1Am fünften Tag des sechsten Monats[1] im sechsten Jahr erfasste mich die Hand Gottes des HERRN, während sich die führenden Männer von Juda bei mir in meinem Haus aufhielten.2Ich sah eine Gestalt, die wie ein Mann aussah[2]. Von den Hüften abwärts war er wie eine lodernde Flamme, von den Hüften aufwärts glänzte er wie das Licht, wie leuchtende Bronze. (Hes 1,4)3Er streckte etwas wie eine Hand aus und packte mich an meinen Haaren. Dann hob der Geist mich zwischen Himmel und Erde empor und brachte mich in einer göttlichen Vision nach Jerusalem, zum Eingang des inneren Nordtors. Dort stand ein großes Götzenbild, das den Zorn des HERRN hervorrief. (Hes 3,12; Hes 11,1; Dan 5,5)4Plötzlich erschien dort die Herrlichkeit des Gottes von Israel, genau so, wie ich sie im Tal gesehen hatte. (Hes 1,27)5Der HERR sagte zu mir: »Menschenkind, schau nach Norden.« Ich wandte den Kopf nach Norden, und dort, nördlich vom Altartor, stand das Götzenbild am Eingang, das den HERRN in Zorn versetzte. (Ps 78,58; Jer 3,2; Jer 7,30; Jer 32,34; Hes 8,3; Sach 5,5)6»Menschenkind«, sagte er, »siehst du, was sie tun? Siehst du die abscheulichen Taten, die das Volk der Israeliten begeht, um mich aus meinem Tempel zu vertreiben? Aber ich werde dir Dinge zeigen, die noch widerwärtiger sind!« (2Kön 23,4; Hes 5,11; Hes 8,9)7Er brachte mich zum Eingang des Hofes, wo ich eine Öffnung in der Mauer bemerkte.8Er sprach zu mir: »Menschenkind, durchbrich die Mauer.« Ich durchbrach die Mauer und eine Tür kam zum Vorschein. (Jes 29,15)9»Geh hinein«, sagte er, »und du wirst die entsetzlichen, abscheulichen Taten sehen, die dort drinnen verübt werden!«10Ich ging hinein und sah, dass die Wände ringsherum mit Bildern bedeckt waren, die Schlangen, Eidechsen, anderes scheußliches Gewürm und alle Götzen des israelitischen Volkes zeigten. (2Mo 20,4)11In der Mitte des Raums standen 70 Älteste von Israel, darunter auch Jaasanja, der Sohn von Schafan. Jeder von ihnen hielt eine Räucherpfanne in der Hand, und über ihren Köpfen hing eine dicke Weihrauchwolke. (4Mo 11,16; 4Mo 16,17; Jer 19,1; Lk 10,1)12Der HERR sprach zu mir: »Menschenkind, hast du gesehen, was die Ältesten von Israel alle im Finsteren in ihrer Bilderkammer treiben? Sie sagen: ›Der HERR sieht uns nicht, er hat unser Land verlassen!‹«13Und er fuhr fort: »Doch ich werde dir zeigen, dass sie noch widerwärtigere Dinge tun!«14Er brachte mich zum Eingang des Nordtors im Tempel des HERRN. Dort saßen Frauen, die den Tammus[3] beweinten. (Hes 44,4; Hes 46,9)15»Hast du das gesehen, Menschenkind?«, fragte er. »Aber ich werde dir noch andere abscheuliche Dinge zeigen, die noch widerwärtiger sind!«16Und er brachte mich in den inneren Vorhof im Tempel des HERRN. Am Eingang des Tempels, zwischen der Vorhalle und dem Altar, standen etwa 25 Männer mit dem Rücken zum Tempel des HERRN, das Gesicht nach Osten gewandt. Sie warfen sich Richtung Osten anbetend vor der Sonne nieder. (5Mo 4,19; 5Mo 17,3; 2Chr 29,6; Hi 31,26; Jer 2,27; Jer 44,17)17»Hast du das gesehen, Menschenkind?«, fragte er. »Ist es für die Bewohner von Juda denn zu wenig, diese abscheulichen Taten hier zu begehen? Müssen sie auch noch das Land mit Gewalttätigkeit füllen und mich ständig missachten? Schau nur, wie sie sich die Weinranke an die Nase halten[4]. (Jer 7,18; Am 3,10; Mi 2,2)18Aber ich werde meinem Zorn freien Lauf lassen. Ich werde sie nicht verschonen und kein Mitleid mit ihnen haben. Selbst wenn sie laut zu mir schreien, werde ich sie nicht erhören.« (Jes 1,15; Jer 11,11; Mi 3,4; Sach 7,13)
Eingangsszene der Vision vom entweihten Tempel und vom Auszug der Herrlichkeit des Herrn
1Es geschah im sechsten Jahr, am fünften Tag des sechsten Monats. Ich saß in meinem Haus und die Ältesten Judas saßen vor mir. Da fiel auf mich die Hand GOTTES, des Herrn. (Hes 14,1; Hes 20,1)2Und ich schaute und siehe: Da war eine Gestalt, die das Aussehen eines Mannes hatte. Abwärts von dem, was aussah wie seine Hüfte, war Feuer und von seinen Hüften an aufwärts sah es aus wie Lichtglanz, wie der Anblick von glänzendem Metall.[1] (Hes 1,26; Dan 10,5; Dan 12,3)3Er streckte etwas aus, das wie eine Hand aussah, und nahm mich beim Schopf meines Hauptes. Geist hob mich empor zwischen Erde und Himmel und brachte mich in einer göttlichen Vision nach Jerusalem, an den Eingang des inneren Nordtors, dorthin, wo die Bildsäule der Eifersucht steht, die des HERRN Eifersucht erregt. (Hes 3,12; Dan 14,36)4Und siehe: Dort war die Herrlichkeit des Gottes Israels. Sie sah aus wie das, was ich in der Ebene geschaut hatte. (Hes 1,28; Hes 3,22; Hes 37,1)5Er sagte zu mir: Menschensohn, erhebe doch deine Augen nordwärts! Ich erhob meine Augen nordwärts und siehe: Nördlich des Tores war der Altar, jene Bildsäule der Eifersucht war im Durchgang.6Er sagte zu mir: Menschensohn, siehst du, was diese tun? Die großen Gräueltaten, die das Haus Israel hier begeht, da sie sich von meinem Heiligtum abwenden? Aber du wirst noch größere Gräueltaten sehen.7Dann brachte er mich zum Eingang des Vorhofs. Und ich schaute und siehe: Ein Loch war in der Wand.8Er sagte zu mir: Menschensohn, durchbrich die Wand! Ich durchbrach die Wand und siehe, da war ein einziger Eingang.9Und er sagte zu mir: Geh hinein, sieh dir die schlimmen Gräueltaten an, die sie hier begehen!10Da ging ich hinein und schaute und siehe: allerlei Bildnis von Gewürm und Vieh, ein Gräuel und allerlei Götzen des Hauses Israel, eingeritzt in die Wand ringsum überall. (5Mo 4,16)11Und siebzig Männer von den Ältesten des Hauses Israel standen davor - auch Jaasanja, der Sohn Schafans, stand bei ihnen. Jeder hatte seine Räucherpfanne in seiner Hand und der Duft der Weihrauchwolke stieg empor. (2Mo 24,1; 4Mo 11,16; 2Kön 22,3)12Er sagte zu mir: Hast du gesehen, Menschensohn, was die Ältesten des Hauses Israel im Finstern treiben, jeder in der Kammer seines Götterbildes? Sie sagen: Der HERR, der uns sieht, ist nicht da; der HERR hat das Land verlassen. (Hes 9,9)13Er sagte zu mir: Du wirst noch weitere, größere Gräuel sehen, die sie begehen.14Dann brachte er mich zum Eingang des Tores am Haus des HERRN, das nach Norden geht. Und siehe, dort saßen Frauen, die Tammus beweinten.15Und er sprach zu mir: Hast du es gesehen, Menschensohn? Doch du wirst noch mehr Gräuel sehen, größere als diese.16Dann brachte er mich zum Innenhof des Hauses des HERRN. Am Eingang zum Tempel des HERRN, zwischen Vorhalle und Altar, standen etwa fünfundzwanzig Männer, mit dem Rücken zum Tempel des HERRN, mit dem Gesicht nach Osten. Sie beteten, nach Osten gewandt, die Sonne an. (5Mo 4,19; 5Mo 17,3; 2Kön 23,5; 2Chr 29,6; Jer 8,2)17Er sagte zu mir: Hast du es gesehen, Menschensohn? Waren dem Haus Juda die Gräueltaten, die sie hier begingen, immer noch nicht genug? Mussten sie auch noch das Land mit Gewalttat anfüllen, mussten sie mich immer wieder beleidigen und sich die Weinranke an die Nase halten?18Ich, ja ich werde voll Zorn handeln. Mein Auge wird kein Mitleid zeigen und ich werde keine Schonung üben. Selbst wenn sie mir laut in die Ohren schreien, ich werde sie nicht hören. (Jes 1,15; Jer 11,11; Hes 5,11; Mi 3,4)