von Deutsche Bibelgesellschaft1Darum ließ der Herr auch eintreffen, was er uns angedroht hatte, uns und unseren Richtern, Königen und führenden Männern sowie dem ganzen Volk von Israel und Juda.2Er ließ über Jerusalem ein Unglück hereinbrechen, wie man es noch nirgends auf der ganzen Erde erlebt hat: Er machte wahr, was im Gesetz Moses im Voraus aufgeschrieben worden ist,3dass nämlich Menschen in der äußersten Not den eigenen Sohn, die eigene Tochter aufessen würden. (3Mo 26,29)4Er gab uns in die Gewalt aller Völker und Reiche rings um uns her; überallhin ließ er uns zerstreuen, und wohin wir kamen, verhöhnte man uns und wandte sich voll Entsetzen von uns ab.5Wir gerieten immer tiefer ins Elend, unaufhaltsam ging es mit uns abwärts, weil wir dem Herrn, unserem Gott, nicht gehorcht und uns gegen ihn vergangen hatten.6Der Herr, unser Gott, ist im Recht, wenn er uns so hart gestraft hat. Wir aber und unsere Vorfahren müssen heute beschämt vor ihm stehen.7Der Herr hat all das Unglück über uns hereinbrechen lassen, das er uns angedroht hatte.8Denn keiner von uns hat sich von seiner Bosheit abgekehrt und den Herrn gnädig zu stimmen gesucht.9Darum hat der Herr seine Drohungen an uns wahr gemacht. Er ist im Recht mit allem, was er uns zugefügt hat; (Jer 1,12; Jer 44,27; Dan 9,14)10denn wir hatten nicht auf ihn gehört und die Gebote nicht befolgt, die er uns gab.
Bitte um Erbarmen
11Und doch, Herr: Du bist und bleibst der Gott Israels! Du hast dein Volk aus Ägypten geführt, mit starker Hand und hocherhobenem Arm, unter erstaunlichen Wundertaten. In aller Welt hast du dir einen unvergesslichen Namen gemacht, bis zum heutigen Tag.12Es stimmt: Wir haben uns gegen dich aufgelehnt, Herr, unser Gott. Wir waren dir ungehorsam und haben deine Rechtsordnung mit Füßen getreten.13Jetzt aber sind wir nur noch ein kleines Häuflein inmitten der Völker, unter die du uns zerstreut hast. Darum wende deinen Zorn von uns ab! (Bar 2,29)14Höre unser Gebet, Herr, und hilf uns, rette uns um deiner Ehre willen! Lass uns Gnade finden bei unseren Feinden, die uns aus unserem Land verschleppt haben!15Greif ein, damit alle Völker erkennen, dass du der Herr, unser Gott, bist! Du hast doch Jakob und seine Nachkommen zu deinem Eigentum erklärt! (2Mo 19,5)16Herr, blick herab von deiner himmlischen Wohnung und sieh, wie es uns ergeht! Öffne dein Ohr unserem Hilferuf,17richte deine Augen auf uns, Herr! Wenn der letzte Atem aus unserem sterblichen Leib gewichen ist und wir einmal dort unten in der Totenwelt sind, werden wir dich nicht mehr preisen und deine großen Taten nicht mehr rühmen können. (Ps 6,6)18Preisen und rühmen aber werden dich, wenn du sie rettest, die Verzweifelten, die Bedrängten und Niedergebeugten, die Hilfe suchenden Augen und geängsteten Herzen.19Wenn wir jetzt unsere flehentlichen Bitten vor dich bringen, Herr, unser Gott, können wir das nicht tun im Vertrauen auf die Rechtschaffenheit und das vorbildliche Leben unserer Vorfahren und Könige, im Gegenteil! (Dan 9,18)20Du musstest deinen Zorn über uns ausschütten, wie du uns das durch deine Diener, die Propheten, angedroht hattest, die uns sagten:21»Hört, was der Herr euch zu sagen hat: ›Beugt euren Nacken unter das Joch des Königs von Babylonien und unterwerft euch ihm! Dann dürft ihr weiter in dem Land leben, das ich euren Vorfahren gegeben habe. (Jer 27,10)22Wenn ihr aber nicht auf mich hört und euch dem Babylonierkönig nicht unterwerfen wollt,23dann mache ich allem Jubel und aller Freude in den Städten Judas und in Jerusalem ein Ende. Den Jubelruf von Bräutigam und Braut wird man dort nicht mehr hören; das ganze Land wird ein menschenleeres Trümmerfeld sein.‹« (Jer 7,34)24Wir aber hörten nicht auf deine Warnung und wollten uns dem König von Babylonien nicht unterwerfen. Deshalb machtest du wahr, was du durch deine Diener, die Propheten, angedroht hattest, als du sagtest: »Die Gebeine eurer Könige und eurer Väter werden aus ihren Gräbern geholt!« (Jer 8,1)25So ist es geschehen: Sie wurden herausgeholt und auf dem Boden zerstreut, und so liegen sie nun bei Tag in der Sonnenglut und bei Nacht in der Kälte. Unsere Könige und Väter aber sind umgekommen unter schrecklichen Qualen, durch Hunger, Schwert und Pest. (Jer 14,12; Jer 21,7)26Und das Haus, in dem du uns nahe sein wolltest, hast du in Trümmer gelegt. So liegt es bis heute da zur Strafe für die Sünden der Leute von Israel und der Leute von Juda.
Vertrauen auf Gottes Verheißung
27Uns aber, den Verbannten, wendest du deine ganze Güte und dein großes Erbarmen zu, Herr, unser Gott. (2Mo 34,6)28So hast du es ja durch deinen Diener Mose ankündigen lassen, als du ihm befahlst, dein Gesetz für die Israeliten aufzuschreiben. Damals sagtest du: (3Mo 26,39; 5Mo 28,58; 5Mo 30,1)29»Wenn ihr nicht auf meine Warnungen hört, werdet ihr aus dem großen Volk, das ihr jetzt seid, zu einem kleinen Häuflein werden, das ich unter die Völker zerstreue. (5Mo 4,27; Bar 2,13)30Ich sehe voraus, dass eure Nachkommen nicht auf mich hören werden; denn ihr seid ein widerspenstiges Volk. Aber in der Fremde, in die ich sie deshalb verbanne, werden sie sich an meine Worte erinnern (5Mo 9,6; 1Kön 8,46; Hes 2,3)31und werden erkennen, dass ich der Herr, ihr Gott, bin. Dann werde ich sie bereit machen, auf mich zu hören,32und sie werden mich ehren und mich preisen in dem Land, in das sie verbannt sind.33Wenn sie sehen, wohin der Ungehorsam ihrer Vorfahren geführt hat, werden sie ihre Widerspenstigkeit aufgeben und sich von ihren falschen Wegen abkehren. (Hes 6,9)34Und dann werde ich sie in das Land zurückbringen, das ich ihren Stammvätern Abraham, Isaak und Jakob mit einem Eid zugesprochen habe. Sie werden dort nicht mehr von fremden Völkern beherrscht werden und ich will ihre Zahl wieder wachsen lassen und sie für immer zu einem großen Volk machen. (5Mo 30,5)35Ich schließe mit ihnen für alle Zeiten einen Bund: Ich will für immer ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Ich will mein Volk Israel nie wieder aus dem Land vertreiben, das ich ihm gegeben habe.« (Jer 32,38; Hes 37,26)
Baruch 2
Einheitsübersetzung 2016
von Katholisches Bibelwerk1So hat denn der Herr sein Wort in Kraft gesetzt, das er über uns gesprochen hat, über unsere Richter, die in Israel Recht sprachen, über unsere Könige und Beamten und über die Leute von Israel und Juda.2Unter dem ganzen Himmel ist noch nie so etwas geschehen, wie der Herr es jetzt in Jerusalem geschehen ließ, ganz wie es im Gesetz des Mose geschrieben steht:3dass der eine von uns das Fleisch des eigenen Sohnes, der andere das Fleisch der eigenen Tochter essen werde. (3Mo 26,29; 5Mo 28,53)4Der Herr übergab sie allen Königreichen rings um uns und machte sie zum Gespött und zum Fluch bei allen Völkern im Umkreis, unter die er sie zerstreute.5Sie wurden niedergedrückt und kamen nicht hoch; denn wir haben gegen den Herrn, unseren Gott, gesündigt und nicht auf seine Stimme gehört.6Der Herr, unser Gott, ist im Recht; uns aber und unseren Vorfahren treibt es bis heute die Schamröte ins Gesicht.7Alles Unheil, das der Herr uns angedroht hat, ist über uns gekommen.8Wir haben den Herrn nicht dadurch besänftigt, dass jeder sich von den Wünschen seines bösen Herzens abgewandt hätte.9Der Herr aber wachte und brachte das Unheil über uns; denn der Herr ist gerecht in all seinen Fügungen, die er über uns verhängt hat. (Jer 1,12; Dan 9,14)10Wir aber hörten nicht auf seine Stimme und befolgten nicht die Gebote, die der Herr uns vorgelegt hat.
Erinnerung an Gottes Barmherzigkeit
11Nun aber, Herr, Gott Israels! Du hast dein Volk aus Ägypten herausgeführt mit starker Hand, mit Zeichen und Wundern, mit großer Macht und erhobenem Arm und hast dir einen Namen gemacht bis auf den heutigen Tag.12Herr, unser Gott, wir haben gesündigt, gefrevelt, Unrecht getan trotz all deiner Satzungen.13Nun wende sich dein Grimm von uns. Denn nur wenige von uns sind noch übrig unter den Völkern, wohin du uns zerstreut hast.14Erhöre, Herr, unser Gebet und unsere Bitte! Rette uns um deinetwillen! Lass uns Gnade finden bei denen, die uns aus der Heimat weggeführt haben!15So soll die ganze Welt erkennen, dass du der Herr, unser Gott, bist. Dein Name ist ja über Israel und seinem Stamm ausgerufen. (Jer 7,30; Jer 14,9)16Herr, schau herab von deiner heiligen Wohnung und achte auf uns! Neige, Herr, dein Ohr und höre!17Öffne deine Augen und schau! Denn nicht die Toten in der Unterwelt, aus deren Leib der Atem weggenommen ist, preisen die Ehre und Gerechtigkeit des Herrn, (Ps 6,6; Jes 38,18)18sondern die Menschen, das über die Maßen mit Kummer beladene Menschenwesen, das gebeugt und kraftlos einhergeht, die verlöschenden Augen, die hungernde Kehle, sie preisen deine Ehre und Gerechtigkeit, Herr.19Denn nicht im Vertrauen auf die gerechten Taten unserer Vorfahren und unserer Könige tragen wir dir unsere Bitte um Erbarmen vor, Herr, unser Gott.20Du hast ja deinen Grimm und Zorn gegen uns gerichtet, wie du durch deine Diener, die Propheten, gesprochen hast:21So spricht der Herr: Beugt euren Nacken und seid dem König von Babel untertan und bleibt in dem Land, das ich euren Vorfahren gegeben habe! (Jer 27,12)22Hört ihr aber nicht auf die Weisung des Herrn, dem König von Babel untertan zu sein,23dann lasse ich in den Städten Judas und außerhalb von Jerusalem Jubelruf und Freudenruf verstummen, den Ruf des Bräutigams und den Ruf der Braut, und das ganze Land wird zur menschenleeren Wüste werden. (Jer 7,34)24Doch wir hörten nicht auf deine Weisung, dem König von Babel untertan zu sein. Da hast du deine Worte in Kraft gesetzt, die du durch deine Diener, die Propheten, gesprochen hast, dass man die Gebeine unserer Könige und die Gebeine unserer Vorfahren aus ihrer Grabstätte holen werde. (Jer 8,1)25Und wirklich wurden sie herausgeworfen und liegen in der Hitze des Tages und in der Kälte der Nacht. Auch waren sie unter schrecklichen Qualen umgekommen durch Hunger, Schwert und Ausweisung.26Wegen der Verruchtheit des Hauses Israel und des Hauses Juda hast du das Haus, über dem dein Name ausgerufen ist, zu dem gemacht, was es heute ist.27Doch hast du, Herr, unser Gott, an uns nach deiner ganzen Güte gehandelt und nach all deinem großen Erbarmen,28so wie du durch deinen Diener Mose gesprochen hast an dem Tag, als du ihm auftrugst, deine Weisung für die Israeliten aufzuzeichnen:29Hört ihr nicht auf meine Stimme, dann wird diese unzählbar große Volksmenge zu einer kleinen Minderheit werden unter den Völkern, wohin ich sie zerstreue. (3Mo 26,14)30Denn ich weiß, dass sie nicht auf mich hören werden; sie sind ja ein halsstarriges Volk. Doch im Land ihrer Verbannung werden sie es sich zu Herzen nehmen.31Sie werden erkennen, dass ich der Herr, ihr Gott, bin. Dann gebe ich ihnen ein verständiges Herz und Ohren, die hören. (Hes 36,26)32Im Land ihrer Verbannung werden sie mich preisen und meines Namens gedenken.33Sie werden sich abwenden von ihrer Hartnäckigkeit und von ihren bösen Taten; denn sie werden sich erinnern, wie es ihren Vorfahren erging, die gegen den Herrn gesündigt haben.34Dann werde ich sie in das Land zurückführen, das ich ihren Vätern Abraham, Isaak und Jakob unter Eid versprochen habe, und sie werden seine Besitzer sein. Ich mache sie zahlreich und sie werden nie mehr vermindert. (5Mo 30,1)35Dann schließe ich mit ihnen einen ewigen Bund: Ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein; und nie wieder werde ich mein Volk Israel aus dem Land verstoßen, das ich ihnen gegeben habe. (Jer 31,31)