Kommentare zu 1.Korinther 13

Enduring Word (Deutsch) (8)

Liebe ist den geistlichen Gaben an und für sich überlegen

Wenn ich in Sprachen der Menschen und der Engel redete, aber keine Liebe hätte, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich Weissagung hätte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis, und wenn ich allen Glauben besäße, sodass ich Berge versetzte, aber keine Liebe hätte, so wäre ich nichts. (1.Korinther 13,1-2)

Wenn ich in Sprachen der Menschen und der Engel redete: Die Korinther liebten geistliche Gaben, insbesondere die Gabe der Sprachen. Paulus erinnert sie daran, dass sogar die Gabe der Sprachen ohne Liebe bedeutungslos ist. Ohne Liebe kann ein Mensch mit der Gabe der Sprachen sprechen, aber es ist so bedeutungslos wie tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Es ist nichts als leerer Lärm.

  • „Menschen mit geringem Glauben s ind immer laut ; wer nicht die Liebe Gottes und des Menschen in seinem Herzen trägt, ist wie ein leerer Wagen, der stürmisch einen Hügel hinuntersaust: Er macht großen Lärm, weil nichts in ihm drin ist." (Josiah Gregory, zitiert in Clarke)

Sprachen der Menschen und der Engel: Das hier aus dem Altgriechischen übersetzte Wort ‚Sprachen' ist an einigen Stellen einfach zu verstehen als „die Fähigkeit verbaler Kommunikation" (Apostelgeschichte 2,11 und Offenbarung 5,9). Dies hat dazu geführt, dass manche meinen, die Gabe der Sprachen sei einfach die Fähigkeit, das Evangelium in anderen Sprachen zu kommunizieren, oder die Fähigkeit, Sprachen schnell zu erlernen. Aber die Art und Weise, wie der Begriff ‚Sprachen' hier verwendet wird, zeigt, dass es sich auf übernatürliche Sprachen beziehen könnte, und dies in der Regel auch tun, durch die ein Gläubiger mit Gott kommuniziert. Es gibt keine andere Möglichkeit, den Bezug auf die Sprache der … Engel zu verstehen.

  • Zu Paulus' Zeiten glaubten viele Juden, dass Engel ihre eigene Sprache besäßen und man diese durch den Geist sprechen könne. Der Bezug auf die Sprache der … Engel zeigt, dass die wahre Gabe der Sprachen zwar eine echte Sprache ist, aber vielleicht keine ‚lebendige' menschliche Sprache oder überhaupt keine menschliche Sprache. Offenbar gibt es Engelssprachen, die Menschen durch die Einwirkung des Heiligen Geistes sprechen können.
  • In einem faszinierenden Kommentar weist Poole darauf hin, dass die Sprache der … Engel aufzeigen könnte, wie Gott mit uns auf eine nonverbale Weise kommuniziert: „Engel haben weder Zungen, noch machen sie irgendwelche artikulierten, hörbaren Laute, durch die sie sich verständigen; aber dennoch gibt es sicherlich eine gesellschaftliche Verbindung oder einen Austausch unter Engeln, der nicht aufrechterhalten werden könnte, wenn es keine Möglichkeit für sie gäbe, sich untereinander ihren Geist und Willen mitzuteilen. Wie das möglich ist, können wir nicht sagen. Einige der Gelehrten sagen, es sei ein Gefühlseindruck: Auf diese Weise teilt Gott tatsächlich manchmal seinen Anhängern seine Ansichten mit; indem er ihren Verständen geheime Einblicke seines Willens gibt." Poole lag falsch mit seiner Annahme, dass Engel nicht sprechen können - an vielen Stellen in der Bibel reden engelhafte Wesen, sowohl im Himmel als auch auf der Erde. Dennoch ist es interessant zu erwägen, dass Engel Kommunikationsfähigkeiten haben, die wir nicht besitzen und nicht haben werden, bis die Gläubigen in ihrer Auferstehung erhoben werden.

Weissagung, Erkenntnis und Glauben, Wunder vollbringen zu können, ist ebenso bedeutungslos ohne die Liebe. Die Christen aus Korinth verfehlten das Motiv und das Ziel dieser Gaben und machten sie selbst zum Ziel. Paulus lenkt die Aufmerksamkeit wieder zurück auf die Liebe.

  • Paulus, der hierbei den Gedanken von Jesus zitiert, bezieht sich auf den Glauben, der Berge versetzte (Matthäus 17,20). Was für eine großartige Sache wäre es doch, einen Glauben zu haben, der das Unmögliche möglich macht! Doch selbst mit dieser Art von Glauben sind wir nichts ohne Liebe.
  • Ein Mann mit solch einem Glauben kann große Berge versetzen, aber er wird sie direkt auf den Weg eines anderen Menschen - oder direkt auf einen anderen Menschen - setzen, wenn er keine Liebe hat.
  • Es geht hier nicht darum, entweder Liebe oder Gaben zu haben. Eine Kirche sollte nie gezwungen sein, sich zwischen der Liebe und den Gaben des Heiligen Geistes zu entscheiden. Paulus betont den Fokus und das Ziel der Gaben: Liebe, nicht die Gaben um ihrer selbst willen.
  • „Der Besitz der Gaben ist nicht das Zeichen des Geistes; die christliche Liebe ist es." (Fee)

Keine Liebe hätte: Paulus verwendet das altgriechische Wort ‚agape'. Die alten Griechen hatten vier verschiedene Wörter, die wir als Liebe übersetzen könnten. Es ist wichtig, den Unterschied zwischen den Wörtern zu verstehen und nachvollziehen zu können, warum der Apostel Paulus hier das griechische Wort ‚agape' benutzt hat.

  • Eros war eines der Worte für Liebe. Es beschrieb, wie das Wort selbst schon vermuten lässt, die erotische Liebe. Es bezieht sich auf sexuelle Liebe.
  • Storge war das zweite Wort für Liebe. Es bezieht sich auf die Familienliebe, die Art von Liebe, die zwischen einem Elternteil und einem Kind oder zwischen Familienmitgliedern im Allgemeinen besteht.
  • Philia ist das dritte Wort für Liebe. Es bezieht sich auf brüderliche Freundschaft und Zuneigung. Es ist die Liebe in einer tiefen Freundschaft und Partnerschaft. Man könnte sie als die höchste Liebe bezeichnen, zu der ein Mensch ohne Gottes Hilfe fähig ist.
  • Agape ist das vierte Wort für Liebe. Es ist eine Liebe, die liebt, ohne sich zu verändern. Es ist eine sich schenkende Liebe, die gibt, ohne Gegenleistung zu verlangen oder zu erwarten. Es ist eine Liebe, die so groß ist, dass sie den Unliebsamen oder Unansehnlichen gegeben werden kann. Es ist eine Liebe, die auch dann liebt, wenn sie abgewiesen wird. Agape Liebe gibt und liebt, weil sie das will; sie verlangt oder erwartet keinen Ausgleich für die gegebene Liebe. Sie gibt, weil sie liebt; sie liebt nicht, um etwas zu empfangen. Nach Alan Redpath kommt das Wort ‚Agonie' von Agape. „Es bedeutet die tatsächliche Absorption unseres Seins in einer großen Leidenschaft." (Redpath) Streng genommen kann Agape nicht als ‚Gottes Liebe' definiert werden, weil von den Menschen gesagt wird, dass sie die Sünde und die Welt ‚agape' (lieben) ( Johannes 3,19 und 1. Johannes 2,15). Aber sie kann als eine aufopfernde, gebende und akzeptierende Art von Liebe definiert werden. Das Wort hat wenig mit Emotionen zu tun; es hat viel mit Selbstverleugnung um eines anderen willen zu tun.
  • Man kann dieses Kapitel lesen und denken, dass Paulus sagt, unser Leben sei bedeutungslos, wenn wir unfreundlich sind. Aber agape ist nicht wirklich Freundlichkeit; es ist Selbstverleugnung um eines anderen willen.