1Einmal wurden auch sieben Brüder zusammen mit ihrer Mutter festgenommen. Sie sollten in Gegenwart des Königs gezwungen werden, gegen das Gesetz Gottes zu handeln und Schweinefleisch zu essen. Der König ließ sie mit Geißeln und Riemen auspeitschen. (3Mo 11,7)2Einer nahm für alle das Wort und sagte zum König: »Glaubst du vielleicht, dass du damit etwas erreichst? Wir werden lieber sterben als gegen die Gesetze handeln, die wir von unseren Vorfahren haben.« (Dan 3,16)3Der König geriet außer sich vor Zorn und befahl, unter den Kesseln und Pfannen Feuer zu machen.4Er ließ dem Wortführer vor den Augen seiner Mutter und seiner Brüder die Zunge abschneiden, nach Skythenart die Kopfhaut abziehen, Nase und Ohren abschneiden und schließlich noch Hände und Füße abhacken.5Dann ließ er den Verstümmelten, der immer noch lebte, in die Pfanne werfen und braten. Während der Geruch des schmorenden Fleisches bis zu ihnen drang, ermutigten die anderen Brüder und die Mutter einander, nicht nachzugeben, sondern tapfer zu sterben. Sie sagten:6»Der Herr, unser Gott, sieht uns und hat gewiss Erbarmen mit uns. Mose hat es in dem Lied gesagt, in dem er unser Volk anklagt: ›Der Herr wird Erbarmen haben mit den Seinen.‹« (5Mo 32,36)7Als der erste der Brüder auf diese Weise gestorben war, holten sie den zweiten und begannen mit ihm dasselbe grausame Spiel. Sie rissen ihm die Kopfhaut ab und sagten zu ihm: »Wenn du kein Schweinefleisch isst, werden wir dir ein Glied nach dem anderen abhacken. Wirst du also essen?«8»Nein«, erwiderte er in seiner Muttersprache. Da verfuhren sie mit ihm genau wie mit dem ersten.9Sterbend sagte er zum König: »Du Verbrecher! Du kannst uns zwar dieses Leben nehmen, aber der König der ganzen Welt wird uns zu einem ewigen Leben erwecken, weil wir im Gehorsam gegen seine Gesetze gestorben sind.« (Dan 12,2)10Dann kam der dritte an die Reihe. Als man seine Zunge verlangte, streckte er sie ohne zu zögern heraus und hielt mutig die Hände zum Abhacken hin.11Gelassen sagte er: »Was ihr mir nehmt, habe ich vom Gott des Himmels. Im Gehorsam gegen seine Gesetze gebe ich es hin und ich vertraue darauf, dass er es mir wiedergeben wird.« (Hebr 11,35; 2Mak 12,43)12Sogar der König und seine Begleiter staunten, weil er sich aus den Schmerzen überhaupt nichts machte.13Danach misshandelten sie den vierten genau wie die anderen.14Bevor er starb, sagte er zum König: »Wie herrlich ist es, dass es für die, die aus diesem Leben scheiden, eine Hoffnung gibt! Gott hat versprochen, dass sie wieder zum Leben auferstehen sollen. Aber für dich gibt es keine Auferstehung!«15Als sie den fünften holten, um ihn zu quälen,16blickte er den König an und sagte: »Du tust, was dir gefällt; aber du hast nur Gewalt über Menschen und deine Macht ist vergänglich. Rede dir nicht ein, dass Gott unser Volk verlassen hat!17Warte nur und du wirst Gottes mächtige Hand zu spüren bekommen, wenn er dich und deine Nachkommen mit Qualen straft.«18Der sechste sagte sterbend zum König: »Wiege dich nicht in Sicherheit! Wir haben verdient, was wir leiden müssen. Unser Volk hat seinem Gott nicht gehorcht, darum konnten so befremdliche Dinge geschehen. (Jes 10,5; Jes 10,12)19Bilde dir nicht ein, dass Gott dich schonen wird, wenn du ihn so herausforderst!«
Was eine Mutter von ihren Söhnen erwartet
20Es verdient die höchste Bewunderung und sollte niemals in Vergessenheit geraten, wie tapfer die Mutter dies alles ertrug. Sie musste mit ansehen, wie ihre sieben Söhne an einem Tag umkamen, und doch verzweifelte sie nicht, weil sie dem Herrn vertraute.21Sie blieb gefasst und sprach jedem von ihnen in ihrer Sprache Mut zu. In den Worten, die sie an alle richtete, verband sich das tiefe Empfinden der Frau mit dem Mut eines Mannes.22»Ich weiß nicht, wie ihr in meinem Leib entstanden seid«, sagte sie zu ihnen. »Ich habe euch nicht selbst das Leben geschenkt und eure Körper aus ihren Bestandteilen aufgebaut.23Der Schöpfer der Welt, nach dessen Plan alle Dinge entstehen, erschafft und bildet auch die Menschen. Wenn ihr jetzt im Gehorsam gegen seine Gesetze euer Leben opfert, wird er mit euch Erbarmen haben und es euch wiedergeben.«24König Antiochus schloss aus dem Ton ihrer Stimme, dass sie sich durch seine Drohungen nicht einschüchtern ließ und ihn nur verächtlich machte. Darum verfuhr er beim jüngsten Sohn anders: Er redete ihm freundlich zu und versprach ihm alles Mögliche, wenn er die Lebensart seiner Vorfahren aufgeben würde. Er sicherte ihm mit einem Eid zu, dass er ihn dann reich und glücklich machen würde; er sollte zu den Freunden des Königs zählen und hohe Staatsämter erhalten.25Als der Junge davon nichts hören wollte, rief der König die Mutter zu sich. Er sagte, sie solle doch ihrem Sohn zureden, dass er das Angebot nicht ausschlage und sein Leben rette.26Da der König nicht lockerließ, erklärte sie sich schließlich bereit, mit dem Jungen zu sprechen.27Sie beugte sich zu ihm nieder, aber was sie dann in ihrer Sprache zu ihm sagte, war ein einziger Hohn auf den grausamen Tyrannen. »Mein Kind«, flüsterte sie, »hab Mitleid mit deiner armen Mutter, die dich neun Monate in ihrem Leib getragen und drei Jahre an ihrer Brust genährt und dich bis zum heutigen Tag versorgt und aufgezogen hat.28Sieh Himmel und Erde an und halte dir alles vor Augen, was auf dieser Welt lebt und besteht. Das alles hat Gott aus dem Nichts erschaffen und auch uns Menschen hat er auf diese Weise ins Leben gerufen. (Ps 33,6; Hebr 11,3)29Darum hab keine Angst vor diesem Henker, sondern sei tapfer wie deine Brüder und nimm den Tod auf dich! Dann werde ich dich auch zusammen mit deinen Brüdern wiedererhalten, wenn der Herr uns einst sein Erbarmen erweisen wird.«
Ein Kind fordert den Tyrannen heraus
30Kaum hatte sie zu Ende gesprochen, da rief der Junge den Henkern zu: »Worauf wartet ihr noch? Ich werde dem Befehl des Königs nicht folgen. Ich gehorche dem Gesetz, das Gott unseren Vorfahren durch Mose gegeben hat!«31Dann redete er den König an und sagte: »Du wirst Gott nicht entrinnen! Seine Strafe wird dich treffen, weil du alle diese Scheußlichkeiten gegen das Volk der Hebräer ausgedacht hast.32Wir haben Gott nicht gehorcht, darum müssen wir jetzt dies alles erleiden. (Jes 54,7; 2Mak 5,17)33Aber unser Gott lebt! Er straft uns nur für kurze Zeit, um uns auf den rechten Weg zurückzubringen. Sein Zorn geht vorüber und dann wird er seinem Volk wieder gut sein.34Deshalb führe dich nicht so überheblich auf, du Gottesleugner, du Verkommenster aller Menschen! Bilde dir nicht ein, dass du dich ungestraft an den Kindern Gottes vergreifen kannst!35Unser Gott, der Herrscher der ganzen Welt, sieht alles; du bist seinem Gericht noch nicht entronnen!36Die Leiden meiner Brüder dauerten nur eine kurze Zeit und auf sie wartet das Leben ohne Ende, das Gott versprochen hat. Du aber wirst Gottes Gericht verfallen und so bestraft werden, wie es deine Anmaßung verdient. (2Mak 7,14)37Ich werde genau wie meine Brüder Leib und Leben dahingeben für die Gesetze, die unsere Vorfahren an uns weitergegeben haben. Ich bete zu Gott, dass er unserem Volk bald wieder seine Liebe zuwendet, dich aber durch Qualen und Schläge dazu bringt, zu bekennen, dass er allein Gott ist. (2Mak 9,17)38Mögen meine Brüder und ich die Letzten sein, die dem Strafgericht zum Opfer fallen, das der Herr der ganzen Welt zu Recht über unser Volk verhängt hat!«39Der König war über das, was der Junge ihm ins Gesicht gesagt hatte, so außer sich vor Wut, dass er ihn noch schlimmer quälen ließ als die anderen.40Aber auch er blieb standhaft bis zum Tod, weil er dem Herrn vertraute.41Zuletzt, nach allen ihren Söhnen, wurde auch die Mutter hingerichtet.42So viel sei hier über die Opfermahlzeiten und die furchtbaren Folterungen berichtet.
Martyrium der sieben Brüder mit ihrer Mutter, zehn Worte über die Bedeutung des Martyriums
1Ein andermal geschah es, dass man sieben Brüder mit ihrer Mutter festnahm. Der König wollte sie zwingen, entgegen dem göttlichen Gesetz Schweinefleisch anzurühren, und ließ sie darum mit Geißeln und Riemen peitschen. (3Mo 11,7)2Einer von ihnen ergriff für die andern das Wort und sagte: Was willst du uns fragen und was willst du von uns lernen? Eher sterben wir, als dass wir die Gesetze unserer Väter übertreten.3Da wurde der König zornig und befahl, Pfannen und Kessel heiß zu machen.4Kaum waren sie heiß geworden, ließ er ihrem Sprecher die Zunge abschneiden, ihm nach Skythenart die Kopfhaut abziehen und Nase, Ohren, Hände und Füße stückweise abhacken. Dabei mussten die anderen Brüder und die Mutter zuschauen.5Den grässlich Verstümmelten, der noch atmete, ließ er ans Feuer bringen und rösten. Während sich der Dunst aus der Pfanne nach allen Seiten verbreitete, sprachen sie und ihre Mutter einander Mut zu, in edler Haltung zu sterben. Sie sagten:6Gott, der Herr, sieht und gewiss hat er Erbarmen mit uns. Denn so hat es Mose klar gesagt in dem Lied, in dem er öffentlich das Volk anklagte: Und er wird mit seinen Dienern Erbarmen haben. (5Mo 32,36)7Als der Erste der Brüder auf diese Weise gestorben war, führten sie den Zweiten zur Folterung. Sie zogen ihm die Kopfhaut samt den Haaren ab und fragten ihn: Willst du essen, bevor wir Glied für Glied an deinem Körper martern?8Er antwortete in seiner Muttersprache: Nein! Deshalb wurde er genauso wie der Erste gefoltert.9Als er in den letzten Zügen lag, sagte er: Du Unmensch! Du nimmst uns dieses Leben; aber der König der Welt wird uns zu einem neuen, ewigen Leben auferstehen lassen, weil wir für seine Gesetze gestorben sind. (Dan 12,2; 2Mak 7,11; 2Mak 12,43; 2Mak 14,46)10Nach ihm folterten sie den Dritten. Als sie seine Zunge forderten, streckte er sie sofort heraus und hielt mutig die Hände hin.11Dabei sagte er gefasst: Vom Himmel habe ich sie bekommen und wegen seiner Gesetze achte ich nicht auf sie. Von ihm hoffe ich sie wiederzuerlangen.12Sogar der König und seine Leute staunten über den Mut des jungen Mannes, dem die Schmerzen nichts bedeuteten.13Als er tot war, quälten und misshandelten sie den Vierten genauso.14Dieser sagte, als er dem Ende nahe war: Gott hat uns die Hoffnung gegeben, dass er uns auferstehen lässt. Darauf warten wir gern, wenn wir von Menschenhand sterben. Für dich aber gibt es keine Auferstehung zum Leben.15Anschließend nahmen sie sich den Fünften vor und misshandelten ihn.16Der sah den König an und sagte: Du bist ein vergänglicher Mensch und doch hast du die Macht, unter den Menschen zu tun, was du willst. Aber glaub nicht, unser Volk sei von Gott verlassen.17Du aber warte nur! Du wirst seine gewaltige Kraft sehen, wenn er dich und deine Nachkommen martert.18Nach ihm holten sie den Sechsten. Sterbend sagte er: Lass dich nicht für nichts täuschen! Denn wir sind selbst schuld an unserem Leid, weil wir gegen unseren Gott gesündigt haben. Darum konnte so Staunenswertes geschehen.19Glaub aber ja nicht, dass du heil davonkommst; denn du hast es gewagt, mit Gott zu kämpfen.20Über alle Maßen muss man über die Mutter staunen. Sie verdient es, dass man sich an sie mit Hochachtung erinnert. An einem einzigen Tag sah sie nacheinander ihre sieben Söhne sterben und ertrug es hochgesinnt in der Hoffnung auf den Herrn.21Voll edler Gesinnung pflanzte sie ihrem weiblichen Denken männlichen Mut ein, redete jedem von ihnen in ihrer Muttersprache zu und sagte zu ihnen:22Ich weiß nicht, wie ihr in meinem Schoß entstanden seid, noch habe ich euch Atem und Leben geschenkt; auch habe ich keinen von euch aus den Grundstoffen zusammengefügt. (Hi 10,8; Ps 139,13)23Nein, der Schöpfer der Welt hat den werdenden Menschen geformt, als er entstand; er kennt die Entstehung aller Dinge. Er gibt euch in seinem Erbarmen Atem und Leben wieder, weil ihr jetzt um seiner Gesetze willen nicht auf euch achtet.24Antiochus aber glaubte, sie verachte ihn, und er hatte den Verdacht, sie wolle ihn beschimpfen.
Nun war nur noch der Jüngste übrig. Auf ihn redete der König nicht nur mit guten Worten ein, sondern versprach ihm unter Schwüren, ihn reich und sehr glücklich zu machen, wenn er von der Lebensart seiner Väter abfalle; auch wolle er ihn zu seinem Freund machen und ihn mit hohen Staatsämtern betrauen.25Als der Junge nicht darauf einging, rief der König die Mutter und redete ihr zu, sie solle dem Knaben doch raten, sich zu retten.26Erst nach langem Zureden willigte sie ein, ihren Sohn zu überreden.27Sie beugte sich zu ihm nieder und, den grausamen Tyrannen verspottend, sagte sie in ihrer Muttersprache: Mein Sohn, hab Mitleid mit mir! Neun Monate habe ich dich in meinem Leib getragen, ich habe dich drei Jahre gestillt, dich ernährt, großgezogen und für dich gesorgt, bis du nun so groß geworden bist.28Ich bitte dich, mein Kind, schau dir den Himmel und die Erde an; sieh alles, was es da gibt, und erkenne: Gott hat das aus dem Nichts erschaffen und so entstehen auch die Menschen. (Hi 26,7)29Hab keine Angst vor diesem Henker, sei deiner Brüder würdig und nimm den Tod an! Dann werde ich dich zur Zeit des Erbarmens mit deinen Brüdern wiederbekommen.30Kaum hatte sie aufgehört, da sagte der Junge: Auf wen wartet ihr? Dem Befehl des Königs gehorche ich nicht; ich höre auf den Befehl des Gesetzes, das unseren Vätern durch Mose gegeben wurde.31Du aber, der sich alle Bosheit gegen die Hebräer ausgedacht hat, du wirst Gottes Händen nicht entkommen.32Denn wir leiden nur, weil wir gesündigt haben.33Wenn auch der lebendige Herr eine kurze Zeit lang zornig auf uns ist, um uns durch Strafen zu erziehen, so wird er sich doch mit seinen Dienern wieder versöhnen.34Du Ruchloser aber, du größter Verbrecher der Menschheit, überheb dich nicht vergeblich im Übermut ungewisser Hoffnungen, wenn du deine Hand gegen die Kinder des Himmels erhebst!35Denn noch bist du dem Gericht des allmächtigen Gottes, der alles sieht, nicht entronnen.36Unsere Brüder sind jetzt nach kurzem Leiden mit der göttlichen Zusicherung ewigen Lebens für den Bund Gottes gestorben; du jedoch wirst beim Gericht Gottes die gerechte Strafe für deinen Übermut zahlen.37Ich gebe wie meine Brüder Leib und Leben hin für die Gesetze unserer Väter und rufe dabei Gott an, dass er seinem Volk bald wieder gnädig sei; du aber sollst unter Qualen und Schlägen bekennen müssen, dass er allein Gott ist.38Bei mir und meinen Brüdern möge der Zorn des Allherrschers aufhören, der sich zu Recht über unser ganzes Volk ergossen hat.39Außer sich verfuhr der König mit ihm noch schlimmer als mit den anderen - so sehr hatte ihn der Hohn verletzt.40Auch der Jüngste starb also in Reinheit und mit ganzem Vertrauen auf den Herrn.41Zuletzt starb nach ihren Söhnen die Mutter.[1]42So viel sei über die Opfermähler und die äußerst schlimmen Misshandlungen berichtet.