1Ach, das Gold hat seinen Glanz verloren, stumpf und matt ist es geworden. Die kostbaren Steine des Tempels liegen verstreut an allen Straßenecken.2Die jungen Männer Zions, für uns so wertvoll wie reines Gold, werden nun verächtlich behandelt wie gewöhnliches Tongeschirr.3Selbst Schakale säugen ihre Jungen, aber die Mütter meines Volkes sind grausam zu ihren Kindern wie ein Strauß in der Wüste[1]. (Hi 39,13)4Der Säugling schreit vor Durst, die Zunge klebt ihm am Gaumen. Kleine Kinder betteln um Brot, doch niemand gibt ihnen ein Stück.5Wer früher nur das Feinste aß, bricht nun vor Hunger auf der Straße zusammen. Wer früher auf purpurfarbenen Kissen schlief, liegt jetzt mitten im stinkenden Dreck.6Mein Volk hat schwer gesündigt – schlimmer noch als die Leute von Sodom, die plötzlich und ohne menschliches Zutun ein schreckliches Ende fanden.7Einst waren unsere Fürsten gesund und schön: Ihre Zähne blitzten so weiß wie Schnee, und ihre Wangen schimmerten rot wie Korallen, ihre ganze Erscheinung glich einem funkelnden Juwel.[2]8Jetzt aber ist ihr Gesicht dunkel wie Ruß, sie sind bis auf die Knochen abgemagert, und ihr Körper ist so spindeldürr geworden, dass man sie auf der Straße nicht wiedererkennt.9Wer vom Schwert der Feinde durchbohrt wurde, hatte es sogar noch besser als jene, die überlebten. Sie verhungerten und starben einen qualvollen Tod, weil keine Ernte mehr eingebracht werden konnte.10Am Ende war die Not so groß geworden, dass mein Volk weder aus noch ein wusste. Liebevolle Mütter haben dann aus lauter Verzweiflung ihre eigenen Kinder gekocht und gegessen!11Der HERR hat seinem Zorn freien Lauf gelassen und die sengende Glut über uns ausgegossen. Er hat in der Stadt Zion ein Feuer gelegt, das sie bis auf die Grundmauern niederbrannte.12Was niemand für möglich gehalten hätte, ist nun vor den Augen der Völker geschehen: Die Feinde sind in Jerusalem eingezogen, im Triumph schritten sie durch seine Tore.13Es musste so kommen wegen der Schuld der Propheten und wegen der Sünden, die die Priester begingen: Unschuldige Menschen haben sie umgebracht – und das inmitten der Stadt!14Jetzt taumeln sie selbst durch die Straßen wie Blinde, die ihren Weg nicht finden. Ihre Kleider sind so mit Blut besudelt, dass niemand sie zu berühren wagt.15»Aus dem Weg!«, ruft man ihnen zu. »Ihr seid unrein! Aus dem Weg! Rührt uns nicht an!« So müssen sie fliehen und irren umher. Sogar in anderen Ländern sagt man: »Bei uns können sie nicht bleiben!«16Der HERR hat sich von ihnen abgewandt und sie eigenhändig aus dem Land vertrieben. Niemand mehr erweist den Priestern Respekt oder erbarmt sich über die alten Männer.17Wir warteten unentwegt auf Hilfe, doch alles Hoffen war vergeblich! Das Volk, nach dem wir Ausschau hielten, konnte uns auch nicht retten.18Die Feinde verfolgten uns auf Schritt und Tritt, niemand wagte sich mehr auf die Straße. Unsere Tage waren gezählt, wir waren verloren, jetzt war unser Ende gekommen!19Die Verfolger stürzten sich so schnell auf uns wie ein Adler, der auf seine Beute herabstößt. Auf der Flucht ins Bergland holten sie uns ein, und in der Wüste lauerten sie uns auf.20Unseren König, den der HERR auserwählt hat, haben sie uns genommen, und mit ihm unser Leben! Dabei dachten wir, er würde uns vor den Völkern schützen wie ein Schatten vor der glühenden Sonne.21Lacht nur schadenfroh, ihr Edomiter im Land Uz! Der Kelch mit Gottes Zorn kommt auch zu euch! Ob ihr wollt oder nicht, ihr müsst daraus trinken, dann werdet ihr taumeln und nackt am Boden liegen.22Freue dich, Zion, deine Schuld ist gesühnt! Gott wird dich nie mehr in die Gefangenschaft führen. Aber eure Schuld, ihr Edomiter, bringt er ans Licht! Ja, er wird euch zur Rechenschaft ziehen.
1Weh, wie glanzlos ist das Gold, / gedunkelt das köstliche Feingold,
hingeschüttet die heiligen Steine / an den Ecken aller Straßen!2Die kostbaren Kinder Zions, / aufgewogen mit reinem Gold,
weh, wie Krüge aus Ton sind sie geachtet, / wie Werk von Töpferhand.3Selbst Schakale reichen die Brust, / säugen ihre Jungen.
Die Tochter, mein Volk, ist grausam geworden / wie Strauße in der Wüste. (Hi 39,13)4Des Säuglings Zunge klebt / an seinem Gaumen vor Durst.
Kinder betteln um Brot; / keiner bricht es ihnen.5Die einst Leckerbissen schmausten, / verschmachten auf den Straßen.
Die einst auf Purpur lagen, / klammern sich jetzt an Unrat.6Größer ist die Schuld der Tochter, meines Volkes, / als die Sünde Sodoms,
das plötzlich vernichtet wurde, / ohne dass eine Hand sich rührte. (1Mo 19,24; Jer 49,18)7Ihre Vornehmen waren reiner als Schnee, / weißer als Milch,
ihr Leib rosiger als Korallen, / saphirgleich ihre Gestalt.8Schwärzer als Ruß sehen sie aus, / man erkennt sie nicht auf den Straßen.
Ihre Haut schrumpft ihnen am Leib, / trocken wie Holz ist sie geworden. (Jes 66,14)9Besser die vom Schwert Getöteten / als die vom Hunger Getöteten;
sie sind verschmachtet, / vom Missertrag der Felder getroffen.10Die Hände liebender Frauen / kochten die eigenen Kinder.
Sie dienten ihnen als Speise / beim Zusammenbruch der Tochter, meines Volkes. (Kla 2,20)11Randvoll gemacht hat der HERR seinen Grimm, / ausgegossen seinen glühenden Zorn.
Er entfachte in Zion ein Feuer, / das bis auf den Grund alles verzehrte.12Kein König eines Landes, kein Mensch auf der Erde / hätte jemals geglaubt,
dass ein Bedränger und Feind / durchschritte die Tore Jerusalems.13Wegen der Sünden ihrer Propheten, / wegen der Verfehlung ihrer Priester,
die in ihrer Mitte vergossen haben / das Blut von Gerechten, (Kla 2,14)14wanken sie blind durch die Gassen, / besudelt mit Blut,
sodass man nicht berühren mag / ihre Kleider.15Fort, unrein!, ruft man ihnen zu. / Fort, fort! Rührt nichts an!
Da fliehen sie, da wanken sie. / Unter den Völkern sagt man: / Sie dürfen nicht länger bleiben. (Jes 52,11)16Das Angesicht des HERRN hat sie zerstreut, / er schaut sie nicht mehr an.
Keine Ehrfurcht zollte man den Priestern, / die Ältesten fanden keine Gnade.17Als wir uns noch die Augen nach Hilfe für uns ausschauten, / war es umsonst.
Auf unserer Warte spähten wir nach einem Volk, / das dann doch keine Hilfe brachte.18Man stellte unseren Schritten nach, / wir konnten nicht auf die Straßen.
Unser Ende war nah, die Tage voll, / ja, unser Ende kam.19Schneller waren unsere Verfolger / als Adler am Himmel.
Sie jagten uns auf den Bergen, / lauerten uns auf in der Wüste.20Unser Lebensatem, der Gesalbte des HERRN, / ist gefangen in ihren Gruben.
Wir aber hatten gedacht: / In seinem Schatten werden wir leben unter den Völkern. (2Kön 25,27)21Juble nur und freue dich, Tochter Edom, / die du wohnst im Lande Uz.
Auch zu dir wird der Becher kommen, / du wirst dich betrinken und dich entblößen. (Jer 25,15; Ob 1,1)22Zu Ende ist deine Schuld, Tochter Zion; / nicht wieder führt er dich in Verbannung.
Deine Schuld sucht er heim, Tochter Edom, / deckt deine Sünden auf. (Jes 40,2)