Psalm 22

Lutherbibel 2017

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen, nach der Weise »die Hirschkuh der Morgenröte«. 2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. 3 Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe. 4 Aber du bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels. 5 Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus. 6 Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden. 7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volk. 8 Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf: 9 »Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.« 10 Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen; du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter. 11 Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an, du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an. 12 Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer. 13 Gewaltige Stiere haben mich umgeben, mächtige Büffel haben mich umringt. 14 Ihren Rachen sperren sie gegen mich auf wie ein brüllender und reißender Löwe. 15 Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, / alle meine Gebeine haben sich zertrennt; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs. 16 Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, / und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub. 17 Denn Hunde haben mich umgeben, / und der Bösen Rotte hat mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben. 18 Ich kann alle meine Gebeine zählen; sie aber schauen zu und weiden sich an mir. 19 Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand. 20 Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen! 21 Errette mein Leben vom Schwert, mein einziges Gut von den Hunden! 22 Hilf mir aus dem Rachen des Löwen / und vor den Hörnern der wilden Stiere – du hast mich erhört! 23 Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern, ich will dich in der Gemeinde rühmen: 24 Rühmet den HERRN, die ihr ihn fürchtet; ehrt ihn, all ihr Nachkommen Jakobs, und scheut euch vor ihm, all ihr Nachkommen Israels! 25 Denn er hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend des Armen und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen; und da er zu ihm schrie, hörte er's. 26 Dich will ich preisen in der großen Gemeinde, ich will mein Gelübde erfüllen vor denen, die ihn fürchten. 27 Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden; / und die nach dem HERRN fragen, werden ihn preisen; euer Herz soll ewiglich leben. 28 Es werden gedenken und sich zum HERRN bekehren aller Welt Enden und vor ihm anbeten alle Geschlechter der Völker. 29 Denn des HERRN ist das Reich, und er herrscht unter den Völkern. 30 Ihn allein werden anbeten alle Großen auf Erden; vor ihm werden die Knie beugen alle, / die zum Staube hinabfuhren und ihr Leben nicht konnten erhalten. 31 Er wird Nachkommen haben, die ihm dienen; vom Herrn wird man verkündigen Kind und Kindeskind. 32 Sie werden kommen und seine Gerechtigkeit predigen dem Volk, das geboren wird. Denn er hat's getan.

Psalm 22

Hoffnung für alle

1 Ein Lied von David, nach der Melodie: »Eine Hirschkuh früh am Morgen«. 2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie verzweifelt, doch du bist so weit weg, nirgendwo scheint mir Rettung in Sicht zu sein. 3 Mein Gott, Tag und Nacht rufe ich zu dir um Hilfe, aber du antwortest nicht und schenkst mir keine Ruhe. 4 Du bist doch der heilige Gott! Du bist es, dem das Volk Israel seine Loblieder singt. 5 Unsere Vorfahren haben sich auf dich verlassen, und du hast ihnen immer wieder geholfen. 6 Zu dir schrien sie und wurden gerettet. Sie vertrauten dir, und du hast sie nicht enttäuscht. 7 Und was ist mit mir? Ein Wurm bin ich, kein Mensch mehr – nur noch Hohn und Spott hat man für mich übrig. 8 Alle Leute machen sich über mich lustig. Wer mich sieht, verzieht sein Gesicht und schüttelt verächtlich den Kopf. 9 »Überlass Gott deine Not!«, lästern sie, »der soll dir helfen und dich retten! Er liebt dich doch, oder etwa nicht?« 10 Du, Herr, hast mich aus dem Leib meiner Mutter gezogen. Schon an ihrer Brust hast du mich Vertrauen gelehrt. 11 Du bist mein Gott, seitdem mein Leben begann. Seit der Stunde meiner Geburt bin ich auf dich angewiesen. 12 Bleib mir jetzt doch nicht fern! Groß ist meine Angst! Weit und breit gibt es keinen, der mir hilft. 13 Viele Feinde kesseln mich ein, umringen mich wie wilde Stiere. 14 Sie reißen ihr Maul auf wie brüllende Löwen, die ihre Beute zerfleischen wollen. 15 Meine Kraft schwindet wie Wasser, das versickert, und alle meine Knochen sind wie ausgerenkt. Mein Herz verkrampft sich vor Angst[1], 16 und meine ganze Kraft ist dahin, verdorrt wie eine staubige Tonscherbe. Die Zunge klebt mir am Gaumen. Du lässt mich im Tode versinken. 17 Eine Meute böswilliger Menschen umkreist mich, gierig wie wildernde Hunde. Hände und Füße haben sie mir durchbohrt.[2] 18 Ich kann alle meine Knochen zählen. Sie aber starren mich schadenfroh an. 19 Schon teilen sie meine Kleider unter sich auf und losen um mein Gewand. 20 HERR, wende dich nicht länger von mir ab! Nur du kannst mir neue Kraft geben, komm mir schnell zu Hilfe! 21 Rette mich vor dem tödlichen Schwert, bewahre mich vor den Krallen der Hundemeute! Ich habe doch nur dieses eine Leben! 22 Reiß mich heraus aus dem Rachen der Löwen und beschütze mich vor den Hörnern dieser wilden Stiere! Und tatsächlich, Herr: Du hast mich erhört! 23 Ich will meinen Brüdern deinen Namen bekannt machen, vor der ganzen Gemeinde will ich dich loben. 24 Alle, die ihr den HERRN achtet, preist ihn! Ihr Nachkommen von Jakob, ehrt ihn! Begegnet ihm in Ehrfurcht, ihr vom Volk Israel! 25 Denn er hat den Hilflosen nicht verachtet, über sein Elend ging er nicht hinweg. Nein, Gott wandte sich nicht von ihm ab, sondern hörte auf ihn, als er um Hilfe schrie. 26 HERR, jetzt habe ich allen Grund, dir vor der großen Gemeinde ein Loblied zu singen. Was ich dir in meiner Not versprochen habe, löse ich nun ein; alle, die Ehrfurcht vor dir haben, sind meine Zeugen. 27 Die Armen sollen sich wieder satt essen.[3] Alle, die nach dem HERRN fragen, sollen ihn loben. Euer Leben lang dürft ihr euch daran freuen! 28 Auch in den fernsten Ländern werden Menschen Gott erkennen und zu ihm umkehren, ja, alle Völker werden sich vor ihm niederwerfen. 29 Denn der HERR ist König, er herrscht über alle Nationen. 30 Auch die Großen dieser Erde müssen vor ihm niederfallen, sie, die immer mehr als genug zu essen hatten. Ja, vor ihm werden einmal alle Menschen ihre Knie beugen, alle Sterblichen, denen das Leben zwischen den Fingern zerrinnt. 31 Die kommenden Generationen werden ihm dienen,[4] eine wird der nächsten von ihm erzählen. 32 Selbst die Menschen, die noch nicht geboren sind, werden von seinen gerechten Taten hören, und man wird sagen: »Der Herr hat es vollbracht!«

Psalm 22

Zürcher Bibel

1 Für den Chormeister. Nach der Weise "Hindin der Morgenröte". Ein Psalm Davids. 2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist fern meiner Rettung, den Worten meiner Klage? (Mt 27:46; Mr 15:34) 3 Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du antwortest nicht, bei Nacht, doch ich finde keine Ruhe. 4 Du aber, Heiliger, thronst auf den Lobgesängen Israels. 5 Auf dich vertrauten unsere Vorfahren, sie vertrauten, und du hast sie befreit. 6 Zu dir schrien sie, und sie wurden gerettet, auf dich vertrauten sie, und sie wurden nicht zuschanden. (Ps 25:2) 7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott und verachtet vom Volk. 8 Alle, die mich sehen, verspotten mich, verziehen den Mund und schütteln den Kopf: (Ps 35:16; Ps 44:15; Ps 109:25; Mt 27:39) 9 Wälze es auf den HERRN. Der rette ihn, er befreie ihn, er hat ja Gefallen an ihm. (Mt 27:43) 10 Du bist es, der mich aus dem Mutterschoss zog, der mich sicher barg an der Brust meiner Mutter. (Isa 44:2; Isa 46:3) 11 Auf dich bin ich geworfen vom Mutterleib an, von meiner Mutter Schoss an bist du mein Gott. (Ps 71:6) 12 Sei nicht fern von mir, denn die Not ist nahe; keiner ist da, der hilft. (Ps 22:20; Ps 35:22; Ps 38:22; Ps 71:12) 13 Zahlreiche Stiere sind um mich, Baschanbüffel umringen mich. 14 Sie sperren ihr Maul auf gegen mich, ein reissender, brüllender Löwe. (Ps 7:3) 15 Wie Wasser bin ich hingeschüttet, und es fallen auseinander meine Gebeine. Wie Wachs ist mein Herz, zerflossen in meiner Brust. 16 Trocken wie eine Scherbe ist meine Kehle,[1] und meine Zunge klebt mir am Gaumen, in den Staub des Todes legst du mich. (Joh 19:28) 17 Um mich sind Hunde, eine Rotte von Übeltätern umzingelt mich, sie binden mir Hände und Füsse.[2] 18 Zählen kann ich alle meine Knochen. Sie aber schauen zu, weiden sich an mir. 19 Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand. (Mt 27:35; Joh 19:23) 20 Du aber, HERR, sei nicht fern, meine Stärke, eile mir zu Hilfe. (Ps 22:12; Ps 38:22; Ps 40:14; Ps 71:12) 21 Errette vor dem Schwert mein Leben, aus der Gewalt der Hunde meine verlassene Seele. (Ps 35:17) 22 Hilf mir vor dem Rachen des Löwen, vor den Hörnern der Wildstiere. Du hast mich erhört. (2Ti 4:17) 23 Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden, in der Versammlung will ich dich loben. (Ps 35:18; Ps 40:10; Ps 109:30; Heb 2:12) 24 Die ihr den HERRN fürchtet, lobt ihn, alle Nachkommen Jakobs, ehret ihn, erschauert vor ihm, alle Nachkommen Israels. 25 Denn er hat nicht verachtet noch verabscheut des Elenden Elend, hat sein Angesicht nicht vor ihm verborgen, und da er schrie, erhörte er ihn. 26 Von dir geht aus mein Lobgesang in grosser Versammlung, meine Gelübde erfülle ich vor denen, die ihn fürchten. (Ps 50:14; Ps 61:9; Ps 66:13; Ps 116:14) 27 Die Elenden essen und werden satt, es loben den HERRN, die ihn suchen. Aufleben soll euer Herz für immer. (Ps 69:33) 28 Alle Enden der Erde werden dessen gedenken und umkehren zum HERRN, und vor ihm werden sich niederwerfen[3] alle Sippen der Nationen. (Ps 86:9; Isa 45:22; Isa 52:10) 29 Denn des HERRN ist das Reich, und er herrscht über die Nationen. (Ps 145:13) 30 Vor ihm werfen sich nieder alle Mächtigen der Erde, vor ihm beugen sich alle, die in den Staub sinken.[4] 31 Erzählen wird man vom Herrn der Generation, (Ps 71:18; Ps 78:6; Ps 102:19) 32 die noch kommt, und verkünden seine Gerechtigkeit dem Volk, das noch geboren wird. Er hat es vollbracht.

Psalm 22

Gute Nachricht Bibel

1 Ein Lied Davids, nach der Melodie »Eine Hirschkuh am Morgen«. 2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?[1] Warum hilfst du nicht, wenn ich schreie, warum bist du so fern? (Ps 42:10; Mr 15:34) 3 Mein Gott, Tag und Nacht rufe ich um Hilfe, doch du antwortest nicht und schenkst mir keine Ruhe. 4 Du bist doch der heilige Gott, dem Israel Danklieder singt! 5 Auf dich verließen sich unsere Väter, sie vertrauten dir und du hast sie gerettet. (Ex 3:7; Ex 14:13; Jud 2:18) 6 Sie schrien zu dir und wurden befreit; sie hofften auf dich und wurden nicht enttäuscht. 7 Doch ich bin kaum noch ein Mensch, ich bin ein Wurm, von allen verhöhnt und verachtet. (Isa 41:14; Isa 52:14; Isa 53:3) 8 Wer mich sieht, macht sich über mich lustig, verzieht den Mund und schüttelt den Kopf: (Mt 27:43; Mr 15:29; Wis 2:18) 9 »Übergib deine Sache dem Herrn, der kann dir ja helfen! Er lässt dich bestimmt nicht im Stich! Du bist doch sein Liebling!« 10 Ja, du hast mich aus dem Mutterschoß gezogen, an der Mutterbrust hast du mich vertrauen gelehrt. (Ps 71:6) 11 Seit dem ersten Atemzug stehe ich unter deinem Schutz; von Geburt an bist du mein Gott. 12 Bleib jetzt nicht fern, denn ich bin in Not! Niemand sonst kann mir helfen! 13 Viele Feinde umzingeln mich, kreisen mich ein wie wilde Stiere. 14 Sie reißen ihre Mäuler auf, brüllen mich an wie hungrige Löwen. 15 Ich zerfließe wie ausgeschüttetes Wasser, meine Knochen fallen auseinander. Mein Herz zerschmilzt in mir wie Wachs. 16 Meine Kehle [2] ist ausgedörrt, die Zunge klebt mir am Gaumen, ich sehe mich schon im Grab liegen – und du lässt das alles zu! (Joh 19:28) 17 Eine Verbrecherbande hat mich umstellt; Hunde sind sie, die mir keinen Ausweg lassen. Sie zerfetzen mir Hände und Füße.[3] 18 Alle meine Rippen kann ich zählen; und sie stehen dabei und gaffen mich an. 19 Schon losen sie um meine Kleider und verteilen sie unter sich. (Mr 15:24; Joh 19:23) 20 Bleib nicht fern von mir, Herr! Du bist mein Retter, komm und hilf mir! 21 Rette mich vor dem Schwert meiner Feinde, rette mein Leben vor der Hundemeute! 22 Reiß mich aus dem Rachen des Löwen, rette mich vor den Hörnern der wilden Stiere! Herr, du hast mich erhört! 23 Ich will meinen Brüdern von dir erzählen, in der Gemeinde will ich dich preisen: (Ps 40:10; Ps 66:16; Ps 107:31; Heb 2:12; Tob 12:6) 24 »Die ihr zum Herrn gehört: Preist ihn! Alle Nachkommen Jakobs: Ehrt ihn! Ganz Israel soll ihn anbeten! 25 Kein Elender ist dem Herrn zu gering; mein Geschrei war ihm nicht lästig. Er wandte sich nicht von mir ab, sondern hörte auf meinen Hilferuf.« 26 Darum danke ich dir, Herr, vor der ganzen Gemeinde. Vor den Augen aller, die dich ehren, bringe ich dir die Opfer, die ich dir versprochen habe. (Ps 66:13) 27 Die Armen sollen sich satt essen; die nach dir, Herr, fragen, sollen Loblieder singen; immer möge es ihnen gut gehen! (De 14:29) 28 Alle Völker sollen zur Einsicht kommen; von allen Enden der Erde sollen sie zum Herrn umkehren und sich vor ihm niederwerfen. (Ps 96:7) 29 Denn der Herr ist König, er herrscht über alle Völker. 30 Vor ihm müssen die Mächtigen sich beugen, [4] alle Sterblichen sollen ihn ehren, alle, die hinunter müssen ins Grab. 31 Auch die kommende Generation soll ihm dienen, sie soll hören, was er getan hat. (Jos 4:6) 32 Und sie soll ihren Nachkommen weitererzählen, wie der Herr eingegriffen hat, wie treu er ist.