1Groß und schwierig darzulegen sind deine Gerichtsentscheide; / darum gingen unbelehrbare Seelen in die Irre. (Röm 11,33)2Denn als die Gottlosen meinten, das heilige Volk zu unterdrücken, / lagen sie selber da als Gefangene der Finsternis und Gefesselte einer langen Nacht,/ eingeschlossen unter ihren Dächern, Flüchtlinge vor der ewigen Vorsehung. (2Mo 1,13; 2Mo 10,21; Ps 105,28; Jes 29,15)3Sie glaubten, mit ihren geheimen Sünden / unter der dunklen Decke der Vergessenheit verborgen zu sein;
da packte sie furchtbares Entsetzen. / Sie wurden durch Trugbilder aufgeschreckt und auseinandergejagt. (Ps 53,6)4Auch der geheimste Winkel, in den sie sich flüchteten, konnte sie nicht vor Furcht bewahren; / verwirrendes Getöse umbrauste sie und düstere Gespenster mit finsteren Mienen tauchten auf.5Keine Gewalt irgendeines Feuers war stark genug, Licht zu bringen; / nicht einmal die strahlenden Flammen der Sterne / vermochten es, diese todesdunkle Nacht zu erhellen.[1]6Es erschien ihnen nur / ein schauriger Feuerherd, der sich von selbst entzündet hatte;
wenn jener Anblick nicht mehr sichtbar war, hielten sie, / außer sich vor Entsetzen, die Dinge, die sie sahen, für noch schlimmer.7Da versagten die Gaukeleien der Zauberkunst / und die Überprüfung der prahlerischen Klugheit fiel schmählich aus. (2Mo 8,14)8Jene, die immer versprachen, Furcht und Verwirrung von der kranken Seele zu bannen, / krankten nun selber an einer lächerlichen Angst. (2Mo 9,11)9Auch wenn nichts Schreckliches sie ängstigte, / wurden sie durch vorbeiziehendes Getier und zischelnde Schlangen aufgescheucht / und vergingen vor Furcht. / Nicht einmal in die Luft wollten sie blicken, der man doch nirgends entfliehen kann. (Spr 28,1)10Denn die Schlechtigkeit bezeugt ihre eigene Unsicherheit, wenn sie verurteilt wird./ Unter dem Druck des Gewissens steigert sie immer noch das Schlimme.11Furcht ist ja nichts anderes als Verlassensein von der von der Vernunft angebotenen Hilfe.12Je weniger man solche Hilfe erwartet, / für umso schlimmer hält man es, die Ursache der Qual nicht zu kennen.13In Wahrheit hatte jene Nacht keine Macht; / aus den Winkeln der machtlosen Totenwelt war sie heraufgestiegen. / Sie aber, die wie sonst schlafen wollten,14wurden bald durch Schreckgespenster aufgescheucht, / bald durch Mutlosigkeit gelähmt; / denn plötzliche und unerwartete Furcht hatte sie befallen.15So wurde jeder dort, wo er zu Boden sank, / ein Gefangener, der in einen Kerker ohne Eisenfesseln eingeschlossen war.16Ob jemand Bauer oder Hirt war / oder allein schwer arbeitete,
alle wurden überrascht und mussten sich dem unentrinnbaren Zwang fügen, / alle wurden durch die gleiche Kette der Finsternis gefesselt.17Das Pfeifen des Windes, der wohlklingende Gesang der Vögel ringsum auf weitausladenden Zweigen, / das Strömen gewaltig fließenden Wassers, / das wilde Donnern stürzender Felsen,18das Laufen hüpfender Tiere, die man nicht sehen konnte, / das laute Gebrüll wilder Raubtiere, / das aus den Schluchten der Berge zurückgeworfene Echo: / Alles und jedes jagte ihnen lähmende Furcht ein.19Die ganze Welt erstrahlte in strahlendem Licht / und war unbehindert beschäftigt mit ihren Werken. (2Mo 10,23)20Nur über jene breitete sich drückende Nacht aus, / Bild der Finsternis, die sie aufnehmen sollte. Sich selber aber waren sie eine drückendere Last als die Finsternis.
1Denn gross sind deine Rechtsentscheide und nur schwer darzulegen. Deshalb sind die Seelen, denen es an Erziehung fehlt, in die Irre gegangen.2In der Annahme nämlich, sie könnten eine heilige Nation unterdrücken, sind die, welche die Weisung missachteten, zu Gefangenen der Finsternis geworden und zu Gefesselten einer langen Nacht, und, eingesperrt in ihren Behausungen, lagen sie da, auf der Flucht vor der ewigen Vorsehung.3Sie meinten nämlich, sie könnten verborgen bleiben mit ihren heimlichen Verfehlungen unter einer dunklen Hülle des Vergessens; sie wurden zerstreut, furchtbar in Schrecken versetzt und von Trugbildern in Verwirrung gestürzt.4Denn auch das Versteck, das ihnen Unterschlupf bot, konnte sie nicht vor Furcht bewahren; herabschmetterndes Getöse aber umgab sie mit seinem Lärm, und es erschienen ihnen düstere Gestalten mit finsteren Mienen.5Und keine Gewalt des Feuers vermochte Licht zu spenden; auch nicht das funkelnde Leuchten der Sterne war in der Lage, jene grausige Nacht zu erhellen.6Es erschien ihnen einzig ein Feuer, das sich selbst entzündete und Furcht verbreitete; sie erschraken aber, als jener Anblick verschwand, und hielten das, was sie sahen, für noch schlimmer.7Die Gaukeleien der magischen Kunst aber lagen darnieder - eine demütigende Entlarvung ihrer Prahlerei, die in ihrer Gesinnung gründete.8Denn diejenigen, die versprochen hatten, Ängste und Beunruhigungen einer erkrankten Seele zu vertreiben, diese krankten an einer lächerlichen Ängstlichkeit.9Denn auch wenn nichts Beunruhigendes sie erschreckte, waren sie aufgescheucht vom Vorbeiziehen des Getiers und vom Keuchen von Kriechtieren,10und so standen sie davor, zitternd zugrunde zu gehen, und sie weigerten sich, in die Luft zu sehen, der man nirgends entfliehen kann.1110 Die Bosheit nämlich bezeugt das Nichtsnutzige auf ihre eigene Weise - sie verurteilt sich selbst; stets aber hat sie das Schlimme ergriffen, obwohl sie vom Gewissen gezügelt wird.1211 Furcht nämlich ist nichts anderes als die Preisgabe der Hilfen, die das vernünftige Denken bietet.1312 Wenn aber im Inneren die Erwartung von Hilfe schwächer ist, hält man die Unwissenheit über die Ursache, die die Peinigung bereitet, für umfassender.[1]1413 Diejenigen aber, die in der in Wirklichkeit machtlosen Nacht, die aus den verborgenen Winkeln der machtlosen Unterwelt aufstieg, denselben Schlaf schliefen,1514 wurden zum einen von den Schrecknissen der Traumbilder getrieben, zum anderen durch die Mutlosigkeit der Seele gelähmt. Denn jäh auftretende und unerwartete Furcht war über sie ausgeschüttet worden.[2]1615 Und so geschah es, dass, wer nun einmal dort zu Fall kam, in das nicht aus Eisen gemachte Verliess weggesperrt und bewacht wurde.1716 Und ob es nun ein Bauer war oder ein Hirt oder einer, der in der Einöde mühevoller Arbeit nachging: Er wurde im Handstreich gepackt und wartete auf die unentrinnbare Notwendigkeit.1817 Alle nämlich wurden sie gefesselt mit einer einzigen Kette der Finsternis. Ob es der pfeifende Wind war oder der wohlklingende Gesang der Vögel auf weit ausladenden Ästen oder das Rauschen des Wassers, das mit Gewalt dahinfloss,1918 oder das heftige Krachen herabstürzender Felsen oder der unsichtbare Lauf leichtfüssiger Tiere oder das Lärmen brüllender, ganz unerträglicher Tiere oder der Schall, der aus dem Inneren der Berge zurückhallt - all das erschreckte und lähmte sie.2019 Denn die ganze Welt wurde erhellt von einem strahlenden Licht und angetrieben von ungehindertem Wirken.2120 Nur über jene hatte sich eine drückende Nacht ausgebreitet, ein Bild der Finsternis, die sie noch in Empfang nehmen sollte. Sich selbst aber waren sie zu einer noch grösseren Belastung geworden, als es die Finsternis war.