Hiob 10

Neues Leben. Die Bibel

von SCM Verlag
1 Mein Leben ekelt mich an. Ich will meiner Klage freien Lauf lassen und über meine tiefe Verbitterung reden. (1Kön 19,4; Hi 7,11)2 Ich will zu Gott sagen: ›Behandle mich nicht wie einen Übeltäter, sondern sag mir, was du mir vorwirfst. (Hi 9,29)3 Was gewinnst du, wenn du mich quälst? Du hast mich selbst geschaffen. Warum verwirfst du mich, während du die bösen Menschen zu Ehren bringst? (Hi 9,22; Hi 10,8; Hi 19,6; Hi 21,16; Hi 22,18)4 Sind deine Augen nur wie die Augen eines Menschen? Siehst du die Dinge, wie die Menschen sie sehen? (1Sam 16,7; Hi 9,12; Hi 36,26)5 Ist deine Lebensspanne nur wie die eines Menschen bemessen? Ist dein Leben so kurz,6 dass du dich beeilen musst, mir meine Schuld nachzuweisen und eine Sünde bei mir zu finden –7 obwohl du weißt, dass ich kein Bösewicht bin und dass es niemanden gibt, der mich vor dir retten kann?8 Du hast mich mit deinen Händen geschaffen, du hast mich gemacht – und trotzdem umstellst du mich von allen Seiten, um mich zu vernichten. (Hi 9,22; Ps 119,73)9 Bedenke doch, dass du mich wie Ton geformt und gestaltet hast – willst du, dass ich nun zu Staub zerfalle? (Hi 4,19; Hi 7,21; Hi 33,6)10 Hast du mich nicht geformt, im Leib meiner Mutter gestaltet?[1]11 Du hast mich mit Haut und Fleisch umkleidet, hast meine Knochen und Sehnen zusammengefügt.12 Leben und Gnade hast du mir geschenkt und deine Fürsorge hat mich bisher bewahrt. (Hi 33,4)13 Doch du hattest deine eigenen Beweggründe dafür, und nun erkenne ich deine wahre Absicht. (Hi 23,13)14 Du wolltest mich beobachten, um mich bei einer Sünde zu erwischen und mich nicht mehr davon freizusprechen. (Hi 9,28)15 Weh mir, wenn ich mich schuldig gemacht habe! Doch auch wenn ich schuldlos blieb, sollten mich Scham und Elend erfüllen, sodass ich nicht mehr wagte, den Kopf zu erheben. (Hi 6,29; Jes 3,11)16 Und wenn ich es dennoch täte, würdest du mich wie ein Löwe jagen und deine schreckliche Macht an mir erweisen. (Hi 5,9)17 Ständig würdest du neue Zeugen zur Anklage gegen mich aufstellen, dein Zorn würde unaufhörlich wachsen und du würdest mich so heftig angreifen wie eine Armee von frisch zum Kampf erschienenen Soldaten. (Hi 16,8)18 Warum nur hast du mich aus dem Leib meiner Mutter kommen lassen? Ich hätte sterben und niemals zum Vorschein kommen sollen. (Hi 3,11)19 Dann wäre es, als ob es mich nie gegeben hätte. Ich wäre vom Mutterleib aus ins Grab gefahren.20 Mir bleibt nur noch wenig Zeit, deshalb lass mich in Ruhe. Schau weg von mir, damit ich mich wenigstens für einige Augenblicke freuen kann, (Hi 7,19; Hi 14,1)21 bevor ich mich auf den Weg ins Land der Dunkelheit und Verzweiflung mache, um nie wieder zurückzukehren. (Ps 23,4; Ps 88,13)22 Es ist ein dunkles Land der undurchdringlichen Finsternis, wo das Chaos herrscht und selbst das Licht noch so dunkel ist wie die tiefste Mitternacht.«

Hiob 10

Schlachter 2000

von Genfer Bibelgesellschaft
1 Meine Seele ekelt’s vor meinem Leben; ich will mich meiner Klage überlassen, will reden in der Betrübnis meiner Seele. (1Kön 19,4; Hi 7,11; Hi 7,15; Hi 9,21)2 Ich spreche zu Gott: Verdamme mich nicht! Lass mich wissen, weshalb du mich befehdest! (Hi 7,20; Hi 13,23; Ps 10,1; Ps 27,9)3 Gefällt es dir wohl, dass du bedrückst, dass du das Werk deiner Hände verwirfst, während du über den Rat der Gottlosen dein Licht leuchten lässt? (Hi 10,8; Ps 138,8; 1Petr 4,19)4 Hast du Fleischesaugen, oder siehst du, wie ein Mensch sieht? (1Sam 16,7; Hos 11,9; Lk 16,15)5 Sind denn deine Tage wie Menschentage, deine Jahre den Jahren eines Mannes gleich, (5Mo 32,40; Ps 90,2)6 dass du nach meiner Schuld forschst und nach meiner Sünde fragst, (Hi 7,17; Hi 7,20; Hi 10,14; 1Kor 4,5)7 obwohl du doch weißt, dass ich unschuldig bin, und mich niemand aus deiner Hand erretten kann? (5Mo 32,39; Hi 23,10; Ps 139,1)8 Deine Hände haben mich als Ganzes gebildet und rundum gestaltet, und nun verschlingst du mich? (Hi 10,3; Ps 119,73; Jes 57,16)9 Gedenke doch, dass du mich wie Ton gebildet hast; und nun willst du mich wieder in Staub verwandeln! (1Mo 2,7; 1Mo 3,19; Pred 12,7; Jes 64,7; Jer 18,6)10 Hast du mich nicht wie Milch hingegossen und wie Käse mich gerinnen lassen,11 mit Haut und Fleisch mich bekleidet, mit Gebeinen und Sehnen mich durchwoben? (Ps 139,13; Ps 139,15; Hes 37,7; Hebr 10,5)12 Leben und Gnade hast du mir gewährt, und deine Fürsorge bewahrte meinen Geist. (5Mo 32,10; Hi 29,2; Ps 36,10; Ps 84,12; Apg 17,25; Apg 26,22)13 Doch dieses verbargst du in deinem Herzen; ich weiß, dass es bei dir so beschlossen war: (Hi 23,10; Jes 46,9; Eph 3,10)14 Wenn ich sündigte, so würdest du darauf achten und mich nicht freisprechen von meiner Missetat. (Hi 7,21; Hi 14,16; Ps 90,8; Jer 16,17)15 Habe ich Böses getan, dann wehe mir! Und bin ich im Recht, so darf ich mein Haupt doch nicht erheben; ich bin ja gesättigt mit Schande und muss mein Elend ansehen! (Hi 9,20; Ps 44,16; Jes 3,11; Kla 5,1)16 Wagt [mein Haupt] es aber, sich zu erheben, so verfolgst du mich wie ein Löwe und handelst noch unbegreiflicher mit mir. (Jes 38,13; Kla 3,10; Hos 13,7)17 Du stellst neue Zeugen gegen mich auf und mehrst deinen Zorn gegen mich; du bietest stets frische Scharen, ja ein Heer gegen mich auf! (Hi 16,8; Hi 16,9)18 Warum hast du mich aus dem Mutterleib hervorgebracht? Wäre ich doch dabei umgekommen, ohne dass mich ein Auge gesehen hätte! (Hi 3,10; Jer 15,10; Jer 20,14)19 So würde ich sein, als wäre ich niemals gewesen, vom Mutterleib weg ins Grab gelegt. (Ps 58,9)20 Ist meine Lebenszeit nicht kurz genug? Er höre doch auf, lasse ab von mir, dass ich mich ein wenig erhole, (Hi 7,6; Hi 7,16; Ps 39,6; Ps 39,14)21 ehe ich dahinfahre auf Nimmerwiederkehren in das Land der Düsternis und des Todesschattens, (Hi 3,5; Hi 7,9; Ps 23,4; Jes 38,11)22 in das Land, das schwarz ist wie die Finsternis, [das Land] des Todesschattens, wo keine Ordnung herrscht, wo das Licht wie tiefe Finsternis ist! (Ps 88,7; Ps 88,12; Pred 9,10)