Hiob 31

Neue evangelistische Übersetzung

von Karl-Heinz Vanheiden
1 „Ich hatte einen Bund mit meinen Augen geschlossen. / Wie sollte ich da lüstern auf Jungfrauen blicken?2 Was wäre sonst mein Teil von Gott dort oben, / das Erbe vom Allmächtigen aus der Höhe?3 Wird den Ungerechten nicht Verderben treffen, / Missgeschick den Bösen?4 Sieht er nicht meine Wege / und zählt all meine Schritte?5 Bin ich je mit der Lüge gegangen, / eilte mein Fuß zum Betrug?6 Gott soll mich auf der Waage der Gerechtigkeit wiegen, / dann wird er meine Unschuld erkennen.7 Ist mein Schritt vom Weg abgebogen, / mein Herz meinen Augen gefolgt, / klebt ein Makel an meiner Hand:8 dann esse ein anderer, was ich säe, / dann werde meine Ernte vernichtet.9 Hat sich mein Herz zur Frau locken lassen, / habe ich an der Tür meines Nächsten gelauert:10 dann soll meine Frau für einen anderen kochen,[1] / dann sollen andere schlafen mit ihr.11 Denn das wäre eine Schandtat, / eine Schuld, die vor die Richter gehört.12 Das wäre ein Feuer, das bis zum Untergang frisst, / es entwurzelte meinen ganzen Ertrag.13 Habe ich meinem Sklaven das Recht versagt / und meiner Sklavin, wenn sie gegen mich klagten?14 Was wollte ich tun, wenn Gott sich erhebt, / was ihm entgegnen, wenn er es untersucht?15 Hat nicht einer uns beide im Schoß gebildet, / nicht einer im Leib uns gemacht?16 Habe ich jemals Armen einen Wunsch versagt, / ließ ich die Augen der Witwe erlöschen?17 Habe ich meinen Bissen allein gegessen, / dass das Waisenkind nichts davon bekam?18 Als ich noch jung war, zog ich es wie ein Vater groß, / und wie ein Bruder hab ich es an der Hand geführt.19 Habe ich jemand umkommen sehen, weil er nichts anhatte; / ließ ich einen Armen ohne Decke gehn?20 Die Wolle meiner Schafe wärmte ihn, / und er hat mich dafür gesegnet.21 Habe ich Elternlose bedroht, / weil ich im Tor meinen Helfer sah:22 dann soll die Schulter mir vom Nacken fallen / und mein Arm abbrechen vom Gelenk!23 Die Furcht vor Gottes Strafe schreckte mich ab, / vor seiner Hoheit bestünde ich nicht.24 Habe ich mein Vertrauen auf Gold gesetzt, / das Feingold meine Zuversicht genannt?25 Habe ich mich gefreut, dass mein Vermögen riesig war, / dass meine Hand Gewaltiges schaffte?26 Habe ich gesehen, wie hell die Sonne leuchtet, / wie der Mond so prächtig dahinzieht,27 und hat mein Herz mich im Stillen verführt, / sie mit Kusshand zu verehren:28 dann wäre das eine Schuld, die vor die Richter gehört, / dann hätte ich Gott in der Höhe verleugnet.29 Freute ich mich über das Scheitern meines Hassers, / ergötzte es mich, als Böses ihn traf?30 Nein, ich erlaubte meinem Mund nicht die Sünde, / mit einem Fluch sein Leben zu fordern.31 Haben nicht meine Zeltgenossen gesagt: / 'Wer wurde von seinem Braten nicht satt?'32 Der Fremde blieb nicht draußen über Nacht, / meine Tür hielt ich dem Wanderer auf.33 Habe ich wie Adam meine Sünde verdeckt, / meine Schuld in meiner Brust versteckt,34 weil ich die große Menge scheute, / die Verachtung der Sippe mich schreckte, / so dass ich schwieg und nicht zur Tür hinausging?35 Hätte ich doch einen, der auf mich hört! / Hier ist meine Unterschrift! / Der Allmächtige antworte mir! / Hätte ich die Klageschrift meines Gegners,36 auf meine Schulter wollt' ich sie heben / und legte sie mir als Ehrenkranz um.37 Jeden meiner Schritte würde ich ihm offenlegen, / ihm nahen wie ein Fürst.38 Klagte mein Acker über mich, / weinten alle seine Furchen?39 Hab' ich seine Frucht unbezahlt verzehrt, / seinen Besitzer umkommen lassen?40 Dann sollen Dornen wachsen statt Weizen, / Unkraut anstelle von Gerste!“ Die Worte Hiobs sind zu Ende.

Hiob 31

Einheitsübersetzung 2016

von Katholisches Bibelwerk
1 Einen Bund schloss ich mit meinen Augen, / nie eine Jungfrau lüstern anzusehen. (Ps 26,1; Mt 5,27; Sir 9,8)2 Was wäre sonst mein Teil von Gott dort oben, / mein Erbe vom Allmächtigen in der Höhe?3 Ist nicht Verderben dem Frevler bestimmt / und Missgeschick den Übeltätern?4 Sieht er denn meine Wege nicht, / zählt er nicht alle meine Schritte? (Ps 139,2)5 Wenn ich in Falschheit einherging, / wenn zum Betrug mein Fuß eilte, (5Mo 25,13; Spr 20,10; Am 8,5)6 dann wäge Gott mich auf gerechter Waage, / so wird er meine Unschuld anerkennen.7 Wenn mein Schritt vom Wege wich, / mein Herz meinen Augen folgte, / an meinen Händen Makel klebte, (4Mo 15,39)8 dann esse ein anderer, was ich säe, / entwurzelt werde, was mir sprosst.9 Wenn sich mein Herz von einer Frau betören ließ / und ich an der Tür meines Nachbarn lauerte, (Spr 7,1; Sir 9,8)10 dann mahle meine Frau einem andern / und andere sollen sich beugen über sie. (5Mo 28,30)11 Denn das wäre eine Schandtat / und ein Verbrechen, von Richtern zu strafen. (5Mo 22,22; Spr 6,32)12 Denn das wäre Feuer, das zum Abgrund frisst / und meine ganze Habe entwurzelt.13 Wenn ich das Recht meines Knechts missachtet / und das meiner Magd im Streit mit mir, (2Mo 21,2; 3Mo 25,39; Jer 34,8)14 was könnte ich tun, wenn Gott sich erhöbe, / was ihm entgegnen, wenn er mich prüfte?15 Hat nicht er, der mich im Mutterleib gemacht hat, ihn gemacht, / hat nicht Einer uns im Mutterschoß geformt? (1Mo 1,26; Spr 17,5)16 Wenn ich der Armen Wunsch versagte, / verschmachten ließ der Witwe Augen, (Hi 22,9; Jes 58,7; Mt 25,35; Tob 4,7)17 wenn ganz allein ich meinen Bissen aß, / das Waisenkind nicht davon aß -18 von Jugend an hat wie ein Vater er mich großgezogen, / vom Mutterschoß an mich geleitet -,19 wenn ich den Verlorenen sah ohne Kleid / und ohne Decke den Verarmten,20 wenn seine Lenden mich nicht segneten, / er nicht von der Schur meiner Lämmer sich wärmte,21 wenn meine Hand der Waise drohte, / weil ich am Tor Helfer für mich sah,22 dann falle die Schulter mir vom Nacken, / breche der Arm mir aus dem Gelenk.23 Ja, Schrecken träfe mich, Gottes Verderben, / vor seiner Hoheit hielte ich nicht stand.24 Wenn ich auf Gold meine Hoffnung setzte, / zum Feingold sprach: Du meine Zuversicht!, (Ps 49,7; Ps 52,9; Ps 62,11; Spr 11,28; Sir 31,5)25 wenn ich mich freute, dass groß mein Vermögen, / dass viel erreicht hat meine Hand,26 wenn ich die leuchtende Sonne sah, wie sie strahlte, / den Mond, wie er herrlich dahinzog, (5Mo 4,19; Jer 8,2; Hes 8,16)27 wenn heimlich sich mein Herz betören ließ / und meine Hand dem Mund zum Kuss sich bot,28 auch das wäre ein Verbrechen, vom Richter zu strafen, / denn Gott da droben hätte ich verleugnet.29 Wenn ich am Unglück meines Feinds mich freute / und mich erhob, als das Unheil ihn traf - (Spr 24,17; Spr 25,21; Mt 5,43)30 habe ich doch meinem Mund zu sündigen verboten, / sein Leben mit Fluch zu verwünschen.31 Wenn meine Zeltgenossen nicht gestanden: / Wer wurde von seinem Fleisch nicht gesättigt?32 Kein Fremder musste draußen übernachten, / ich hielt meine Tore zur Straße hin offen.33 Wenn ich nach Menschenart meine Frevel verhehlte, / meine Schuld verbarg in meiner Brust, (Ps 32,5)34 weil ich die große Menge scheute / und die Verachtung der Sippen mich schreckte, / so schwiege ich still und ginge nicht zur Tür hinaus.35 Gäbe es doch einen, der mich hört! / Hier ist mein Zeichen! Der Allmächtige antworte mir! / Hier ist das Schriftstück, das mein Gegner geschrieben. (Hes 9,6)36 Auf meine Schulter wollte ich es heben, / als Kranz es um den Kopf mir winden.37 Ich täte die Zahl meiner Schritte ihm kund, / ich nahte mich ihm wie ein Fürst.38 Wenn über mich mein Acker schrie, / seine Furchen miteinander weinten,39 wenn seinen Ertrag ich verzehrte, ohne zu bezahlen, / das Verlangen seines Herrn ich unerfüllt ließ, (2Mo 23,10; 3Mo 25,2)40 sollen Dornen wachsen statt Weizen, / statt Gerste stinkendes Kraut. Zu Ende sind die Worte Ijobs.