von SCM Verlag1Es wird eine neue Frau für den Präsidenten gesucht Als der Präsident sich langsam wieder beruhigte, dachte er immer öfter daran, was Waschti gemacht und wie er darauf reagiert hatte. Er wurde dabei voll traurig.2Seine Hausangestellten kriegten das mit und unterhielten sich darüber. „Der Präsident braucht schleunigst wieder eine Braut! Am besten eine ganz junge, die noch nie mit einem Mann im Bett war.3Vielleicht könnte er sich ja mal in seinen Provinzen umschauen, ob es da noch ein paar schöne Mädchen gibt, auf die beides zutrifft. Die müsste man dann alle zu ihm nach Hause bringen. Dort könnten sie in der Hotelanlage in Susa wohnen, wo die anderen Frauen vom Präsidenten auch untergebracht sind. Hegai, der Modedesigner, soll sich dann mal um die kümmern, sie gut schminken und richtig schön stylen.4Die Frau, die der Präsident am geilsten findet, soll dann seine neue Ehefrau werden und Waschti ablösen!“ Es war damals übrigens normal, mehrere Ehefrauen zu haben, wenn man es sich leisten konnte. Der Präsident fand die Idee sehr gut und leitete alles in die Wege.
Eine von den Bewerberinnen ist eine Jüdin
5Im Regierungsbezirk von Susa wohnte ein Typ, der Mordechai hieß. Er kam aus der Familie Jair und war ein Jude. Er gehörte zum Familienstamm Benjamin. Sein Opa hieß Schimi, und sein Uropa hieß Kisch.6In der Zeit, als der Präsident von Babylonien Israel im Krieg plattgemacht hatte, waren einige Juden, unter anderem auch der Präsident Jojachin, aus Jerusalem verschleppt worden. Zu den Kriegsgefangenen gehörte auch die Familie von Mordechai.7Mordechai hatte eine Cousine, die Hadassa oder auch Esther genannt wurde. Esther war voll hübsch, sie hätte bei jeder Supermodel-Wahl den ersten Preis gewonnen. Leider waren ihre beiden Eltern früh gestorben, weshalb sie von Mordechai adoptiert worden war.8Nun war ja das Bewerbungsverfahren am Laufen, und die Mädels kamen alle nach Susa, um dort von Hegai gestylt zu werden. Esther gehörte auch dazu. Sie wurden in die Hotelanlage, die zum Regierungsbezirk gehörte, gebracht und dort Hegai übergeben.9Hegai mochte sie gleich von Anfang an sehr gut leiden. Er sorgte dafür, dass sie sofort zum Visagisten gehen konnte, sie bekam einen ganz speziellen Ernährungsplan, Bauch/Beine/Po-Training und so weiter. Sie kriegte von ihm sogar eine eigene Suite im Hotel, er stellte ihr die schönsten Blumen aufs Zimmer und stellte ihr ein paar Servicekräfte zur freien Verfügung, die sie rund um die Uhr bedienen sollten.10Esther hatte niemandem davon erzählt, dass sie eigentlich Jüdin war, weil Mordechai ihr dazu geraten hatte.11Mordechai besuchte sie jeden Tag und hing ständig dort in dem Haus rum, wo die anderen Mädchen auch wohnten. Er wollte auch immer gut informiert sein, wie es ihr ging und was gerade los war.12Normalerweise wurde jede Frau ein Jahr trainiert und fit gemacht, bevor sie das erste Mal mit dem Präsidenten zusammenkommen durfte. Alleine sechs Monate wurde sie jeden Tag mit besonderen Hautcremes am ganzen Körper eingecremt! Dann kamen noch mal sechs Monate, wo andere Cremes und Hautöle angewandt wurden. Erst dann konnte das Mädchen zum Präsidenten gebracht werden.13Jedes Mal, wenn ein neues Mädchen in das Haus vom Präsidenten umzog, durfte die sich vorher alles aussuchen, was sie an Schmuck und Kleidern haben wollte.14Abends wurde sie schließlich zum Präsidenten gebracht, und am nächsten Morgen zog sie in das zweite Haus, wo die anderen Ehefrauen wohnten. Dieses Haus war für die Nebenfrauen vom Präsidenten und wurde von einem Typen betreut, der Schaaschgas hieß. Keine Frau durfte zweimal mit dem Präsidenten schlafen, es sei denn, er fand sie ganz besonders sexy. Dann wurde sie noch mal angerufen und durfte ihn für eine weitere Nacht besuchen.
Esther wird die neue Frau vom Präsidenten
15Irgendwann war auch Esther an der Reihe. Zur Erinnerung: Esther war eine Tochter von Abihajil, der ein Onkel von Mordechai war, und der hatte sie adoptiert, als ihr Vater gestorben war.16Auf die Art kam Esther beim Präsidenten in seiner Residenz an. Das Ganze passierte Mitte Dezember, als Xerxes schon sieben Jahre an der Macht war.17Der Präsident verknallte sich voll in Esther, er fand, sie war mit Abstand die schönste Frau, die er je gesehen hatte. Schließlich wollte er, dass Esther für immer an seiner Seite blieb. Darum heiratete er sie, sodass sie anstelle von Waschti seine neue Hauptfrau wurde.18Präsident Xerxes veranstaltete für sie eine Riesenfeier, zu der alle führenden Männer aus seinem Gebiet eingeladen wurden. Vor lauter Freude erließ er sogar den einzelnen Provinzen in dem Jahr ihre Steuern und verschickte überallhin größere Geschenke.
Esthers Pflegevater rettet den Präsidenten
19-20Irgendwann wurden wieder ein paar neue Mädchen für den Präsidenten gesucht. Da hatte Esther noch nicht erzählt, dass sie eine Jüdin war. Dieser Rat kam ja von Mordechai. Esther hörte immer noch sehr auf das, was er ihr sagte, sie war ja auch von ihm adoptiert und erzogen worden. Mordechai hatte inzwischen eine Anstellung bei der Stadt und saß jeden Tag in einem Büro in der Torhalle im Regierungsviertel.21In der Zeit gab es eine kleine Terrorgruppe, die von Bigtan und Teresch angeführt wurde. Beide arbeiteten in der staatlichen Security, die die Tore bewachen sollte. Sie waren gegen die Politik vom Präsidenten und planten ein Attentat gegen ihn. Mordechai, der ja auch in der Security arbeitete,22bekam das mit und informierte Esther. Sie ging sofort zum Präsidenten und erzählte ihm davon.23Der Geheimdienst untersuchte den Fall, beide Männer wurden schließlich verhaftet, kamen vors Gericht und wurden zum Tod verurteilt. Der Präsident sorgte dafür, dass diese Sache in den Akten offiziell aufgeführt wurde.
1Als sich nach einiger Zeit der Zorn des Königs Artaxerxes gelegt hatte, erinnerte er sich wieder an Waschti und an das, was sie getan und was man über sie beschlossen hatte.2Da sagten die Pagen des Königs: Man sollte für den König junge Mädchen suchen, die sehr schön sind.3Der König soll in jeder Provinz seines Reiches Männer beauftragen, alle jungen Mädchen, die sehr schön sind, in den Frauenpalast auf der Burg Susa zu bringen und dem königlichen Eunuchen Hegai, dem Aufseher der Frauen, zu übergeben. Dort sollen sie der nötigen Schönheitspflege unterzogen werden.4Und das Mädchen, das dem König gefällt, soll anstelle Waschtis Königin werden. Der König fand den Vorschlag gut und handelte nach ihm.
Mordechai und Ester
5In der Burg Susa lebte ein Jude namens Mordechai. Er war der Sohn Jaïrs, des Sohnes Schimis, des Sohnes des Kisch, aus dem Stamm Benjamin.[1] (Est 1,1)6Er war mit den Verschleppten aus Jerusalem gekommen, die zusammen mit dem judäischen König Jojachin gefangen genommen worden waren. Es war die Gefangenschaft unter König Nebukadnezzar von Babylon.7Mordechai war der Vormund von Hadassa, der Tochter seines Onkels, die auch Ester hieß. Sie hatte keinen Vater und keine Mutter mehr. Das Mädchen war von anmutiger Gestalt und war sehr schön. Nach dem Tod ihres Vaters und ihrer Mutter hatte Mordechai sie als seine Tochter angenommen.[2] (Est 8,1)8Als der Befehl und Erlass des Königs bekannt wurde, brachte man viele Mädchen zur Burg Susa und gab sie in die Obhut Hegais. Auch Ester wurde in den Königspalast geholt und Hegai, dem Aufseher der Frauen, übergeben.9Das Mädchen fand sein Gefallen und seine Gunst. Er war sehr darauf bedacht, dass sie die nötige Pflege und die richtige Kost erhielt; außerdem gab er ihr sieben auserlesene Dienerinnen aus dem Königshaus. Später ließ er sie mit ihren Dienerinnen in die schönsten Räume des Frauenpalastes umziehen.10Ester hatte nichts von ihrem Volk und ihrer Abstammung erzählt; denn Mordechai hatte sie angewiesen, nichts davon zu sagen.11Jeden Tag ging Mordechai zum Hof des Frauenpalastes, um zu erfahren, wie es Ester ging und was mit ihr geschah.
Esters Erhebung zur Königin
12Der Reihe nach wurden alle Mädchen zu König Artaxerxes geholt. Zuvor waren sie, wie es für die Frauen Vorschrift war, zwölf Monate lang gepflegt worden; denn so lange dauerte ihre Schönheitspflege: sechs Monate Myrrhenöl und sechs Monate Balsam und andere Schönheitsmittel der Frauen.13Dann gingen die Mädchen zum König und alles, was sie sich aus dem Haus der Frauen wünschten, gab man ihnen in den Königspalast mit.14Am Abend gingen sie hinein und am Morgen kamen sie zurück und wurden in den zweiten Frauenpalast gebracht und dem königlichen Eunuchen Schaaschgas anvertraut, dem Aufseher der Nebenfrauen. Sie durften nicht mehr zum König gehen, außer wenn der König Gefallen an ihnen gefunden hatte und sie ausdrücklich rufen ließ. (Est 4,11)15Eines Tages war Ester, die Tochter Abihajils, des Onkels Mordechais, der sie als seine Tochter angenommen hatte, an der Reihe, zum König zu gehen. Sie wollte nichts mitnehmen, außer was der königliche Eunuch Hegai, der Aufseher der Frauen, ihr nahelegte. Ester aber gefiel allen, die sie sahen.16Es war im zehnten Monat, dem Monat Tebet, im siebten Jahr der Regierung des Königs, als Ester zu Artaxerxes in den königlichen Palast geholt wurde.17Und der König liebte Ester mehr als alle Frauen zuvor und sie gewann seine Gunst und Zuneigung mehr als alle anderen Mädchen. Er setzte ihr das königliche Diadem auf und machte sie anstelle Waschtis zur Königin.18Der König veranstaltete zu Ehren Esters ein großes Festmahl für alle seine Fürsten und Diener. Den Provinzen gewährte er einen Steuererlass und mit königlicher Freigebigkeit teilte er Geschenke aus.19Damals, als man die Mädchen zum zweiten Mal zusammenholte, hatte Mordechai einen Posten am Tor des königlichen Palastes.20Ester aber erzählte nichts von ihrer Abstammung und ihrem Volk, wie Mordechai ihr aufgetragen hatte. Ester hielt sich an die Worte Mordechais, wie früher, als sie noch seine Pflegetochter war.
Eine zweite Verschwörung
21In jenen Tagen, als Mordechai einen Posten am Tor des königlichen Palastes hatte, planten Bigtan und Teresch, zwei unzufriedene königliche Eunuchen, die zu den Türhütern gehörten, einen Anschlag auf König Artaxerxes. (Est 1,1; Est 6,1)22Mordechai erfuhr davon und berichtete es Königin Ester. Ester sagte es im Auftrag Mordechais dem König weiter.23Die Sache wurde untersucht und aufgedeckt. Man hängte die beiden an den Galgen und hielt das Ereignis in der Chronik fest, die für den König geführt wurde.