1Jesus ging zum Ölberg zurück,2doch schon früh am Morgen war er wieder im Tempel. Bald hatte sich eine Menschenmenge um ihn versammelt, und er setzte sich und unterwies sie. (Mt 26,55)3Während er sprach, brachten die Gesetzeslehrer und Pharisäer eine Frau herein, die sie beim Ehebruch ertappt hatten. Sie stellten sie in die Mitte.4»Meister«, sagten sie zu Jesus, »diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ertappt worden.5Nach dem Gesetz Moses muss sie gesteinigt werden. Was sagst du dazu?« (3Mo 20,10; 5Mo 22,22; Hi 31,11)6Damit wollten sie ihn zu einer Aussage verleiten, die sie gegen ihn verwenden konnten. Doch Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger in den Staub. (Mt 22,15)7Aber sie ließen nicht locker und verlangten eine Antwort. Schließlich richtete er sich auf und sagte: »Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein auf sie werfen!« (5Mo 17,7)8Damit bückte er sich wieder und schrieb weiter in den Staub.9Als die Ankläger das hörten, machten sie sich einer nach dem anderen davon, die Ältesten zuerst. Schließlich war Jesus allein mit der Frau, die noch immer an der gleichen Stelle in der Mitte stand.10Da richtete Jesus sich wieder auf und sagte zu ihr: »Wo sind sie? Hat dich keiner von ihnen verurteilt?«11»Niemand, Herr«, antwortete sie. »Dann verurteile ich dich auch nicht«, erklärte Jesus. »Geh und sündige nicht mehr.« (Joh 5,14)
Jesus, das Licht der Welt
12Jesus sagte zu den Leuten: »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, braucht nicht im Dunkeln umherzuirren, denn er wird das Licht haben, das zum Leben führt.« (Jes 8,23; Joh 1,4; Joh 3,19; Joh 9,5; Joh 12,35; 2Kor 4,6)13Die Pharisäer erwiderten: »Du bist dein eigener Zeuge. Deine Worte sind nicht glaubwürdig!«14Jesus antwortete: »Was ich über mich gesagt habe, ist wahr, auch wenn ich damit für mich selbst spreche. Denn ich weiß, wo ich herkomme und wo ich hingehe, während ihr das nicht von mir wisst. (Joh 7,28; Joh 9,29)15Ihr verurteilt mich nach menschlichen Maßstäben, ich dagegen verurteile niemanden.16Wenn ich euch aber verurteilen würde, wäre mein Urteil wahr, denn ich handle nicht allein – der Vater, der mich gesandt hat, ist mit mir. (Joh 5,30)17Euer eigenes Gesetz sagt: Wenn zwei Personen etwas übereinstimmend bezeugen, gilt ihre Aussage als Tatsache.[1] (5Mo 17,6; 5Mo 19,15; Joh 5,37; 1Joh 5,7)18Ich bin der eine Zeuge, und mein Vater, der mich gesandt hat, ist der andere.«19»Wo ist denn dein Vater?«, fragten sie. Jesus antwortete: »Da ihr nicht wisst, wer ich bin, wisst ihr auch nicht, wer mein Vater ist. Würdet ihr mich kennen, dann würdet ihr auch meinen Vater kennen.« (Joh 14,7)20Dies sagte er, als er in dem Bereich des Tempels lehrte, der als Schatzkammer bezeichnet wird. Aber er wurde nicht verhaftet, weil seine Zeit noch nicht gekommen war. (Mk 12,41; Joh 7,30)
Warnung an die Ungläubigen
21Jesus sagte noch einmal: »Ich werde fortgehen. Ihr werdet mich suchen und in eurer Sünde sterben. Ihr könnt nicht dorthin kommen, wo ich hingehe.« (Joh 7,34; Joh 13,33)22Da fragten sich die Juden: »Will er etwa Selbstmord begehen? Was meint er mit den Worten: ›Ihr könnt nicht dorthin kommen, wo ich hingehe‹?« (Joh 7,35)23Er antwortete ihnen: »Ihr seid von unten; ich bin von oben. Ihr seid von dieser Welt; ich bin nicht von dieser Welt. (Joh 3,31; Joh 17,14)24Deshalb habe ich gesagt, dass ihr in eurer Sünde sterben werdet: Weil ihr nicht an mich als den glaubt, der ich bin, werdet ihr in eurer Sünde sterben.« (2Mo 3,14; Joh 4,26; Joh 8,28; Joh 13,19)25»Wer bist du denn?«, fragten sie. Jesus erwiderte: »Ich bin der, als der ich mich immer bezeichnet habe.[2]26Ich hätte noch vieles über euch zu sagen und vieles zu verurteilen. Aber ich sage der Welt nur das, was ich von dem gehört habe, der mich gesandt hat, und er sagt die Wahrheit.« (Joh 3,32; Joh 12,49)27Doch sie begriffen noch immer nicht, dass er mit ihnen über seinen Vater sprach.28Also sagte Jesus: »Wenn ihr den Menschensohn am Kreuz erhöht habt, werdet ihr erkennen, dass ich es bin und dass ich nichts von mir selbst aus tue, sondern das sage, was der Vater mich gelehrt hat. (Joh 3,14; Joh 5,19; Joh 8,24; Joh 12,32)29Der, der mich gesandt hat, ist mit mir – er hat mich nicht verlassen. Denn ich tue immer, was ihm gefällt.« (Joh 4,34; Joh 6,38; Joh 8,16; Joh 14,10; Joh 16,32)30Als er das alles gesagt hatte, glaubten viele an ihn. (Joh 7,31)
Jesus und Abraham
31Jesus sagte zu den Menschen[3], die nun an ihn glaubten: »Wenn ihr euch nach meinen Worten richtet, seid ihr wirklich meine Jünger. (Joh 15,7; 2Joh 1,9)32Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.« (Röm 8,2; 2Kor 3,17; Gal 5,1)33»Aber wir sind doch Nachkommen Abrahams«, sagten sie. »Wir sind nie Sklaven von irgendjemand gewesen. Warum redest du dann von ›frei machen‹? Was meinst du damit?« (Mt 3,9; Lk 3,8)34Jesus erwiderte: »Ich versichere euch: Jeder, der sündigt, ist ein Sklave der Sünde. (Röm 6,16; 2Petr 2,19)35Ein Sklave ist kein Familienmitglied; ein Sohn dagegen gehört für immer zur Familie. (1Mo 21,10; Gal 4,30)36Nur dann, wenn der Sohn euch frei macht, seid ihr wirklich frei.37Ich weiß, dass ihr Nachkommen Abrahams seid. Und trotzdem wollt ihr mich töten, weil meine Botschaft in euren Herzen keinen Platz hat.38Ich erzähle euch von dem, was ich bei meinem Vater gesehen habe. So folgt auch ihr dem Rat eures Vaters und tut, was ihr gehört habt.«39»Unser Vater ist Abraham«, erklärten sie. »Nein«, erwiderte Jesus, »denn wenn ihr Kinder Abrahams wärt, würdet ihr nach seinem Vorbild handeln.[4] (Mt 3,9; Joh 8,33; Gal 3,7)40Ich habe euch die Wahrheit gesagt, die ich von Gott gehört habe, aber ihr versucht, mich zu töten. So etwas hätte Abraham nie getan.41Nein, wenn ihr so handelt, gehorcht ihr eurem wirklichen Vater.« Sie entgegneten: »Wir jedenfalls sind nicht unehelich geboren! Unser einziger Vater ist Gott.« (5Mo 32,6; Jes 63,16; Jes 64,8; Mal 1,6)42Jesus sagte zu ihnen: »Wenn Gott euer Vater wäre, würdet ihr mich lieben, weil ich von Gott zu euch gekommen bin. Ich bin nicht hier, weil ich es selbst so wollte, sondern er hat mich gesandt. (1Joh 5,1)43Warum versteht ihr nicht, was ich sage? Weil ihr gar nicht fähig seid, mein Wort zu hören.44Ihr habt den Teufel zum Vater: Ihr tut mit Vorliebe die bösen Dinge, die er tut. Er war von Anbeginn an ein Mörder und hat die Wahrheit immer gehasst. In ihm ist keine Wahrheit. Wenn er lügt, entspricht das seinem Wesen, denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. (1Mo 3,4; 1Mo 4,9; 1Joh 3,8)45Wenn ich euch also die Wahrheit sage, ist es nur natürlich, dass ihr mir nicht glaubt! (Joh 18,37)46Wer von euch kann mir zu Recht eine Sünde vorwerfen? Und wenn ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir dann nicht?47Wer Gott zum Vater hat, der hört Gottes Worte. Dass ihr nicht darauf hört, zeigt, dass ihr nicht Gottes Kinder seid.« (1Joh 4,6)48Die Leute entgegneten: »Du samaritanischer Teufel! Haben wir nicht immer gesagt, dass du von einem Dämon besessen bist?«49»Nein«, sagte Jesus, »ich habe keinen Dämon in mir. Ich gebe meinem Vater die Ehre – ihr aber beleidigt mich.50Ich will mir nicht selbst die Ehre geben, mein Vater will das tun. Er wird der Richter sein. (Joh 5,41)51Ich versichere euch: Wenn jemand meinem Wort gehorcht, wird er niemals sterben!« (Joh 5,24; Joh 11,25)52Die Leute sagten: »Jetzt wissen wir, dass du von einem Dämon besessen bist. Sogar Abraham und die Propheten sind gestorben, und da behauptest du, wer deinem Wort gehorcht, werde niemals sterben!53Bist du vielleicht größer als unser Vater Abraham, der doch gestorben ist? Bist du etwa größer als die Propheten, die gestorben sind? Für wen hältst du dich?« (Joh 4,12)54Jesus antwortete: »Wenn ich mich nur selbst rühme, ist das ohne Bedeutung. Doch es ist mein Vater, der mich ehrt. Ihr behauptet: ›Er ist unser Gott‹, (Joh 16,14; Joh 17,5)55aber ihr kennt ihn ja nicht einmal. Ich dagegen kenne ihn. Wenn ich etwas anderes behaupten würde, dann wäre ich ein ebensolcher Lügner wie ihr! Aber es ist wahr – ich kenne ihn und gehorche ihm. (Joh 7,28; Joh 15,10)56Euer Vater Abraham freute sich auf mein Kommen. Er sah es voraus und war froh.« (1Mo 18,18; 1Mo 22,17; Mt 13,17; Hebr 11,13)57Die Leute erwiderten: »Du bist nicht einmal fünfzig Jahre alt. Wie kannst du behaupten, du hättest Abraham gesehen?«[5]58Jesus antwortete: »Ich versichere euch: Ich war schon da, bevor Abraham auch nur geboren wurde!«[6] (2Mo 3,14; Jes 43,10; Joh 1,1)59Da hoben sie Steine auf, um ihn zu töten. Aber Jesus floh vor ihnen und verließ den Tempel.
Jesus und die Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde: Freispruch statt Verurteilung
1Jesus aber ging zum Ölberg.2Früh am Morgen war Jesus wieder im Tempel. Das ganze Volk versammelte sich um ihn, und er setzte sich und begann zu lehren.3Da kamen die Schriftgelehrten und die Pharisäer mit einer Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte, sodass jeder sie sehen konnte.4Dann wandten sie sich an Jesus. »Meister«, sagten sie, »diese Frau ist eine Ehebrecherin; sie ist auf frischer Tat ertappt worden.5Mose hat uns im Gesetz befohlen, solche Frauen zu steinigen.[1] Was sagst du dazu?« (3Mo 20,10; 5Mo 22,22)6Mit dieser Frage wollten sie Jesus eine Falle stellen, um dann Anklage gegen ihn erheben zu können. Aber Jesus beugte sich vor und schrieb mit dem Finger auf die Erde.7Als sie jedoch darauf bestanden, auf ihre Frage eine Antwort zu bekommen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: »Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein auf sie werfen.«8Dann beugte er sich wieder vor und schrieb auf die Erde.9Von seinen Worten getroffen[2], verließ einer nach dem anderen den Platz; die ältesten unter ihnen gingen als Erste. Zuletzt war Jesus allein mit der Frau, die immer noch da stand, wo ihre Ankläger sie hingestellt hatten[3].10Er richtete sich auf. »Wo[4] sind sie geblieben?«, fragte er die Frau. »Hat dich keiner verurteilt?« –11»Nein, Herr, keiner«, antwortete sie. Da sagte Jesus: »Ich verurteile dich auch nicht; du darfst gehen. Sündige von jetzt an nicht mehr!«
Jesus Christus – das Licht der Welt
12Ein anderes Mal, als Jesus[5] zu den Leuten sprach, sagte er: »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht mehr in der Finsternis umherirren, sondern wird das Licht des Lebens haben.«13Da sagten die Pharisäer zu ihm: »Du redest als Zeuge in eigener Sache. Was du sagst, ist nicht glaubwürdig[6].«14Jesus erwiderte: »Auch wenn ich als Zeuge in eigener Sache rede, ist das, was ich sage, wahr. Denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. Ihr aber wisst weder, woher ich komme, noch, wohin ich gehe.15Ihr urteilt nach menschlichen Maßstäben[7]; ich urteile über niemand.16Wenn ich aber doch ein Urteil ausspreche, dann ist mein Urteil richtig[8]. Denn ich handle nicht allein, sondern ´in Übereinstimmung` mit dem, der mich gesandt hat, dem Vater.17In eurem Gesetz heißt es: Wenn zwei Zeugen in ihrer Aussage übereinstimmen, ist das, was sie sagen, glaubwürdig.[9] (4Mo 35,30; 5Mo 17,6; 5Mo 19,15)18´So ist es auch hier:` Ich bin mein eigener Zeuge, und mein Vater, der mich gesandt hat, ist ebenfalls mein Zeuge.« –19»Wo ist denn dein Vater?«, fragten sie. Jesus entgegnete: »Ihr kennt weder mich noch meinen Vater. Würdet ihr mich kennen, dann würdet ihr auch meinen Vater kennen.«20Jesus lehrte im Tempel in der Nähe des Kastens für die Geldopfer[10], als er diese Dinge sagte. Aber niemand nahm ihn fest; seine Zeit war noch nicht gekommen.
Woher Jesus kommt und wohin er geht
21Jesus wandte sich von neuem an seine Zuhörer. »Ich werde fortgehen«, sagte er. »Ihr werdet mich suchen, aber da, wo ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen; ihr werdet in eurer Sünde sterben.«22»Will er sich etwa das Leben nehmen?«, fragten sich die Juden. »Vielleicht sagt er deshalb: ›Da, wo ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen.‹«23Doch Jesus fuhr fort: »Ihr seid von ´hier` unten, ich bin von oben. Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt.24Darum habe ich zu euch gesagt, dass ihr in euren Sünden sterben werdet. Glaubt an mich als den, der ich bin; wenn nicht, werdet ihr in euren Sünden sterben.« –25»Wer bist du denn?«, fragten sie. Jesus antwortete: »Darüber habe ich doch von Anfang an zu euch gesprochen.[11]26Was euch betrifft, hätte ich noch viel zu sagen, und es gäbe noch vieles, worin ich über euch zu urteilen hätte. Aber ich sage der Welt nur das, was ich von dem gehört habe, der mich gesandt hat; und was er sagt, ist wahr[12].«27Sie begriffen nicht, dass Jesus über den Vater sprach.28Deshalb sagte er zu ihnen: »Dann, wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, werdet ihr mich als den erkennen, der ich bin, und werdet erkennen, dass ich nichts von mir selbst aus tue, sondern das sage, was mich der Vater gelehrt hat.29Und er, der mich gesandt hat, ist bei mir. Er lässt mich nie allein, denn ich tue immer, was ihm gefällt.«30Als Jesus das sagte, glaubten viele an ihn.
Wirklich frei – nur durch Jesus
31Zu den Juden, die nun an ihn glaubten, sagte Jesus: »Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger,32und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.«33»Wir sind Nachkommen Abrahams«, entgegneten sie, »wir haben nie jemand als Sklaven gedient. Wie kannst du da sagen: ›Ihr müsst frei werden‹?«34Jesus antwortete: »Ich sage euch: Jeder, der sündigt, ist ein Sklave der Sünde.35Ein Sklave gehört nur vorübergehend zur Familie[13], ein Sohn dagegen für immer.36Nur wenn der Sohn euch frei macht, seid ihr wirklich frei.«
Kinder Abrahams oder Kinder des Teufels?
37»Ich weiß, dass ihr Nachkommen Abrahams seid. Und trotzdem trachtet ihr mir nach dem Leben. Das kommt daher, dass ihr euch meinem Wort gegenüber verschließt.38Ich rede von dem, was ich beim Vater gesehen habe. Und auch ihr habt einen Vater, auf dessen Anweisungen ihr hört.«39»Unser Vater ist Abraham«, erwiderten sie. Jesus entgegnete: »Wenn ihr wirklich Kinder von Abraham wärt, würdet ihr auch so handeln[14] wie Abraham.40Stattdessen wollt ihr mich töten – mich, der ich euch die Wahrheit sage, wie ich sie von Gott gehört habe. So etwas hätte Abraham nie getan.41Ihr handelt eben genau wie euer ´wirklicher` Vater.« »Wir sind doch keine unehelichen Kinder[15]!«, protestierten sie. »Wir haben nur einen Vater, und das ist Gott.«42Jesus erwiderte: »Wenn Gott euer Vater wäre, würdet ihr mich lieben. Denn von Gott bin ich zu euch gekommen, nicht im eigenen Auftrag; Gott ist es, der mich gesandt hat.43´Aber ich kann euch sagen,` warum mein Reden für euch so unverständlich ist und wie es kommt, dass ihr gar nicht fähig seid[16], auf mein Wort zu hören:44Ihr stammt vom Teufel; der ist euer Vater. Und was euer Vater wünscht, das führt ihr bereitwillig aus.[17] Er war von Anfang an ein Mörder und stand nie auf dem Boden[18] der Wahrheit, weil es in ihm keine Wahrheit gibt. Wenn er lügt, redet er so, wie es seinem ureigensten Wesen entspricht; denn er ist ein Lügner, ja er ist der Vater der Lüge.45Ich aber sage die Wahrheit, und gerade das ist der Grund, weshalb ihr mir nicht glaubt.46Wer von euch kann behaupten, ich hätte je eine Sünde begangen[19]? Wenn ich aber die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir dann nicht?47Wer von Gott stammt, hört auf das, was Gott sagt. Ihr hört deshalb nicht darauf, weil ihr nicht von Gott stammt.«
Jesus Christus – größer als Abraham
48»Haben wir nicht Recht?«, riefen da die Juden. »Du bist ein Samaritaner und bist von einem Dämon besessen[20], genau wie wir es gesagt haben.« –49»Nein«, entgegnete Jesus, »ich bin nicht von einem Dämon besessen; ich ehre meinen Vater. Ihr aber tretet meine Ehre mit Füßen.50Doch ich brauche sie nicht zu verteidigen.[21] Es ist einer da, der das tut, und er ist auch der Richter.51Eins aber versichere ich euch: Wenn jemand sich nach meinem Wort richtet, wird er niemals sterben[22].«52»Jetzt sind wir sicher, dass du von einem Dämon besessen bist!«, triumphierten die Juden. »Abraham ist gestorben, die Propheten sind gestorben, und du behauptest, wenn einer sich nach deinem Wort richte, werde er niemals sterben[23].53Bist du etwa mehr als unser Vater Abraham und die Propheten, die alle gestorben sind? Für wen hältst du dich eigentlich?«54Jesus erwiderte: »Wenn ich mir selbst eine solche Ehre anmaßen würde, wäre sie nichts wert. Aber nun ist es mein Vater, der mich ehrt – er, von dem ihr sagt, er sei euer Gott.55Und dabei habt ihr ihn nie gekannt; ich dagegen kenne ihn. Würde ich behaupten, ihn nicht zu kennen, dann wäre ich ein Lügner wie ihr. Aber ich kenne ihn und richte mich nach seinem Wort.56Abraham, euer Vater, sah dem Tag meines Kommens mit jubelnder Freude entgegen.[24] Und er hat ihn erlebt und hat sich darüber gefreut.[25]«57Die Juden entgegneten: »Du bist noch keine fünfzig Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?«58Jesus gab ihnen zur Antwort: »Ich versichere euch: Bevor Abraham geboren wurde, bin ich.«59Da hoben sie Steine auf, um ihn zu steinigen. Aber Jesus konnte sich vor ihnen in Sicherheit bringen[26] und verließ den Tempel.
1Aber Jesus ging wieder zum Ölberg.2Am nächsten Morgen war er wieder früh im Tempelhof. Das ganze Volk kam zu ihm. Da setzte er sich hin und fing an, sie zu unterrichten.3Mitten dort hinein zerrten die Theologen und die Pharisäer eine Frau, die sie gerade beim Ehebruch ertappt hatten. Sie stellten sie in die Mitte4und sagten zu Jesus: »Lehrer! Diese Frau ist soeben beim Ehebruch erwischt worden.5Mose hat uns im Gesetzbuch das Gebot gegeben, solche Frauen durch die Steinigung zu töten. Und du, was sagst du dazu?«6Das sagten sie, um Jesus in eine Falle zu locken. Denn sie wollten einen Grund finden, um ihn anklagen zu können. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb etwas mit dem Finger auf die Erde.7Doch sie stürmten weiter mit ihren Fragen auf ihn ein. Da sagte Jesus zu ihnen: »Der von euch, der noch nie etwas Falsches getan hat, etwas, das gegen Gottes Gesetz ist, der soll als Erster einen Stein auf sie werfen!«8Dann bückte er sich wieder und schrieb etwas auf den Boden.9Als sie das gehört hatten, gingen sie einer nach dem anderen fort. Dabei entfernten sich die Ältesten zuerst. So blieb die Frau schließlich allein in der Mitte übrig.10Da richtete Jesus sich wieder auf und sagte zu ihr: »Frau, wo sind sie alle? Hat keiner das Urteil an dir vollstreckt?«11Sie antwortete: »Keiner, Herr!« Da sagte Jesus zu ihr: »So verurteile ich dich auch nicht. Geh nach Hause und lebe von nun an nicht mehr gegen Gottes Willen!«
Das Licht der Welt
12Nach dieser Unterbrechung begann Jesus wieder zu ihnen zu sprechen. Er sagte: »Ich selbst bin das Licht der Welt. Jeder, der mir folgt, wird nicht in der Dunkelheit herumirren. Nein, er wird das Licht des Lebens haben!«13Da sagten die Pharisäer zu ihm: »Du behauptest dies von dir selbst. Aber deine Aussage entspricht nicht der Wahrheit!«14Da antwortete Jesus: »Auch wenn ich über mich selbst rede, dann entspricht meine Aussage doch der Wahrheit. Denn ich weiß, von woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. Ihr aber wisst nicht, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe.15Ihr fällt eure Urteile aufgrund von menschlichen Überlegungen. Aber ich fälle über niemanden das letzte Urteil.16Und selbst wenn ich Urteile fälle, dann entspricht mein Urteil der Wahrheit. Denn ich bin ja nicht allein. Bei mir habt ihr es immer mit mir und gleichzeitig mit dem Vater zu tun.17In eurem Gesetzbuch steht doch, dass die Aussagen von zwei Personen Anspruch auf Wahrheit haben.18Hier ist es so: Ich mache über mich selbst verbindliche Aussagen und genau dasselbe tut der Vater, der mich beauftragt hat.«19Da fragten sie: »Wo ist denn dein Vater?« Jesus antwortete: »Ihr kennt weder mich noch meinen Vater! Wenn ihr erkennen würdet, wer ich bin, dann würdet ihr auch meinen Vater kennen.«20Diese Aussagen machte Jesus, als er auf dem Tempelgelände lehrte, und zwar im Gebäude, wo die Tempelschätze aufbewahrt wurden. Auch dort nahm ihn keiner fest, weil der Zeitpunkt, den Gott für ihn festgesetzt hatte, noch nicht gekommen war.
Wer ist Jesus?
21Und wieder ergriff Jesus das Wort: »Ich gehe fort und ihr werdet mich suchen. Aber ihr seid durch eure Sünden dem Tod verfallen. Darum könnt ihr nicht zu dem Ort kommen, zu dem ich unterwegs bin!«22Da sagten die Juden: »Er will sich doch wohl nicht umbringen? Oder was bedeutet seine Aussage: ›Ihr könnt nicht dorthin gelangen, wo ich hingehe.‹?«23Jesus sagte zu ihnen: »Ihr habt euren Ursprung in dieser Wirklichkeit. Aber ich komme von oben her, aus der Wirklichkeit Gottes. Ihr stammt aus dieser Welt, aber ich stamme nicht aus dieser Welt.24Ich habe euch doch gesagt, dass ihr in euren Sünden sterben werdet. Ja, es ist so: Wenn ihr nicht daran glaubt, dass ich selbst es bin, dann seid ihr dem Tod verfallen, weil ihr in euren Sünden gefangen seid.«25Da fragten sie ihn: »Wer bist du denn?« Jesus sagte ihnen: »Ich bin, was ich euch von Anfang an gesagt habe.26Aber ich habe euch noch viel mehr mitzuteilen und verbindlich zu erklären. Doch vor allem steht das fest: Der, der mich beauftragt hat, ist durch und durch wahrhaftig. Und ich spreche genau das in die Welt hinein, was ich von ihm gehört habe.«27Doch sie verstanden nicht, dass er mit ihnen von Gott, seinem Vater, sprach.28Jesus sagte daraufhin: »Wenn ihr den von Gott eingesetzten Weltenrichter, den Menschensohn, mit eigenen Augen sehen werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es wirklich bin. Aus mir selbst heraus tue ich nichts, sondern ich spreche nur aus, was mir der Vater anvertraut hat.29Und er, der mich beauftragt hat, ist bei mir. Er hat mich nicht alleingelassen, weil ich immer das tue, was ihm gefällt.«30Als Jesus dies sagte, vertrauten viele Menschen ihm ganz.
Echte Freiheit
31Daraufhin sagte Jesus zu den Leuten aus Judäa, die um ihn herumstanden: »Wenn ihr euch ganz von meinen Worten prägen lasst, dann seid ihr wirklich meine Schüler.32Auf diese Weise werdet ihr die Wahrheit erkennen. Und die Wahrheit wird euch echte Freiheit schenken.«33Da antworteten sie ihm: »Wir sind die leiblichen Nachfahren von Abraham! Wir sind noch nie von irgendjemandem abhängig gewesen. Was soll dann deine Aussage: ›Ihr werdet frei sein.‹?«34Jesus gab ihnen zur Antwort: »Ich sage euch ganz klipp und klar: Jeder, der gegen Gottes Willen handelt, wird von diesem Unrecht versklavt.35Bei einem Sklaven ist es so: Er bleibt nicht für immer in dem Haushalt, in dem er arbeitet. Der eigene Sohn jedoch bleibt für immer in seinem Vaterhaus.36Wenn euch also der Sohn in die Freiheit führt, dann seid ihr wirklich freie Menschen!37Ich weiß, dass ihr die leiblichen Nachkommen von Abraham seid. Und doch versucht ihr, mich umzubringen. Denn das, was ich sage, findet keinen Raum in euch.38Doch ich spreche nur aus, was ich in der Wirklichkeit des Vaters gesehen habe. Aber ihr tut, was ihr von eurem Vater gehört habt!«39Da antworteten sie ihm: »Unser Vater ist kein anderer als Abraham!« Aber Jesus erwiderte: »Wenn ihr die Kinder von Abraham wärt, würdet ihr auch dem Vorbild von Abraham folgen.40Jetzt aber versucht ihr, mich zu töten, mich, einen Menschen, der ich euch die Wahrheit nahegebracht habe, die Wahrheit, die ich von Gott vernommen habe. Abraham hat so etwas nicht getan!41Aber ihr tut nichts anderes, als die Handlungen eures Vaters auszuführen!« Sie erwiderten: »Wir sind doch keine unehelichen Kinder! Wir haben einen einzigen Vater, und das ist Gott!«42Da sagte Jesus zu ihnen: »Wenn Gott wirklich euer Vater wäre, dann hättet ihr mich auch voll Liebe empfangen! Denn ich bin aus der Wirklichkeit Gottes hervorgegangen und in die Welt gekommen. Und das nicht aus meinem eigenen Willen, sondern er ist es, der mich beauftragt und gesandt hat.43Warum versteht ihr nicht, was ich euch sage? Der Grund ist, dass ihr das nicht hören könnt, was ich sage.44Euer wahrer Vater ist der Teufel, der Zerstörer! Und ihr? Ihr seid genau wie euer Vater! Das zeigt sich daran: Ihr habt euch seine Ziele und Leidenschaften zu eigen gemacht. Schon von Anfang an war er ein Menschenmörder! Er hat die Wahrheit verlassen, weil in ihm keine Wahrheit zu finden ist. Wenn er etwas sagt, dann ist es Lüge, die aus seinem Inneren hervorkommt, denn er ist seinem Wesen nach ein Lügner und der Ursprung aller Falschheit.45Mir aber glaubt ihr nicht, genau deshalb, weil ich die Wahrheit sage.46Wer von euch kann mir eine einzige Verfehlung gegen Gottes Gesetz nachweisen? Wenn ich aber die Wahrheit sage, warum vertraut ihr mir dann nicht?47Der, der seine Existenz ganz aus Gott bezieht, der kann auch die lebendigen Worte Gottes vernehmen. Doch ihr hört sie nicht, weil ihr euer Sein nicht aus Gott bezieht.«
Ich bin, der ich bin
48Da sagten die Judäer zu ihm: »Also haben wir doch recht, dass du nichts anderes als ein ungläubiger Samaritaner bist und einen Dämon in dir trägst!«49Da antwortete Jesus: »Ich bin von keinem Dämon bestimmt. Sondern mein Leben macht meinem Vater Ehre. Aber ihr weigert euch, mir Ehre zu erweisen.50Doch ich suche nicht meine eigene Ehre. Letztlich ist es Gott selbst, der dieses Ziel hat und der alles beurteilt.51Feierlich versichere ich euch: Wenn jemand meine Aussagen in sich bewahrt und in die Tat umsetzt, der wird den Tod bis in alle Ewigkeit nicht zu Gesicht bekommen.«52Da sagten die Anführer der Judäer: »Jetzt wissen wir ganz sicher, dass du von einem Dämon bestimmt bist! Denn Abraham ist längst gestorben, sowie auch sämtliche Propheten. Aber du sagst: Wenn jemand meine Worte genau beachtet, der wird in alle Ewigkeit nicht mit dem Tod in Berührung kommen!53Meinst du etwa, du wärst bedeutender als unser Stammvater Abraham? Der ist dann doch gestorben, genauso wie die Propheten. Zu wem machst du dich hier eigentlich?«54Jesus erwiderte: »Wenn ich mich selbst in den Mittelpunkt stellen würde, dann wäre das nichts wert. Aber es ist der Vater, der mir Ehre verleiht. Das ist der, von dem ihr sagt: ›Das ist unser Gott!‹55Aber in Wirklichkeit kennt ihr ihn überhaupt nicht richtig. Doch ich kenne ihn! Wenn ich sagen würde, dass ich ihn nicht kenne, dann wäre ich ein Lügner genauso wie ihr. Nun aber ist es so: Ich kenne ihn und beachte sein Wort ganz genau.56Euer Vater Abraham war überglücklich, als er von Gott erfuhr, dass er den Tag meines Kommens sehen sollte. Und es war so: Er konnte ihn sehen und wurde von Freude erfüllt.«57Da sagten die Judäer zu ihm: »Du bist ja noch nicht einmal fünfzig Jahre alt und hast Abraham zu Gesicht bekommen?«58Jesus antwortete ihnen: »Ich versichere euch: Schon bevor Abraham geboren wurde, bin ich!«59Da hoben sie Steine auf, um ihn zu steinigen. Aber Jesus verließ unbemerkt das Tempelgelände.