2.Könige 4

Lutherbibel 2017

von Deutsche Bibelgesellschaft
1 Und es schrie eine Frau unter den Frauen der Prophetenjünger zu Elisa und sprach: Dein Knecht, mein Mann, ist gestorben; und du weißt ja, dass dein Knecht den HERRN fürchtete. Nun kommt der Schuldherr und will meine beiden Kinder nehmen zu leibeigenen Knechten. (3Mo 25,39; Am 2,6; Mi 2,9)2 Elisa sprach zu ihr: Was soll ich dir tun? Sage mir, was hast du im Hause? Sie sprach: Deine Magd hat nichts im Hause als einen Krug Öl. (1Kön 17,12)3 Er sprach: Geh hin und erbitte draußen von allen deinen Nachbarinnen leere Gefäße, aber nicht zu wenig,4 und geh ins Haus und schließ die Tür zu hinter dir und deinen Söhnen und gieß in alle Gefäße; und wenn du sie gefüllt hast, so stelle sie beiseite.5 Sie ging hin und schloss die Tür zu hinter sich und ihren Söhnen; diese brachten ihr die Gefäße herbei, und sie goss ein.6 Und als die Gefäße voll waren, sprach sie zu ihrem Sohn: Reiche mir noch ein Gefäß her! Er sprach zu ihr: Es ist kein Gefäß mehr hier. Da stand das Öl.7 Und sie kam und sagte es dem Mann Gottes an. Er sprach: Geh hin, verkaufe das Öl und bezahle deine Schulden; du aber und deine Söhne, nährt euch von dem Übrigen.8 Und es begab sich eines Tages, dass Elisa nach Schunem ging. Dort war eine reiche Frau; die nötigte ihn, dass er bei ihr aß. Und sooft er dort durchkam, kehrte er bei ihr ein und aß bei ihr.9 Und sie sprach zu ihrem Mann: Siehe, ich weiß, dass dies ein heiliger Mann Gottes ist, der immer hier durchkommt.10 Lass uns ihm eine kleine gemauerte Kammer oben machen und Bett, Tisch, Stuhl und Leuchter hinstellen, damit er dort einkehren kann, wenn er zu uns kommt.11 Und es begab sich eines Tages, dass Elisa dort einkehrte und sich oben in die Kammer legte und darin schlief.12 Danach sprach er zu seinem Diener Gehasi: Ruf die Schunemiterin! Und als Gehasi sie rief, trat sie vor ihn.13 Elisa aber sprach zu Gehasi: Sage ihr: Siehe, du hast uns all diesen Dienst getan; was soll ich dir tun? Brauchst du Fürsprache beim König oder beim Feldhauptmann? Sie sprach: Ich wohne unter meinen Leuten.14 Elisa sprach: Was soll ich ihr dann tun? Gehasi sprach: Ach, sie hat keinen Sohn, und ihr Mann ist alt.15 Er sprach: Ruf sie her! Und als er sie rief, trat sie in die Tür.16 Und er sprach: Um diese Zeit übers Jahr sollst du einen Sohn herzen. Sie sprach: Ach nicht, mein Herr, du Mann Gottes! Täusche deine Magd nicht! (1Mo 18,10; 1Mo 18,14)17 Und die Frau ward schwanger und gebar einen Sohn um dieselbe Zeit übers Jahr, wie ihr Elisa zugesagt hatte.18 Als aber das Kind groß wurde, begab es sich, dass es hinaus zu seinem Vater zu den Schnittern ging19 und sprach zu seinem Vater: O mein Kopf, mein Kopf! Er sprach zu einem Knecht: Bringe ihn zu seiner Mutter!20 Und der nahm ihn und brachte ihn hinein zu seiner Mutter. Und er saß auf ihrem Schoß bis zum Mittag, da starb er. (1Kön 17,17)21 Und sie ging hinauf und legte ihn aufs Bett des Mannes Gottes, schloss hinter ihm zu und ging hinaus22 und rief ihren Mann und sprach: Schicke mir einen der Knechte und eine Eselin; ich will eilends zu dem Mann Gottes und bald zurückkommen.23 Er sprach: Warum willst du zu ihm? Ist doch heute weder Neumond noch Sabbat. Sie sprach: Es ist gut!24 Und sie sattelte die Eselin und sprach zu ihrem Knecht: Treib an und halte mich nicht auf beim Reiten, bis ich dir’s sage!25 So zog sie hin und kam zu dem Mann Gottes auf den Berg Karmel. Als aber der Mann Gottes sie kommen sah, sprach er zu seinem Diener Gehasi: Siehe, die Schunemiterin ist da!26 So lauf ihr nun entgegen und frage sie, ob es ihr, ihrem Mann und ihrem Sohn gut gehe. Sie sprach: Gut!27 Als sie aber zu dem Mann Gottes auf den Berg kam, umfing sie seine Füße; Gehasi aber trat herzu, um sie wegzustoßen. Aber der Mann Gottes sprach: Lass sie, denn ihre Seele ist betrübt, und der HERR hat mir’s verborgen und nicht kundgetan!28 Sie sprach: Wann hab ich einen Sohn erbeten von meinem Herrn? Sagte ich nicht, du solltest mich nicht täuschen? (2Kön 16,1)29 Er sprach zu Gehasi: Gürte deine Lenden und nimm meinen Stab in deine Hand und geh hin, und wenn dir jemand begegnet, so grüße ihn nicht, und grüßt dich jemand, so danke ihm nicht, und lege meinen Stab auf des Knaben Antlitz. (Lk 10,4)30 Aber die Mutter des Knaben sprach: So wahr der HERR lebt und so wahr du lebst: Ich lasse nicht von dir! Da machte er sich auf und ging ihr nach.31 Gehasi aber ging vor ihnen hin und legte den Stab dem Knaben aufs Antlitz: da war aber keine Stimme und kein Aufmerken. Und er ging zurück Elisa entgegen und sagte ihm: Der Knabe ist nicht aufgewacht.32 Und als Elisa ins Haus kam, siehe, da lag der Knabe tot auf seinem Bett.33 Und er ging hinein und schloss die Tür hinter sich zu und betete zu dem HERRN (Apg 9,40)34 und stieg aufs Bett und legte sich auf das Kind und legte seinen Mund auf des Kindes Mund und seine Augen auf dessen Augen und seine Hände auf dessen Hände und breitete sich so über ihn; da wurde des Kindes Leib warm. (1Kön 17,21)35 Er aber stand wieder auf und ging im Haus einmal hierhin und dahin und stieg wieder aufs Bett und breitete sich über ihn. Da nieste der Knabe sieben Mal; danach tat der Knabe seine Augen auf.36 Und Elisa rief Gehasi und sprach: Ruf die Schunemiterin! Und als er sie rief, kam sie hinein zu ihm. Er sprach: Da, nimm hin deinen Sohn! (1Kön 17,23; Lk 7,15; Hebr 11,35)37 Da kam sie und fiel nieder zu seinen Füßen und neigte sich zur Erde und nahm ihren Sohn und ging hinaus.38 Als aber Elisa wieder nach Gilgal kam, war Hungersnot im Lande. Und als die Prophetenjünger vor ihm saßen, sprach er zu seinem Diener: Setze einen großen Topf auf und koche ein Gemüse für die Prophetenjünger!39 Da ging einer aufs Feld, um Kraut zu sammeln, und fand ein Rankengewächs und pflückte sein Kleid voll mit wilden Gurken. Und als er kam, schnitt er’s in den Topf zum Gemüse – sie kannten’s aber nicht –40 und legte es den Männern zum Essen vor. Als sie nun von dem Gemüse aßen, schrien sie und sprachen: O Mann Gottes, der Tod im Topf! Denn sie konnten’s nicht essen.41 Er aber sprach: Bringt Mehl her! Und er tat’s in den Topf und sprach: Lege es den Leuten vor, dass sie essen! Da war nichts Böses mehr in dem Topf.42 Es kam aber ein Mann von Baal-Schalischa und brachte dem Mann Gottes Erstlingsbrot, nämlich zwanzig Gerstenbrote, und neues Getreide in seinem Beutel. Er aber sprach: Gib’s den Leuten, dass sie essen! (Mt 15,33; Mt 15,37; Mt 16,9; Joh 6,9)43 Sein Diener sprach: Wie soll ich davon hundert Mann geben? Er sprach: Gib den Leuten, dass sie essen! Denn so spricht der HERR: Man wird essen und es wird noch übrig bleiben.44 Und er legte es ihnen vor, dass sie aßen; und es blieb noch übrig nach dem Wort des HERRN.

2.Könige 4

Neue evangelistische Übersetzung

von Karl-Heinz Vanheiden
1 Eines Tages kam eine Frau zu Elischa. Ihr Mann war einer von dessen Prophetenjüngern gewesen. Sie flehte Elischa dringend um Hilfe an: „Mein Mann ist gestorben und du weißt, dass er Jahwe treu gedient hat. Nun ist der Gläubiger gekommen und will für das Geld, das wir ihm schulden, meine beiden Söhne als Sklaven nehmen.“2 Elischa erwiderte: „Was soll ich für dich tun? Sag mir, was du noch im Haus hast!“ – „Deine Dienerin hat nichts mehr im Haus als nur ein klein wenig Öl“, erwiderte sie.3 „Dann geh und leihe dir von all deinen Nachbarinnen leere Gefäße, alles, was du bekommen kannst.4 Geh dann ins Haus, schließ die Tür hinter dir und deinen Söhnen ab und gieß das Öl in die Gefäße. Wenn eins voll ist, stell es beiseite!“5 Sie machte es so und schloss die Tür ab. Dann reichten die Jungen ihr die Gefäße, und sie goss ein.6 Als alle Gefäße voll waren, sagte sie zu dem einen Jungen: „Gib mir noch eins!“ – „Es ist keins mehr da“, sagte er. Da hörte das Öl auf zu fließen.7 Die Frau ging zu dem Mann Gottes und berichtete es ihm. Der sagte: „Nun geh, verkaufe das Öl und bezahle deine Schulden! Von dem, was übrig bleibt, kannst du mit deinen Söhnen leben.“8 Eines Tages kam Elischa durch das Dorf Schunem.[1] Dort lebte eine wohlhabende Frau, die ihn zum Essen einlud. Von da an war er jedes Mal in ihrem Haus zu Gast, wenn er dort durchkam.9 Einmal sagte sie zu ihrem Mann: „Ich weiß, dass unser regelmäßiger Gast ein heiliger Mann Gottes ist.10 Wir sollten auf der Dachterrasse ein kleines Zimmer für ihn ausbauen und ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl und einen Leuchter hineinstellen. Wenn er dann zu uns kommt, kann er sich dorthin zurückziehen.“11 Als Elischa eines Tages wieder vorbeikam, ruhte er sich in diesem Zimmer aus.12 Dann befahl er seinem Diener Gehasi, die Frau heraufzubitten. Sie kam und blieb draußen vor der Tür stehen.13 Elischa ließ ihr durch seinen Diener sagen: „Du hast dir so viel Mühe mit uns gemacht! Was kann man denn für dich tun? Soll man beim König oder beim Heerführer ein gutes Wort für dich einlegen?“ Doch sie sagte: „Mir geht es gut, ich wohne ja hier mitten unter meiner Sippe.“14 Elischa fragte seinen Diener: „Was können wir denn sonst für sie tun?“ – „Nun, die Frau hat keinen Sohn, und ihr Mann ist schon alt“, erwiderte Gehasi.15 „Ruf sie her!“, sagte Elischa. Daraufhin kam sie näher und trat in die Tür.16 „Im nächsten Jahr um diese Zeit wirst du einen Sohn liebkosen“, sagte Elischa zu ihr. „Ach Herr, du Mann Gottes“, erwiderte sie, „mach deiner Magd doch keine falschen Hoffnungen!“17 Doch die Frau wurde wirklich schwanger und brachte ein Jahr später um die Zeit, von der Elischa geredet hatte, einen Sohn zur Welt.18 Als der Junge größer geworden war, ging er eines Tages zu seinem Vater auf das Feld hinaus, wo die Schnitter arbeiteten.19 Auf einmal klagte er ihm: „Mein Kopf! Mein Kopf!“ Der Vater befahl einem seiner Leute: „Trag ihn zu seiner Mutter!“20 Der Mann brachte das Kind heim. Seine Mutter nahm es auf ihre Knie und hielt es bis zum Mittag, dann starb es.21 Da trug sie es hinauf und legte es auf das Bett des Gottesmanns. Sie schloss die Tür zu und ging aufs Feld.22 Dort rief sie ihren Mann und sagte: „Gib mir einen deiner Männer mit und eine Eselin! Ich muss schnell zu dem Gottesmann und werde bald wieder zurück sein.“23 „Warum gehst du ausgerechnet heute?“, fragte er. „Es ist doch weder Neumondtag noch Sabbat.“ – „Schalom!“,[2] sagte sie nur,24 sattelte die Eselin und befahl dem Diener: „Treib das Tier tüchtig an, damit wir schnell vorankommen! Halte erst an, wenn ich es dir sage!“25 So kam sie zu dem Gottesmann auf den Berg Karmel. Der sah sie schon von weitem und sagte zu seinem Diener Gehasi: „Schau an, die Schunemitin!26 Lauf ihr entgegen und frage sie, ob es ihr und ihrem Mann und dem Kind gut geht!“ Doch sie sagte nur: „Schalom!“27 Als sie aber auf dem Berg bei Elischa angekommen war, umklammerte sie seine Füße. Gehasi wollte sie zurückstoßen, doch der Gottesmann sagte: „Lass sie! Sie ist ja ganz verzweifelt, und Jahwe hat mir nicht gesagt, was geschehen ist.“28 Sie sagte: „Habe ich dich, mein Herr, denn um einen Sohn gebeten? Habe ich nicht gesagt, du sollst mir keine falschen Hoffnungen machen?“29 Da sagte Elischa zu Gehasi: „Mach dich fertig, nimm meinen Stab mit und geh so schnell du kannst nach Schunem. Wenn du jemand begegnest, grüße ihn nicht, und wenn dich jemand grüßt, antworte ihm nicht![3] Dann halte meinen Stab auf das Gesicht des Jungen!“30 Doch die Mutter des Kindes sagte: „So wahr Jahwe lebt und so wahr du lebst: Ich gehe nicht ohne dich von hier weg!“ Da stand er auf und ging hinter ihr her.31 Gehasi war vorausgeeilt und hatte den Stab auf das Gesicht des Jungen gehalten. Aber der gab kein Lebenszeichen von sich. Er rührte sich nicht. Da kehrte er um, ging Elischa entgegen und sagte: „Der Junge ist nicht aufgewacht!“32 Als Elischa ins Haus kam, fand er den Jungen tot auf seinem Bett liegen.33 Er schloss die Tür hinter sich ab und betete zu Jahwe.34 Dann legte er sich auf den Jungen, sodass sein Mund dessen Mund berührte, seine Augen vor dessen Augen waren und seine Hände auf dessen Händen lagen. Als er sich so über ihn hinstreckte, erwärmte sich der Körper des Kindes.35 Dann stand Elischa auf, ging im Zimmer hin und her und legte sich dann wieder auf das Kind. Da nieste der Junge sieben Mal und schlug seine Augen auf.36 Nun rief Elischa Gehasi und befahl ihm: „Ruf mir unsere Schunemitin!“ Als sie kam, sagte er zu ihr: „Hier hast du deinen Sohn!“37 Sie trat heran und warf sich ihm zu Füßen. Dann nahm sie ihren Sohn und verließ das Zimmer.38 Elischa kehrte nach Gilgal zurück. Im Land herrschte damals Hungersnot. Als die dortigen Prophetenjünger einmal im Unterricht vor ihm saßen, befahl er seinem Diener: „Setz den großen Topf auf und koche ihnen etwas zu essen!“39 Da ging einer hinaus aufs Feld, um etwas Essbares zu holen. Dabei fand er ein Rankengewächs mit wilden Kürbissen[4] und pflückte davon, so viel er in seinem Gewandbausch tragen konnte. Wieder zurück schnitt er sie in Stücke und warf sie in den Topf, obwohl keiner von ihnen die Früchte kannte.40 Dann teilte man den Männern das Gericht aus. Doch kaum hatten sie davon gegessen, schrien sie auf: „Mann Gottes, der Tod ist im Topf!“ Sie konnten nichts davon essen.41 Da sagte Elischa: „Bringt mir etwas Mehl!“ Er schüttete es in den Topf und sagte zu seinem Diener: „Teil es jetzt den Leuten zum Essen aus!“ Nun war nichts Schädliches mehr im Topf.42 Einmal kam ein Mann aus Baal-Schalischa und brachte dem Gottesmann zwanzig Fladenbrote und einen Beutel voll Getreidekörner als Gaben vom ersten Korn der Ernte. Da sagte dieser zu seinem Diener: „Gib es unseren Leuten zum Essen!“43 Doch der erwiderte: „Wie soll das für 100 Männer reichen?“ Elischa wiederholte: „Gib es unseren Leuten zum Essen! Denn so spricht Jahwe: 'Man wird sich satt essen und noch übrig lassen!'“44 Nun setzte er es ihnen vor. Sie aßen sich satt und ließen noch übrig, wie Jahwe es gesagt hatte.

2.Könige 4

Neue Genfer Übersetzung

von Genfer Bibelgesellschaft
1 Eines Tages flehte eine Witwe, deren Mann zur Prophetengemeinschaft um Elisa gehört hatte, den Propheten um Hilfe an. »Herr, mein Mann ist gestorben«, sagte sie. »Du weißt, dass er dem HERRN in Ehrfurcht gedient hat. Doch nun ist ein Geldverleiher gekommen, bei dem mein Mann noch Schulden hat. Er will mir meine beiden Jungen wegnehmen und zu seinen Sklaven machen.«2 »Wie kann ich dir helfen?«, fragte Elisa. »Was hast du noch im Haus?« Sie antwortete: »Mein Herr, ich habe nichts mehr außer einem kleinen Krug mit Öl.«3 Da forderte Elisa sie auf: »Geh in der ganzen Nachbarschaft herum und leih dir so viele Gefäße aus, wie du bekommen kannst!4 Dann geh mit deinen Söhnen ins Haus und schließ die Tür hinter euch ab. Gieß das Öl ´aus deinem kleinen Krug` in die Gefäße. Sobald eins voll ist, stell es beiseite ´und nimm das nächste`!«5 Die Frau ging ´und besorgte die Gefäße`. Dann schloss sie hinter sich und ihren Söhnen die Tür ab. Die beiden reichten ihr die Gefäße, und sie goss das Öl hinein.6 Schließlich waren alle Gefäße voll, und als sie bat: »Gebt mir noch eins«, antwortete einer der Söhne: »Es ist keins mehr da.« In diesem Augenblick hörte das Öl auf zu fließen.7 Die Frau eilte zu Elisa, dem Mann Gottes, und berichtete, was geschehen war. Er sagte: »Nun geh und verkauf das Öl! Mit dem Erlös kannst du deine Schulden bezahlen. Von dem, was dann noch übrig bleibt, kannst du mit deinen Söhnen leben.«8 Eines Tages kam Elisa nach Schunem. Dort wohnte eine wohlhabende Frau, die ihn drängte, zu ihr zum Essen zu kommen. Von da an ging er jedes Mal, wenn er in Schunem war, in ihr Haus, um dort zu essen.9 ´Eines Tages` sagte die Frau zu ihrem Mann: »Ich bin mir sicher, dass der Mann, der regelmäßig zu uns kommt, ein heiliger Mann Gottes ist.10 Lass uns auf dem flachen Dach unseres Hauses ein kleines Zimmer für ihn bauen. Dort stellen wir ein Bett für ihn auf, einen Tisch mit einem Stuhl und einen Leuchter. Dann kann er sich immer dorthin zurückziehen, wenn er uns besucht.«11 Als Elisa wieder einmal nach Schunem kam, ging er in das Zimmer hinauf und ruhte sich aus.12 Danach befahl er seinem Diener Gehasi, die Frau zu ihm zu bitten. Gehasi rief sie, aber sie blieb draußen vor dem Zimmer stehen[1].13 Elisa ließ ihr durch seinen Diener ausrichten: »Du hast dir für uns so viel Mühe gemacht. Kann ich auch für dich etwas tun? Soll ich beim König oder bei seinem Heerführer ein gutes Wort für dich einlegen?« ´»Ich bin versorgt«`, ließ sie ihm antworten, »ich wohne hier mitten unter meinen Verwandten.«14 Elisa fragte seinen Diener: »Was könnten wir denn sonst für sie tun?« »Sie hat kein Kind[2]«, erwiderte Gehasi, »und ihr Mann ist schon alt.«15 »Ruf sie noch einmal her!«, befahl Elisa. Gehasi holte sie. Sie kam und blieb in der Tür stehen.16 Elisa sagte zu ihr: »Nächstes Jahr um diese Zeit wirst du einen Sohn in den Armen halten!« »Ach Herr, du Mann Gottes«, entgegnete sie, »bitte mach mir keine falschen Hoffnungen!«17 Doch die Frau wurde tatsächlich schwanger und brachte im nächsten Jahr um die Zeit, die Elisa genannt hatte, einen Sohn zur Welt.18 Als der Junge größer geworden war, ging er eines Tages aufs Feld hinaus zu seinem Vater, der dort mit den Arbeitern Getreide erntete.19 Auf einmal rief der Junge: »Mein Kopf! Mein Kopf ´tut so weh`!« Der Vater befahl einem Knecht: »Trag den Jungen nach Hause zu seiner Mutter!«20 Der Knecht brachte ihn zu seiner Mutter. Sie hielt ihn bis zum Mittag auf dem Schoß, doch dann starb er.21 Sie trug ihn hinauf in das Zimmer des Propheten, legte ihn auf dessen Bett und schloss den Raum ab. Dann ging sie hinaus aufs Feld22 und sagte zu ihrem Mann: »Gib mir einen deiner Knechte und eine Eselin! Ich will schnell zu dem Mann Gottes reiten. Bald bin ich wieder zurück.«23 »Warum willst du ihn ausgerechnet heute besuchen?«, fragte ihr Mann. »Es ist doch ´kein Feiertag`, weder Neumond noch Sabbat.« Doch sie sagte nur: »Das hat schon seine Richtigkeit.«[3]24 Sie sattelte die Eselin und befahl dem Knecht: »Treib das Tier tüchtig an! Hör nicht auf, bis ich es dir sage!«25 So ritt sie los und kam zu Elisa, dem Mann Gottes, an den Berg Karmel. Er sah sie schon von Weitem und sagte zu seinem Diener Gehasi: »Da kommt die Frau aus Schunem!26 Lauf ihr entgegen und frag sie: ›Geht es dir, deinem Mann und eurem Kind gut?‹« »Ja, es geht uns gut«, antwortete sie ´auf Gehasis Frage`.27 Doch kaum war sie auf dem Berg bei Elisa angekommen, ´fiel sie vor ihm nieder und` umklammerte seine Füße. Gehasi wollte sie wegstoßen, aber Elisa sagte: »Lass sie! Sie ist völlig verzweifelt[4], und der HERR hat mir nicht gesagt, was geschehen ist.«28 Die Frau fragte ihn: »Habe ich dich, mein Herr, etwa um einen Sohn gebeten? Habe ich dir nicht sogar gesagt, du sollst mir keine falschen Hoffnungen machen?«29 Da sagte Elisa zu Gehasi: »Mach dich sofort auf den Weg![5] Nimm meinen Stab und geh nach Schunem. ´Beeil dich!` Wenn du jemand begegnest, dann bleib nicht stehen, um ihn zu begrüßen. Und wenn dich jemand begrüßen will, dann antworte ihm nicht. ´Sobald du ankommst`, leg meinen Stab auf das Gesicht des Jungen!«30 Aber die Mutter sagte: »So wahr der HERR lebt und so wahr du lebst: Ohne dich gehe ich nicht von hier weg!« Da ging Elisa mit ihr.31 Gehasi war vorausgeeilt und hatte den Stab auf das Gesicht des Jungen gelegt. Doch der hatte kein Lebenszeichen von sich gegeben und sich nicht gerührt. Gehasi ging zurück, Elisa entgegen, und sagte zu ihm: »Der Junge ist nicht aufgewacht.«32 Als Elisa sein Zimmer betrat[6], lag der Junge immer noch tot auf dem Bett.33 Elisa ging hinein, schloss die Tür hinter sich zu und betete zum HERRN.34 Er stieg auf das Bett und legte sich so auf den Jungen, dass sein Mund und seine Augen den Mund und die Augen des Kindes berührten und seine Hände dessen Hände. Während er so dalag, wurde der Körper des Kindes wieder warm.35 ´Nach einer Weile` stand Elisa auf und ging im Zimmer auf und ab. Dann legte er sich erneut auf den Jungen. Da nieste dieser siebenmal und schlug die Augen auf.36 Elisa rief Gehasi und befahl ihm, die Mutter zu holen. Als sie in das Zimmer kam, sagte Elisa zu ihr: »Hier hast du deinen Sohn!«37 Sie warf sich vor ihm nieder und berührte mit ihrer Stirn den Boden. Dann nahm sie ihren Sohn und ging hinaus.38 Elisa kehrte nach Gilgal zurück. In dieser Zeit herrschte eine Hungersnot im Land. Als die Propheten der Prophetengemeinschaft von Gilgal sich einmal um Elisa versammelt hatten[7], befahl er seinem Diener: »Setz den großen Topf auf und koch den Propheten etwas zu essen!«39 Einer der Männer ging hinaus aufs Feld, um Gemüse zu holen. Er fand ein wildes Rankengewächs mit kleinen Kürbissen. Davon sammelte er so viele, wie er in seinem Obergewand tragen konnte. Er kehrte zurück, schnitt die Früchte in Stücke und warf sie in den Topf. Keiner der Männer wusste, dass sie ungenießbar waren.40 Dann wurde das Gericht an alle ausgeteilt. Kaum hatten sie davon gekostet, schrien sie auf: »Der Tod ist im Topf, Mann Gottes!« Sie konnten das Gemüse nicht essen.41 Elisa befahl: »Bringt mir etwas Mehl!« Er schüttete das Mehl in den Topf und sagte ´zu seinem Diener`: »Teil es an die Leute aus! Jetzt können sie es essen.« Nun war das Gericht genießbar und schadete ihnen nicht.42 Einmal kam ein Mann aus Baal-Schalischa zu Elisa. Er brachte ihm zwanzig Fladenbrote aus Gerste und einen Beutel mit frischen Getreidekörnern ´als Gabe` vom Korn der ersten Ernte. Elisa befahl seinem Diener: »Gib das unseren Leuten, damit sie ´sich satt` essen können!«43 »Was?«, erwiderte der Diener, »wie soll das für hundert Männer reichen?« Elisa wiederholte: »Gib das unseren Leuten zu essen! Denn so spricht der HERR: ›Sie werden davon essen, und es wird noch etwas übrig bleiben.‹«44 Da teilte der Diener es an die Leute aus. Sie aßen sich satt, und am Ende blieb noch etwas übrig, genau wie der HERR es vorausgesagt hatte.