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Gute Nachricht Bibel

Klage über das zerstörte Heiligtum

1 Ein Gedicht Asafs. Gott, hast du uns für immer verstoßen? Warum wütet dein Zorn so furchtbar gegen uns? Wir sind doch deine Herde und du bist unser Hirt!
2 Denke daran, wie du uns einst befreit hast! Damals hast du uns zu deinem Eigentum gemacht, schon seit uralter Zeit sind wir dein Volk. Denk an den Zionsberg, den du zu deinem Wohnsitz bestimmt hast!
3 Komm doch, sieh dir die trostlosen Trümmer an! Den ganzen Tempel haben die Feinde zerstört.
4 Brüllend sind sie in die heilige Stätte eingebrochen und haben dort ihre Feldzeichen aufgepflanzt.
5 Sie haben wild drauflosgeschlagen, als hätten sie ein Dickicht vor sich,
6 die kostbaren Schnitzereien haben sie zertrümmert mit ihren Äxten und Eisenstangen.
7 Sie haben Feuer in dein Heiligtum geworfen, deine Wohnung1 niedergerissen und geschändet.
8 Sie schrien: »Wir machen Schluss mit ihnen! Wir verbrennen2 alle Göttertempel auf der Erde!«
9 Es gibt kein Zeichen mehr dafür, dass du noch bei uns bist. Kein Prophet spricht mehr;3 niemand von uns weiß, wie lange das noch dauert.
10 Gott, wie lange darf der Feind noch höhnen? Hört das nie auf, dass er deinen Namen beschimpft?
11 Warum siehst du so untätig zu? Wann greifst du endlich ein?
12 Gott, seit uralter Zeit bist du unser König, du hast gewaltige Taten auf der Erde vollbracht!
13 Mit deiner Macht hast du das Meer gespalten und den Seeschlangen die Schädel zertrümmert.
14 Dem Drachen4 hast du die Köpfe abgeschlagen und ihn den wilden Tieren5 zum Fraß gegeben.
15 Du hast Quellen und Bäche sprudeln lassen und mächtige Ströme zum Versiegen gebracht.
16 Der Tag gehört dir und auch die Nacht, Sonne und Mond hast du an ihren Platz gestellt.
17 Du hast alle Gebiete der Erde abgegrenzt, Sommer und Winter hast du gemacht.
18 Herr, höre doch, wie unsere Feinde dich verhöhnen! Sie missachten dich und lästern deinen Namen.
19 Gib dein hilfloses Volk nicht diesen Räubern preis! Wir werden unterdrückt; lass uns nicht endlos leiden!
20 Denk an deinen Bund mit uns! Alle versteckten Winkel im Land sind voll von Verbrechen und Gewalttat.
21 Enttäusche die Verfolgten nicht; rette die Armen und Unterdrückten, damit sie dich preisen!
22 Steh auf, Gott! Es geht um deine Sache, verschaff dir Recht! Denk an die Schmähungen der Spötter, mit denen sie dich täglich überschütten!
23 Hör doch, wie sie toben; immer lauter wird ihr Geschrei!
1 Wörtlich die Wohnung deines Namens; siehe Anmerkung zu Dtn 12,5.
2 So mit G; H Sie haben verbrannt.
3 Das Volk klagt über die Zerstörung und Schändung des Tempels durch grausame Feinde. Anlass ist wahrscheinlich die Eroberung Jerusalems durch die Babylonier 587 v.Chr., doch gab es auch noch später ähnliche Situationen, in denen der Klagepsalm gesungen werden konnte (1Makk 1,54; 2Makk 3). Ist Gott ohnmächtig? Er schweigt zu allem. Ist er nicht mehr bei seinem Volk?
4 Drachen: wörtlich Leviatan.
5 Wörtlich den Bewohnern der Wüste (vgl. 72,9).
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