1So frage ich nun: Hat denn Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn auch ich bin ein Israelit, vom Geschlecht Abrahams, aus dem Stamm Benjamin. (Ps 94,14; 2Kor 11,22; Phil 3,5)2Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat. Oder wisst ihr nicht, was die Schrift sagt von Elia, wie er vor Gott tritt gegen Israel und spricht: (1Sam 12,22)3»Herr, sie haben deine Propheten getötet, deine Altäre haben sie niedergerissen. Ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten mir nach dem Leben«?4Aber was sagt ihm die göttliche Antwort?: »Ich habe mir übrig gelassen siebentausend Mann, die ihre Knie nicht gebeugt haben vor Baal.«5So geht es auch jetzt zu dieser Zeit: Ein Rest ist geblieben, der erwählt ist aus Gnade. (Röm 9,27)6Ist’s aber aus Gnade, so ist’s nicht aufgrund von Werken; sonst wäre Gnade nicht Gnade.7Wie nun? Was Israel sucht, das hat es nicht erlangt; die Erwählten aber haben es erlangt. Die Übrigen wurden verstockt, (Röm 9,31)8wie geschrieben steht: »Gott hat ihnen gegeben einen Geist der Betäubung, Augen, dass sie nicht sehen, und Ohren, dass sie nicht hören, bis auf den heutigen Tag.« (5Mo 29,3)9Und David spricht: »Ihr Tisch soll ihnen zur Falle werden und zu einer Schlinge und zum Ärgernis und zur Vergeltung.10Ihre Augen sollen finster werden, dass sie nicht sehen, und ihren Rücken beuge allezeit.«
Der Sinn der Berufung der Heiden
11So frage ich nun: Sind sie gestrauchelt, damit sie fallen? Das sei ferne! Sondern durch ihre Verfehlung ist den Heiden das Heil widerfahren; das sollte sie eifersüchtig machen. (Apg 13,46; Röm 10,19)12Wenn aber ihre Verfehlung Reichtum für die Welt ist und ihr Schade Reichtum für die Heiden, welchen Reichtum wird dann ihre volle Zahl bringen!13Euch Heiden aber sage ich: Weil ich Apostel der Heiden bin, preise ich meinen Dienst, (Röm 15,16)14ob ich vielleicht meine Stammverwandten eifersüchtig machen und einige von ihnen retten könnte. (1Kor 9,20)15Denn wenn ihr Verlust Versöhnung der Welt ist, was wird ihre Annahme anderes sein als Leben aus den Toten!16Ist die Erstlingsgabe vom Teig heilig, so ist auch der ganze Teig heilig; und ist die Wurzel heilig, so sind auch die Zweige heilig. (4Mo 15,20)
Das Bild vom Ölbaum
17Wenn nun einige von den Zweigen ausgebrochen wurden, du aber, der du ein wilder Ölzweig bist, in den Ölbaum eingepfropft wurdest und Anteil bekommen hast an der Wurzel und dem Saft des Ölbaums, (Eph 2,11)18so rühme dich nicht gegenüber den Zweigen. Rühmst du dich aber, so sollst du wissen: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.19Nun wirst du sagen: Die Zweige sind ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft werde.20Ganz recht! Sie wurden ausgebrochen um ihres Unglaubens willen; du aber stehst fest durch den Glauben. Sei nicht überheblich, sondern fürchte dich! (1Kor 10,12)21Hat Gott die natürlichen Zweige nicht verschont, wird er auch dich nicht verschonen.22Darum sieh die Güte und die Strenge Gottes: die Strenge gegenüber denen, die gefallen sind, die Güte Gottes aber dir gegenüber, sofern du in der Güte bleibst; sonst wirst auch du abgehauen werden. (Joh 15,2; Joh 15,4; Hebr 3,14)23Jene aber, sofern sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden; denn Gott vermag sie wieder einzupfropfen.24Denn wenn du aus dem Ölbaum, der von Natur aus wild war, abgehauen und wider die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist, um wie viel mehr werden die natürlichen Zweige wieder eingepfropft werden in ihren eigenen Ölbaum.
Ganz Israel wird gerettet werden
25Ich will euch, Brüder und Schwestern, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, bis die volle Zahl der Heiden hinzugekommen ist. (Joh 10,16)26Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: »Es wird kommen aus Zion der Erlöser; der wird abwenden alle Gottlosigkeit von Jakob. (Ps 14,7)27Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.«28Nach dem Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber nach der Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen.29Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. (4Mo 23,19)30Denn wie ihr einst Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams,31so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen.32Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme. (Gal 3,22; 1Tim 2,4)
Lob der unerforschlichen Wege Gottes
33O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! (Jes 55,8)34Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen«? (1Kor 2,16)35Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm zurückgeben müsste?« (Hi 41,3)36Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
1Ich frage also: Hat Gott sein Volk etwa verstossen? Nein, gewiss nicht! Auch ich bin ja ein Israelit, ein Nachkomme Abrahams, aus dem Stamm Benjamin. (2Kor 11,22; Phil 3,5)2Gott hat sein Volk, das er zuvor erwählt hat, nicht verstossen. Wisst ihr denn nicht, was die Schrift im Abschnitt über Elija sagt, da jener sich bei Gott über Israel beklagt: (Ps 94,14)3Herr, deine Propheten haben sie getötet, deine Altäre haben sie niedergerissen, ich allein bin übrig geblieben, und jetzt trachten sie mir nach dem Leben? (1Kön 19,10)4Was hält ihm da die göttliche Weisung entgegen? Ich habe mir bewahrt siebentausend Mann, die ihre Knie nicht gebeugt haben vor dem Schandmal des Baal. (1Kön 19,18)5So ist auch in der heutigen Zeit ein Rest geblieben, der erwählt ist durch Gnade.6Wenn aber durch Gnade, dann nicht mehr aufgrund eigenen Tuns, da die Gnade sonst nicht mehr Gnade wäre. (Röm 3,20; Gal 2,16)7Was heisst das nun? Israel hat, was es suchte, nicht erlangt. Die Schar der Auserwählten zwar hat es erlangt, die Übrigen dagegen wurden verstockt,8wie geschrieben steht: Gott hat ihnen einen Geist der Betäubung gegeben, Augen, dass sie nicht sehen, Ohren, dass sie nicht hören, bis auf den heutigen Tag. (5Mo 29,3; Jes 29,10)9Und David sagt: Ihr Tisch soll ihnen zur Falle werden und zum Fangnetz, zum Anstoss und zur Vergeltung. (Ps 69,23)10Ihre Augen sollen finster werden, dass sie nicht sehen, und ihren Rücken mache krumm, für immer!
Der Völkerapostel und Israel
11Ich frage nun: Sind sie etwa gestrauchelt, damit sie zu Boden fallen? Im Gegenteil: Durch ihren Fehltritt kommt das Heil zu den Völkern - das sollte sie eifersüchtig machen. (Röm 10,19)12Wenn aber schon ihr Fehltritt die Welt und ihr Versagen die Völker reich gemacht hat, welchen Reichtum wird dann erst ihre Vollendung bringen!13Euch aber, den Völkern, sage ich: Sofern ich nun ein Apostel für die Völker bin, preise ich meinen Dienst (Röm 1,5)14in der Hoffnung, meine Volksgenossen eifersüchtig zu machen und einige von ihnen zu retten. (Röm 10,19; 1Kor 9,22)15Denn wenn schon ihr Verlust zur Versöhnung der Welt führt, was wird erst ihre Wiederannahme bringen, wenn nicht Leben aus den Toten?16Ist aber die Erstlingsgabe vom Teig heilig, dann ist es auch der ganze Teig. Und ist die Wurzel heilig, dann sind es auch die Zweige. (4Mo 15,17)
Die Völker und Israel
17Wenn nun einige von den Zweigen herausgebrochen wurden und du als Trieb vom wilden Ölbaum dort eingepfropft wurdest und Anteil bekommen hast an der fettspendenden Wurzel des Ölbaums,18dann erhebe dich nicht über die anderen Zweige. Wenn du dich aber über sie erheben willst: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich!19Du wirst vielleicht sagen: Es wurden doch Zweige herausgebrochen, damit ich eingepfropft würde.20Gut! Des Unglaubens wegen wurden sie herausgebrochen, du aber stehst aufgrund des Glaubens. Bilde dir nichts darauf ein, sondern fürchte dich!21Hat Gott die ursprünglichen Zweige nicht verschont, wird er gewiss auch dich nicht verschonen! (Joh 15,2)22Bedenke doch die Güte und die Strenge Gottes: Gegenüber denen, die gefallen sind, die Strenge, dir gegenüber aber die Güte Gottes - sofern du der Güte treu bleibst, sonst wirst auch du abgehauen werden.23Jene aber werden, wenn sie nicht im Unglauben verharren, wieder eingepfropft werden. Gott hat ja die Macht, sie wieder einzupfropfen.24Denn wenn du aus dem wilden Ölbaum, dem du von Natur aus zugehörst, herausgeschnitten[1] und gegen die Natur dem edlen Ölbaum eingepfropft wurdest, dann werden diese ursprünglichen Zweige dem eigenen Ölbaum erst recht wieder eingepfropft werden.
Die Rettung Israels
25Liebe Brüder und Schwestern, ich will euch dieses Geheimnis nicht vorenthalten, damit ihr nicht auf eigene Einsicht baut: Verstocktheit hat sich auf einen Teil Israels gelegt - bis dass sich die Völker in voller Zahl eingefunden haben. (Mk 3,5; Mk 11,12; Röm 12,16)26Und auf diese Weise wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: Kommen wird aus Zion der Retter, abwenden wird er von Jakob alle Gottlosigkeit. (Jes 27,9; Jes 59,20)27Und dies wird der Bund sein, den ich mit ihnen schliesse, wenn ich ihre Sünden hinweggenommen habe.28Im Sinne des Evangeliums sind sie Feinde, um euretwillen, im Sinne der Erwählung aber Geliebte, um der Väter willen.29Denn unwiderrufbar sind die Gaben Gottes und die Berufung.30Wie ihr nämlich Gott einst ungehorsam wart, jetzt aber durch ihren Ungehorsam Barmherzigkeit erlangt habt, (Röm 2,8; Röm 10,21)31so sind sie jetzt ungehorsam geworden durch die Barmherzigkeit, die euch widerfuhr - damit auch sie jetzt Barmherzigkeit finden.32Denn Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um allen seine Barmherzigkeit zu erweisen. (Gal 3,22)33O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen und unerforschlich seine Wege! (1Kor 1,21)34Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen? (Jes 40,13; 1Kor 2,16)35Wer hat ihm etwas geliehen, und es müsste ihm von Gott zurückgegeben werden?36Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist alles. Ihm sei Ehre in Ewigkeit, Amen. (1Kor 8,6)
1Heißt das etwa, dass Gott von seinem Volk nichts mehr wissen will? Davon kann keine Rede sein! Auch ich bin ja ein Israelit, ein Nachkomme von Abraham aus dem Stamm Benjamin.2Gott hat sein Volk, das er sich einmal erwählt hat, nicht aufgegeben. Oder habt ihr vergessen, was in der Heiligen Schrift berichtet wird? Elia beklagte sich bei Gott über Israel:3»Herr, alle deine Propheten haben sie ermordet, und deine Altäre haben sie niedergerissen. Nur ich bin übrig geblieben, ich allein. Und nun trachten sie auch mir nach dem Leben!« (1Kön 19,10)4Und was antwortete Gott damals? »Ich habe mir noch siebentausend Menschen übrig behalten, die nicht vor dem Götzen Baal auf die Knie gefallen sind.« (1Kön 19,18)5So war es damals, und so ist es auch noch heute. In seiner Gnade hat Gott einen Teil des Volkes Israel auserwählt und gerettet.6Wenn das aber ein unverdientes Geschenk war, dann hatte es nichts mit eigenen Leistungen zu tun. Sonst wäre ja sein Geschenk nicht mehr unverdient.7Was heißt das also? Israel hat nicht erreicht, worum es sich mit aller Kraft bemühte. Das wurde nur einem kleinen, von Gott auserwählten Teil des Volkes geschenkt. Alle übrigen aber sind verhärtet und taub für Gottes Botschaft.8Von ihnen sagt die Heilige Schrift: »Gott hat einen Geist über sie kommen lassen, der sie in tiefen Schlaf versetzt hat. Mit ihren Augen sehen sie nichts, mit ihren Ohren hören sie nichts – und das bis auf den heutigen Tag.« (5Mo 29,3; Jes 29,10)9Auch König David sagt: »Ihre Opferfeste sollen ihnen zu einer Falle werden, in der sie sich selbst fangen und der Strafe Gottes ausliefern.10Mach sie blind, damit sie nichts mehr sehen, und beuge für immer ihren Rücken unter der schweren Last.« (Ps 69,23)
Warnung vor Überheblichkeit
11War es nun Gottes Absicht, dieses Volk fallen zu lassen, weil sie sich von Christus abgewandt haben?[1] Nie und nimmer! Weil das Volk Israel die rettende Botschaft abgelehnt hat, wurde der Weg bereitet, um den übrigen Völkern diese Botschaft zu bringen. Auf diese Weise wollte Gott sie eifersüchtig machen und dazu bewegen, dem Beispiel der anderen Völker zu folgen.12Bedenken wir aber, welchen Segen schon die ablehnende Haltung und die Schuld Israels allen anderen Völkern brachte, wie groß wird erst der Segen sein, wenn das ganze Israel für Christus gewonnen ist!13Denen von euch, die keine Juden sind, möchte ich sagen: Ich bin stolz darauf, dass Gott mich als Apostel gerade für die nichtjüdischen Völker berufen hat, um ihnen die rettende Botschaft zu verkünden.14Vielleicht eifern dadurch auch einige aus meinem Volk eurem Beispiel nach, so dass sie doch noch gerettet werden.15Denn kam es schon zur Versöhnung der Völker mit Gott, als er sich von Israel abwandte, wie herrlich muss es werden, wenn Gott sich seinem Volk wieder zuwendet! Dann werden die Toten zu neuem Leben erwachen.16Mit dem ersten Brot, das Gott zum Opfer gebracht wird, ist nämlich die ganze Ernte Gott geweiht; und sind die Wurzeln eines Baums gut,[2] dann sind es auch die Zweige. (Röm 9,5)17Einige Zweige dieses Baums sind herausgebrochen worden. An ihrer Stelle wurdet ihr als Zweige eines wilden Ölbaums aufgepfropft. So lebt ihr von den Wurzeln und Säften des edlen Ölbaums.18Bildet euch aber deshalb nicht ein, besser als die herausgebrochenen Zweige zu sein! Denn nicht ihr tragt die Wurzel, sondern die Wurzel trägt euch.19Freilich könnte jemand einwenden: »Man hat die Zweige doch herausgebrochen, damit ich dort Platz habe.«20Das ist richtig, sie wurden herausgebrochen, weil sie nicht glaubten. Und ihr seid an ihrer Stelle, weil ihr glaubt. Seid deshalb aber nicht hochmütig, sondern passt auf, dass es euch nicht genauso ergeht[3].21Denn hat Gott die Zweige des edlen Ölbaums nicht verschont, wird er euch erst recht nicht schonen.22Zweierlei sollt ihr daran erkennen: Gottes Güte und seine Strenge. Gottes Strenge seht ihr an denen, die ihm untreu geworden sind. Seine Güte aber gilt euch, wenn ihr euch immer auf sie verlasst. Sonst werdet auch ihr wie jene Zweige herausgebrochen.23Umgekehrt werden alle aus dem Volk Israel wieder eingepfropft, wenn sie den Glauben nicht länger ablehnen. Gott hat sehr wohl die Macht dazu.24Immerhin hat er euch als Zweige eines wilden Ölbaums dem edlen Ölbaum aufgepfropft, was sonst niemand tun würde. Wie viel mehr wird Gott bereit sein, die Juden als die herausgebrochenen Zweige wieder auf den Ölbaum zu pfropfen, auf den sie ursprünglich gehörten.
Gott hält seine Zusagen
25Damit ihr das nicht falsch versteht und auf die Juden herabseht, liebe Brüder und Schwestern, möchte ich euch ein Geheimnis anvertrauen: Ein Teil des jüdischen Volkes ist verhärtet und verschlossen für die rettende Botschaft. Aber das wird nur so lange dauern, bis die volle Anzahl von Menschen aus den anderen Völkern den Weg zu Christus gefunden hat.26Wenn das geschehen ist, wird ganz Israel gerettet, so wie es in der Heiligen Schrift heißt: »Aus Zion wird der Retter kommen. Er wird die Nachkommen Jakobs von ihrer Gottlosigkeit befreien.27Und das ist der Bund, den ich, der Herr, mit ihnen schließe: Ich werde ihnen ihre Sünden vergeben.« (Jes 59,20; Jer 31,34)28Indem sie die rettende Botschaft ablehnen, sind viele Juden zu Feinden Gottes geworden. Aber gerade dadurch wurde für euch der Weg zu Christus frei. Doch Gott hält seine Zusagen, und weil er ihre Vorfahren erwählt hat, bleiben sie sein geliebtes Volk.29Denn Gott fordert weder seine Gaben zurück, noch widerruft er die Zusage, dass er jemanden auserwählt hat.30Früher habt ihr Gott nicht gehorcht. Aber weil die Juden Christus ablehnten, hat Gott euch seine Barmherzigkeit erfahren lassen.31Jetzt wollen die Juden nicht glauben, dass Gott durch Christus mit jedem Menschen barmherzig ist, obwohl sie es doch an euch sehen. Aber auch sie sollen schließlich Gottes Barmherzigkeit erfahren.32Denn Gott hat alle Menschen ihrem Unglauben überlassen, weil er allen seine Barmherzigkeit schenken will.
Gott ist unbegreiflich groß
33Wie groß ist doch Gott! Wie unendlich sein Reichtum, seine Weisheit, wie tief seine Gedanken! Wie unbegreiflich für uns seine Entscheidungen[4] und wie undurchdringlich seine Pläne!34Denn »wer kann Gottes Absichten erkennen? Oder wer hat ihn je beraten?« (Jes 40,13)35»Wer hat Gott jemals etwas gegeben, das er nun von ihm zurückfordern könnte?« (Hi 41,3)36Denn alles kommt von ihm, alles lebt durch ihn, alles vollendet sich in ihm. Ihm gebühren Lob und Ehre in alle Ewigkeit! Amen.
1Ich frage deshalb: Hat Gott demnach sein Volk von sich gestoßen? Auf keinen Fall! Das zeigt sich doch schon darin, dass auch ich ein Angehöriger des Volkes Israel bin, ein Nachkomme von Abraham aus dem Stamm Benjamin!2Nein, Gott hat sein Volk nicht von sich gestoßen, die Menschen, die er schon vorher zu sich gezogen hat. Oder wisst ihr nicht, was das Buch Gottes im Zusammenhang mit dem Propheten Elia sagt? Ich meine die Stelle, wo er Israel vor Gott anklagt. Da sagt er:3»Herr, sie haben deine Propheten umgebracht und die dir geweihten Opferaltäre niedergerissen. Und ich bin ganz allein zurückgeblieben, und obendrein wollen sie mir auch noch das Leben nehmen!«4Doch wie lautet die Antwort Gottes, die ihm gegeben wurde? »Ich habe mir siebentausend Personen übrig gelassen, die nicht vor dem falschen Gott Baal auf die Knie gefallen sind!«5Genauso hat sich auch heute solch ein Überrest gebildet. Und auch diesmal drückt sich darin die unverdiente Gnade Gottes aus, durch die Menschen auserwählt werden.6Wenn das also durch die bedingungslose Gnade Gottes geschieht, dann gerade nicht aufgrund von menschlichen Leistungen! Denn sonst wäre die unverdiente Gnade ja gar kein Geschenk mehr!7Was bedeutet das jetzt? Ganz klar: Das, worum sich das Volk Israel mit aller Kraft bemüht hat, das hat es nicht erreichen können. Doch die von Gott Auserwählten haben es erreicht, aber die Übrigen sind hart und unempfänglich geworden.8So lauten auch die Aussagen in Gottes Buch: »Gott hat ihnen einen Geist der Schlafsucht gegeben.« Und: »Sie haben Augen, die nichts sehen können, und Ohren, die nichts hören!« Und das gilt bis auf den heutigen Tag!9Im gleichen Sinn sagt der König David: »Ihr Tischgelage soll für sie eine Schlinge, ja ein Fallstrick, ein Stolperstein und ein Vergeltungsschlag werden.10Ihre Augen sollen sich verfinstern, sodass sie nicht sehen können, und ihr Rücken soll sich voller Angst beugen!«
Israel und die anderen Völker
11Will ich damit sagen, dass sie zu diesem Zweck gestolpert sind, damit sie ganz und gar hinfallen? Nein, überhaupt nicht! Sondern es ist so: Durch ihren Fall ist das Heil auch zu den anderen Völkern gekommen, damit sie, die Angehörigen des Volkes Israel, dadurch zur Eifersucht gereizt werden.12Wenn es aber schon so ist, dass ihr Hinfallen dazu führt, dass die Welt reich wird, und ihr Verlust dazu, dass die nichtjüdischen Völker Gottes Reichtum erfahren, um wie viel mehr wird das dann der Fall sein, wenn sie wieder vollzählig sein werden!13Zu euch, den Jesusnachfolgern aus den nichtjüdischen Völkern, sage ich: Da ich ja der Sondergesandte von Jesus zu den Völkern bin, rede ich voller Stolz über diese Aufgabe.14Das tue ich mit der Absicht, die zur Eifersucht zu reizen, die aufgrund ihrer Abstammung mit mir gemeinsam zum jüdischen Volk gehören, und um so einige von ihnen zum Heil zu führen.15Wenn es schon so ist, dass ihre gegenwärtige Ablehnung dazu führt, dass die Menschheit wieder mit Gott versöhnt wird, was wird dann erst die Wiederannahme des Volkes Israel bewirken? Doch sicherlich dies: neues Leben aus dem Tod!16Diese Verbindung ist einleuchtend: Wenn – im Bild gesprochen – das erste gebackene Brot heilig ist, dann ist das auch der Fall bei dem Teig, aus dem dieses Brot gebacken wurde. Genauso gilt: Wenn die Wurzel heilig ist, dann sind es auch die Zweige.
Der Ölbaum
17Es stimmt: Einige Zweige wurden abgebrochen. Und du, der du eigentlich ein wilder Ölbaum warst, wurdest in ihn eingepfropft und bist so direkt an die Wurzel des Ölbaums angeschlossen. Damit hast du Anteil an seiner Kraft und produzierst jetzt Öl, genauso wie der restliche Baum.18Dennoch solltest du dich nicht über die anderen Zweige erheben! Wenn du das aber tust und dich besonders in den Vordergrund stellst, dann denk daran: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich!19Vielleicht sagst du jetzt: Aber die Zweige sind doch abgebrochen worden, damit ich an ihrer Stelle in den Baum eingepflanzt werden kann!20Das ist schon richtig so. Doch: Sie sind wegen ihres mangelnden Vertrauens abgebrochen worden, und du stehst nur aufgrund des Glaubens an Gott fest. So lass dich nicht vom Hochmut bestimmen, sondern von der Ehrfurcht gegenüber Gott!21Denn wenn Gott die natürlichen Zweige schon nicht verschont hat, warum sollte er dann gerade bei dir eine Ausnahme machen?22Also achte auf Gottes Güte und gleichzeitig auf seine Strenge! Er zeigt seine Strenge gegenüber denen, die sich von ihm abgewandt haben. Dir gegenüber aber zeigt er seine ganze göttliche Güte. Sie gilt dir, wenn du an seiner Güte festhältst. Sonst wirst auch du abgeschnitten werden!23Denn sie, die Angehörigen des Volkes Israel, werden wieder in den Ölbaum eingepfropft, wenn sie nicht in ihrem Unglauben verharren. Denn Gott ist sehr wohl in der Lage, sie wieder einzupflanzen.24Wenn schon du, der du von einem wilden Ölbaum stammst, in den edlen Ölbaum eingepflanzt wurdest, was natürlicherweise ja nicht geschieht, dann ist es doch umso natürlicher, dass die, die ihrer Natur nach dazugehören, wieder in ihren eigenen Ölbaum eingepfropft werden.25Schwestern und Brüder, ich will nicht, dass ihr in Bezug auf dieses Geheimnis unwissend seid! Ja, ihr sollt euch nichts auf euer eigenes Verständnis einbilden! Dieses Gottesgeheimnis ist: Ein Teil des Volkes Israel ist verhärtet worden. Das wird so sein, bis die Vollzahl der Menschen aus den nichtjüdischen Völkern in Gottes Familie hineingekommen ist.26Auf diese Weise wird das gesamte Volk Israel Gottes Heil erfahren. So steht es ja in Gottes Buch: »Aus Zion wird der Erlöser kommen und er wird alle Gottlosigkeit von Jakob fortnehmen.27Ja, das ist die Grundlage für meinen Bund, meine besondere Beziehung mit ihnen, wenn ich ihre Sünden von ihnen wegnehme.«28So sind sie, die Angehörigen des jüdischen Volkes, im Augenblick zwar sozusagen Gottesfeinde, um euch Nichtjuden den Zugang zu Gott zu ermöglichen. Aber was ihre grundlegende Auserwählung betrifft, sind sie doch von Gott geliebt wegen ihrer Abstammung von unseren Vorfahren.29Denn so ist Gott: Seine Gaben und seine Berufung nimmt er nicht zurück.30So wie ihr früher Gott nicht gehorsam gewesen seid, jetzt aber seine Barmherzigkeit erfahren habt aufgrund des Ungehorsams des jüdischen Volkes,31genauso gilt auch dies: Sie sind ungehorsam geworden angesichts der Barmherzigkeit, die ihr von Gott erfahren habt, doch mit dem Ziel, dass auch sie das Erbarmen Gottes erleben.32Also können wir sagen: Gott hat alle Menschen im Ungehorsam eingeschlossen, um dann alle in seiner großen Barmherzigkeit anzunehmen.
Gottes unendlicher Reichtum
33Was für eine unendliche Dimension des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschbar sind seine Entscheidungen und wie unauffindbar seine Wege!34Das unterstreicht auch die Aussage in Gottes Buch: »Wer kann denn Einblick in Gottes Denken gewinnen? Oder: Wer ist zu seinem Berater ernannt worden?«35Oder auch die Aussage: »Wer hat ihm etwas als Vorleistung gegeben, sodass es ihm wieder zurückgegeben werden müsste?«36Ja, so ist es: Von ihm her und durch ihn und zu ihm hin bestehen alle Dinge! Ihm sei alle Ehre bis in die fernsten Zukunftszeiten! Amen, ja, so soll es sein!