Weisheit 12

Zürcher Bibel

von Theologischer Verlag Zürich
1 Denn dein unvergänglicher Geist ist in allem.2 Deshalb weist du diejenigen, die sich verfehlen, ein wenig zurecht und tadelst sie, indem du sie an das erinnerst, worin sie sündigen, damit sie, von der Schlechtigkeit befreit, auf dich vertrauen, Herr.3 Denn auch die ehemaligen Bewohner deines heiligen Landes,4 die du verabscheut hast, weil sie taten, was sich aufs Schlimmste gegen dich richtete - Zauberkünste und heillose Riten,5 unbarmherzige Mörder von Kindern, das Feiern von Festen, an denen die Innereien von menschlichem Fleisch und Blut verzehrt wurden, Eingeweihte aus der Mitte eines Kultvereins6 und Eltern, die hilfloses Leben umbrachten -: sie alle wolltest du zugrunde richten durch die Hand unserer Vorfahren,7 damit es eine würdige Bewohnerschaft aus Kindern Gottes erhalte: das Land, das dir von allen das teuerste ist.8 Aber auch diese hast du geschont, da sie Menschen waren, und als Vorboten deines Heeres hast du Wespen gesandt, damit diese nach und nach Verderben über sie brachten.9 Du wärst ja nicht unfähig gewesen, die Gottlosen den Gerechten in einer Schlacht in die Hände zu geben oder sie durch gefährliche Tiere oder ein strenges Wort in einem einzigen Augenblick zu zermalmen;10 nur nach und nach aber hast du über sie Gericht gehalten und ihnen Raum zur Umkehr gegeben, nicht ohne zu wissen, dass ihre Herkunft böse und ihre Schlechtigkeit angeboren ist und dass ihr Denken sich für alle Zeit nicht ändern wird.11 Der Samen nämlich war verflucht von Anfang an, und nicht etwa, weil du dich vor jemandem gescheut hättest, hast du ihnen Straffreiheit gewährt für das, worin sie sündigten.12 Denn wer wird sagen: Was hast du getan? Oder wer wird sich deinem Urteil widersetzen? Wer aber wird dich vor Gericht ziehen wegen der Nationen, die zugrunde gegangen sind, obwohl du sie gemacht hast? Oder wer wird sich dir gegenüber als Rächer aufspielen für die ungerechten Menschen?[1]13 Denn weder gibt es ausser dir einen Gott, dessen Fürsorge allen gilt - so dass du zeigen müsstest, dass du nicht ungerecht gerichtet hast -,14 noch wird ein König oder Alleinherrscher dich zur Rechenschaft ziehen können wegen derer, die du gezüchtigt hast.15 Da du aber gerecht bist, leitest du alles auf gerechte Weise; den aber zu bestrafen, der es nicht verdient, gezüchtigt zu werden, das hältst du für nicht vereinbar mit deiner Macht.16 Denn deine Stärke ist die Grundlage der Gerechtigkeit, und dass du über alles herrschst, führt dazu, dass du alle schonst.17 Denn du erweist deine Stärke, wenn man der Vollkommenheit deiner Macht misstraut, und weist die Kühnheit derer zurecht, die darum wissen.18 Du aber, der du kraftvoll herrschst, richtest mit Augenmass und regierst uns mit viel Schonung; in deiner Hand liegt das Vermögen, etwas zu tun, wenn du es willst!19 Durch solche Taten aber hast du dein Volk gelehrt, dass der Gerechte ein Menschenfreund sein muss, und du hast deine Söhne zu hoffnungsvollen Menschen gemacht, weil du bei Verfehlungen die Möglichkeit zur Umkehr schenkst.20 Denn wenn du die Feinde deiner Kinder, obwohl sie den Tod verdient hätten, mit so grosser Umsicht und Nachsicht bestraft hast - indem du ihnen Zeiten und Gelegenheiten gabst, durch die sie von der Schlechtigkeit befreit werden sollten -,21 mit welch grosser Sorgfalt hast du deine Söhne gerichtet, deren Vorfahren du Eide und Bündnisse voll guter Versprechen gegeben hattest!22 Während du uns also erziehst, geisselst du unsere Feinde zehntausendfach, damit wir deine Güte vor Augen haben, wenn wir richten, und auf dein Erbarmen warten, wenn wir gerichtet werden.23 Deshalb hast du auch diejenigen, die - aus Mangel an Einsicht ins Leben - ungerecht leben, durch ihre eigenen Greuel gepeinigt.24 Denn sogar über die Wege des Irrtums hinaus haben sie sich verirrt, da sie annahmen, Götter seien die, die auch unter den Tieren nicht nur schändlich, sondern völlig ehrlos sind - getäuscht in der Art uneinsichtiger, unmündiger Kinder.25 Deshalb hast du ihnen, wie vernunftlosen Kindern, das Gericht gesandt, um sie dem Spott preiszugeben.26 Sie aber, die sich durch Spott und Tadel nicht ermahnen liessen, werden das verdiente Gericht Gottes erfahren.27 Denn an ihnen, über die sie sich in ihrem eigenen Leiden ärgerten und die sie als Götter angesehen hatten - derentwegen sie nun, wie sie bemerkten, gezüchtigt wurden -, erkannten sie den wahren Gott, den zu kennen sie vorher geleugnet hatten. Deshalb ist auch die höchste Strafe über sie gekommen.[2]

Weisheit 12

Lutherbibel 2017

von Deutsche Bibelgesellschaft
1 und dein unvergänglicher Geist ist in allem.2 Darum bestrafst du die, die fallen, nur leicht und warnst sie, indem du sie an ihre Sünden erinnerst, damit sie von ihrer Schlechtigkeit loskommen und an dich, Herr, glauben. (Hes 3,16)3 Denn als du den früheren Bewohnern deines heiligen Landes feind warst, (5Mo 18,9; Weis 14,23)4 weil sie die widerwärtigsten Dinge trieben, Zauberei und unheilige Bräuche,5 weil sie ihre Kinder erbarmungslos töteten, weil sie Blut und menschliche Eingeweide in ihren Gastmählern aßen – sie, die zum geheimen Opfermahl zusammenkamen6 und als Eltern zu Mördern ihrer hilflosen Kinder wurden, wolltest du vertilgen durch unserer Väter Hände,7 damit das Land, das dir von allen das liebste ist, als würdige Bewohner die Kinder Gottes aufnehmen könnte.8 Dennoch verschontest du sie, weil auch sie Menschen waren, und sandtest deinem Heer Hornissen voraus, damit diese sie nur nach und nach umbrächten. (2Mo 23,28)9 Es war dir zwar nicht unmöglich, die Gottlosen in einer Schlacht den Gerechten zu unterwerfen oder durch grausame Tiere oder durch ein hartes Wort allesamt zu zerschmettern;10 aber du richtetest sie nur nach und nach und gabst ihnen so Gelegenheit zur Buße, obwohl du genau wusstest, dass sie böser Art waren und ihre Bosheit ihnen angeboren und dass sich ihr Sinn niemals mehr ändern würde. (Weis 11,23)11 Denn sie waren ein verfluchtes Geschlecht von Anfang an. So hast du auch nicht darum, weil du jemand gescheut hättest, ihre Sünden unbestraft gelassen. (1Mo 9,24)12 Denn wer darf zu dir sagen: »Was tust du?« Oder wer kann deinem Gericht widerstehen? Oder wer darf dich beschuldigen wegen des Untergangs von Völkern, die du geschaffen hast? Oder wer darf kommen und vor dich hintreten als Verteidiger für ungerechte Menschen? (Dan 4,32; Röm 9,20)13 Denn es ist kein Gott außer dir, der du für alle sorgst. Du musst nicht beweisen, dass du nicht ungerecht richtest. (Weis 6,7)14 Es kann dir auch weder ein König noch ein Tyrann die Stirn bieten um derer willen, die du bestrafst.15 Weil du aber gerecht bist, so regierst du alle Dinge gerecht und siehst es als deiner Majestät nicht gemäß an, jemand zu verdammen, der die Strafe nicht verdient hat. (Hes 18,20)16 Denn deine Stärke ist der Ursprung der Gerechtigkeit, und weil du über alle Herr bist, so kannst du auch alle verschonen. (Weis 11,23; Weis 11,26)17 Denn an denen, die an die Vollkommenheit deiner Macht nicht glauben, beweist du deine Stärke, und an denen, die davon wissen, bestrafst du ihren Übermut.18 Aber du, gewaltiger Herrscher, richtest mit Milde und regierst uns mit viel Verschonen; denn du vermagst alles, wenn du willst.19 Dein Volk aber hast du durch solche Werke gelehrt, dass der Gerechte menschenfreundlich sein soll, und deinen Kindern gibst du damit zu verstehen, sie sollten froher Hoffnung sein, dass du ihnen für die Sünden Gelegenheit zur Buße gebest. (Lk 6,35)20 Denn wenn du die Feinde deiner Kinder, die des Todes schuldig waren, mit solcher Sorgfalt bestraft hast, wenn du ihnen Zeit und Raum gegeben hast, dass sie von ihrer Bosheit lassen konnten: (Apg 17,26)21 Mit wie viel mehr Bedacht richtest du deine Kinder, deren Vätern du mit Eid und Bund viele gute Verheißungen gegeben hast!22 Während du also uns erziehst, plagst du unsre Feinde tausendfach, damit wir deine Güte bedenken, wenn wir richten, und auf deine Barmherzigkeit trauen, wenn wir gerichtet werden. (Weis 11,9)23 Daher quältest du auch die Ungerechten, die ein unverständiges Leben führten, mit ihren eignen Gräueln. (Weis 11,15)24 Denn sie waren so weit auf Irrwege geraten, dass sie sogar Tiere für Götter hielten, die unter den verabscheuten Tieren die verächtlichsten sind; wie unverständige Kinder waren sie betrogen.25 Darum hast du ihnen wie unverständigen Kindern eine Strafe geschickt, die sie zum Gespött machte.26 Die sich aber durch Spott und Strafe nicht warnen lassen, werden das verdiente Gericht Gottes erfahren.27 Denn sie wurden eben durch die gequält, die sie für Götter hielten, und als sie unter ihnen litten, ärgerten sie sich über sie und erkannten nun deutlich den als den wahren Gott, den sie vorher nicht erkennen wollten. Darum kam auch das Äußerste an Strafe über sie. (2Mo 5,2; 2Mo 8,15)