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Schlachter 2000

Elberfelder Bibel

Neue evangelistische Übersetzung

1 Die Last, die der Prophet Habakuk1 geschaut hat:
2 Wie lange, o HERR, rufe ich [schon], ohne dass du hörst! Ich schreie zu dir [wegen des] Unrechts, und du hilfst nicht.
3 Warum lässt du mich Bosheit sehen und schaust dem Unheil zu? Bedrückung und Gewalttat werden vor meinen Augen begangen; es entsteht Streit, und Zank erhebt sich.
4 Darum wird das Gesetz kraftlos, und das Recht bricht nicht mehr durch; denn der Gottlose bedrängt den Gerechten von allen Seiten; darum kommt das Urteil verkehrt heraus!

Die Antwort des Herrn: Ankündigung des Gerichts durch die Chaldäer

5 Seht euch um unter den Heidenvölkern und schaut umher; verwundert und entsetzt euch! Denn ich tue ein Werk in euren Tagen — ihr würdet es nicht glauben, wenn man es erzählte!
6 Denn siehe, ich erwecke die Chaldäer, ein bitterböses und ungestümes Volk, das die Weiten der Erde durchzieht, um Wohnsitze zu erobern, die ihm nicht gehören.
7 Es ist schrecklich und furchterregend; sein Recht und sein Ansehen gehen von ihm selbst aus.
8 Schneller als Leoparden sind seine Rosse und rascher als Wölfe am Abend; seine Reiter kommen im Galopp daher, von fern her kommen seine Reiter; sie fliegen daher wie ein Adler, der sich auf den Fraß stürzt.
9 Sie gehen alle auf Gewalttaten aus; ihre Angesichter streben [unaufhaltsam] vorwärts, und sie fegen Gefangene zusammen wie Sand.
10 Es spottet über die Könige, und für Fürsten hat es nur Gelächter übrig; es lacht über alle Festungen, schüttet Erde auf und erobert sie.
11 Dann fährt es daher wie ein Sturmwind, geht weiter und lädt Schuld auf sich; denn diese seine Kraft macht es zu seinem Gott.

Habakuk bittet den Herrn um Begrenzung des Gerichts

12 Bist du, o HERR, nicht von Urzeiten her mein Gott, mein Heiliger? Wir werden nicht sterben! HERR, zum Gericht hast du ihn eingesetzt, und zur Züchtigung hast du, o Fels, ihn bestimmt.
13 Deine Augen sind so rein, dass sie das Böse nicht ansehen können; du kannst dem Unheil nicht zuschauen. Warum siehst du denn den Frevlern schweigend zu, während der Gottlose den verschlingt, der gerechter ist als er?
14 Du lässt die Menschen so behandeln wie die Fische im Meer, wie das Gewürm, das keinen Herrscher hat.
15 Er fischt sie alle mit der Angel heraus, fängt sie mit seinem Netz und sammelt sie in sein Garn; darüber freut er sich und frohlockt.
16 Darum opfert er auch seinem Netz und bringt seinem Garn Räucherwerk dar; denn ihnen verdankt er seine fetten Bissen und seine kräftige Nahrung.
17 Darf er aber darum sein Netz beständig ausleeren und ohne Erbarmen Völker hinmorden?
1 bed. »Umarmung / Umarmer«, »Der sich [an Gott] klammert«.

Klage des Propheten über Unrecht und Gewalt - Gottes Antwort

1 Der Ausspruch, den1 der Prophet Habakuk geschaut hat.
2 Wie lange, HERR, rufe ich schon um Hilfe, und du hörst nicht! Wie lange schreie ich zu dir: Gewalttat! - doch du rettest nicht?
3 Warum lässt du mich Unrecht sehen und schaust dem Verderben2 zu, so dass Verwüstung3 und Gewalttat vor mir sind, Streit entsteht und Zank sich erhebt?
4 Darum erstirbt die Weisung, und der gerechte Rechtsspruch4 kommt nie mehr heraus. Denn der Gottlose kreist den Gerechten ein; darum kommt ein verdrehter Rechtsspruch5 heraus.
5 Seht euch um unter den Nationen und schaut zu und stutzt, ja, staunt! Denn ich wirke6 ein Werk in euren Tagen - ihr glaubtet es nicht, wenn es erzählt würde.
6 Denn siehe, ich lasse die Chaldäer erstehen, die grimmige und ungestüme Nation, die die Weiten der Erde durchzieht, um Wohnplätze in Besitz zu nehmen, die ihr nicht gehören.
7 Schrecklich und furchtbar ist sie. Von ihr selbst gehen ihr Recht und ihre Hoheit aus.
8 Und schneller als Leoparden sind ihre Pferde und angriffslustiger als Wölfe am Abend7. Es stampfen ihre Pferde, ihre Pferde kommen von fern her, fliegen herbei wie ein Adler, der sich auf den Fraß stürzt.
9 Jeder kommt zur Gewalttat. Ihre Front strebt unaufhaltsam vorwärts8, und Gefangene rafft sie zusammen wie Sand.
10 Mit den Königen treibt sie ihren Spott, und Fürsten sind ihr ein Gelächter. Über jede Festung lacht sie, schüttet einen Erdwall9 auf und nimmt sie ein.
11 Dann fährt sie daher wie der Wind und zieht weiter und verheert10: so ist der, dem die eigene Kraft sein Gott ist!

Erneute Klage des Propheten und erneute Antwort Gottes

12 Bist du nicht von alters her, HERR, mein Gott, mein Heiliger? Wir werden nicht sterben?11 HERR, du hast sie zum Gericht eingesetzt und, Fels, zum Züchtigen sie bestimmt.12
13 Du hast zu reine Augen, um Böses mitansehen zu können, und Verderben13 vermagst du nicht anzuschauen. Warum schaust du dann den Räubern14 zu, schweigst, wenn der Gottlose den verschlingt, der gerechter ist als er?
14 Machst du doch die Menschen wie die Fische des Meeres, wie die Kriechtiere, die keinen Herrscher haben15.
15 Sie alle holt er mit der Angel herauf, er schleppt sie mit seinem Fangnetz fort und sammelt sie ein in seinem Garn; darüber freut er sich und jubelt.
16 Darum schlachtet er für sein Netz Schlachtopfer und lässt für sein Garn Rauchopfer aufsteigen, denn durch sie ist sein Anteil fett und feist seine Speise.
17 Soll er darum sein Netz ausleeren, und zwar ständig16, um Nationen ohne Mitleid hinzumorden?
1 o. Die Last, die
2 o. Elend
3 o. Unterdrückung
4 o. Darum ist das Gesetz kraftlos, und das Recht
5 o. verdrehtes Recht
6 so mit LXX; Mas. T.: Denn es wirkt einer
7 Andere lesen mit Textänderung: Wölfe der Steppe
8 w. Das Streben ihrer Gesichter ist vorwärts
9 w. Erde
10 so mit der Habakuk-Rolle von Qu.; Mas. T.: und wird schuldig
11 o. Wir werden nicht sterben!
12 o. HERR, hast du zum Gericht ihn eingesetzt und . . . zur Züchtigung ihn bestimmt?
13 o. Elend
14 o. den Treulosen
15 Die Habakuk-Rolle von Qu. überliefert: wie Kriechtiere für den, der über sie herrscht
16 Die Habakuk-Rolle von Qu. überliefert: Darf er darum ständig sein Schwert ziehen

Die Fragen des Propheten: Warum das alles?

1 1Botschaft, die dem Propheten Habakuk als Last offenbart wurde:
2 Wie lange schrei ich schon zu dir, Jahwe, / doch du hörst mich nicht! / Ich rufe: "Hilfe" und "Gewalt!", / doch du rettest nicht.
3 Warum lässt du mich das Unrecht sehen? / Warum schaust du dem Verderben zu? / Warum sehe ich nur Frevel und Gewalt, / erlebe Zwietracht und Streit?
4 Darum ist die Weisung erschlafft, / und das Recht kommt nicht mehr durch. / Der Böse umstellt den Gerechten, / und so wird das Recht verdreht.

Gottes Antwort

5 Seht euch unter den Völkern um, / staunt und erstarrt! / In eurer Zeit geschieht etwas, / das ihr nicht glauben würdet, wenn es jemand erzählt.2
6 Seht her! Ich stachle die Chaldäer3 auf, / das grausame, ungestüme Volk, / das die Weiten der Erde durchzieht, / um Länder in Besitz zu nehmen, die ihm nicht gehören,
7 ein schreckliches und furchtbares Volk, / das sich selbst sein Recht herausnimmt und seine Hoheit bestimmt.
8 Schneller als Leoparden sind seine Pferde / und wilder als hungrige Wölfe. / Seine Pferde und Reiter stürmen heran, / sie kommen aus der Ferne. / Wie Geier fliegen sie herbei / und stürzen sich auf den Fraß.
9 Sie sind entschlossen zu roher Gewalt, / ihre Blicke vorwärts gerichtet. / Gefangene schaufeln sie ein wie Sand.
10 Mit Königen treiben sie ihren Spott, / Würdenträger sind ihr Gelächter. / Über jede Festung lachen sie nur, / schütten einen Wall auf und nehmen sie ein.
11 Dann ziehen sie weiter. / Wie der Sturm fegen sie dahin / und machen sich schuldig, / denn ihr Gott ist die eigene Kraft.

Klage des Propheten

12 Bist nicht du, Jahwe, schon immer mein heiliger Gott? / Wir werden doch nicht sterben? / Du hast sie wohl nur zum Gericht eingesetzt, Jahwe? / Du, unser Fels, hast du sie nur zur Züchtigung bestellt?
13 Du hast zu reine Augen, um Böses mit anzusehen, / du schaust nicht bei Misshandlungen zu! / Warum lässt du dann diese Räuber gewähren? / Warum schweigst du, wenn der Gottlose den Gerechteren verschlingt?
14 Warum behandelst du Menschen, / als wären sie Fische im Meer / oder kriechendes Getier, das keinen Herrscher hat?
15 Er holt sie alle mit der Angel herauf, / er schleppt sie mit Netzen davon, / er sammelt sie in sein Geflecht / und jubelt über den guten Fang.
16 Deshalb opfert er seinem Netz, / bringt Rauchopfer für sein Garn,4 / denn durch sie hat er reichen Gewinn / und ein üppiges Mahl.
17 Soll er darum sein Netz leeren, / ohne Erbarmen Völker hinmorden?
1 Der Prophet Habakuk verkündigte den Juden die ungeheuerliche Botschaft, dass Gott ein so sündiges Volk wie die Babylonier dazu benutzen würde, um Israel zu richten (Habakuk 1,5-11). Diese Botschaft passt am ehesten in die Zeit kurz vor der Schlacht von Karkemisch (605 v.Chr.), bei der die Babylonier einen Sieg über die Ägypter errangen und zur Großmacht aufstiegen. Der Prophet fragt Gott wiederholt nach dem Warum und bekommt klare Antworten. Dafür ehrt er Gott im dritten Kapitel mit einem Psalm.
2 Wird im NT von Paulus sinngemäß nach der LXX zitiert: Apostelgeschichte 13,41.
3 Ursprünglich Bewohner von Süd-Babylonien, später wurden alle Babylonier Chaldäer genannt.
4 Das meint hier die Dinge, denen die Babylonier ihren militärischen Erfolg verdankten.
5 o. verdrehtes Recht
6 so mit LXX; Mas. T.: Denn es wirkt einer
7 Andere lesen mit Textänderung: Wölfe der Steppe
8 w. Das Streben ihrer Gesichter ist vorwärts
9 w. Erde
10 so mit der Habakuk-Rolle von Qu.; Mas. T.: und wird schuldig
11 o. Wir werden nicht sterben!
12 o. HERR, hast du zum Gericht ihn eingesetzt und . . . zur Züchtigung ihn bestimmt?
13 o. Elend
14 o. den Treulosen
15 Die Habakuk-Rolle von Qu. überliefert: wie Kriechtiere für den, der über sie herrscht
16 Die Habakuk-Rolle von Qu. überliefert: Darf er darum ständig sein Schwert ziehen
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