1Hiob war aber noch nicht fertig: „Besteht das ganze Leben nicht nur aus Krampf, Quälerei und Nervkram? Jeden Tag muss ein Mensch wie blöd arbeiten und bekommt dafür gerade mal einen Hungerlohn.2Im Grunde ist es so wie bei einem Arbeiter, der in der stechenden Mittagssonne auf der Baustelle schuften muss und die ganze Zeit davon träumt, in einen kühlen Pool springen zu dürfen. Oder es ist so wie bei der Frau beim Lidl an der Kasse, die sich schon am Monatsanfang auf die Gehaltsüberweisung freut.3Mir geht es genauso. Seit Monaten dämmer ich hier sinnlos vor mich hin. Viele Nächte lag ich wach in meinem Bett und hatte Depressionen.4Morgens zähle ich die Stunden, bis der Tag endlich vorbei ist. Und wenn ich mich pennen gelegt hab, frag ich mich, wann diese schreckliche Nacht endlich zu Ende geht.5An meinem Körper hab ich überall Pickel, die voll von gelbem Eiter sind; sie stinken, und es tummeln sich sogar weiße Maden drin.6Jeden Tag schieb ich voll den Depri und hab überhaupt keine Hoffnung, dass es mal besser werden wird. Mein Leben ist so schnell vorbei wie ’ne Fahrt in der Achterbahn.7Ich werde nie mehr vergessen, dass mein Leben im Grunde nur wie ein Furz ist. Mir wird es nie wieder richtig gut gehen.8Im Moment lebe ich noch, und ihr könnt euch noch mit mir treffen, wenn ihr wollt. Aber bald bin ich tot, dann bin ich nicht mehr da, ihr werdet mich dann nicht mehr sehen.9Die Wolken am Himmel kommen und gehen, mal lösen sie sich auf, dann sind sie wieder da. Genauso ist das, wenn einer stirbt. Er ist einfach nicht mehr da. Aus dem Grab kommt man nicht wieder zurück.10Er wird nie mehr nach Haus kommen, und bald hat man ihn vergessen.11Darum werde ich mein Maul nicht halten. Ich will alles sagen, was mir gerade so einfällt. Ich lasse meinen Frust einfach raus.12Hey, Gott, bin ich irgendwie zu gefährlich, oder was? Bin ich irgend so ein Top-Terrorist, dass du mich so krass bewachen musst?13Wenn ich mich unter der Bettdecke verkriechen will, damit ich mich da wenigstens etwas ausheulen kann,14dann sorgst du dafür, dass ich irgendwelche Horrorträume hab! Auch mit diesen schlimmen Nächten15sorgst du dafür, dass ich lieber tot wäre, als weiterzuleben.16Ich hab die Schnauze gestrichen voll! Ich will nicht ewig so weitermachen. Lass mich in Ruhe! Mein Leben ist sowieso für’n Arsch.17Warum ist dir der Mensch überhaupt so wichtig, Gott? Warum kümmerst du dich überhaupt so um ihn?18Jeden Morgen testest du ihn wieder neu aus. Jeden Tag checkst du ihn ab.19Kannst du mich nicht mal für einen Moment in Ruhe lassen? Darf ich bitte wenigstens einmal atmen, ohne dass du mir dabei zusiehst?20Was hab ich denn jetzt so Großes verbrochen, verdammt? Hab ich irgendwas getan, was du nicht so toll fandest, du großer Oberschiedsrichter der Menschen? Was hast du plötzlich gegen mich, dass ich zu deiner Zielscheibe geworden bin? Nerv ich dich, oder was?21Kannst du mir nicht einfach den ganzen Mist vergeben, den ich gemacht habe? Kannst du meine Fehler nicht einfach mal vergessen? Bald bin ich endlich tot, dann wird meine Leiche verbuddelt, und gut ist. Dann kannst du mich lange suchen, ich bin dann mal weg.“
1Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde? / Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners? (Hi 14,14)2Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt, / wie ein Tagelöhner, der auf seinen Lohn wartet.3So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe / und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu.4Lege ich mich nieder, sage ich: / Wann darf ich aufstehn? / Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert. (Pred 2,23; Sir 40,5)5Mein Leib ist gekleidet in Maden und Schorf, / meine Haut schrumpft und eitert. (Mi 3,1)6Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, / sie gehen zu Ende, ohne Hoffnung. (Hi 9,25; Ps 39,6; Jes 38,12)7Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist! / Nie mehr schaut mein Auge Glück. (Ps 78,39)8Kein Auge gewahrt mich, das nach mir sieht, / suchen mich deine Augen, dann bin ich nicht mehr da.9Wie die Wolke, die entschwand und dahinzog, / so steigt nie mehr auf, wer zur Unterwelt hinabstieg. (Weis 2,4)10Nie mehr kehrt er zurück in sein Haus, / nie mehr erblickt ihn sein Ort.11So will auch ich meinen Mund nicht zügeln, / mit bedrängtem Geist will ich reden, / mit betrübter Seele will ich klagen.
Unbegreifliche Heimsuchung
12Bin ich das Meer, der Meeresdrache, / dass du gegen mich eine Wache stellst? (Hi 9,13; Ps 74,13)13Sagte ich: Mein Lager soll mich trösten, / mein Bett trage das Leid mit mir!,14so quältest du mich mit Träumen / und mit Gesichten jagtest du mich in Angst.15Erwürgt zu werden, zöge ich vor, / den Tod meinem Totengerippe. (Tob 3,6)16Ich mag nicht mehr, ich will nicht ewig leben. / Lass ab von mir, denn nur ein Hauch sind meine Tage! (Ps 144,4)17Was ist der Mensch, dass du groß ihn achtest / und deinen Sinn auf ihn richtest, (Ps 8,5; Ps 144,3)18dass du ihn musterst jeden Morgen / und jeden Augenblick ihn prüfst? (Ps 17,3; Ps 139,1)19Wie lange schon schaust du nicht weg von mir, / lässt mich nicht los, sodass ich meinen Speichel schlucke? (Ps 39,14)20Habe ich gefehlt? / Was tat ich dir, du Menschenwächter? / Warum hast du mich zu deiner Zielscheibe gemacht, / sodass ich mir selbst zu einer Last geworden bin?21Warum nimmst du mein Vergehen nicht weg, / lässt du meine Schuld nicht nach? / Nun denn - zum Staub bette ich mich, / und suchst du mich, dann bin ich nicht mehr da.