn sahen, wie er ging und die Stadt durchschritt, in seiner ganzen Kraft und ohne dass er von jemandem an der Hand geführt wurde, da wunderten sie sich.[5]17 Und Tobit bekannte vor ihnen, dass Gott sich seiner erbarmt und dass er ihm die Augen geöffnet hatte. Und Tobit ging zu Sara, der Frau von Tobias, seinem Sohn, und er segnete sie und sprach zu ihr: Mögest du gesund hereinkommen, Tochter. Und gepriesen ist dein Gott, der dich zu uns geführt hat, Tochter. Und gesegnet ist dein Vater und gesegnet ist Tobias, mein Sohn, und gesegnet bist du, Tochter. Komm in dein Haus und bleib gesund in Segen und Freude, komm herein, Tochter. An diesem Tag kam Freude auf bei allen Juden, die in Ninive waren.18 Auch Achikar und Nabad, seine Neffen, fanden sich voller Freude bei Tobit ein.

Tobit 11

Lutherbibel 2017

von Deutsche Bibelgesellschaft
1 Und als sie auf dem Heimweg nach Kaserin kamen, das Ninive gegenüber liegt,2 sagte Rafaël: Du weißt, wie es deinem Vater ging, als wir ihn verlassen haben. (Tob 5,10)3 Wir wollen nun deiner Frau vorauseilen und das Haus herrichten, in das sie mit dem Gesinde dann nachkommen wird.4 Da zogen sie gemeinsam voraus. Der Engel aber sprach zu Tobias: Nimm etwas von der Galle des Fisches zur Hand. Der Hund aber lief hinter ihnen her.5 Hanna aber saß da und hielt am Wege Ausschau nach der Heimkehr ihres Sohnes.6 Und als sie ihn kommen sah, sprach sie zu seinem Vater: Siehe, dein Sohn kommt und mit ihm sein Begleiter!7 Aber noch bevor sich Tobias seinem Vater nähern konnte, sprach Rafaël zu ihm: Ich weiß, wie seine Augen wieder geöffnet werden können:8 Reibe die Fischgalle in seine Augen! So wird die Arznei die weißen Flecken zusammenziehen und von seinen Augen abschälen, und dein Vater wird aufblicken und das Licht wieder schauen.9 Da lief Hanna herbei und fiel ihrem Sohn um den Hals und sagte zu ihm: Ich habe dich wiedergesehen, Kind, nun kann ich sterben. Und sie weinte.10 Und Tobit stand auf und stolperte zur Tür des Hofes hinaus. Tobias aber ging ihm entgegen11 mit der Fischgalle in der Hand. Und er blies ihm in die Augen, ergriff ihn und sprach: Sei getrost, Vater! Und er trug die Arznei auf und verrieb sie.12-13 So schälte er die weißen Flecken mit den Händen aus seinen Augenwinkeln. Da fiel ihm Tobit um den Hals,14 und er weinte und sprach zu ihm: Ich sehe dich, Kind, du Licht meiner Augen! Und er hob an: Gepriesen sei Gott und gepriesen sei sein großer Name, und gepriesen seien alle seine heiligen Engel! Sein großer Name sei unter uns, und gepriesen seien alle Engel in alle Ewigkeiten! (1Chr 29,10; Jdt 13,17)15 Denn er hat mich gezüchtigt, aber siehe, nun kann ich meinen Sohn Tobias wieder sehen! Da ging Tobias hinein voll Freude und pries Gott aus vollem Munde, und er erzählte seinem Vater, dass sein Weg gelungen sei und dass er das Silber mitgebracht habe. Und er berichtete, wie er Sara, die Tochter Raguëls, zur Frau genommen habe und dass sie schon auf dem Weg und kurz vor den Toren Ninives sei. (Weis 3,5)16 Da ging Tobit hinaus an das Tor Ninives, seiner Schwiegertochter entgegen; voller Freude pries er Gott. Als die Bewohner Ninives ihn gehen sahen, wie er aus eigener Kraft einherschritt und von keinem an der Hand geführt werden musste, wunderten sie sich sehr.17 Tobit aber tat ihnen kund, dass Gott sich seiner erbarmt und ihm die Augen geöffnet habe. Und Tobit näherte sich Sara, der Frau seines Sohnes Tobias. Er segnete sie und sagte zu ihr: Mögest du wohlbehalten eintreten, Tochter! Gepriesen sei dein Gott, der dich zu uns geführt hat, Tochter! Und gesegnet sei dein Vater und gesegnet sei mein Sohn Tobias und gesegnet seist du, Tochter. Tritt wohlbehalten ein in dein Haus, in Segen und Freude; tritt ein, Tochter! An diesem Tag widerfuhr allen Juden, die in Ninive wohnten, große Freude.18 Auch Achikar und Nabad, die Vettern des Tobias, kamen und freuten sich mit ihm.