II. Prophetischer Teil: Die Gesichte Daniels über die vier Weltreiche und über die messianische Endzeit (Kap. 7-12)
1Im ersten Regierungsjahre Belsazars, des Königs von Babylon, sah[1] Daniel einen Traum[2], und Erscheinungen traten ihm auf seinem Lager vor die Augen. Darauf schrieb er den Traum nieder und berichtete die Hauptsachen,2mit folgenden Worten: »Ich, Daniel, hatte in meinem Nachtgesicht eine Erscheinung und sah, wie die vier Winde des Himmels das große Meer[3] erregten[4].3Da stiegen vier gewaltige Tiere aus dem Meere hervor, jedes von dem andern verschieden.4Das erste sah aus wie ein Löwe, hatte aber Adlerflügel; ich betrachtete es, bis ihm die Flügel ausgerissen wurden und es von der Erde emporgehoben und wie ein Mensch aufrecht auf zwei Füße gestellt und ihm ein Menschenherz gegeben wurde. –5Darauf erschien ein anderes, zweites Tier, das einem Bären glich; es war nur auf der einen Seite aufgerichtet und hatte drei Rippen im Rachen zwischen seinen Zähnen, und es wurde ihm geboten: ›Auf! Friß viel Fleisch!‹ –6Als ich dann wieder hinblickte, sah ich ein anderes Tier, das einem Panther glich, aber vier Vogelflügel auf seinem Rücken hatte; auch vier Köpfe hatte das Tier, und ihm wurde Herrschermacht verliehen. –7Darauf erschien mir in meinen Nachtgesichten plötzlich ein viertes Tier, schrecklich und furchtbar und außerordentlich stark; es hatte gewaltige Zähne von Eisen (und Klauen von Erz); es fraß und zermalmte und zertrat das, was übriggeblieben war, mit seinen Füßen; es sah ganz anders aus als alle die vorigen Tiere und hatte auch noch zehn Hörner.8Während ich nun genau auf die Hörner achtgab, sah ich, wie ein anderes, kleines Horn zwischen ihnen hervorschoß, worauf drei von den ersten Hörnern vor ihm ausgerissen wurden; und jetzt sah ich, daß an diesem Horn Augen wie Menschenaugen saßen und ein Mund, der vermessene Reden führte.«9»Ich schaute zu, bis Stühle[5] hingestellt wurden und ein ehrwürdiger Greis Platz nahm. Sein Gewand war weiß wie Schnee und sein Haupthaar wie reine Wolle; sein Thron bestand aus Feuerflammen und hatte Räder von loderndem Feuer.10Ein Feuerstrom ergoß sich und ging von ihm aus; tausendmal Tausende dienten ihm, und zehntausendmal Zehntausende standen dienstbereit vor ihm. Der Gerichtshof setzte sich, und (die) Bücher wurden aufgeschlagen.11Ich schaute unverwandt hin wegen des Lärms der vermessenen Reden, die das Horn führte; ich schaute zu, bis das Tier getötet und sein Leib vernichtet[6] und zum Verbrennen dem Feuer übergeben wurde.12Auch den übrigen Tieren wurde dann ihre Macht genommen und ihnen ihre Lebensdauer auf Jahr und Tag bestimmt. –13Während ich noch in das Anschauen der Nachtgesichte versunken war, sah ich, wie mit den Wolken des Himmels Einer kam, der wie eines Menschen Sohn[7] aussah; dieser gelangte zu dem ehrwürdigen Greise und wurde vor ihn geführt.14Ihm wurde dann Macht, Ehre und Herrschaft verliehen, so daß alle Völker, Volksstämme und Zungen ihm untertan waren. Seine Macht sollte von ewiger Dauer und unvergänglich sein und sein Königreich[8] ein solches, das niemals vernichtet werden kann.«15»Da ich, Daniel, mich infolgedessen in meinem Inneren beunruhigt fühlte und die Gesichte, die ich geschaut hatte, mir Angst verursachten,16näherte ich mich einem der Dastehenden[9] und bat ihn um sichere Auskunft über dies alles. Da antwortete er mir, indem er mir Aufschluß über die Vorgänge gab:17›Jene gewaltigen Tiere, vier an der Zahl, bedeuten vier Könige, die auf der Erde erstehen werden.18Aber die Heiligen des Höchsten werden die Herrschaft erhalten und werden die Herrschaft innehaben bis in Ewigkeit, ja bis in eine Ewigkeit von Ewigkeiten.‹19Hierauf wünschte ich Sicheres über das vierte Tier zu erfahren, das sich von allen anderen unterschied und besonders furchtbar war, dessen Zähne von Eisen und dessen Klauen von Erz waren, das da fraß und zermalmte und, was übriggeblieben war, mit seinen Füßen zertrat;20auch über die zehn Hörner auf seinem Kopfe (wünschte ich sichere Auskunft) und über das andere (kleine) Horn, das hervorgeschossen und vor dem drei Hörner ausgefallen waren und das Augen hatte und einen Mund, der vermessene Reden führte, und das größer anzusehen war als die übrigen.21Ich hatte auch gesehen, wie jenes Horn Krieg mit den Heiligen führte und sie überwältigte[10],22bis der ehrwürdige Greis kam und den Heiligen des Höchsten Recht geschafft wurde und die Zeit eintrat, wo die Heiligen die Herrschaft in dauernden Besitz nahmen.23Er gab mir also folgende Auskunft: ›Das vierte Tier (bedeutet) ein viertes Reich, das auf Erden sein wird, verschieden von allen anderen Reichen; es wird die ganze Erde verschlingen und sie zertreten und zermalmen.24Die zehn Hörner aber (bedeuten), daß aus eben diesem Reiche zehn Könige erstehen werden; und nach ihnen wird noch ein anderer auftreten, der von den früheren verschieden ist und drei Könige stürzen wird.25Er wird vermessene Reden gegen den Höchsten führen und die Heiligen des Höchsten mißhandeln und darauf ausgehen, die Festzeiten und das Gesetz (Gottes) zu ändern; und sie werden seiner Gewalt preisgegeben sein ein Jahr und zwei Jahre und ein halbes Jahr.26Dann aber wird der Gerichtshof Sitzung halten, und man wird ihm die Herrschaft entreißen, um sie endgültig zu vernichten und zu beseitigen.27Alsdann wird das Königtum und die Herrschaft und die Macht über die Reiche unter dem ganzen Himmel dem Volke der Heiligen des Höchsten verliehen werden: sein Reich wird von ewiger Dauer sein, und alle anderen Mächte werden ihm dienen und untertan sein.‹«28Damit ist der Bericht zu Ende. Mich, Daniel, beunruhigten meine Gedanken sehr, so daß meine Gesichtsfarbe sich an mir veränderte; aber das Erlebnis habe ich in meiner Erinnerung festgehalten.
Daniels Vision von den vier Tieren und dem Menschensohn
1Im ersten Jahr Belsazars, des Königs von Babel, sah Daniel einen Traum und Visionen seines Hauptes auf seinem Lager. Dann schrieb er den Traum auf, die Summe der Ereignisse[1] berichtete er[2]. (4Mo 12,6; Dan 7,15; Dan 8,1; Hab 2,2)2Daniel fing an und sprach: Ich schaute in meiner Vision in der Nacht, und siehe, die vier Winde des Himmels wühlten das große Meer auf. (Jes 17,12; Jer 51,42; Offb 7,1)3Und vier große Tiere stiegen aus dem Meer herauf, jedes verschieden vom anderen.4Das erste war wie ein Löwe und hatte Adlerflügel[3]; ich sah ⟨hin⟩, bis seine Flügel ausgerissen wurden und es von der Erde aufgehoben und wie ein Mensch auf seine Füße gestellt und ihm das Herz eines Menschen gegeben wurde. (5Mo 28,49; Jer 4,7; Jer 49,19; Dan 2,38)5Und siehe, ein anderes, ein zweites Tier, war einem Bären gleich. Und es war auf der einen Seite aufgerichtet und hatte in seinem Maul drei Rippen zwischen seinen Zähnen. Und man sprach zu ihm so: Steh auf, friss viel Fleisch! (Jes 13,18; Dan 2,39; Dan 8,3)6Nach diesem schaute ich, und siehe, ein anderes, wie ein Leopard: das hatte vier Vogelflügel auf seinem Rücken. Und das Tier hatte vier Köpfe, und Herrschaft[4] wurde ihm gegeben. (Dan 2,39; Dan 8,5; Dan 8,21)7Nach diesem schaute ich in Visionen der Nacht: Und siehe, ein viertes Tier, furchtbar und schreckenerregend und außergewöhnlich stark, und es hatte große eiserne Zähne; es fraß und zermalmte, und den Rest zertrat es mit seinen Füßen. Und es war verschieden von allen Tieren, die vor ihm waren, und es hatte zehn Hörner. (Dan 2,40; Sach 2,1; Offb 13,1; Offb 17,7)8Während ich auf die Hörner achtete, siehe, da stieg ein anderes, kleines Horn zwischen ihnen empor, und drei von den ersten Hörnern wurden vor ihm ausgerissen; und siehe, an diesem Horn waren Augen wie Menschenaugen und ein Mund, der große ⟨Worte⟩[5] redete. (Dan 8,9; Dan 11,36; Offb 13,5)9Ich schaute, bis Throne aufgestellt wurden und einer, der alt war an Tagen, sich setzte. Sein Gewand war weiß wie Schnee und das Haar seines Hauptes wie reine Wolle, sein Thron Feuerflammen, dessen Räder ein loderndes Feuer. (Ps 90,2; Ps 93,2; Jes 6,1; Hes 1,16; Hes 1,26; Mt 19,28; Offb 1,14; Offb 4,2; Offb 20,4)10Ein Feuerstrom floss und ging von ihm aus. Tausend mal Tausende dienten ihm, und zehntausend mal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht setzte sich, und Bücher wurden geöffnet. (1Kön 22,19; Hi 25,3; Ps 97,3; Ps 103,21; Jes 66,15; Lk 2,13; Hebr 12,22; Offb 20,12)11Dann schaute ich wegen der Stimme der großen Worte, die das Horn redete; ich schaute, bis das Tier getötet und sein Leib zerstört und dem Brand des Feuers übergeben wurde. (Offb 19,20)12Und den übrigen Tieren wurde ihre Herrschaft weggenommen, und Lebensdauer wurde ihnen gegeben bis auf Zeit und Stunde.13Ich schaute in Visionen der Nacht: Und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie der Sohn eines Menschen. Und er kam zu dem Alten an Tagen, und man brachte ihn vor ihn. (Mt 24,30; Mt 26,64; Joh 5,27; Offb 1,7)14Und ihm wurde Herrschaft[6] und Ehre und Königtum gegeben, und alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft[7] ist eine ewige Herrschaft[8], die nicht vergeht, und sein Königtum ⟨so⟩, dass es nicht zerstört wird. (Ps 2,6; Ps 103,19; Jes 9,6; Dan 2,44; Dan 7,1; Mt 16,28; Mt 28,18; Lk 21,27; Joh 3,35; Joh 12,34; 1Kor 15,27; Offb 5,7; Offb 11,15)15Mir, Daniel, wurde mein Geist tief in meinem Innern[9] bekümmert, und die Visionen meines Hauptes erschreckten mich. (Dan 2,1)16Ich näherte mich einem von denen, die dastanden, und bat ihn um genaue Auskunft[10] über dies alles. Und er sprach zu mir und ließ mich die Deutung der Sachen[11] wissen:17Diese großen Tiere – es sind vier – ⟨bedeuten⟩: vier Könige werden sich von der Erde her erheben.18Aber die Heiligen des Höchsten werden das Reich[12] empfangen, und sie werden das Reich[13] besitzen bis in Ewigkeit, ja, bis in die Ewigkeit der Ewigkeiten. (Ob 1,17; Lk 12,32; Offb 22,5)19Daraufhin wollte ich Genaueres wissen[14] über das vierte Tier, das von allen anderen verschieden war, außergewöhnlich schreckenerregend, dessen Zähne aus Eisen und dessen Klauen aus Bronze waren, das fraß, zermalmte und den Rest mit seinen Füßen zertrat,20und über die zehn Hörner auf seinem Kopf und über das andere ⟨Horn⟩, das emporstieg und vor dem drei ⟨andere Hörner⟩ ausfielen. Und das Horn hatte Augen und einen Mund, der große ⟨Worte⟩[15] redete, und sein Aussehen war größer als das seiner Gefährten.21Ich sah, wie dieses Horn gegen die Heiligen Krieg führte und sie besiegte, (Dan 8,9; Dan 12,7; Offb 11,7; Offb 13,7; Offb 20,9)22bis der, der alt an Tagen war, kam und das Gericht den Heiligen des Höchsten gegeben wurde und die Zeit anbrach, dass die Heiligen das Königreich in Besitz nahmen. – (Ps 149,5; 1Kor 6,2; Offb 20,4)23Er sprach so: Das vierte Tier ⟨bedeutet⟩: Ein viertes Königreich wird auf Erden sein, das von allen ⟨anderen⟩ Königreichen verschieden sein wird. Es wird die ganze Erde auffressen und sie zertreten und sie zermalmen. (Dan 2,40)24Und die zehn Hörner ⟨bedeuten⟩: Aus diesem Königreich werden sich zehn Könige erheben. Und ein anderer wird sich nach ihnen erheben, und dieser wird verschieden sein von den vorigen, und er wird drei Könige erniedrigen. (Offb 17,12)25Und er wird Worte reden gegen den Höchsten und wird die Heiligen des Höchsten aufreiben; und er wird danach trachten, Festzeiten und Gesetz zu ändern, und sie werden in seine Hand gegeben werden für eine Zeit und ⟨zwei⟩ Zeiten und eine halbe Zeit[16]. (Dan 8,9; Dan 8,11; Dan 9,27; Dan 12,7; Offb 11,2; Offb 11,7; Offb 12,14; Offb 13,7; Offb 13,15)26Aber das Gericht wird sich setzen; und man wird seine Herrschaft wegnehmen, um sie zu vernichten und zu zerstören bis zum Ende. (Dan 11,45; Offb 11,18)27Und das Reich[17] und die Herrschaft und die Größe der Reiche[18] unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden. Sein Reich[19] ist ein ewiges Reich[20], und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen. – (Lk 12,32; Apg 1,6)28Hier endet der Bericht[21]. Mich, Daniel, ängstigten meine Gedanken sehr, und meine Gesichtsfarbe veränderte sich an mir. Und ich bewahrte die Sache[22] in meinem Herzen. (1Mo 37,11; Dan 4,16; Dan 8,27)