Hymnische Beschreibung der Weisheit und eines Lebens mit ihr
1Auch ich bin ein sterblicher Mensch wie alle anderen, / Nachkomme des ersten, aus Erde gebildeten Menschen.
Im Schoß der Mutter wurde ich zu Fleisch geformt, / (1Mo 2,7)2in zehn Monaten in Blut verfestigt / aus dem Samen eines Mannes nach lustvollem Beischlaf.3Geboren atmete auch ich die gemeinsame Luft, / ich fiel auf die Erde, die Gleiches von allen erduldet, / und Weinen war mein erster Laut wie bei allen.4In Windeln und mit Sorgen wurde ich aufgezogen; /5kein König trat anders ins Dasein.6Alle haben den gleichen Eingang zum Leben, / gleich ist auch der Ausgang.7Daher betete ich und es wurde mir Klugheit gegeben; / ich flehte und der Geist der Weisheit kam zu mir.8Ich zog sie Zeptern und Thronen vor, / Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr. (Spr 8,11)9Einen unschätzbaren Edelstein stellte ich ihr nicht gleich; / denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand / und Silber gilt ihr gegenüber so viel wie Lehm. (Spr 3,14)10Mehr als Gesundheit und Schönheit liebte ich sie / und zog ihren Besitz dem Lichte vor; / denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt. (1Kön 3,13)11Zugleich mit ihr kam alles Gute zu mir, / unzählbare Reichtümer waren in ihren Händen. (Spr 3,16; Spr 8,18)12Ich freute mich über sie alle, / weil die Weisheit lehrt, sie richtig zu gebrauchen, / wusste aber nicht, dass sie auch deren Ursprung ist.13Uneigennützig lernte ich und neidlos gebe ich weiter; / ihren Reichtum verberge ich nicht bei mir.14Ein unerschöpflicher Schatz ist sie für die Menschen; / die ihn erwerben, erlangen die Freundschaft Gottes. / Sie sind empfohlen durch die Gaben der Bildung.15Mir aber gewähre Gott, nach meiner Einsicht zu sprechen / und zu denken, wie die empfangenen Gaben es wert sind;
denn er ist der Führer der Weisheit / und hält die Weisen auf dem rechten Weg.16Wir und unsere Worte sind in seiner Hand, / auch alle Klugheit und praktische Erfahrung. (2Mo 31,3)17Er verlieh mir untrügliche Kenntnis der Dinge, / den Aufbau der Welt und das Wirken der Elemente zu verstehen, (1Kön 5,9; Spr 1,1)18Anfang und Ende und Mitte der Zeiten, / die Abfolge der Sonnenwenden und den Wandel der Jahreszeiten,19den Kreislauf der Jahre und die Stellungen der Sterne,20die Natur der Tiere und die Wildheit der Raubtiere, / die Gewalt der Geister und die Gedanken der Menschen, / die Verschiedenheit der Pflanzen und die Kräfte der Wurzeln.21Alles Verborgene und alles Offenbare habe ich erkannt; / denn es lehrte mich die Weisheit, die Werkmeisterin aller Dinge.22In ihr ist nämlich ein Geist, vernunftvoll, heilig, / einzigartig, mannigfaltig, zart, / beweglich, durchdringend, unbefleckt, / klar, unverletzlich, das Gute liebend, scharf,23nicht zu hemmen, wohltätig, menschenfreundlich, / fest, sicher, ohne Sorge,
alles vermögend, alles überschauend / und alle Geister durchdringend, / die gedankenvollen, reinen und zartesten.24Die Weisheit ist beweglicher als alle Bewegung; / in ihrer Reinheit durchdringt und durchwaltet sie alles.25Sie ist ein Hauch der Kraft Gottes / und reiner Ausfluss der Herrlichkeit des Allherrschers; / darum dringt nichts Verunreinigtes in sie ein. (Sir 24,3)26Sie ist der Widerschein des ewigen Lichts, / der ungetrübte Spiegel von Gottes Kraft, / das Bild seiner Güte. (Kol 1,15; Hebr 1,3)27Sie ist nur eine und vermag doch alles; / ohne sich zu ändern, erneuert sie alles.
Von Geschlecht zu Geschlecht tritt sie in heilige Seelen ein / und schafft Freunde Gottes und Propheten; (Ps 104,24)28denn Gott liebt nur den, / der mit der Weisheit zusammenwohnt. (Sir 4,14)29Sie ist schöner als die Sonne / und übertrifft jedes Sternbild. / Sie erweist sich strahlender als das Licht;30denn diesem folgt die Nacht, / doch über die Weisheit siegt keine Schlechtigkeit.
Weisheit 7
Zürcher Bibel
von Theologischer Verlag Zürich1Freilich bin auch ich ein sterblicher Mensch, allen anderen gleich, und ein Nachkomme dessen, der als Erster aus Erde gebildet wurde; und im Mutterleib wurde ich als Fleisch geformt2und in zehnmonatiger Frist fest zusammengefügt im Blut, aus dem Samen eines Mannes und der Lust, die den Schlaf begleitet.3Ja, auch ich habe, seit ich wurde, die allen gemeinsame Luft geatmet, und ich fiel auf die Erde, wie es dieser von allen in gleicher Weise widerfährt, mit dem ersten Schrei, der bei allen ähnlich ist, in gleicher Weise schreiend;4in Windeln wurde ich aufgezogen, mit Fürsorge.5Denn kein König hatte einen anderen Anfang seines Werdens:6Für alle aber gibt es einen einzigen Eingang ins Leben, und für alle ist der Ausgang gleich.7Deshalb betete ich, und Einsicht wurde mir gegeben; ich rief zu Gott, und der Geist der Weisheit kam zu mir.8Zeptern und Thronen zog ich sie vor, und im Vergleich mit ihr erachtete ich Reichtum als nichts.9Auch einen unschätzbaren Edelstein stellte ich ihr nicht gleich, denn im Blick auf sie ist alles Gold insgesamt nur ein wenig Sand, und Silber wird vor ihr als Lehm gelten.10Ich liebte sie mehr als Gesundheit und eine schöne Gestalt, und ich zog es vor, statt eines Lichts sie bei mir zu haben, denn der Schein, der von ihr ausgeht, kennt kein Verlöschen.[1]11Zugleich mit ihr aber kamen mir alle Güter zu und unermesslicher Reichtum durch ihre Hände.12Ich aber freute mich über all diese Dinge, denn an ihrer Spitze steht die Weisheit; doch wusste ich nicht, dass sie es ist, die diese ins Dasein ruft.13Ich habe ohne Hintergedanken gelernt, und ohne Neid gebe ich weiter, ihren Reichtum verberge ich nicht bei mir.14Denn sie ist für die Menschen ein unerschöpflicher Schatz; die ihn erwerben, haben Gottes Freundschaft gewonnen - empfohlen dank der Gaben aus ihrer Erziehung.15Mir aber möge Gott die Fähigkeit geben, vernünftig zu reden und über das Gegebene nachzudenken, wie es ihm angemessen ist. Denn er selbst führt die Weisheit und berichtigt die Weisen.16Denn in seiner Hand sind wir und sind unsere Worte und alle Einsicht und das Wissen um das Handeln.17Er selbst nämlich hat mir untrügliche Erkenntnis dessen gegeben, was ist, damit ich die Zusammensetzung der Welt und die Wirkung der Elemente verstehe,18den Beginn und das Ende und die Mitte der Zeiten, die Wechsel der Sonnenwenden und die Veränderungen der Fristen,19die Kreisläufe des Jahres und die Stellungen der Sterne,20die Natur der Lebewesen und die Triebe der wilden Tiere, die Gewalten der Winde und die Unterredungen der Menschen, die Unterschiede zwischen den Pflanzen und die Kräfte der Wurzeln -[2]21alles, was verborgen und was offenbar ist, habe ich erkannt,22denn sie, die Baumeisterin des Ganzen, die Weisheit, hat es mich gelehrt. 22 In ihr nämlich ist ein Geist: denkend, heilig, einziggeworden, vielgestaltig, feinsinnig, sich frei bewegend, bestimmt, ohne Verunreinigung, zuverlässig, Leid abwendend, dem Guten zugetan, tatkräftig,[3]23unbehindert, wohltätig, 23 menschenfreundlich, gefestigt, sicher, sorgenfrei, alles vermögend, alles im Blick habend und alle Geister durchdringend - die vernünftigen, reinen, ganz und gar feinsinnigen.24Denn etwas, das beweglicher ist als jede Bewegung - das ist die Weisheit; sie durchschreitet und durchdringt alles dank ihrer Reinheit.25Denn sie ist der Atem der Kraft Gottes und der lautere Strom, der aus der Herrlichkeit des Allmächtigen fliesst; darum dringt nichts Beflecktes in sie ein.26Denn sie ist der Abglanz des unvergänglichen Lichts und der unbeirrbare Spiegel von Gottes Wirken und das Abbild seiner Güte.27Einzig aber ist sie, und sie vermag alles, und, bei sich selbst bleibend, erneuert sie alle Dinge, und von Generation zu Generation gelangt sie zu frommen Seelen und schafft Freunde Gottes und Propheten.28Denn Gott liebt nichts, nur den, der mit der Weisheit zusammenwohnt.29Denn glänzender als die Sonne ist diese, und sie überragt jeden Ort der Sterne. Verglichen mit dem Tageslicht ist sie strahlender;30diesem nämlich folgt die Nacht - Schlechtes aber ist nicht stärker als die Weisheit.