Hilfe

Einheitsübersetzung 2016

1 Weh, mit seinem Zorn umwölkt der Herr die Tochter Zion! Er schleuderte vom Himmel zur Erde die Pracht Israels. Nicht dachte er an den Schemel seiner Füße am Tag seines Zornes.
2 Schonungslos hat der Herr vernichtet alle Fluren Jakobs, niedergerissen in seinem Grimm die Bollwerke der Tochter Juda, zu Boden gestreckt, entweiht das Königtum und seine Fürsten.
3 Abgehauen hat er in Zornesglut jedes Horn in Israel. Er zog seine Rechte zurück angesichts des Feindes und brannte in Jakob wie flammendes Feuer, ringsum alles verzehrend.
4 Er spannte den Bogen wie ein Feind, stand da - seine Rechte erhoben wie ein Bedränger. Er erschlug alles, was das Auge erfreut. Im Zelt der Tochter Zion goss er seinen Zorn aus wie Feuer.
5 Wie ein Feind ist geworden der Herr, Israel hat er vernichtet. Vernichtet hat er alle Paläste, zerstört seine Burgen. Auf die Tochter Juda hat er gehäuft Jammer über Jammer.
6 Er zertrat wie einen Garten seine Wohnstatt, zerstörte seinen Festort. Vergessen ließ der HERR auf Zion Festtag und Sabbat. In glühendem Zorn verwarf er König und Priester.
7 Seinen Altar hat der Herr verschmäht, verworfen sein Heiligtum, ausgeliefert in die Hand des Feindes die Mauern von Zions Palästen. Man lärmte im Haus des HERRN wie an einem Festtag.
8 Zu schleifen plante der HERR die Mauer der Tochter Zion. Er spannte die Messschnur und zog nicht zurück seine Hand vom Vernichten. Trauern ließ er Wall und Mauer; miteinander sanken sie nieder.
9 In den Boden sanken ihre Tore, ihre Riegel hat er zerstört und zerbrochen. Ihr König und ihre Fürsten sind unter den Völkern, keine Weisung ist da, auch ihre Propheten erhalten keine Vision mehr vom HERRN.
10 Am Boden sitzen, verstummt, die Ältesten der Tochter Zion, streuen sich Staub aufs Haupt, legen Trauerkleider an. Zu Boden senken den Kopf die Mädchen von Jerusalem.
11 Meine Augen ermatten vor Tränen, mein Inneres glüht, meine Leber ist zu Boden geschüttet wegen des Zusammenbruches der Tochter, meines Volkes, da Kind und Säugling verschmachten auf den Plätzen der Stadt.1
12 Sie sagen zu ihren Müttern: Wo ist Brot und Wein?, da sie wie tödlich verwundet verschmachten auf den Plätzen der Stadt, da ihr Leben ausgeschüttet ist auf dem Schoß ihrer Mütter.
13 Wie soll ich dir zureden, was dir gleichsetzen, Tochter Jerusalem? Womit kann ich dich vergleichen, wie dich trösten, Jungfrau, Tochter Zion? Ja, dein Zusammenbruch ist groß wie das Meer, wer kann dich heilen?
14 Deine Propheten schauten dir Lug und Trug. Deine Schuld haben sie nicht aufgedeckt, um dein Schicksal zu wenden. Sie schauten dir als Prophetenworte nur Trug und Verführung.
15 Über dich klatschen in die Hände alle, die des Weges ziehen. Sie pfeifen und schütteln den Kopf über die Tochter Jerusalem: Ist das die Stadt, die man nannte: Krone der Schönheit, Entzücken der ganzen Welt?
16 Über dich reißen ihr Maul auf all deine Feinde. Sie pfeifen und fletschen die Zähne, sie sprechen: Wir haben sie vernichtet. Das ist der Tag, auf den wir hofften. Wir haben ihn erreicht und gesehen.
17 Getan hat der HERR, was er geplant, seinen Drohspruch vollzogen, den er seit alters verkündet hat. Schonungslos hat er niedergerissen. Den Feind ließ er über dich jubeln, richtete auf die Macht deiner Bedränger.
18 Ihr Herz schreit laut zum Herrn. Mauer der Tochter Zion, lass fließen wie einen Bach die Tränen Tag und Nacht! Niemals gewähre dir Ruhe, nie lass deinen Augapfel rasten!
19 Steh auf, klage bei Nacht, zu jeder Nachtwache Anfang! Schütte aus wie Wasser dein Herz vor dem Angesicht des Herrn! Erhebe zu ihm die Hände für deiner Kinder Leben, die vor Hunger verschmachten an den Ecken aller Straßen!
20 HERR, sieh doch und schau: Wem hast du solches getan? Dürfen Frauen ihre Leibesfrucht essen, die sorgsam gehegten Kinder? Dürfen im Heiligtum des Herrn Priester und Prophet erschlagen werden?
21 Am Boden liegen in den Gassen Kind und Greis. Meine Mädchen und jungen Männer fielen unter dem Schwert. Du hast sie erschlagen am Tag deines Zorns, schonungslos geschlachtet.
22 Wie zum Festtag hast du von ringsum gerufen, wovor mir graut. Am Zorntag des HERRN gab es keinen, der entkam und entrann. Die ich hegte und großzog, mein Feind hat sie vernichtet.
1 2,11 Im hebr. Denken galt die Leber als besonders empfindliches, die Gefühle anzeigendes Organ.
© 2018 ERF Medien