Jesus Sirach 34

Zürcher Bibel

von Theologischer Verlag Zürich
1 Ein unverständiger Mann hat leere und trügerische Hoffnungen, und Träume beflügeln die Uneinsichtigen.2 Wie einer, der nach einem Schatten greift und dem Wind nachläuft, so ist, wer seine Aufmerksamkeit auf Träume richtet.3 Das eine ist wie das andere, eine Schau von Träumen: vor dem Gesicht etwas wie ein Gesicht.4 Was kann von Unreinem für rein erklärt werden? Und was wird von einer Lüge wahr sein?5 Orakel und Deutungen des Vogelflugs und Träume sind nichtig, und das Herz bildet sich Dinge ein wie das Herz einer Frau, die in den Wehen liegt.6 Wenn es nicht vom Höchsten gesandt ist, weil er sich deiner annimmt, nimm es dir nicht zu Herzen.[1]7 Denn Träume haben viele in die Irre geführt, und die ihre Hoffnung auf sie gesetzt haben, sind zu Fall gekommen.8 Die Weisung wird ohne Täuschung zu ihrem Ziel gebracht werden, und für einen getreuen Mund ist die Weisheit Vollendung.9 Ein Mann, der herumgekommen ist, hat vieles erkannt, und wer grosse Erfahrung hat, wird von seinen Kenntnissen berichten.10 Wer nicht erprobt wurde, weiss wenig,11 aber wer herumgekommen ist, wird die Klugheit vermehren.12 Vieles habe ich gesehen, als ich herumkam, und umfassender als meine Worte ist meine Kenntnis.13 Oft war ich in Todesgefahr und wurde meiner Kenntnisse wegen gerettet.[2]14 Der Geist derer, die den Herrn fürchten, wird leben,15 denn ihre Hoffnung richtet sich auf den, der sie rettet.16 Wer den Herrn fürchtet, wird sich vor nichts scheuen müssen, und er muss sich nicht ängstigen, denn dieser ist seine Hoffnung.17 Wohl der Seele dessen, der den Herrn fürchtet.18 Auf wen richtet er seine Aufmerksamkeit? Und wer ist seine Stütze?19 Die Augen des Herrn ruhen auf denen, die ihn lieben. Ein mächtiger Schild und eine starke Stütze, ein Schutz vor dem heissen Ostwind und ein Schatten in der Mittagshitze, eine Bewahrung vor dem, woran man sich stösst, und eine Hilfe, dass man nicht untergeht:20 Er richtet die Seele auf und lässt die Augen leuchten, er schenkt dem Leben Heilung und Segen.21 Wer von unrechtem Gut opfert, bringt eine Gabe dar, an der ein Makel haftet,22 und Geschenke derer, die die Weisung missachten, finden kein Wohlgefallen.23 Der Höchste hat kein Gefallen an den Gaben von Gottlosen; auch bei einer Menge Opfer vergibt er die Sünden nicht.24 Einer, der einen Sohn in Gegenwart von dessen Vater opfert, ist der, der ein Opfer aus dem Vermögen von Bedürftigen darbringt.25 Brot von Bedürftigen ist das Leben der Armen; wer es raubt, ist ein Mensch der Bluttat.26 Den Nächsten ermordet, wer ihm nimmt, was er zum Leben braucht,27 und wer den Lohn des Tagelöhners raubt, vergiesst Blut.28 Einer baut auf, und einer reisst ein - was haben sie erreicht ausser Mühen?29 Einer betet, und einer flucht - wessen Stimme wird der Herrscher erhören?30 Wer sich nach der Berührung eines Toten wäscht und ihn danach wieder berührt - welchen Nutzen hatte er von seiner Waschung?31 So ist ein Mensch, der seiner Sünden wegen fastet und wiederum hingeht und dasselbe tut. Wer wird sein Gebet erhören? Und welchen Nutzen hatte er davon, sich erniedrigt zu haben?

Jesus Sirach 34

Lutherbibel 2017

von Deutsche Bibelgesellschaft
1 Unverständige betrügen sich selbst mit törichten Hoffnungen, und Narren verlassen sich auf Träume. (Jer 23,25)2 Wer sich auf Träume verlässt, der greift nach dem Schatten und will den Wind haschen. (Pred 1,14)3 Das eine ist wie das andere: Träume sind wie Bilder im Spiegel.4 Was unrein ist, wie kann das rein werden? Und was Lüge ist, wie kann das wahr werden?5 Weissagungen, Zeichendeutung und Träume sind nichts, und man sieht dabei Wahnbilder wie eine Frau in Wehen; (Jer 14,14)6 und wenn sie nicht durch Eingebung des Höchsten kommen, halte nichts davon. (4Mo 12,6; Hi 33,15)7 Denn Träume haben viele Menschen betrogen, und gescheitert sind, die darauf hofften.8 Das Gesetz erfüllt sich ohne Trugbilder, ebenso die Weisheit im Munde des Frommen.9 Wer viel herumgekommen ist, versteht viel, und wer viel erfahren hat, kann verständig erzählen.10 Wer nicht erfahren ist, versteht wenig; wer aber weit herumgekommen ist, ist voller Klugheit.11 Vieles habe ich gesehen auf meinen Reisen, und ich weiß mehr, als ich sagen kann.12 Oft bin ich in Todesgefahr gekommen und errettet worden um meiner Erfahrung willen. (2Kor 11,23)13 Die den Herrn fürchten, werden am Leben bleiben; denn ihre Hoffnung richtet sich auf den, der ihnen helfen kann.14 Wer den Herrn fürchtet, muss vor nichts erschrecken noch verzagen; denn er ist seine Zuversicht. (Ps 27,1; Ps 112,1; Ps 112,7)15 Wohl dem, der den Herrn fürchtet! Worauf verlässt er sich? Wer ist sein Halt?16 Die Augen des Herrn sehen auf die, die ihn lieben. Er ist ein gewaltiger Schild, eine starke Stütze, ein Schutz gegen die Hitze, ein Schatten am heißen Mittag, er bewahrt vor dem Straucheln, er hilft vor dem Fall; (Jes 4,5; Sir 15,19)17 er erhebt die Seele und macht das Angesicht fröhlich, gibt Gesundheit, Leben und Segen. (Ps 103,3)18 Wer von unrechtem Gut opfert, dessen Opfer ist eine Lästerung, und Gaben der Frevler sind nicht wohlgefällig. (1Sam 15,22; Spr 15,8)19 Die Gaben der Gottlosen gefallen dem Höchsten nicht, auch vergibt er Sünden nicht, wenn man viel opfert.20 Wer eine Opfergabe vom Besitz der Armen darbringt, ist wie einer, der den Sohn vor den Augen des Vaters opfert. (1Mo 22,1; 2Mak 7,1)21 Der Arme hat nichts zum Leben als ein wenig Brot; wer ihn darum bringt, ist ein Mörder. (2Sam 12,1)22 Wer seinem Nächsten die Nahrung nimmt, der tötet ihn. Wer dem Arbeiter seinen Lohn nicht gibt, der ist ein Bluthund. (3Mo 19,13; Jak 5,4; Tob 4,14)23 Der eine baut, und der andre reißt ein: Was haben sie anderes davon als Mühe?24 Der eine betet, und der andre flucht: Wessen Stimme wird der Herr erhören?25 Wer sich wäscht, wenn er einen Toten berührt hat, und berührt ihn wieder: Was hilft ihm sein Waschen? (4Mo 19,11)26 So ist der Mensch, der für seine Sünden fastet und immer wieder sündigt: Wer wird sein Gebet erhören, und was hilft ihm, dass er sich erniedrigt hat? (Jes 58,3)