Jerusalems Klage über sein Elend, Bekenntnis der Schuld und Bitte um Hilfe und Vergeltung an den Feinden
1[1] Wehe, wie sitzt so einsam da die ⟨einst⟩ volkreiche Stadt! Sie ist einer Witwe gleich geworden, die Große unter den Nationen! Die Fürstin über die Provinzen ist zur Zwangsarbeit erniedrigt[2]! (3Mo 26,31; Jes 49,21; Jer 44,2; Kla 1,19; Hes 26,2)2Sie weint und weint des Nachts, und ihre Tränen ⟨laufen⟩ über ihre Wangen. Sie hat keinen Tröster[3] unter allen, die sie liebten[4]; alle ihre Freunde haben treulos an ihr gehandelt, sind ihr zu Feinden geworden. (Jer 8,23; Jer 30,14; Kla 1,9; Kla 1,16; Kla 2,18)3Gefangen ist Juda weggezogen aus Elend und aus schwerem[5] Sklavendienst. Es wohnt unter den Nationen, findet keinen Rastplatz. Alle seine Verfolger haben es erreicht – mitten in der Bedrängnis[6]. (5Mo 28,48; Kla 2,9; Kla 4,15; Kla 5,5)4Die Wege nach Zion trauern, weil niemand zum Fest kommt. All ihre Tore sind menschenleer[7], ihre Priester seufzen, ihre Jungfrauen sind betrübt, und ihr selbst ist bitter weh. (3Mo 26,22; Jes 3,26; Kla 2,6; Kla 5,14; Hos 2,13)5Ihre Gegner sind obenauf, ihre Feinde haben Ruhe. Denn der HERR hat sie betrübt wegen der Menge ihrer Verbrechen[8]. Ihre Kinder sind vor dem Gegner her in Gefangenschaft gezogen. (5Mo 28,41; 5Mo 28,43; 2Kön 21,15; Jer 52,28; Kla 1,18; Kla 2,17; Dan 9,14)6So zog aus der Tochter Zion all ihre Pracht aus. Ihre Obersten sind wie Hirsche geworden, die keine Weide finden, und kraftlos zogen sie dahin vor dem Verfolger.7Jerusalem denkt in den Tagen ihres Elends und ihrer Heimatlosigkeit an all ihre Kostbarkeiten, die es ⟨bei ihr⟩ gab seit den Tagen der Vorzeit, ⟨jetzt,⟩ da ihr Volk durch die Hand des Gegners gefallen ist und sie keinen Helfer hat. Die Gegner sehen ihr zu, lachen darüber, dass es mit ihr aus ist[9]. (Hes 25,3)8Schwer gesündigt hat Jerusalem. Darum ist sie zum Gespött[10] geworden; alle ihre Verehrer verachten sie, weil sie ihre Blöße gesehen haben. Sie selbst aber seufzt und wendet sich ab. (1Kön 9,6; Jer 13,26; Kla 1,17; Hes 23,29; Hes 39,23)9Ihre Unreinheit ⟨klebt⟩ an ihrem Saum[11]; ihr Ende hat sie nicht bedacht. So ist sie entsetzlich heruntergekommen, ohne dass einer sie tröstet. Sieh an, HERR, mein Elend, denn der Feind tut sich groß! (Ps 25,18; Ps 69,21; Jes 47,7; Jes 51,19; Jer 5,31; Jer 50,29; Kla 1,2)10Seine Hand hat der Gegner ausgestreckt nach all ihren Kostbarkeiten. Ja, sie musste mit ansehen, wie Nationen in ihr Heiligtum kamen, denen du geboten hattest, sie sollten dir nicht in die Versammlung kommen! (5Mo 23,3; 2Chr 36,18; Ps 79,1; Jes 64,10; Jer 27,19; Jer 51,51)11All ihr Volk seufzt auf der Suche nach Brot; sie geben ihre Kostbarkeiten für Nahrung hin, um sich am Leben zu halten[12]. Siehe, HERR, und schau, wie verachtet ich bin! (Ps 79,4; Jer 52,6; Kla 1,19; Kla 2,12; Kla 4,4; Kla 5,1)12Ist es ⟨noch⟩ nicht zu euch ⟨gedrungen⟩[13], alle, die ihr des Weges zieht? Schaut und seht, ob es einen Schmerz gibt wie meinen Schmerz, der mir angetan worden ist, mit dem ⟨mich⟩ der HERR betrübt hat am Tag seiner Zornglut! (Jer 10,19; Kla 2,1; Dan 9,12)13Aus der Höhe sandte er Feuer in meine Gebeine und zertrat sie. Er spannte ein Netz für meine Füße, zwang mich zur Umkehr. Er machte mich einsam[14] und allezeit krank[15]. (Hi 19,6; Kla 2,3; Kla 3,11; Kla 4,19; Hes 12,13)14Schwer[16] ist das Joch meiner Verbrechen, durch seine Hand zusammengeflochten. Sie kamen auf meinen Hals; ⟨das⟩ brach mir die Kraft[17]. Der Herr lieferte mich solchen in die Hände, denen ich nicht standhalten kann. (5Mo 28,48; Spr 5,22)15Alle meine Starken verwarf der Herr in meiner Mitte; er rief gegen mich ein Treffen[18] aus, um meine jungen Männer[19] zu zerschmettern; der Herr hat der Jungfrau, der Tochter Juda, die Kelter getreten[20]. (Jes 63,3; Kla 2,21; Offb 19,15)16Darüber muss ich weinen, mein Auge, mein Auge zerfließt von Wasser[21]. Denn ein Tröster[22], der meine Seele erquicken könnte[23], ist fern von mir. Meine Söhne sind vereinsamt, denn der Feind hat die Oberhand. (Ps 106,42; Pred 4,1; Jes 54,11; Jer 13,17; Jer 15,5; Kla 1,5; Kla 2,11; Kla 3,49)17Zion breitet ihre Hände aus, ⟨doch⟩ da ist niemand, der sie tröstet[24]. Der HERR entbot gegen Jakob seine Nachbarn als seine Feinde. Jerusalem wurde unter ihnen zum Abscheu[25]. (2Kön 24,2; Pred 4,1; Jes 54,11; Jer 4,31; Jer 15,5)18Gerecht ist er, der HERR, ich aber bin gegen seinen Befehl widerspenstig gewesen. Hört doch, alle ihr Völker, und seht meinen Schmerz! Meine Jungfrauen und meine jungen Männer sind in die Gefangenschaft gezogen. (2Mo 9,27; Neh 9,33; Jer 4,17; Kla 1,5; Sach 1,6)19Ich rief nach denen, die mich geliebt hatten[26], sie aber betrogen mich. Meine Priester und meine Ältesten kamen in der Stadt um, als sie für sich Nahrung suchten, um sich am Leben zu halten[27]. (Kla 1,1; Kla 1,11)20Sieh, HERR, wie mir angst ist! Mein Inneres glüht[28], mein Herz dreht sich mir im Leibe um, weil ich so sehr widerspenstig gewesen bin. Draußen hat mich das Schwert der Kinder beraubt ⟨und⟩ drinnen der Tod[29]. (3Mo 26,40; 5Mo 32,25; Jer 4,19; Jer 14,18; Jer 14,20; Kla 2,11; Kla 5,16; Hes 7,15)21Man hört[30], wie ich seufze, ⟨doch⟩ habe ich keinen Tröster[31]. Alle meine Feinde haben mein Unglück gehört, haben sich gefreut, dass du es getan hast. Führst du[32] den Tag herbei, den du verkündigt hast, dann ergeht es ihnen wie mir. (Kla 1,2; Kla 2,16)22All ihre Bosheit komme vor dich! Handle an ihnen, wie du an mir gehandelt hast wegen all meiner Verbrechen! Denn zahlreich sind meine Seufzer, und mein Herz ist krank. (Ps 79,10; Jer 30,16; Jer 51,35; Kla 5,17)
Wie Jeremia in fünf kunstvollen Liedern über die Zerstörung der geliebten Gottesstadt trauert. Jerusalem klagt über sein Elend
1Wie einsam sitzt sie da / die stark bevölkerte Stadt. / Einer Witwe gleicht nun / die Große unter den Völkern. / Die Fürstin der Provinzen / muss Zwangsarbeit tun.[1]2Sie weint und weint in der Nacht, / Tränen sind auf ihren Wangen. / Keiner ist da, der sie tröstet, / keiner von ihren Geliebten. / Untreu sind all ihre Freunde, / ja zu Feinden wurden sie.3Juda zog in die Gefangenschaft, / weg aus Elend und schwerer Schinderei. / Nun wohnt es unter den Völkern / und findet keine Ruhe mehr. / Alle seine Verfolger holten es ein, / von allen Seiten ist es bedrängt.4Die Wege nach Zion trauern, / denn niemand kommt zum Fest. / Menschenleer sind ihre Tore. / Die Priester seufzen. / Traurig sind die jungen Frauen. / Zion selbst leidet bitteren Schmerz.5Ihre Gegner sind an der Macht, / ihren Feinden geht es wohl. / Jahwe hat ihr das Leid geschickt / wegen der Menge ihrer Verbrechen. / Ihre Kinder hat der Feind geraubt, / er trieb die Gefangenen vor sich her.6So schwand der Tochter Zion[2] / alle ihre Pracht. / Ihre Oberen wurden wie Hirsche, / die keine Weide mehr finden. / Kraftlos zogen sie dahin, / die Jäger hinter ihnen her.7In den Tagen ihres Elends / und ihrer Heimatlosigkeit / denkt Jerusalem an die Schätze, / die es einst besessen hat. / Als ihr Volk in Feindeshand fiel, / gab es keinen, der ihr half. / Ihre Feinde schauten zu / und lachten, als sie unterging.8Schwer gesündigt hat Jerusalem, / deshalb wurde die Stadt zum Gespött. / Ihre Verehrer verachten sie, / denn sie sahen sie nackt. / Sie selbst aber seufzt / und wendet sich ab.9Ihr Unflat klebt an ihrem Saum, / ihr Ende hat sie nicht bedacht. / Entsetzlich tief ist sie gefallen / und hat keinen, der sie tröstet. / „Jahwe, sieh mein Elend an, / sieh, wie der Feind triumphiert!“10Der Feind hat seine Hand / nach ihren Schätzen ausgestreckt. / Hilflos musste sie ansehen, / wie Fremde in ihr Heiligtum drangen. / Fremde, denen du verboten hast, / in ihre Versammlung zu kommen.11Alle Einwohner seufzen / auf der Suche nach Brot. / Sie geben ihre Kostbarkeiten für Nahrung, / nur um am Leben zu bleiben. / „Sieh doch, Jahwe, / und schau, wie verachtet ich bin!12Nichts dergleichen möge euch treffen, / die ihr hier vorübergeht! / Schaut her, wo gibt es solche Qualen, / wie ich sie jetzt erleiden muss? / Jahwe hat sie mir auferlegt / am Tag seines lodernden Zorns.13Von oben schickte er Feuer auf mich; / es wütet in meinen Gebeinen. / Er spannte ein Netz für meine Füße, / rücklings riss er mich nieder. / Er hat mich einsam gemacht, / krank für alle Zeit.14Schwer ist das Joch meiner Sünden, / das er mir zusammengeflochten hat. / Er packte es mir auf den Hals, / da bin ich zusammengebrochen. / Der Herr lieferte mich Menschen aus, / denen ich nicht standhalten kann.15Der Herr verwarf alle Helden, / die in meiner Mitte waren. / Er rief Feinde gegen mich zusammen, / um meine Mannschaft zu zerschlagen. / Der Herr hat Juda zertreten, / wie man Trauben in der Kelter zertritt.16Darüber weine ich mich aus, / mein Auge zerfließt vor Tränen. / Ich habe keinen, der mich tröstet, / keinen, der mir Erleichterung bringt. / Meine Söhne sind ganz verstört, / denn der Feind hat sie in der Hand.“17Die Zionsstadt ringt ihre Hände, / doch niemand ist da, der sie tröstet. / Die Nachbarn rief Jahwe als Feinde herbei. / Jerusalem ist für sie zum Abscheu geworden.18„Er, Jahwe, ist im Recht, / denn ich habe mich ihm widersetzt. / Hört es, alle Völker, / und seht auf meinen Schmerz! / Meine Mädchen, meine jungen Männer / zogen alle als Gefangene fort.“19Ich rief nach meinen Freunden, / doch sie ließen mich im Stich. / Meine Ältesten und meine Priester / verhungerten in der Stadt, / als sie Nahrung suchten, / um leben zu können.20Jahwe sieh, ich habe Angst! / Es brennt in meinem Inneren! / Das Herz dreht sich mir im Leib herum, / weil ich so schrecklich widerspenstig war. / Draußen raubte das Schwert meine Kinder / und drinnen tat es der Tod.21Man hört mich seufzen, / doch keiner tröstet mich. / Alle meine Feinde hörten von meinem Unglück / und freuten sich, dass du das getan hast. / Bring den Tag herbei, den du angekündigt hast, / dann ergeht es ihnen wie mir.22All ihre Bosheit komme vor dich! / Dann vergelte ihnen alles, / was du mir vergaltst / wegen meiner Verbrechen. / Ich seufze ohne Ende, / der Kummer macht mich krank.