Hilfe

Zürcher Bibel

Habakuks Gebet

1 Ein Gebet Habakuks, des Propheten, nach Art der Schigjonot1:
2 HERR, ich habe deine Botschaft gehört, ich habe, HERR, um dein Werk gefürchtet. Lass es lebendig werden inmitten der Jahre, inmitten der Jahre mach es bekannt. Im Zorn denke an das Erbarmen.
3 Gott kommt aus Teman und der Heilige vom Berg Paran. Sela. Seine Hoheit bedeckt den Himmel, und sein Ruhm erfüllt die Erde.
4 Und da wird ein Glänzen sein wie das Licht, ein doppelter Strahl geht aus von seiner Hand,2 und dort ist seine Kraft verborgen.
5 Vor ihm her zieht die Pest, und auf dem Fuss folgt ihm die Seuche.
6 Er trat auf und mass die Erde ab, er sah hin und schreckte Nationen auf, und die ewigen Berge brachen auseinander, die ewigen Hügel duckten sich. Die ewigen Pfade sind sein!
7 Unter dem Unrecht sah ich die Zelte von Kuschan: Sie zitterten, die Zeltdecken des Landes Midian.
8 Ist dein Zorn, HERR, gegen Ströme, gegen die Ströme entbrannt, deine Wut gegen das Meer, dass du daherfährst mit deinen Pferden, in deinen siegreichen Wagen?
9 Bereitgemacht, geweckt wird dein Bogen, Flüche von Geschossen ist die Kunde! Sela. Du spaltest das Land, dass Ströme hervorbrechen.
10 Haben sie dich gesehen, so erbebten die Berge, Sturzregen ist herangezogen, die Urflut lässt ihre Stimme hören, in die Höhe hat sie ihre Hände erhoben.
11 Die Sonne, der Mond stehen still in ihrer erhabenen Wohnung, im Licht bewegen sich deine Pfeile, im Glanz das Blitzen deines Speers.
12 Voller Wut schreitest du über die Erde, voller Zorn zertrittst du Nationen.
13 Zur Rettung deines Volks bist du ausgezogen, zur Rettung deines Gesalbten, du hast den First vom Haus des Übeltäters geschlagen, den Sockel freigelegt bis auf den Fels3. Sela.
14 Mit seinen eigenen Pfeilen hast du den Kopf seiner Anführer durchbohrt, sie sind losgestürmt, um mich zu zerstreuen in ihrem Übermut, als wollten sie den Armen verschlingen im Versteck.
15 Mit deinen Pferden hast du dir einen Weg gebahnt durch das Meer, durch das Brausen grosser Wassermassen.
16 Ich hörte es, und mein Leib zitterte, wegen des Lärms erzitterten meine Lippen, Fäulnis dringt in meine Knochen, und schwankend ist mein Schritt, der ich abwarte bis zum Tag der Not, dass er aufzieht gegen das Volk, das uns angreift.
17 Denn der Feigenbaum blüht nicht, und in den Weinbergen gibt es keinen Ertrag, die Leistung des Ölbaums bleibt aus, und die Felder bringen keine Nahrung. Die Schafe sind von der Hürde getrennt, und in den Stallungen ist kein Vieh.
18 Ich aber will frohlocken über den HERRN, will jubeln über den Gott meiner Rettung!
19 Der HERR, der Herr ist meine Stärke, und er hat meine Füsse gemacht wie die der Hirschkuh, und über meine Höhen lässt er mich schreiten. Für den Chormeister. Zu meinem Saitenspiel.
1 Schigjonot sind vermutlich sehr bewegt vorgetragene Klagelieder.
2 Möglich ist auch die Übersetzung: "... Strahl aus seiner Hand umgibt ihn, ..."
3 Wörtlich: "... bis auf den Hals."
© 2018 ERF Medien