Hilfe

Zürcher Bibel

Der Seher Bileam

1 Und die Israeliten zogen weiter und lagerten in den Steppen von Moab, jenseits des Jordan bei Jericho.
2 Balak aber, der Sohn Zippors, sah alles, was Israel den Amoritern angetan hatte.
3 Und Moab fürchtete sich sehr vor dem Volk, weil es gross war, und es graute Moab vor den Israeliten.
4 Da sprach Moab zu den Ältesten Midians: Nun wird dieser Haufen alles ringsum abfressen, wie das Rind das Grün des Feldes abfrisst. Balak aber, der Sohn Zippors, war zu jener Zeit König über Moab.
5 Und er sandte Boten zu Bileam, dem Sohn Beors, nach Petor, das am Strom liegt, in das Land der Söhne seines Volks, um ihn zu rufen, und liess ihm sagen: Sieh, ein Volk ist aus Ägypten ausgezogen, sieh, es bedeckt den Boden des Landes und hat sich neben mir niedergelassen.
6 Nun komm, verfluche dieses Volk für mich, denn es ist mir zu mächtig. Vielleicht kann ich es dann schlagen und es aus dem Land vertreiben. Denn ich weiss: Wen du segnest, der ist gesegnet, und wen du verfluchst, der ist verflucht.
7 Da gingen die Ältesten Moabs und die Ältesten Midians, mit Wahrsagerlohn1 in ihrer Hand, und kamen zu Bileam und sagten ihm die Worte Balaks.
8 Er aber sprach zu ihnen: Bleibt heute Nacht hier, dann will ich euch Bescheid geben, wie der HERR zu mir redet. So blieben die Fürsten Moabs bei Bileam.
9 Und Gott kam zu Bileam und sprach: Wer sind diese Männer bei dir?
10 Da sprach Bileam zu Gott: Balak, der Sohn Zippors, der König von Moab, hat zu mir gesandt:
11 Sieh, das Volk, das aus Ägypten ausgezogen ist, bedeckt den Boden des Landes. Nun komm, verwünsche es für mich, vielleicht kann ich dann dagegen kämpfen und es vertreiben.
12 Gott aber sprach zu Bileam: Du sollst nicht mit ihnen gehen. Du sollst das Volk nicht verfluchen, denn es ist gesegnet.
13 Und Bileam stand am Morgen auf und sprach zu den Fürsten Balaks: Geht in euer Land, denn der HERR will mich nicht mit euch gehen lassen.
14 Und die Fürsten Moabs machten sich auf und kamen zu Balak und sprachen: Bileam wollte nicht mit uns kommen.
15 Da sandte Balak noch grössere und vornehmere Fürsten als jene.
16 Und sie kamen zu Bileam und sprachen zu ihm: So spricht Balak, der Sohn Zippors: Lass dich nicht davon abhalten, zu mir zu kommen.
17 Denn hoch werde ich dich ehren und alles tun, was du mir sagst. Komm also, verwünsche dieses Volk für mich.
18 Bileam aber antwortete und sprach zu den Dienern Balaks: Selbst wenn Balak mir sein Haus voll Silber und Gold gäbe, könnte ich den Befehl des HERRN, meines Gottes, nicht übertreten, weder im Kleinen noch im Grossen.
19 Doch bleibt nun auch ihr heute Nacht. Dann will ich erfahren, was der HERR noch mit mir redet.
20 Und in der Nacht kam Gott zu Bileam und sprach zu ihm: Wenn die Männer gekommen sind, um dich zu rufen, steh auf und geh mit ihnen, doch sollst du nur das tun, was ich dir sagen werde.
21 Und am Morgen stand Bileam auf, sattelte seine Eselin und ging mit den Fürsten Moabs.
22 Da entbrannte der Zorn Gottes, weil er ging, und der Bote des HERRN trat ihm als Widersacher in den Weg, während er auf seiner Eselin ritt und seine zwei Diener ihn begleiteten.
23 Und die Eselin sah, wie der Bote des HERRN auf dem Weg stand, mit gezücktem Schwert in der Hand. Da wich die Eselin ab vom Weg und lief über das Feld. Bileam aber schlug die Eselin, um sie auf den Weg zurückzulenken.
24 Da trat der Bote des HERRN in den Hohlweg zwischen den Weinbergen, wo auf beiden Seiten Mauern waren.
25 Und die Eselin sah den Boten des HERRN und zwängte sich an die Wand und drückte Bileams Fuss gegen die Wand. Da schlug er sie wieder.
26 Der Bote des HERRN aber ging weiter voraus und trat an eine enge Stelle, wo man weder nach rechts noch nach links ausweichen konnte.
27 Und die Eselin sah den Boten des HERRN und ging unter Bileam in die Knie. Da entbrannte der Zorn Bileams, und er schlug die Eselin mit dem Stock.
28 Der HERR aber öffnete der Eselin den Mund, und sie sprach zu Bileam: Was habe ich dir getan, dass du mich dreimal geschlagen hast?
29 Da sprach Bileam zu der Eselin: Weil du deinen Mutwillen mit mir getrieben hast. Wäre ein Schwert in meiner Hand, so würde ich dich jetzt töten.
30 Die Eselin aber sprach zu Bileam: Bin ich nicht deine Eselin, auf der du zeitlebens geritten bist bis zum heutigen Tag? War es je meine Art, es so mit dir zu treiben? Und er sprach: Nein.
31 Da öffnete der HERR Bileam die Augen, und er sah, wie der Bote des HERRN auf dem Weg stand, mit gezücktem Schwert in der Hand. Und er verneigte sich und warf sich nieder auf sein Angesicht.
32 Der Bote des HERRN aber sprach zu ihm: Warum hast du deine Eselin dreimal geschlagen? Sieh, ich bin als dein Widersacher ausgezogen, denn dein Weg ist verkehrt in meinen Augen.
33 Die Eselin aber hat mich gesehen, und dreimal ist sie mir ausgewichen. Wäre sie mir nicht ausgewichen, so hätte ich dich jetzt umgebracht, sie aber am Leben gelassen.
34 Da sprach Bileam zum Boten des HERRN: Ich habe gesündigt, denn ich habe nicht erkannt, dass du mir auf dem Weg entgegengetreten bist. Wenn dir nun aber die Sache missfällt, will ich umkehren.
35 Der Bote des HERRN aber sprach zu Bileam: Geh mit den Männern, doch sollst du nur das reden, was ich dir sagen werde. So ging Bileam mit den Fürsten Balaks.

Bileam und Balak

36 Und Balak hörte, dass Bileam kam, und zog hinaus, ihm entgegen, zu der Stadt Moabs, die am Arnon liegt, an der äussersten Grenze.
37 Und Balak sagte zu Bileam: Habe ich nicht zu dir gesandt, um dich zu rufen? Warum bist du nicht zu mir gekommen? Kann ich dich wirklich nicht ehren?
38 Da sprach Bileam zu Balak: Sieh, ich bin nun zu dir gekommen. Kann ich jetzt etwas sagen? Das Wort, das Gott in meinen Mund legt, werde ich sagen.
39 Und Bileam ging mit Balak, und sie kamen nach Kirjat-Chuzot.
40 Und Balak opferte Rinder und Schafe und schickte sie an Bileam und an die Fürsten, die bei ihm waren.
41 Am Morgen aber nahm Balak Bileam und führte ihn hinauf nach Bamot-Baal, und von dort sah er den äussersten Teil des Volks.
1 Anstelle von "mit Wahrsagerlohn" ist auch die Übersetzung "mit einem Orakelgerät" möglich.
© 2018 ERF Medien