Jesus Sirach 37

Zürcher Bibel

von Theologischer Verlag Zürich
1 Jeder Freund wird sagen: Auch ich habe Freundschaften geschlossen. Aber es gibt einen Freund, der nur dem Namen nach ein Freund ist.2 Ist es nicht so: Kommt der Kummer dem Tod nahe, wendet sich ein Gefährte und Freund der Feindschaft zu.3 O böser Gedanke, von woher bist du eingebrochen, um die feste Erde mit Täuschung zu bedecken?4 Der Gefährte eines Freundes erfreut sich an dessen Freude, und in der Zeit der Bedrängnis wird er abseits stehen.5 Ein Gefährte leidet mit dem Freund, wenn es um den Magen geht, und angesichts des Kriegs wird er den Schild ergreifen.6 Vergiss den Freund nicht in deiner Seele, und in deinem Wohlstand höre nicht auf, an ihn zu denken.7 Jeder Ratgeber erteilt Rat, aber es gibt einen, der zu seinen eigenen Gunsten berät.8 Vor einem Ratgeber hüte deine Seele und erkenne vorher, was er für einen Vorteil hätte - denn auch er wird für sich selbst beratschlagen -, damit er nicht das Los werfe über dich9 und dir sagt: Dein Weg ist gut!, und sich dir gegenüber hinstellt, um zu sehen, was dir zustossen wird.10 Berate dich nicht mit jemandem, der dich mit Argwohn betrachtet, und verbirg deinen Rat vor denen, die auf dich neidisch sind:11 Mit einer Frau über ihre Rivalin und mit einem Feigling über den Krieg, mit einem Händler über den Handel und mit einem Käufer über den Verkauf, mit einem Missgünstigen über Dankbarkeit und mit einem Unbarmherzigen über Güte, mit einem Faulen über irgendeine Arbeit und mit einem Tagelöhner, der nur für ein Jahr angestellt ist, über das Vollenden, mit einem müssigen Haussklaven über viel Beschäftigung: Mit diesen gib dich nicht ab, wenn es um eine Beratung geht.[1]12 Aber verweile bei einem frommen Mann, von dem du weisst, dass er sich an die Gebote hält, und der in seiner Seele deiner Seele entspricht: Wenn du ins Unglück gerätst, wird er mit dir leiden.13 Und folge dem Rat des Herzens, denn es gibt für dich niemanden, der vertrauenswürdiger ist.14 Oft nämlich pflegt die Seele eines Mannes besser Meldung zu geben als sieben Späher, die hoch auf einem Wachturm sitzen.15 Und bei all diesen Dingen bitte den Höchsten, dass er deinen Weg ausrichte in Wahrhaftigkeit.16 Der Anfang eines jeden Werks ist das Wort, und vor aller Tat steht die Beratung.17 Das Herz entwirft eine Spur der Veränderung,18 viererlei geht daraus hervor: Gutes und Schlechtes, Leben und Tod; und die Zunge ist es, die beständig Herr über diese ist.19 Da ist ein kluger Mann, ein Erzieher vieler, und für seine eigene Seele ist er nutzlos.20 Da ist einer, der weise ist mit Worten, und er ist verhasst; er wird keinerlei Annehmlichkeit haben,21 denn ihm wurde vom Herrn keine Gunst gewährt: Aller Weisheit wurde er beraubt.22 Da ist einer, der weise ist in seiner eigenen Seele, und die Früchte seines Verstehens kommen dem Leib zugute.23 Ein weiser Mann wird sein eigenes Volk erziehen, und die Früchte seines Verstehens sind vertrauenswürdig.24 Ein weiser Mann wird erfüllt sein von Segen, und alle, die ihn sehen, werden ihn glücklich preisen.25 Das Leben eines Mannes ist begrenzt durch die Zahl seiner Tage, und die Tage Israels sind unzählbar.26 Dem Weisen wird in seinem Volk Ehre erwiesen, und sein Name wird leben bis in Ewigkeit.27 Kind, solange du lebst, unterziehe deine Seele der Prüfung und sieh, was für sie schädlich ist, und gewähre es ihr nicht.28 Denn nicht alles ist allen zuträglich, und nicht jeder hat an allem Gefallen.29 In allem Überfluss sei nicht unersättlich und lass dich beim Essen nicht gehen.[2]30 Denn durch die vielen Speisen wird man krank, und Unersättlichkeit wird zu Übelkeit führen.31 An Unersättlichkeit sind viele gestorben, wer aber achtgibt, wird das Leben verlängern.

Jesus Sirach 37

Lutherbibel 2017

von Deutsche Bibelgesellschaft
1 Jeder Freund sagt zwar: Ich bin auch dein Freund –; aber manche sind nur dem Namen nach Freunde.2 Bleibt nicht Gram bis zum Tod, wenn ein Gefährte und Freund einem zum Feind wird?3 Ach trauriger Gedanke: Woher kommt es, dass du in Hinterlist verstrickt bist und damit die Welt überziehst?4 Wenn’s dem Freund gut geht, freut sich sein Gefährte mit ihm; wenn’s ihm aber schlecht geht, wird er sich gegen ihn stellen. (Sir 6,8)5 Der Gefährte steht dem Freund bei, wenn es um den Bauch geht; aber wenn es Kampf gibt, versteckt er sich hinter dem Schild.6 Vergiss den Freund nicht in deinem Herzen, und erinnere dich seiner, wenn du reich wirst.7 Jeder Ratgeber bietet seinen Rat an, aber manche raten zu ihrem eignen Nutzen. (Sir 6,6)8 Darum hüte dich vor dem Ratgeber: Überlege zuvor, was ihm nützlich sein kann, denn er denkt vielleicht daran, zu seinem Vorteil zu raten; lass ihn nicht über dich bestimmen,9 damit er nicht sagt: Du bist auf dem rechten Weg –, selbst aber beiseitesteht und achtgibt, wie es dir ergeht.10 Berate dich nicht mit dem, der dich missgünstig betrachtet, und vor denen, die dich beneiden, verbirg deinen Plan.11 Berate dich nicht mit einer Frau über ihre Nebenbuhlerin oder mit einem Ängstlichen über den Krieg oder mit einem Kaufmann über die Ware oder mit einem Käufer über den Preis. Berate dich auch nicht mit einem Missgünstigen über Dankbarkeit oder mit einem Unbarmherzigen über Barmherzigkeit, mit einem Faulen über die Arbeit oder mit einem Tagelöhner über das Ende der Arbeit oder mit einem trägen Hausknecht über zu viel Arbeit. Solche Leute frag nicht um Rat,12 sondern halte dich stets an einen Gottesfürchtigen, von dem du weißt, dass er die Gebote hält, der wie du gesinnt ist und Mitleid mit dir hat, wenn du strauchelst. (Sir 9,14)13 Und bleibe bei dem, was dir dein Herz rät; denn du wirst keinen treueren Ratgeber finden.14 Denn mit seinem Herzen kann ein Mann mehr erkennen als sieben Wächter, die oben auf der Warte sitzen.15 Doch bei alledem rufe den Allerhöchsten an, dass er in Wahrheit deinen Weg ebne.16 Ehe du etwas anfängst, überleg dir’s zuvor; und ehe du etwas tust, geh mit dir zurate.17 Veränderung beginnt im Herzen,18 und vier Dinge erwachsen daraus: Gutes und Böses, Leben und Tod; und darüber regiert allezeit die Zunge. (Spr 18,21; Jak 3,5)19 Mancher ist zwar fähig, vielen andern zu raten, aber sich selbst kann er nicht helfen.20 Mancher möchte klug raten und wird doch gehasst; der wird alles verlieren.21 Denn er hat vom Herrn keine Gnade empfangen, weil keine Weisheit in ihm ist.22 Mancher ist weise nur für sich selbst und schafft mit seinem Rat für sich selbst Nutzen.23 Aber ein weiser Mann lehrt sein Volk und schafft mit seinem Rat bleibenden Nutzen.24 Ein weiser Mann wird sehr gelobt, und alle, die ihn sehen, preisen ihn.25 Jeder hat eine bestimmte Zeit zu leben; aber Israels Tage sind nicht zu zählen. (5Mo 11,21; Hi 14,5)26 Der Weise hat in seinem Volk großes Ansehen, und sein Name bleibt ewig.27 Mein Kind, prüfe, was für dich gesund ist, und meide, was schlecht ist.28 Denn nicht alles ist jedem nützlich, auch mag nicht jeder alles.29 Überfriss dich nicht beim Gastmahl und sei nicht gierig beim Essen.30 Denn zu viel Essen macht krank, und Unersättlichkeit führt zu Erbrechen. (Röm 13,13; Sir 31,20)31 An übermäßigem Essen sind viele gestorben; wer aber mäßig isst, lebt länger.