2.Makkabäer 11

Zürcher Bibel

von Theologischer Verlag Zürich
1 Nach ganz kurzer Zeit aber, nachdem Lysias, Vormund des Königs und Verwandter und Oberster über die Staatsangelegenheiten, der sehr schwer trug an dem, was geschehen war,[1]2 gegen 80000 Mann und die gesamte Reiterei zusammengebracht hatte, zog er in der Absicht gegen die Juden, die Stadt zu einem Wohnort für Griechen zu machen,3 das Heiligtum aber, wie auch die übrigen Tempelbezirke der Nationen zahlungspflichtig, das Amt des Hohepriesters aber für jeweils ein Jahr käuflich zu machen.[2]4 In keiner Weise stellte er die Herrschermacht Gottes in Rechnung, sein Verstand war vielmehr bestimmt von den Zehntausenden an Fusssoldaten und den Tausenden an Reitern und den achtzig Elefanten.5 Nachdem er aber nach Judäa gekommen war und sich Bet-Zur genähert hatte, einem wehrhaften Posten, ungefähr fünf Schoinoi von Jerusalem entfernt gelegen, brachte er diesen in Be drängnis.[3]6 Als aber die um Makkabäus die Nachricht erhielten, dass er die Festungen belagerte, baten sie zusammen mit den Volksmassen den Herrn unter Wehklagen und Tränen flehentlich, einen guten Engel für die Rettung Israels zu senden.7 Nachdem aber Makkabäus selbst als Erster die Waffen aufgenommen hatte, hielt er die anderen dazu an, zusammen mit ihm die Gefahr auf sich zu nehmen und ihren Brüdern zu Hilfe zu eilen; gemeinsam aber stürmten sie mit Leidenschaft hinaus.8 Genau dort aber, als sie noch nahe bei Jerusalem waren, erschien einer, der die Führung übernahm, zu Pferd, in einem weissen Gewand, goldene Waffen schwingend.9 Gemeinsam aber priesen sie alle den barmherzigen Gott, und sie wurden in ihren Seelen gestärkt und waren bereit, nicht nur Menschen, sondern auch die wildesten Tiere und eiserne Mauern zu durchbohren.10 Ausgerüstet rückten sie vor, wobei sie den, der vom Himmel gekommen war, als Verbündeten hatten, denn der Herr hatte sich ihrer erbarmt.11 Sie stürzten sich wie Löwen auf die Feinde und streckten 11000 von ihnen nieder, Reiter aber 1600, alle Übrigen aber zwangen sie zur Flucht.12 Die meisten von ihnen aber retteten sich, verwundet und nackt, und Lysias selbst rettete sich, indem er schmählich floh.13 Da er aber nicht unvernünftig war, warf er sich selbst den Misserfolg vor, der ihm widerfahren war, und nachdem er begriffen hatte, dass die Hebräer unbesiegbar waren, da der mächtige Gott ihnen ein Verbündeter war, und nachdem er hingesandt hatte,14 überredete er sie, unter allen gerechten Bedingungen und weil er auch den König dazu überreden würde, ihnen ein unverzichtbarer Freund zu werden, einer Einigung zuzustimmen.[4]15 Makkabäus aber stimmte allem zu, was Lysias angeboten hatte, da er auf den Nutzen bedacht war; denn in allem, was Makkabäus in schriftlicher Form die Juden betreffend von Lysias zusätzlich gefordert hatte, gab der König nach.16 Denn die Briefe, die von Lysias an die Juden geschrieben wurden, waren von dieser Art: Lysias grüsst die Volksversammlung der Juden!17 Johannes und Absalom, die von euch gesandt worden sind, haben das unten aufgeschriebene staatliche Anliegen übergeben und bezüglich der Dinge, die dadurch angezeigt sind, Anfragen gestellt.18 Was nun auch dem König vorgelegt werden musste, habe ich kenntlich gemacht. Was aber möglich war, hat er zugestanden.[5]19 Wenn ihr nun weiterhin guten Willen gegenüber den Staatsangelegenheiten zeigt, werde ich auch in Zukunft versuchen, meinen Teil dazu beizutragen, dass Gutes geschieht.20 Was aber die Einzelheiten betrifft, so habe ich Johannes und Absalom und denen, die bei mir sind, aufgetragen, sich mit euch zu besprechen.[6]21 Gehabt euch wohl! Im Jahr 148, am 24. des Monats Zeus-Korinthios.22 Der Brief des Königs aber hatte diesen Inhalt: König Antiochus grüsst seinen Bruder Lysias!23 Nachdem unser Vater zu den Göttern hinübergegangen ist - im Wunsch, dass die aus dem Königreich sich ohne Unruhe mit dem befassen, was sie umtreibt,24 und weil wir gehört haben, dass die Juden, die ja kein Gefallen an der durch meinen Vater vorangetriebenen griechischen Lebensweise haben, sondern ihre eigene Lebensweise vorziehen, darum bitten, dass ihnen ihre Regelungen zugestanden werden -,25 mit dem Willen, dass nun auch diese Nation ohne Unruhe sei, beschliessen wir, dass das Heiligtum für sie wieder instand gesetzt wird und dass sie ihr Leben als Bürger entsprechend den auf ihre Vorfahren zurückgehenden Sitten führen sollen.26 Nun wirst du gut daran tun, zu ihnen zu senden und ihnen die Hand zu reichen, damit sie im Wissen um die uns eigene Gesinnung guten Mutes sind und sich in erwünschter Weise mit dem beschäftigen, was sie selbst in Anspruch nimmt.27 Der Brief des Königs an die Nation aber war von dieser Art: König Antiochus grüsst den Ältestenrat der Juden und die übrigen Juden!28 Wenn es euch gut geht, möge es sein! So wünschen wir es uns. Auch wir selbst sind bei guter Gesundheit.29 Menelaos hat uns angezeigt, dass ihr den Wunsch habt, zurückzukehren, um euch mit euren eigenen Angelegenheiten zu befassen.30 Denen also, die bis zum Dreissigsten des Monats Xanthikus zurückgehen, wird das Versprechen von Straflosigkeit gewährt werden:31 Die Juden sollen wie auch in der Vergangenheit über ihre eigenen Aufwendungen verfügen und den eigenen Weisungen folgen können, und niemand von ihnen soll in irgendeiner Weise der Dinge wegen belästigt werden, die aus Unkenntnis geschehen sind.32 Ich habe aber auch Menelaos gesandt, damit er euch ermutigt.33 Gehabt euch wohl! Im Jahr 148, am Fünfzehnten des Xanthikus.34 Es sandten ihnen aber auch die Römer einen Brief, wie folgt: Quintus Memmius und Titus Manius, Abgesandte der Römer, grüssen die Bevölkerungsgruppe der Juden.35 Die Dinge betreffend, die Lysias, Verwandter des Königs, euch zugestanden hat, stimmen auch wir zu.36 Was aber jene Dinge betrifft, von denen er beschlossen hat, dass sie dem König vorgelegt werden sollen: Sendet umgehend jemanden, nachdem ihr diese Dinge geprüft habt, damit wir sie so darlegen können, wie es für euch angemessen ist. Wir ziehen nämlich weiter nach Antiochia.37 Deshalb beeilt euch und entsendet Leute, damit auch wir erfahren, welcher Meinung ihr seid.38 Bleibt bei guter Gesundheit! Im Jahr 148, am Fünfzehnten Xanthikus.

2.Makkabäer 11

Lutherbibel 2017

von Deutsche Bibelgesellschaft
1 Als nun Lysias, der Vormund und Vetter[1] und Statthalter des Königs, dies alles erfuhr, ging es ihm sehr nahe. (1Mak 4,26; 2Mak 10,11)2 Und er zog in ganz kurzer Zeit achtzigtausend Mann und die ganze Reiterei zusammen und wandte sich gegen die Juden in der Absicht, Griechen in der Stadt Jerusalem anzusiedeln,3 den Tempel nach Art der anderen Heiligtümer der Heiden abgabepflichtig zu machen und das Amt des Hohenpriesters jährlich für Geld zu vergeben.4 Er bedachte aber nicht die Macht Gottes, sondern verließ sich auf die Zehntausende zu Fuß und die Tausende zu Ross und auf die achtzig Elefanten. (Ps 147,10)5 Als er nun nach Judäa kam, lagerte er vor einem befestigten Ort, Bet-Zur genannt, der etwa fünf Stunden von Jerusalem entfernt lag, und setzte ihm hart zu.6 Als aber Makkabäus und seine Leute hörten, dass er die Festungen belagerte, baten sie mit dem ganzen Volk unter Wehklagen und Tränen den Herrn, einen guten Engel zu senden, der Israel helfen sollte. (2Mo 23,20)7 Und Makkabäus war der Erste, der die Waffen aufnahm, und er mahnte die andern, es mit ihm zusammen zu wagen und ihren Brüdern Hilfe zu bringen. So zogen sie mutig miteinander aus.8 Sobald sie aber aus der Stadt Jerusalem hinauszogen, erschien ihnen einer hoch zu Ross in einem weißen Gewand. Der schwang goldene Waffen und zog vor ihnen her.9 Da lobten sie alle den barmherzigen Gott und wurden in ihrer Zuversicht so gestärkt, dass sie bereit waren, nicht nur gegen Menschen, sondern auch gegen die wildesten Tiere und eiserne Mauern anzugehen.10 Sie rückten in bester Ordnung vor; denn sie hatten den Helfer, den ihnen ihr barmherziger Herr vom Himmel her gesandt hatte.11 Und sie griffen ihre Feinde an wie Löwen und erschlugen von ihnen elftausend zu Fuß und sechzehnhundert zu Ross und trieben die andern alle in die Flucht.12 Der größte Teil warf die Waffen fort und kam verwundet davon. Auch Lysias selbst floh schimpflich und entkam.13 Lysias aber war ein vernünftiger Mann. Als er nun über die Schlacht nachdachte, die er verloren hatte, sah er ein, dass die Hebräer unüberwindlich waren, weil ihnen der mächtige Gott beistand. Deshalb sandte er zu ihnen (1Mak 6,58)14 und bot ihnen Frieden unter gerechten Bedingungen an und versprach ihnen, den König dahin zu bringen, dass er ihr guter Freund würde.15 Makkabäus ging auf alles ein, was Lysias anbot. Denn er erkannte, dass es das Beste war. Und der König bewilligte alles, was Makkabäus dem Lysias wegen der Juden schriftlich vorgetragen hatte.16 Das Schreiben des Lysias an die Juden aber lautete: »Lysias entbietet dem Volk der Juden seinen Gruß.17 Johannes und Abschalom, eure Gesandten, haben diesen Brief überbracht und um Antwort in der Sache gebeten.18 Was nun dem König vorzulegen ist, habe ich ihm berichtet. Was ich aber selbst entscheiden konnte, habe ich bewilligt.19 Werdet ihr nun Treu und Glauben wahren, so will ich auch weiterhin bemüht sein, zu eurem Besten zu wirken.20 Über dies alles und über Einzelnes haben eure und meine Gesandten Befehl, sich mit euch zu besprechen. Gehabt euch wohl!21 Gegeben im 148. Jahr, am vierundzwanzigsten Tage des Monats Dioskorus.«[2]22 Das Schreiben des Königs lautete: »König Antiochus entbietet seinem Bruder[3] Lysias seinen Gruß. (1Mak 6,60)23 Nachdem unser Vater von hinnen geschieden und ein Gott geworden ist, ist uns nichts lieber, als dass Friede in unserm Reich herrsche, damit alle sich um das Ihre kümmern können. (Weis 14,15)24 Nun hören wir, dass die Juden in den Übergang zu griechischen Sitten, wie ihn mein Vater forderte, nicht einwilligen, sondern bei ihrer Lebensweise bleiben wollen und deshalb bitten, dass man ihnen ihre Gesetze lasse. (1Mak 1,41)25 Weil wir es nun für gut ansehen, dass auch dies Volk in aller Ruhe lebt, so ist das unsre Meinung, dass man ihnen ihren Tempel wiedergebe und sie ihr Gemeinwesen führen lasse, wie es ihre Vorfahren gehalten haben.26 Du wirst also gut daran tun, wenn du Gesandte zu ihnen schickst und einen Vertrag mit ihnen schließt, damit sie unsere Entscheidung erfahren, guten Mutes werden und sich ihrer Angelegenheiten ohne alle Sorge annehmen können.«27 Das Schreiben des Königs an die Juden lautete: »König Antiochus entbietet dem Rat der Ältesten und der Gemeinde der Juden seinen Gruß.28 Wenn es euch allen gut ginge, so wäre uns das lieb; uns geht es auch gut.29 Menelaus hat uns berichtet, dass ihr gern nach Haus und Hof zurückkehren und wieder euer Gewerbe betreiben möchtet. (2Mak 4,23)30 Darum soll für alle, die zwischen heute und dem dreißigsten Tag des Xanthikus zurückkehren werden, die Zusicherung gelten,31 dass die Juden unter dem Schutz der Straflosigkeit ihren eignen Tempeldienst und ihre eignen Gesetze ganz wie früher halten dürfen und dass niemand unter ihnen irgendwie für Ungesetzlichkeiten belangt werden soll, die er aus Unkenntnis begangen hat.32 Auch sende ich Menelaus, um euch gut zuzureden.33 Gehabt euch wohl! Im 148. Jahr, am fünfzehnten Tage des Xanthikus.«[4]34 Es schrieben aber auch die Römer den Juden wie folgt: »Quintus Memmius und Titus Manius, die Botschafter der Römer, entbieten dem Volk der Juden ihren Gruß.35 Allem, was euch Lysias, des Königs Vetter[5], zugestanden hat, stimmen auch wir zu.36 Über die Fragen aber, die er dem König vorlegen will, beratet euch untereinander und sendet sogleich jemanden zu uns, damit wir sie vortragen, wie es für euch günstig ist. Wir sind nämlich unterwegs nach Antiochia.37 Darum sendet eilends einige Leute, damit auch wir erfahren, was eure Meinung ist.38 Gehabt euch wohl! Im 148. Jahr, am fünfzehnten Tage des Xanthikus.«[6]