Tobit 6

Zürcher Bibel

von Theologischer Verlag Zürich
1 Und sie schwieg und weinte nicht mehr.2 Und das Kind ging hinaus, und der Engel war mit ihm. Und der Hund ging mit ihm hinaus und begleitete sie auf die Reise. Und die beiden machten sich auf den Weg. Und die erste Nacht brach über sie herein, und sie übernachteten am Fluss Tigris.3 Und das Kind stieg an den Fluss Tigris hinunter, um sich die Füsse zu waschen. Da sprang ein grosser Fisch aus dem Wasser und wollte dem Knaben den Fuss abbeissen. Und er schrie.4 Und der Engel sagte zu dem Kna ben: Greif zu und pack den Fisch! Und der Knabe bezwang den Fisch und zog ihn ans Ufer.5 Und der Engel sagte zu ihm: Zerteile den Fisch und nimm die Galle, das Herz und seine Leber heraus und lege sie neben dich! Und die Innereien wirf weg. Denn die Galle, das Herz und seine Leber dienen als nützliches Heilmittel.6 Und der Knabe zerteilte den Fisch und legte die Galle, das Herz und die Leber zusammen an einen Ort. Und er briet den Fisch und ass, und was er zur Seite gelegt hatte, liess er von ihm übrig. Und die beiden reisten gemeinsam weiter, bis sie in die Nähe von Medien kamen.7 Und da fragte der Knabe den Engel und sagte zu ihm: Asarja, Bruder, was ist das für ein Heilmittel im Herz und in der Leber des Fischs und in der Galle?8 Und dieser sagte zu ihm: Das Herz und die Leber des Fischs: Lass sie in Rauch aufgehen vor einem Mann oder einer Frau, denen ein Dämon oder ein böser Geist begegnet ist, und er wird vor ihnen fliehen - es wird keine Begegnung mehr geben -, und er wird bei ihnen für alle Zeit keine Bleibe finden.9 Und die Galle: Bestreiche die Augen eines Menschen, dem es widerfahren ist, dass weisse Flecken auf sie gekommen sind, und behauche sie dort, wo die weissen Flecken sind, und sie werden gesund.10 Und als er nach Medien kam und sich schon Ekbatana näherte,11 sagt Rafael zum Knaben: Tobias, Bruder. Und er sagte zu ihm: Sieh, da bin ich. Und er sagte zu ihm: Diese Nacht müssen wir bei Raguel verbringen, und der Mann ist mit dir verwandt, und er hat eine Tochter, ihr Name ist Sara.12 Und er hat keinen männlichen Nachkommen und keine Tochter ausser Sara, nur sie. Und du bist ihr nächster Verwandter, so dass du sie bekommen wirst, niemand sonst; und was ihrem Vater gehört: Dir steht es von Rechts wegen zu, es zu erben. Und das Mädchen ist einsichtig und tapfer und sehr schön, und ihr Vater ist ein vortrefflicher Mann.13 Und er sagte: Es steht dir von Rechts wegen zu, sie zur Frau zu nehmen. Und höre auf mich, Bruder, und ich werde diese Nacht mit dem Vater wegen des Mädchens reden, damit wir sie für dich als Braut gewinnen. Und wenn wir aus Rages zurückkehren, werden wir ihre Hochzeit ausrichten. Und ich bin mir gewiss, dass Raguel sie dir nicht verweigern oder einem anderen zur Verlobung geben kann; er würde sich sonst nach dem Urteil des Buchs Mose des Todes schuldig machen. Und weil er weiss, dass sie dir gehört, steht es allein dir zu, seine Tochter zur Frau zu nehmen, niemandem sonst. Und nun, höre auf mich, Bruder, und wir werden diese Nacht wegen des Mädchens reden und für dich um sie werben. Und wenn wir aus Rages zurückkehren, werden wir sie mitnehmen und in unserer Begleitung in dein Haus führen.14 Darauf antwortete Tobias und sagte zu Rafael: Asarja, Bruder, ich habe gehört, dass sie schon sieben Männern gegeben worden ist und dass diese in der Nacht in ihren Hochzeitsgemächern starben, als sie zu ihr hineingingen: Sie sind gestorben. Und ich habe gehört, dass man sagt, ein Dämon töte sie.15 Und nun fürchte ich mich - denn ihr tut er nichts an; aber wer immer sich ihr nähern will, den tötet er. Ich bin das einzige Kind meines Vaters, ich will nicht sterben und so das Leben meines Vaters und meiner Mutter durch den Schmerz über mich in ihr Grab hinabführen. Und sie haben keinen anderen Sohn, der sie begraben würde.16 Da sagt dieser zu ihm: Erinnerst du dich nicht an die Gebote deines Vaters, dass er dir geboten hat, eine Frau aus dem Haus deines Vaters zu nehmen? Und nun, höre auf mich, Bruder, und mach dir wegen dieses Dämons keine Gedanken und nimm sie! Und ich weiss, dass sie dir diese Nacht zur Frau gegeben wird.17 Und wenn du das Hochzeitsgemach betrittst, nimm etwas von der Leber des Fischs und das Herz und lege sie auf die Glut des Räucherwerks, und der Duft wird ausströmen,18 und der Dämon wird es riechen, und er wird fliehen und für alle Zeit nie mehr in ihrer Nähe erscheinen. Und wenn du dann mit ihr zusammenkommst, richtet euch beide zuerst auf und betet und bittet den Herrn des Himmels, dass euch Erbarmen und Rettung zuteil werde. Und fürchte dich nicht, denn sie ist dir zugeteilt worden vor aller Zeit, und du wirst sie retten, und sie wird mit dir auf die Reise gehen. Und ich vermute, dass du von ihr Kinder haben wirst, und sie werden dir wie Brüder sein. Mach dir keine Gedanken! Und als Tobias die Worte Rafaels hörte und vernahm, dass sie für ihn eine Schwester aus der Nachkommenschaft des Hauses seines Vaters sei, erwachte seine Liebe zu ihr, sehr stark, und sein Herz hing an ihr.

Tobit 6

Lutherbibel 2017

von Deutsche Bibelgesellschaft
1 Und sie hörte auf zu weinen.2 Und der junge Tobias zog dahin und der Engel mit ihm, und sein Hund lief hinterher und machte sich mit ihnen auf die Reise. So zogen die beiden hinaus, und als die Nacht über sie hereinbrach, nächtigten sie am Fluss Tigris. (Tob 11,4)3 Und Tobias stieg zum Fluss Tigris hinab, um seine Füße zu waschen; und siehe, ein großer Fisch schoss aus dem Wasser heraus und wollte den Fuß des Jungen verschlingen. Da schrie er laut.[1]4 Und der Engel sagte zu ihm: Pack den Fisch und zieh ihn heraus! Und der Junge packte den Fisch und zog ihn aufs Land.5 Da sagte der Engel zu ihm: Nimm den Fisch aus und behalte das Herz, die Galle und die Leber; die Eingeweide aber wirf weg. Denn Galle, Herz und Leber sind sehr gut als Arznei.6 Und Tobias nahm den Fisch aus und legte Galle, Herz und Leber beiseite. Den Fisch aber briet er und aß davon. Er ließ etwas übrig und legte es in Salz ein. Und die beiden zogen zusammen weiter, bis sie in die Nähe Mediens kamen.7 Da fragte Tobias den Engel: Bruder Asarja, was für eine Arznei ist im Herzen und in der Leber des Fisches und in seiner Galle?8 Und er antwortete ihm: Wenn ein Mann oder eine Frau mit einem Dämon oder einem bösen Geist geschlagen ist, lass das Herz und die Leber des Fisches in Rauch aufgehen. Dann wird jede Plage von ihnen fliehen, und alle bösen Geister werden ihnen in Ewigkeit nicht schaden.9 Die Galle aber streiche auf die Augen eines Menschen, die mit weißen Flecken befallen sind; dann hauche gegen sie auf die weißen Flecken, und die Augen werden geheilt.10 Und als er nach Medien kam und sich schon in der Nähe Ekbatanas aufhielt,11 sagte Rafaël zu dem Jungen: Bruder Tobias! Der antwortete: Siehe, hier bin ich. Und er sprach zu ihm: Wir müssen diese Nacht bei Raguël einkehren. Dieser Mann ist dein Verwandter und hat eine Tochter mit Namen Sara.12 Da er nun weder einen männlichen Nachkommen noch eine Tochter außer Sara hat, bist du ihr nächster Verwandter. Deshalb kommt es dir vor allen anderen Männern zu, sie zu gewinnen. Dir ist es auch bestimmt, alle Güter ihres Vaters zu erben. Das Mädchen ist verständig und tüchtig und sehr schön, und ihr Vater ist edel.13 Und er sagte: Dir ist es bestimmt, sie zur Frau zu nehmen. Hör auf mich, mein Bruder: Heute Nacht wollen wir mit dem Vater über das Mädchen sprechen und ihn bitten, dass sie deine Braut werde. Und wenn wir aus Rages zurückkehren, wollen wir deine Hochzeit mit ihr feiern. Denn ich weiß, dass Raguël sie dir nicht verweigern oder sie einem anderen antrauen kann. Nach der Ordnung im Buch des Mose wäre er dann des Todes schuldig, weil er weiß, dass es dir vor jedem andern zukommt, seine Tochter zur Frau zu nehmen. Nun hör mich an, mein Bruder: Wir werden diese Nacht über das Mädchen sprechen und sie mit dir verloben. Wenn wir dann aus Rages zurückkehren, werden wir die Hochzeit feiern und sie mit uns in dein Haus führen.14 Da antwortete Tobias und sagte zu Rafaël: Bruder Asarja, ich habe gehört, dass sie schon sieben Männern nacheinander zur Frau gegeben worden ist. Alle starben des Nachts in ihrem Brautgemach; als sie zu ihr eingehen wollten, da starben sie. Man sagt, dass ein böser Geist sie getötet habe. (Tob 3,8)15 Darum fürchte ich mich. Denn Sara fügt er keinen Schaden zu; aber wer sich ihr nähern will, den tötet er sogleich. Ich bin das einzige Kind meines Vaters – ach dass ich doch nicht sterben muss und meinen Vater und meine Mutter aus Schmerz über mich ins Grab bringe! Sie haben doch keinen anderen Sohn, der sie begraben könnte.16 Der Engel sprach zu ihm: Gedenkst du nicht der Worte deines Vaters, der dir gebot, eine Frau aus dem Hause deines Vaters zu nehmen? Und nun hör mich, mein Bruder, und sorg dich nicht wegen dieses bösen Geistes. Nur zu, denn ich bin gewiss, dass sie dir diese Nacht zur Frau gegeben wird.[2]17 Wenn du in das Brautgemach hineingehst, nimm von der Leber des Fisches und sein Herz und lege sie auf glühende Kohlen. Der Geruch wird aufsteigen18 und der böse Geist wird ihn riechen und fliehen und nicht mehr bei ihr erscheinen in alle Ewigkeit. Und wenn du zu ihr eingehen willst, erhebt euch beide zuerst; betet und bittet den Herrn des Himmels, dass Gnade und Heil auf euch komme. Und fürchte dich nicht, denn dir ist sie von Ewigkeit her bestimmt, und du wirst sie retten, und sie wird mit dir ziehen. Ja, ich bin mir dessen gewiss, dass du mit ihr Kinder haben wirst, und sie werden dir wie Brüder sein. Sorg dich also nicht. Und als Tobias die Worte Rafaëls hörte und verstand, dass sie eine Schwester aus der Sippe seines Vaters sei, gewann er sie lieb und sein Herz hing an ihr.