1.Könige 3

Einheitsübersetzung 2016

von Katholisches Bibelwerk
1 Salomo verschwägerte sich mit dem Pharao, dem König von Ägypten. Er nahm eine Tochter des Pharao zur Frau und brachte sie in die Davidstadt, bis er sein Haus, das Haus des HERRN und die Mauern rings um Jerusalem vollendet hatte. (1Kön 7,8; 1Kön 9,15)2 Das Volk opferte jedoch zu jener Zeit auf den Kulthöhen, weil dem Namen des HERRN noch kein Haus gebaut war.3 Salomo aber liebte den HERRN und befolgte die Satzungen seines Vaters David; nur brachte er auf den Kulthöhen Schlachtopfer und Rauchopfer dar.4 So ging der König nach Gibeon, um dort zu opfern; denn hier war die größte Kulthöhe. Tausend Brandopfer pflegte Salomo auf jenen Altar zu legen. (1Chr 16,39; 2Chr 1,3)5 In Gibeon erschien der HERR dem Salomo nachts im Traum und forderte ihn auf: Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll!6 Salomo antwortete: Du hast deinem Knecht David, meinem Vater, große Huld erwiesen; denn er lebte vor dir in Treue, in Gerechtigkeit und mit aufrichtigem Herzen. Du hast ihm diese große Huld bewahrt und ihm einen Sohn geschenkt, der heute auf seinem Thron sitzt. (1Kön 1,48)7 So hast du jetzt, HERR, mein Gott, deinen Knecht anstelle meines Vaters David zum König gemacht. Doch ich bin noch sehr jung und weiß nicht aus noch ein.8 Dein Knecht steht aber mitten in deinem Volk, das du erwählt hast: einem großen Volk, das man wegen seiner Menge nicht zählen und nicht schätzen kann.9 Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht! Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren? (Ps 72,1; Weis 9,1)10 Es gefiel dem Herrn, dass Salomo diese Bitte aussprach.11 Daher antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast und nicht um langes Leben, Reichtum oder um den Tod deiner Feinde, sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören,12 werde ich deine Bitte erfüllen. Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht. (Weis 7,7)13 Aber auch das, was du nicht erbeten hast, will ich dir geben: Reichtum und Ehre, sodass zu deinen Lebzeiten keiner unter den Königen dir gleicht.14 Wenn du auf meinen Wegen gehst, meine Gesetze und Gebote bewahrst wie dein Vater David, dann schenke ich dir ein langes Leben.15 Da erwachte Salomo und merkte, dass es ein Traum war. Als er nach Jerusalem kam, trat er vor die Bundeslade des Herrn, brachte Brand- und Heilsopfer dar und gab ein Festmahl für alle seine Diener.16 Damals kamen zwei Dirnen und traten vor den König.17 Die eine sagte: Bitte, Herr, ich und diese Frau wohnen im gleichen Haus und ich habe dort in ihrem Beisein geboren.18 Am dritten Tag nach meiner Niederkunft gebar auch diese Frau. Wir waren beisammen; kein Fremder war bei uns im Haus, nur wir beide waren dort.19 Nun starb der Sohn dieser Frau während der Nacht; denn sie hatte im Schlaf auf ihm gelegen.20 Sie stand mitten in der Nacht auf, nahm mir mein Kind weg, während deine Magd schlief, und legte es an ihre Seite. Ihr totes Kind aber legte sie an meine Seite.21 Als ich am Morgen aufstand, um mein Kind zu stillen, war es tot. Als ich es aber am Morgen genau ansah, war es nicht mein Kind, das ich geboren hatte.22 Da rief die andere Frau: Nein, mein Kind lebt und dein Kind ist tot. Doch die erste entgegnete: Nein, dein Kind ist tot und mein Kind lebt. So stritten sie vor dem König.23 Da begann der König: Diese sagt: Mein Kind lebt und dein Kind ist tot! und jene sagt: Nein, dein Kind ist tot und mein Kind lebt.24 Und der König fuhr fort: Holt mir ein Schwert! Man brachte es vor den König.25 Nun entschied er: Schneidet das lebende Kind entzwei und gebt eine Hälfte der einen und eine Hälfte der anderen!26 Doch nun bat die Mutter des lebenden Kindes den König - es regte sich nämlich in ihr die mütterliche Liebe zu ihrem Kind: Bitte, Herr, gebt ihr das lebende Kind und tötet es nicht! Doch die andere rief: Es soll weder mir noch dir gehören. Zerteilt es! (1Mo 43,30; Jes 49,15)27 Da befahl der König: Gebt jener das lebende Kind und tötet es nicht; denn sie ist seine Mutter.28 Ganz Israel hörte von dem Urteil, das der König gefällt hatte, und sie schauten mit Ehrfurcht zu ihm auf; denn sie erkannten, dass die Weisheit Gottes in ihm war, wenn er Recht sprach. (Weis 8,11)

1.Könige 3

Neue Genfer Übersetzung

von Genfer Bibelgesellschaft
1 Salomo verschwägerte sich mit dem ägyptischen Königshaus: Er heiratete eine Tochter des Pharaos. Er ließ sie in der Davidsstadt wohnen, bis er den Bau seines Palastes, des Tempels und der Mauer von Jerusalem vollendet hatte.2 Damals brachten die Israeliten ihre Opfer noch an den Opferstätten ´überall im Land` dar, denn es war noch kein Tempel für den HERRN gebaut worden.3 Salomo liebte den HERRN und hielt sich an die Weisungen seines Vaters David. Doch auch er brachte Schlacht- und Rauchopfer an diesen Opferstätten dar.4 Einmal ging der König nach Gibeon, um ein Opferfest zu feiern, denn dort war die bedeutendste Opferstätte ´des Landes`. Salomo brachte auf dem Altar tausend ´Tiere als` Brandopfer dar.5 Während er in Gibeon war, erschien ihm der HERR nachts in einem Traum und sagte: »Erbitte von mir, ´was du willst`, ich werde es dir geben.«6 Salomo antwortete: »Du hast deinem Diener David, meinem Vater, große Güte erwiesen, weil er sein Leben lang dir treu war, gerecht gehandelt hat und dir mit aufrichtigem Herzen begegnet ist. Deine Güte hat bis heute Bestand, denn du hast ihm einen Sohn geschenkt, der jetzt auf seinem Thron sitzt.7 HERR, mein Gott, du hast mich[1] als Nachfolger meines Vaters zum König gemacht. Ich aber bin noch jung und unerfahren und bin dieser Aufgabe nicht gewachsen.[2]8 Und doch hast du mir die Verantwortung anvertraut für dein Volk[3], das du erwählt hast. Es ist so groß, dass man die Menschen weder zählen noch schätzen kann.9 Darum gib mir ein Herz, das ´auf dich` hört, damit ich dein Volk gut regieren und zwischen Recht und Unrecht unterscheiden kann. Wie sonst könnte ich dein Volk führen, das so zahlreich ist?«10 Es gefiel Gott[4], dass Salomo diese Bitte an ihn gerichtet hatte.11 Deshalb sagte er[5] zu Salomo: »Du hast weder um ein langes Leben gebeten noch um Reichtum oder den Tod deiner Feinde. Stattdessen hast du mich um Weisheit gebeten, damit du gerecht regieren kannst[6].12 Darum werde ich deine Bitte erfüllen. Ich gebe dir ein ´so` weises und verständiges Herz, dass es keinen Menschen gibt – weder vor dir noch nach dir –, den man mit dir vergleichen kann.13 Und auch das, worum du mich nicht gebeten hast, werde ich dir geben: Reichtum und Ehre. Zu deinen Lebzeiten wird kein König so groß sein wie du.14 Wenn du dein Leben nach mir ausrichtest und meine Ordnungen und Gebote befolgst wie dein Vater David, dann werde ich dir auch ein langes Leben schenken.«15 Da erwachte Salomo und merkte, dass der HERR tatsächlich in diesem Traum zu ihm gesprochen hatte.[7] Er ging nach Jerusalem, trat vor die Bundeslade des HERRN und brachte Brandopfer dar. Er ließ auch Tiere für das Gemeinschaftsopfer schlachten und lud alle seine Hofleute zu einem Festmahl ein.16 Eines Tages kamen zwei Prostituierte zum König und legten ihm ihren Streit vor[8].17 »Mein Herr«, begann die eine, »diese Frau und ich wohnen zusammen im selben Haus. Ich habe ein Kind geboren, und außer ihr war niemand dabei.[9]18 Nur zwei Tage danach bekam auch diese Frau ein Kind. Auch da waren nur wir beide im Haus, sonst war niemand bei uns.19 Eines Nachts starb der Sohn dieser Frau, weil sie ihn im Schlaf ´versehentlich` erdrückt hatte.20 Da stand sie mitten in der Nacht auf und nahm mir meinen Sohn weg, während ich schlief. Sie legte mir ihr totes Kind in die Arme und nahm meins zu sich.21 Als ich frühmorgens aufwachte und meinen Sohn stillen wollte, merkte ich, dass er tot war. Doch als es heller wurde, sah ich ihn mir genauer an und entdeckte: Das war gar nicht das Kind, das ich geboren hatte!«22 »Das ist nicht wahr!«, widersprach die andere Frau. »Mein Sohn lebt und deiner ist tot!« »Nein!«, rief die erste, »dein Sohn ist tot und mein Sohn lebt!« So stritten sie vor dem König.23 Schließlich sagte Salomo: »Die eine sagt: ›Das Kind, das lebt, ist meins. Dein Kind ist tot.‹ Und die andere sagt: ›Nein, das tote ist deins, mein Kind lebt.‹«24 Dann befahl er: »Holt mir ein Schwert!« Als man es gebracht hatte,25 gab er den Befehl: »Zerschneidet das lebende Kind in zwei Teile und gebt jeder Frau eine Hälfte!«26 Da wurde die echte Mutter überwältigt von Liebe und Mitgefühl für ihren Sohn, und sie rief: »Bitte, Herr, gebt das Kind der anderen! Nur tötet es nicht!« Die andere aber sagte: »Weder mir noch dir soll es gehören. Zerschneidet es nur!«27 Da befahl der König: »Halt! Tötet das Neugeborene nicht! Gebt es der ersten Frau. Sie ist seine Mutter.«28 Überall in Israel erfuhr man von dem Urteil des Königs, und alle hatten Ehrfurcht vor ihm. Denn sie merkten, dass Gott ihm Weisheit geschenkt hatte, damit er gerechte Urteile fällen konnte.