Matthäus 23

Zürcher Bibel

von Theologischer Verlag Zürich
1 Dann redete Jesus zum Volk und zu seinen Jüngern:2 Auf den Stuhl des Mose haben sich die Schriftgelehrten und Pharisäer gesetzt.3 Was immer sie euch sagen, das tut und haltet! Nach dem, was sie tun, aber richtet euch nicht, sie reden nur, aber tun nicht danach.4 Sie schnüren schwere und unerträgliche Lasten und legen sie den Menschen auf die Schultern, sie selbst aber wollen dafür keinen Finger rühren. (Mt 11,28)5 Alles, was sie tun, tun sie nur, um von den Leuten gesehen zu werden; denn sie machen ihre Gebetsriemen breit und ihre Quasten lang. (4Mo 15,38; 5Mo 6,8; 5Mo 11,18; Mk 12,38; Lk 6,1; Lk 11,43; Lk 20,45)6 Sie legen Wert auf den Ehrenplatz bei den Gastmählern und den Ehrensitz in den Synagogen (Mt 6,5)7 und wollen auf den Marktplätzen gegrüsst und von den Leuten Rabbi genannt werden.8 Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen, denn einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.9 Und niemanden auf Erden sollt ihr euren Vater nennen; denn einer ist euer Vater, der im Himmel. (Mal 2,10; Mt 6,9)10 Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer, der Christus.11 Der Grösste unter euch aber soll euer Diener sein. (Mt 20,26)12 Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. (Lk 14,11)13-14 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschliesst den Menschen das Himmelreich. Ihr selbst nämlich geht nicht hinein, und die hineingehen möchten, die lasst ihr nicht hinein.[1] Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr fresst die Häuser der Witwen leer und verrichtet zum Schein lange Gebete. Deswegen werdet ihr ein umso härteres Urteil empfangen. (Mt 6,2; Mt 7,5; Mt 15,7; Mt 22,18)15 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr zieht über Meer und Land, um einen einzigen zum Proselyten zu machen; und wenn er es geworden ist, macht ihr einen Sohn der Hölle aus ihm, doppelt so schlimm wie ihr.16 Wehe euch, ihr blinden Führer, die ihr sagt: Wenn einer beim Tempel schwört, gilt es nicht. Wenn aber einer beim Gold des Tempels schwört, so bindet es. (Mt 5,33; Mt 15,14)17 Ihr Toren, ihr Blinden! Was ist denn mehr, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt?18 Und: Wenn einer beim Altar schwört, gilt es nicht. Wenn aber einer beim Opfer schwört, das darauf liegt, so bindet es.19 Ihr Blinden, was ist denn mehr, das Opfer oder der Altar, der das Opfer heiligt? (2Mo 29,37)20 Wer also beim Altar schwört, schwört bei ihm und bei allem, was darauf liegt.21 Und wer beim Tempel schwört, schwört bei ihm und bei dem, der darin wohnt.22 Und wer beim Himmel schwört, schwört beim Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt. (Mt 5,34)23 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel, lasst aber ausser acht, was schwerer wiegt im Gesetz: das Recht, die Barmherzigkeit und die Treue. Dies aber sollte man tun und jenes nicht lassen. (3Mo 27,30; 5Mo 14,22; Mi 6,8; Sach 7,9)24 Ihr blinden Führer, die ihr die Mücke aussiebt, das Kamel aber verschluckt. (Mt 15,14)25 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Aussen haltet ihr Becher und Schüssel rein, inwendig aber sind sie voller Raub und Gier.26 Du blinder Pharisäer, mach zuerst den Becher innen rein, dann wird er auch aussen rein sein.27 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gleicht getünchten Gräbern, die von aussen schön anzusehen sind, inwendig aber sind sie voller Totengebein und Unrat.28 So erscheint auch ihr den Leuten von aussen als gerecht, innen aber seid ihr voller Heuchelei und Verachtung für das Gesetz.29 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr baut den Propheten Grabstätten und pflegt die Denkmäler der Gerechten30 und sagt: Hätten wir in den Tagen unserer Väter gelebt, wir wären nicht mit ihnen schuldig geworden am Blut der Propheten.31 Damit stellt ihr euch selbst das Zeugnis aus, dass ihr Söhne derer seid, die die Propheten getötet haben. (Neh 9,26; Mt 5,12; Mt 23,37; Lk 11,47)32 Und ihr, ihr macht das Mass eurer Väter noch voll!33 Nattern, Schlangenbrut! Wie wollt ihr dem Gericht der Hölle entgehen?34 Eben darum sende ich Propheten, Weise und Schriftgelehrte zu euch; einige von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und einige von ihnen werdet ihr auspeitschen in euren Synagogen und sie verfolgen von Stadt zu Stadt; (Mt 10,17; Mt 10,23; 1Thess 2,15)35 so soll über euch kommen all das gerechte Blut, das immer wieder vergossen wird auf Erden, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut des Zacharias, des Sohnes des Barachion, den ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar. (1Mo 4,8; Mt 27,25)36 Amen, ich sage euch: Dies alles wird über dieses Geschlecht kommen.37 Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder um mich sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel sammelt, und ihr habt nicht gewollt. (5Mo 32,11; Ps 91,4; Jer 7,25; Jer 25,4; Mt 14,10; Mt 21,35; Mt 23,31)38 Seht, man wird euch das Haus verwüstet hinterlassen!39 Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht mehr sehen, bis ihr sagen werdet: Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn. (Ps 118,26)

Matthäus 23

Neue Genfer Übersetzung

von Genfer Bibelgesellschaft
1 Dann wandte sich Jesus an die Volksmenge und an seine Jünger (Mk 12,38; Lk 11,43; Lk 11,46; Lk 20,45)2 und sagte: »Das Lehramt des Mose haben heute die Schriftgelehrten und die Pharisäer inne.[1]3 Richtet euch daher nach allem, was sie euch sagen, und befolgt es. Doch richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden zwar, handeln aber nicht danach.4 Sie binden schwere Lasten zusammen, die man kaum tragen kann, und laden sie den Menschen auf die Schultern; doch sie selbst denken nicht daran, diese Lasten auch nur anzurühren[2].5 Und alles, was sie tun, tun sie nur, um die Leute zu beeindrucken: Sie machen ihre Gebetsriemen besonders breit und die Quasten ihrer Gewänder besonders lang.[3] (4Mo 15,37; 5Mo 6,8)6 Bei Festessen nehmen sie die Ehrenplätze für sich in Anspruch und in den Synagogen die vordersten Sitze.7 Sie haben es gern, wenn man sie auf der Straße[4] ehrfurchtsvoll grüßt und wenn die Leute sie mit ›Rabbi‹ anreden.8 Ihr aber sollt euch nicht ›Rabbi‹ nennen lassen, denn nur einer ist euer Meister[5], und ihr alle seid Brüder.9 Auch sollt ihr niemand hier auf der Erde ›Vater‹ nennen, denn nur einer ist euer Vater, der Vater im Himmel.10 Ihr sollt euch auch nicht ›Lehrer‹ nennen lassen, denn nur einer ist euer Lehrer: Christus[6].11 Der Größte unter euch soll[7] euer Diener sein.12 Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.«13-14 »Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschließt den Menschen das Himmelreich. Selbst geht ihr nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr nicht hinein.[8] (Lk 11,39; Lk 11,47)15 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr reist über Land und Meer, um auch nur einen einzigen Anhänger zu gewinnen, und wenn ihr einen gewonnen habt, macht ihr ihn zu einem Anwärter auf die Hölle[9], der doppelt so schlimm ist wie ihr.16 Wehe euch, ihr verblendeten[10] Führer! Ihr sagt: ›Wenn jemand beim Tempel schwört, braucht er seinen Eid nicht zu halten[11]; wenn jemand aber beim Gold des Tempels schwört, ist er an seinen Eid gebunden.‹17 Ihr verblendeten Toren! Was ist denn wichtiger, das Gold oder der Tempel? Durch den Tempel wird das Gold doch erst geheiligt.18 Ihr sagt auch: ›Wenn jemand beim Altar schwört, braucht er seinen Eid nicht zu halten; wenn jemand aber beim Opfer auf dem Altar schwört, ist er an seinen Eid gebunden.‹19 Wie verblendet ihr seid![12] Was ist denn wichtiger, das Opfer oder der Altar? Durch den Altar wird das Opfer doch erst geheiligt.20 Wer also beim Altar schwört, der schwört nicht nur beim Altar, sondern auch bei allem, was darauf ist.21 Und wer beim Tempel schwört, der schwört nicht nur beim Tempel, sondern auch bei dem, der darin wohnt.22 Und wer beim Himmel schwört, der schwört beim Thron Gottes und somit bei dem, der darauf sitzt.23 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt den zehnten Teil von ´Kräutern wie` Minze, Dill und Kümmel und lasst dabei die viel wichtigeren Forderungen des Gesetzes außer Acht: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue[13]. Diese Forderungen solltet ihr erfüllen und das andere nicht außer Acht lassen.24 Verblendete Führer seid ihr! Mücken siebt ihr aus, und Kamele verschluckt ihr.25 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr reinigt das Äußere eurer Becher und Schüsseln, ihr Inhalt aber zeugt von eurer Raubgier[14] und Maßlosigkeit.26 Du verblendeter Pharisäer! Sorg zuerst dafür, dass der Inhalt des Bechers[15] rein ist, dann wird auch das Äußere rein sein.27 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid wie weißgetünchte Gräber: Von außen sehen sie schön aus, innen aber sind sie voll von Totengebeinen und von Unreinheit aller Art.28 Genauso seid auch ihr: Nach außen hin erweckt ihr bei den Menschen den Anschein, gerecht zu sein, in Wirklichkeit aber[16] seid ihr voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit.29 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr errichtet Grabmäler für die Propheten[17] und schmückt die Gräber der Gerechten30 und behauptet: ›Wenn wir zur Zeit unserer Vorfahren gelebt hätten, hätten wir uns nicht mit ihnen am Tod der Propheten schuldig gemacht[18].‹31 Damit gebt ihr selbst zu[19], dass ihr die Nachkommen der Prophetenmörder seid.32 Ja, macht nur das Maß eurer Vorfahren voll!33 Ihr Schlangen, ihr Natternbrut! Wie wollt ihr dem Gericht entgehen und verhindern, dass ihr in die Hölle geworfen werdet[20]?34 Deshalb hört, was ich euch sage: Ich werde Propheten, Männer voller Weisheit und ´wahre` Schriftgelehrte zu euch schicken. Einige von ihnen werdet ihr umbringen, ja sogar kreuzigen; andere werdet ihr in euren Synagogen auspeitschen und von einer Stadt zur anderen verfolgen.35 So wird schließlich euch die ganze Schuld am Tod der Gerechten angerechnet[21], angefangen bei Abel, dem Gerechten, bis hin zu Sacharja, dem Sohn Berechjas, den ihr zwischen dem Tempelgebäude und dem Altar ermordet habt.[22] (1Mo 4,1; Hebr 11,4; Hebr 12,24; 1Joh 3,12)36 Ich sage euch: Die Strafe für all das wird diese Generation treffen.«37 »Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die, die Gott zu dir schickt. Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln wie eine Henne, die ihre Küken unter ihre Flügel nimmt! Aber ihr habt nicht gewollt. (Lk 13,34)38 Seht, euer Haus wird verlassen sein und verwüstet daliegen.39 Denn ich sage euch: Von jetzt an werdet ihr mich nicht mehr sehen, bis ihr ruft: ›Gesegnet sei er, der im Namen des Herrn kommt!‹ « (Ps 118,26)