Hilfe

Gute Nachricht Bibel

Gibt es noch Rettung für Israel?

1 1(A) Hört die Totenklage, die ich über euch anstimme, ihr Leute von Israel:
2 Erschlagen liegt sie da, die Jungfrau Israel, und steht nie wieder auf! Verlassen liegt sie da in ihrem eignen Land und niemand hilft ihr mehr!
3 Denn der Herr, der mächtige Gott, sagt: »Wenn aus einer Stadt tausend Männer in den Kampf ziehen, kehren nur hundert zurück, und wenn hundert ausziehen, nur zehn. So wird es überall im ganzen Reich Israel sein.« (B)
4 Der Herr lässt den Leuten von Israel sagen: »Kommt zu mir, dann bleibt ihr am Leben!
5 Geht nicht nach Bet-El; denn Bet-El muss an den Bettelstab! Geht auch nicht nach Gilgal; denn Gilgal muss an den Galgen! Und geht erst recht nicht über die Grenze nach Beerscheba!«2
6 Kommt zum Herrn,3 dann werdet ihr leben! Sonst wird er wie Feuer über die Nachkommen Josefs herfallen. Dieser Brand wird auch das Heiligtum von Bet-El4 fressen; niemand kann ihn löschen. (C)
7 Weh euch! Ihr tretet das Recht mit Füßen; ihr verdreht es, dass es bitter wird wie Galle! (D)
8 Er hat das Siebengestirn und den Orion geschaffen. Er lässt aus Dunkelheit Licht werden und aus Licht wieder Dunkelheit. Er ruft das Wasser aus dem Meer und lässt es auf die Erde herabregnen. »Herr« ist sein Name!
9 Er vernichtet die Mächtigen und zerstört ihre Festungen. (C)
10 Weh euch! Ihr hasst jeden, der in der Gerichtsversammlung die Wahrheit sagt und das Unrecht anprangert!
11-12 Ich kenne eure Vergehen, eure zahllosen Verbrechen! Ihr beutet die Armen aus und verlangt von ihnen hohe Abgaben an Korn. Ihr verfolgt ehrbare Bürger, nehmt Bestechungsgelder an und verweigert den Schutzlosen ihr Recht. Aber die Strafe lässt nicht auf sich warten:5 Ihr werdet eure neuen Häuser aus behauenen Steinen nicht bewohnen und den Wein aus euren neu angelegten Weinbergen nicht trinken. (B)
13 6 Deshalb handelt jeder klug, der in solch einer bösen Zeit schweigt und sich euch nicht ans Messer liefert.
14 Kommt zurück zum Guten, kehrt euch ab vom Bösen! Dann werdet ihr am Leben bleiben. Dann wird der Herr, der Gott der ganzen Welt,7 wirklich bei euch sein, wie ihr behauptet.
15 Hasst das Böse, liebt das Gute! Sorgt vor Gericht dafür, dass Recht Recht bleibt! Vielleicht wird dann der Herr, der Gott der ganzen Welt, denen gnädig sein, die von den Nachkommen Josefs übrig bleiben. (A)
16 Weil ihr das Recht mit Füßen tretet, kündigt der Herr, der Gott und Herrscher der ganzen Welt,8 euch an: »Auf allen Plätzen wird man Trauerlieder hören, in allen Gassen Weherufe. Die Landleute werden von den Feldern geholt, um die Toten zu beweinen; alle, die sich darauf verstehen, werden zur Totenklage herbeigerufen.
17 Selbst die Weinberge, in denen sonst Freude und Jubel herrschten,9 werden erfüllt sein von Klagegeschrei. Denn ich werde unter euch blutige Ernte halten. Das sage ich, der Herr!«

Israel wiegt sich in falscher Sicherheit

18 Weh euch, die ihr den Tag herbeisehnt, an dem der Herr eingreift! Was erwartet ihr denn von diesem Tag?10 Finsternis wird er euch bringen und nicht Licht!
19 Es wird euch ergehen wie dem Mann, der vor einem Löwen davonläuft und auf einen Bären trifft, und wenn er glücklich das Haus erreicht hat und sich an die Wand lehnt, beißt ihn eine Schlange.
20 Der Tag des Herrn bringt Finsternis und nicht Licht, ein schwarzer Tag ist er; auch nicht einen Schimmer von Hoffnung lässt er euch.

Gottesdienst ersetzt nicht gerechtes Handeln

21 Der Herr sagt: »Ich hasse eure Feste und kann eure Feiern nicht ausstehen.
22 Eure Brandopfer und Speiseopfer sind mir zuwider; das gemästete Vieh, das ihr für das Opfermahl schlachtet, kann ich nicht mehr sehen.
23 Hört auf mit dem Geplärr eurer Lieder!11 Euer Harfengeklimper ist mir lästig!
24 Sorgt lieber dafür, dass jeder zu seinem Recht kommt! Recht und Gerechtigkeit sollen das Land erfüllen wie ein Strom, der nie austrocknet.
25 Habe ich von euch Israeliten während der vierzig Wüstenjahre vielleicht Mahlopfer und Speiseopfer verlangt?12
26 Habt ihr damals schon die Götzenbilder eures Himmelskönigs Sakkut und eures Sterngottes Kewan herumgetragen, wie ihr es jetzt tut?13
27 Ihr könnt euch darauf verlassen: Ich werde euch in die Verbannung14 führen, noch über Damaskus hinaus.« Das sagt der Herr, der Gott der ganzen Welt.15
1 Die Verse 1-17 bestehen aus einer kunstvoll verschränkten Folge von Prophetenworten, die um das zentrale Stück Vers 8-9 symmetrisch (ABCDCBA) angeordnet sind – ohne Rücksicht darauf, dass der logische Zusammenhang dadurch mehrfach unterbrochen wird (vgl. die Anmerkung zu Vers 13). Die inhaltlich aufeinander bezogenen Abschnitte werden oben durch gleiche Buchstaben (A, B, C usw.) gekennzeichnet.
2 An den drei Orten befanden sich alte Heiligtümer. Beerscheba lag im südlichen Teil von Juda. Das Wort über Gilgal ist im Hebräischen ein Wortspiel, das über Bet-El (Haus Gottes) spielt mit der Verballhornung zu Bet-Awen (Haus des Unheils/Unrechts), die sich mehrfach bei Hosea findet (Hos 4,15; 5,8; 10,5).
3 So lautet herkömmlicherweise die Aufforderung, zum Heiligtum zu gehen (siehe 4,4-5 und Anmerkung dazu). Amos macht mit schneidender Schärfe klar: An den erwähnten Heiligtümern ist Gott nicht zu finden.
4 Das Reichsheiligtum des Nordreiches (7,13).
5 Aber die Strafe ...: verdeutlichender Zusatz.
6 Der Vers wird zur Verdeutlichung des Zusammenhangs umgestellt. Auch hier besteht eine symmetrische Beziehung: Vers 13 gehört über Vers 11-12 hinweg zu Vers 10, wie im Großen Vers 10-13 zu Vers 7 und Vers 14-15 zu Vers 4-6 usw.
7 Wörtlich der Herr, Gott Zebaot; ebenso in Vers 15.
8 Wörtlich der Herr, Gott Zebaot, der Herr.
9 in denen ...: verdeutlichender Zusatz.
10 Der »Tag des Herrn« bedeutete nach herkömmlicher Erwartung: Sieg für Israel, Vernichtung für dessen Feinde (vgl. Ps 68 und Schlachten wie Jos 10,10-14; Ri 5 oder 7,19-22). Amos aber hat das Gericht gerade über Israel anzukündigen (siehe auch Anmerkung zu 2,6).
11 Man hat dabei an gottesdienstliche Lieder wie die Psalmen zu denken!
12 Amos hat offenbar ein anderes Bild von der Wüstenzeit als Lev 8–9; Num 7.
13 Deutung unsicher. Manche Ausleger verstehen den Satz als Strafankündigung: »Ihr werdet (in der Verbannung) die Bilder der assyrischen Götzen herumtragen« (vgl. Sacherklärung »«).
14 Siehe die . Amos ist der erste Prophet, der die Verbannung Israels ankündigt (vgl. auch 7,11.17; 9,4) - zu einem Zeitpunkt, als die assyrische Praxis der Zwangsumsiedlung noch kaum in das Blickfeld Israels getreten war.
15 Wörtlich der Herr, Gott Zebaot.
© 2018 ERF Medien