1Geht durch die Gassen Jerusalems und schaut und merkt auf und sucht auf den Straßen der Stadt, ob ihr jemand findet, der Recht übt und auf Wahrheit hält, so will ich ihr gnädig sein. (1Mo 18,22; Ps 14,2)2Und wenn sie auch sprechen: So wahr der HERR lebt!, so schwören sie doch falsch. (Jer 4,2)3HERR, deine Augen sehen auf Wahrhaftigkeit. Du hast sie geschlagen, aber sie fühlten’s nicht; fast hast du sie vernichtet, aber sie besserten sich nicht. Sie haben ein Angesicht, härter als ein Fels, und wollten sich nicht bekehren. (Jer 2,30; Jer 9,2)4Ich aber dachte: Wohlan, es sind arme, unverständige Leute und wissen nicht um des HERRN Weg und um ihres Gottes Recht.5Ich will zu den Großen gehen und mit ihnen reden; die werden um des HERRN Weg und ihres Gottes Recht wissen. Aber sie alle haben das Joch zerbrochen und die Seile zerrissen. (Jer 2,20)6Darum schlug sie auch der Löwe aus dem Walde, der Wolf aus der Steppe fällt über sie her, und der Panther belauert ihre Städte; alle, die von da herausgehen, werden zerfleischt. Denn ihrer Sünden sind zu viele, und sie bleiben in ihrem Ungehorsam. (Jer 4,7)7Wie soll ich dir denn gnädig sein? Deine Kinder haben mich verlassen und schwören bei dem, der nicht Gott ist. Als ich sie satt gemacht hatte, trieben sie Ehebruch und liefen ins Hurenhaus.8Ein jeder wiehert nach seines Nächsten Frau wie die vollen, müßigen Hengste. (Hes 22,11)9Und ich sollte das an ihnen nicht heimsuchen, spricht der HERR, und ich sollte mich nicht rächen an einem Volk wie diesem? (Jer 9,8; Jer 29,1)10Stürmt die schützenden Mauern und verwüstet die Weingärten; aber verwüstet sie nicht ganz! Reißt ihre Weinreben weg; denn sie gehören nicht dem HERRN!11Denn treulos geworden sind sie mir, das Haus Israel und das Haus Juda, spricht der HERR. (Jer 3,20)12Sie verleugneten den HERRN und sprachen: »Das tut er nicht; so übel wird es uns nicht gehen; Schwert und Hunger werden wir nicht sehen.« (Mi 3,11)13Die Propheten werden zu Wind und Gottes Wort ist nicht in ihnen. So ergehe es ihnen selbst!14Darum spricht der HERR, der Gott Zebaoth: Weil ihr solche Reden führt, siehe, so will ich meine Worte in deinem Munde zu Feuer machen und dies Volk zu Brennholz, dass es verzehrt werde. (Jer 23,29)15Siehe, ich will über euch vom Hause Israel ein Volk von ferne her bringen, spricht der HERR, ein Volk von unerschöpflicher Kraft, ein uraltes Volk, ein Volk, dessen Sprache du nicht verstehst, und was sie reden, kannst du nicht vernehmen. (5Mo 28,49; Jer 6,22)16Seine Köcher sind wie offene Gräber; es sind lauter Helden.17Sie werden deine Ernte und dein Brot verzehren, sie werden deine Söhne und Töchter fressen, sie werden deine Schafe und Rinder verschlingen, sie werden deine Weinstöcke und Feigenbäume verzehren; deine festen Städte, auf die du dich verlässt, werden sie mit dem Schwert verderben. (5Mo 28,33)18Doch will ich, spricht der HERR, auch zu jener Zeit mit euch nicht ganz ein Ende machen. (Jer 4,27)19Und wenn sie sagen: Warum tut uns der HERR, unser Gott, dies alles?, sollst du ihnen antworten: Wie ihr mich verlasst und fremden Göttern dient in eurem eigenen Lande, so sollt ihr auch Fremden dienen in einem Lande, das nicht euer ist. (Jer 16,10)20Verkündet im Hause Jakob und ruft aus in Juda und sprecht:21Hört zu, ihr tolles Volk, das keinen Verstand hat, die da Augen haben und sehen nicht, Ohren haben und hören nicht! (Jes 6,9; Hes 12,2)22Wollt ihr mich nicht fürchten, spricht der HERR, und vor mir nicht erschrecken, der ich dem Meere den Sand zur Grenze setze, darin es allezeit bleiben muss, darüber es nicht gehen darf? Und ob es auch aufwallt, so vermag es doch nichts; und ob seine Wellen auch toben, so dürfen sie doch nicht darübergehen. (Hi 38,8; Ps 104,9)23Aber dies Volk hat ein abtrünniges, ungehorsames Herz. Sie bleiben abtrünnig und gehen ihrer Wege24und sprechen niemals in ihrem Herzen: »Lasst uns doch den HERRN, unsern Gott, fürchten, der uns Frühregen und Spätregen gibt zur rechten Zeit und uns die Ernte treulich und jährlich gewährt.« (5Mo 11,14)25Eure Verschuldungen verhindern das, und eure Sünden halten das Gute von euch fern. (Jes 59,2)26Man findet unter meinem Volk Frevler, die den Leuten nachstellen und Fallen zurichten, um sie zu fangen, wie’s die Vogelfänger tun.27Ihre Häuser sind voller Tücke, wie ein Vogelbauer voller Lockvögel ist. Daher sind sie groß und reich geworden,28fett und feist. Sie gingen mit bösen Dingen um; sie hielten kein Recht, der Waisen Sache führten sie nicht zum Erfolg und halfen den Armen nicht zum Recht. (2Mo 22,21; Jes 1,17)29Sollte ich das an ihnen nicht heimsuchen, spricht der HERR, und sollte ich mich nicht rächen an einem Volk wie diesem? (Jer 9,1)30Es steht gräulich und grässlich im Lande.31Die Propheten weissagen Lüge, und die Priester lehren auf eigene Faust, und mein Volk hat’s gern so. Aber was werdet ihr tun, wenn’s damit ein Ende hat? (Hes 13,6)
1Gott sagt: »Geht doch einmal durch die Straßen von Jerusalem und schaut euch um! Sucht alle Plätze ab! Wenn ihr auch nur einen Einzigen findet, der sich an das Recht hält und zu seinem Wort steht, dann will ich ganz Jerusalem vergeben.2Denn die Leute in dieser Stadt lügen selbst dann noch, wenn sie bei meinem Namen schwören.«3Doch du, HERR, suchst nach aufrichtigen Menschen. Du hast dieses Volk geschlagen, aber sie haben sich nicht davon beeindrucken lassen; du hast sie fast ausgelöscht, und doch blieben sie hart wie Stein. Sie weigern sich beharrlich, zu dir umzukehren.4Ich dachte: »So sind nur die Ungebildeten, die den Willen des HERRN und die Gebote ihres Gottes nicht kennen.5Ich will mich an die führenden Männer dieses Volkes wenden und mit ihnen reden. Sie kennen ja den Willen Gottes und wissen, was er im Gesetz von ihnen verlangt.« Doch gerade sie wollen von Gott nichts mehr wissen. Seine Gebote sind für sie wie ein schweres Joch, das sie abgeworfen haben.6»Darum werden die Feinde kommen und sie zerreißen wie Löwen, die plötzlich aus dem Dickicht springen, wie Steppenwölfe werden sie über sie herfallen und wie Leoparden draußen vor der Stadt lauern. Wer hinausgeht, wird zerfleischt. Denn dieses Volk hat große Schuld auf sich geladen und mir immer wieder die Treue gebrochen.7Wie sollte ich euch da vergeben? Ihr habt mich verlassen und schwört bei Göttern, die keine sind. Ich habe euch genug zu essen gegeben – und ihr? Ihr treibt Ehebruch und lauft scharenweise ins Hurenhaus!8Ihr seid wie überfütterte, geile Hengste: Jeder wiehert nach der Frau des anderen.9Und das sollte ich ungestraft lassen, ich, der HERR? Muss ich ein solches Volk nicht zur Rechenschaft ziehen?10Zerstört die Mauern dieses Weinbergs, doch verwüstet ihn nicht ganz. Reißt seine Ranken ab, denn er gehört mir nicht mehr!«
Ich ziehe euch zur Rechenschaft
11»Ich, der HERR, sage: Die Bewohner von Juda und Israel sind mir ganz und gar untreu geworden.12Mich, ihren HERRN, haben sie verleugnet, als sie behaupteten: ›Er kümmert sich um nichts! Uns wird schon kein Unglück treffen. Von Krieg und Hungersnot bleiben wir verschont.13Was die Propheten uns angedroht haben, ist leeres Geschwätz! Gott spricht nicht durch sie. Das Unheil soll sie selbst treffen!‹«14Doch der HERR, der allmächtige Gott, hat zu mir gesagt: »Weil dieses Volk so vermessen redet, lasse ich die Worte, die ich dir in den Mund gelegt habe, zu einem Feuersturm werden. Das Volk mache ich zu Brennholz, das vom Feuer verzehrt wird.15Hört, ihr Israeliten, ich sorge dafür, dass ein Volk von weit her kommt und in euer Land einfällt. Das Volk ist sehr viel älter als ihr, es ist unbezwingbar, und seine Sprache versteht ihr nicht.16Seine Bogenschützen treffen mit tödlicher Sicherheit, und die Soldaten sind alle erfahrene Kämpfer.17Dieses Volk wird eure Ernte und eure Vorräte vernichten, eure Söhne und Töchter töten, eure Schafe und Rinder schlachten und eure Weinstöcke und Feigenbäume umhauen. Eure befestigten Städte, auf die ihr euch verlasst, wird es blutig erobern.18Doch auch dann werde ich euch nicht völlig auslöschen. Darauf gebe ich, der HERR, mein Wort.19Und wenn sie dich, Jeremia, fragen: ›Warum hat uns der HERR, unser Gott, dies angetan?‹, dann sollst du antworten: ›Ihr habt ihn verlassen und in eurem eigenen Land fremden Göttern gedient, nun müsst ihr in einem anderen Land fremden Herren dienen!‹20Verkündet den Nachkommen von Jakob, sagt dem Volk von Juda:21Hört, ihr Leute ohne Sinn und Verstand! Ihr habt Augen und Ohren, und trotzdem seht und hört ihr nicht!22Ich, der HERR, frage euch: Solltet ihr mich nicht fürchten und vor mir zittern? Ich habe dem Meer eine Grenze aus Sand gesetzt, die es niemals überschreiten kann. Wie wild seine Wellen auch toben, wie hoch die Wogen sich auch türmen – über die Grenze kommen sie nicht hinaus.23Aber ihr wagt es, euch gegen mich aufzulehnen, und geht eigene Wege. Ihr seid stur und widerspenstig.24Keiner von euch sagt sich: ›Wir sollten dem HERRN, unserem Gott, mit Ehrfurcht begegnen! Denn er sendet uns den Herbst- und Frühjahrsregen zur rechten Zeit und lässt Jahr für Jahr die Früchte reifen, damit wir sie ernten können.‹25Aber nun sind Regen und Ernte ausgeblieben; eure eigene Schuld hat euch um all diese guten Gaben gebracht!26Ja, in meinem Volk gibt es gewissenlose Menschen, die wie Vogelfänger auf der Lauer liegen. Sie warten darauf, dass ihnen Menschen in die Falle laufen.27Ihre Häuser sind vollgestopft wie der Käfig eines Vogelfängers, sie häufen dort ihren Besitz auf, den sie mit Trug und List erbeutet haben. Mächtig und reich sind sie geworden,28fett und feist. Ihre Bosheit kennt keine Grenzen. Sie verhelfen keinem Waisenkind zu seinem Recht, den Armen verweigern sie jede Gerechtigkeit.29Und das sollte ich ungestraft lassen, ich, der HERR? Muss ich ein solches Volk nicht zur Rechenschaft ziehen?30Was in diesem Land geschieht, ist abscheulich und unerhört:31Die Propheten weissagen im Namen der Lüge, die Priester herrschen eigenmächtig, und meinem Volk gefällt das auch noch. Doch was werdet ihr tun, wenn das Ende kommt?«
1Durchstreift die Gassen Jerusalems, und seht doch und erkundet und sucht auf ihren[1] Plätzen, ob ihr einen findet, ob es einen gibt, der Recht übt, der Treue sucht, damit ich ihr vergebe. (1Mo 18,16; Ps 14,2)2Und wenn sie sagen: So wahr der HERR lebt! Sie schwören falsch! (Jer 4,2; Jer 7,9)3HERR, deine Augen, sind sie nicht auf Treue gerichtet? Du hast sie geschlagen, aber es schmerzt sie nicht, du hast sie aufgerieben, sie haben sich geweigert, die Unterweisung anzunehmen. Härter als Fels haben sie ihr Angesicht gemacht, sie weigern sich zurückzukehren. (Jer 2,30; Jer 8,5)4Ich aber, ich sagte mir: Das sind die Geringen, sie sind töricht, denn sie verstehen nicht den Weg des HERRN, das Recht ihres Gottes. (Jer 4,22)5Ich will zu den Grossen gehen, und mit ihnen will ich reden, denn sie verstehen den Weg des HERRN, das Recht ihres Gottes. Aber zusammen haben sie das Joch zerbrochen, die Stricke zerrissen. (Jer 2,8; Jer 2,26; Mi 3,1)6Deshalb schlägt sie der Löwe im Wald, in den Steppen verstümmelt sie der Wolf, vor ihren Städten lauert der Panther, wer immer sie verlässt, wird zerrissen. Denn zahlreich sind ihre Vergehen, und oft sind sie abgefallen. (Jer 2,15; Jer 2,29)7Wie sollte ich dir da verzeihen? Deine Kinder haben mich verlassen, und sie haben bei denen geschworen, die nicht Gott sind. Und ich habe sie satt gemacht, sie aber haben die Ehe gebrochen, und immer wieder waren sie zu Gast im Hurenhaus. (Jer 2,11; Jer 2,13; Jer 3,8)8Brünstige Hengste sind sie geworden, geil, ein jeder wiehert nach der Frau des anderen. (Hes 22,11)9Sollte ich dies nicht ahnden, Spruch des HERRN, und mich nicht rächen an einer Nation wie dieser? (Jer 5,29; Jer 9,8)10Steigt hinauf in ihre Pflanzungen[2] und verwüstet sie, doch vernichtet sie nicht ganz. Entfernt ihre Ranken, denn sie gehören nicht zum HERRN. (Jer 2,21; Jer 4,27)11Wie treulos sie an mir gehandelt haben, das Haus Israel und das Haus Juda! Spruch des HERRN. (Jer 3,20)12Sie haben den HERRN verleugnet und haben gesagt: Er nicht! Und kein Unheil wird über uns kommen, und Schwert und Hunger werden wir nicht sehen. (Jes 28,15; Jer 14,13)13Und die Propheten werden zu Wind, und das Wort ist nicht in ihnen. So wird es ihnen selbst ergehen! (Jer 14,14)14Darum, so spricht der HERR, der Gott der Heerscharen: Weil ihr dies sagt - sieh, zu Feuer mache ich meine Worte in deinem Mund, und dieses Volk ist Brennholz, und es wird sie fressen. (Jer 1,9; Jer 20,9; Jer 23,29)15Seht, ich bringe über euch, Haus Israel, Spruch des HERRN, eine Nation aus der Ferne. Es ist eine Nation, die Bestand hat, es ist eine Nation, die es schon immer gab, eine Nation, deren Sprache du nicht kennst, und was sie redet, kannst du nicht verstehen. (5Mo 28,49; Jes 28,11; Jer 4,16; Jer 6,22)16Wie ein offenes Grab ist ihr Köcher, sie alle sind Helden.17Und sie wird deine Ernte fressen und dein Brot, sie werden deine Söhne fressen und deine Töchter, sie wird deine Schafe fressen und deine Rinder, sie wird deinen Weinberg kahl fressen und deinen Feigenbaum. Deine befestigten Städte, auf die du dich verlässt, zerschlägt sie mit dem Schwert. (5Mo 28,33; Jer 6,12)18Doch auch in jenen Tagen, Spruch des HERRN, will ich euch nicht ganz vernichten. (Jer 4,27)19Und wenn ihr sagt: Wofür hat der HERR, unser Gott, uns all dies angetan?, dann sage ihnen: Wie ihr mich verlassen und fremden Göttern gedient habt in eurem eigenen Land, so werdet ihr Fremden dienen in einem Land, das euch nicht gehört. (Jer 9,11; Jer 13,22; Jer 16,10; Jer 22,8)20Verkündet dies im Haus Jakob und lasst es hören in Juda:21Hört doch dies, dummes Volk ohne Verstand. Augen haben sie und sehen nicht, Ohren haben sie und hören nicht! (Jer 4,22; Jer 6,10; Jer 7,13; Hes 12,2)22Mich wollt ihr nicht fürchten, Spruch des HERRN, vor mir nicht zittern, der ich dem Meer den Sand als Grenze gesetzt habe, als ewige Schranke, die es nicht überschreiten darf? Und wogten die Wellen auch hin und her, nichts können sie erreichen, und brausen auch seine Wogen, sie werden sie nicht überschreiten.[3] (Spr 8,29; Jer 31,35)23Dieses Volk aber hatte ein störrisches und widerspenstiges Herz, abgewichen sind sie und fortgegangen. (Jer 4,17)24Und nie haben sie in ihrem Herzen gesagt: Lasst uns den HERRN, unseren Gott, fürchten, der Regen gibt, Frühregen und Spätregen zur rechten Zeit, die Wochen der Erntefrist sichert er uns. (5Mo 11,14; Jer 10,13; Joe 2,23; Jak 5,7)25Eure Verschuldungen haben dies gestört, und eure Sünden haben das Gute von euch fern gehalten. (Jer 2,17; Jer 14,1)26Denn in meinem Volk finden sich Frevler; wie der Vogelfänger lauert man im Versteck, Fallen stellen sie, fangen Menschen.27Wie ein Käfig voller Vögel, so sind ihre Häuser voller Trug, darum sind sie gross geworden und reich. (Jer 6,13)28Fett sind sie geworden, feist[4], selbst das Mass des Bösen haben sie überschritten, das Recht haben sie nicht durchgesetzt, das Recht der Waise, sie haben sie nicht zum Erfolg geführt, und den Rechtsanspruch der Armen haben sie nicht eingelöst. (Jes 1,23; Jer 22,3; Mal 3,5)29Sollte ich dies nicht ahnden, Spruch des HERRN, mich nicht rächen an einer Nation wie dieser? (Jer 5,9)30Entsetzliches und Grässliches hat sich ereignet im Land: (Jer 6,15; Jer 7,10; Jer 18,13; Jer 23,14; Jer 44,4; Hes 8,6)31Verlogen haben die Propheten geweissagt, und die Priester herrschten mit ihrer Unterstützung, und meinem Volk hat es so gefallen. Was aber werdet ihr tun danach? (Jes 10,3; Jer 14,13)
1Der HERR sagt: »Geht doch durch die Straßen Jerusalems und macht eure Augen auf; seht euch auf allen Plätzen um! Wenn ihr dort nur einen Einzigen findet, der das Rechte tut und auf den man sich verlassen kann, dann werde ich die Schuld der ganzen Stadt vergeben. (1Mo 18,20; Ps 14,2; Hes 22,30)2Aber wenn in Jerusalem jemand bei meinem Namen schwört, dann ist es bestimmt ein Meineid!« (Jer 4,2)3Doch dir, HERR, kommt es auf Treue und Zuverlässigkeit an! Du hast dieses Volk geschlagen, aber es hat sich nichts daraus gemacht. Du hast es fast vernichtet, aber es wollte nicht daraus lernen. Sie blieben bei ihrem Starrsinn und weigerten sich, zu dir umzukehren. (Jer 2,30; Jer 7,28; Jer 8,5; Jer 15,7; Am 4,6; Zef 3,2; Sach 7,11)4Ich hatte gedacht: Gewiss sind nur die einfachen Leute so; die handeln verkehrt, weil sie nicht wissen, was der HERR von ihnen erwartet und was in seinen Augen recht ist.5Ich muss die Gebildeten ansprechen, sie werden es bestimmt wissen. Aber gerade sie haben Gott den Gehorsam aufgekündigt und sich von ihm losgerissen, als wären seine Gebote nur eine lästige Fessel. (Mi 3,1)6Der HERR sagt: »Darum wird dieses Volk von seinen Feinden vernichtet! Sie fallen über es her wie der Löwe aus dem Dickicht, sie packen es wie der Wolf aus der Steppe. Wie der Leopard lauern sie vor seinen Städten; jeder, der herauskommt, wird zerrissen. Denn zahllos sind die Vergehen dieses Volkes, es zeigt mir nur noch den Rücken.« (Jer 4,7)
Vergebung ist nicht mehr möglich
7Der HERR sagt: »Warum sollte ich euch vergeben? Ihr habt mich verlassen und bei Göttern geschworen, die gar keine Götter sind. Ich habe euch satt gemacht, aber ihr habt mir die Treue gebrochen und eure Zeit im Hurenhaus zugebracht.[1] (Jer 2,13)8Wie feiste, geile Hengste seid ihr geworden: Jeder wiehert nach der Frau des anderen.9Sollte ich das hingehen lassen«, sagt der HERR, »sollte ich an einem solchen Volk nicht Vergeltung üben? (Jer 5,29; Jer 9,8)10Also hinauf in den Weinberg! Verwüstet ihn! – Aber vernichtet ihn nicht ganz! – Reißt die Ranken ab; mir gehören sie nicht! (Jer 2,21; Jer 4,27)11Denn die Leute von Israel und von Juda haben sich völlig von mir abgewandt.« Das sagt der HERR.
Selbstsicherheit fordert das Gericht heraus
12Die Leute von Juda nehmen den HERRN nicht ernst. »Mit ihm braucht niemand zu rechnen«, sagen sie. »Krieg und Hungersnot wird es nicht geben; die ganze Katastrophe findet nicht statt. (Ps 14,1)13Was die Propheten verkündet haben, wird sich als Wind erweisen. Was sie angedroht haben, soll sie selbst treffen; denn Gott hat gar nicht zu ihnen gesprochen.«14Aber der HERR, der Gott der ganzen Welt,[2] hat zu mir gesagt: »Weil die Leute von Juda so reden, sorge ich dafür, dass die Worte, die ich dir auftrage, zu einem Feuersturm werden, und dieses Volk mache ich zum Brennholz; der Feuersturm soll es fressen! (Jer 20,9; Jer 23,29)15Sag zu ihnen: ›Ich führe von fern her ein Volk gegen euch heran. Ihr kennt seine Sprache nicht und versteht nicht, was diese Leute sagen. Niemand kann es besiegen. Es ist ein uraltes Volk von unerschöpflicher Kraft. (5Mo 28,49; Jes 28,11; Jer 6,22)16Aus den Köchern seiner Krieger kommen Tod und Verderben; sie alle sind im Kampf erprobt.17Dieses Volk wird alles fressen: eure Ernte und eure Vorräte, eure Söhne und Töchter, eure Schafe und Rinder, eure Weinstöcke und Feigenbäume. Es wird die befestigten Städte, auf die ihr vertraut, zerstören und ihre Bewohner mit dem Schwert erschlagen.‹«
Die Strafe entspricht dem Vergehen
18»Aber auch dann will ich mein Volk nicht völlig vernichten«, sagte der HERR zu mir. (Jer 4,27)19»Und wenn sie dich fragen: ›Weshalb hat der HERR uns all das angetan?‹, so antworte ihnen: ›In eurem eigenen Land habt ihr den HERRN, euren Gott, verlassen und fremden Göttern gedient, deshalb dient nun auch fremden Menschen in einem Land, das nicht euch gehört.‹« (5Mo 29,23; Jer 16,10; Jer 22,8)
Ein unbelehrbares Volk
20Der HERR sagte zu mir: »Verkünde den Nachkommen Jakobs, dem Volk von Juda:21›Hört, was der HERR sagt, ihr Leute ohne Einsicht und Verstand, mit Augen, die nicht sehen, mit Ohren, die nicht hören! (Jes 6,9; Jer 4,22; Mk 8,18)22Wollt ihr mich nicht endlich ernst nehmen? Wollt ihr nicht zittern und beben vor mir? Ich habe dem Meer eine Grenze gesetzt, die es nie überschreiten kann. Einen Sandwall habe ich darumgelegt und alles Toben und Schäumen hilft ihm nichts; es kommt nicht darüber hinaus. (Hi 38,8)23Doch ihr wollt nicht begreifen, ihr sperrt euch gegen jede Einsicht. Ihr habt euch von mir abgewandt und seid davongelaufen.24Ihr dachtet nicht daran, zu sagen: Wir wollen den HERRN, unseren Gott, ehren, er schickt uns ja den Regen, im Herbst wie im Frühjahr, und sorgt dafür, dass das Korn auf den Feldern zu seiner Zeit reif wird. (5Mo 11,14; Jer 3,3; Jer 14,22; Sach 10,1)25Um diesen Segen habt ihr euch durch eure Vergehen gebracht; Dürre und Missernte sind die Folgen eurer Schuld!‹«
Skrupellose Jagd nach Bereicherung
26Der HERR sagt: »In meinem Volk gibt es skrupellose Leute. Wie Vogelfänger sich ducken und darauf lauern, dass ihnen Vögel in die Netze gehen, so haben sie Fallen gestellt, um Menschen zu fangen. (Ps 10,9; Spr 1,11)27Wie der Käfig des Vogelfängers voll ist von gefangenen Vögeln, so sind ihre Häuser voll von unrecht erworbenem Gut. Auf diese Weise sind sie groß und reich geworden,28dick und fett sind sie. Ihre Rücksichtslosigkeit kennt keine Grenzen. Das Recht ist bei ihnen in schlechten Händen: Sie setzen sich nicht für die Waisen ein und verhelfen den Armen nicht zu dem, was ihnen zusteht. (Ps 73,7)29Und all das sollte ich hingehen lassen? Muss ich an einem solchen Volk nicht Vergeltung üben?« (Jer 5,9)
Die Schuld der Propheten und Priester
30Der HERR sagt: »Was in diesem Land geschieht, ist unglaublich und empörend: (Jer 18,13; Jer 23,14)31Die Propheten reden Lug und Trug, die Priester suchen nur den eigenen Vorteil,[3] und mein Volk hat es gerne so. Was aber wollt ihr machen, wenn das Ende da ist?« (Jer 2,8)