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Gute Nachricht Bibel

Ein Volk, das Gott bestrafen muss

1 Wüsste ich nur einen Platz in der Wüste, eine Herberge für durchreisende Karawanen! Dann würde ich wegziehen von meinem Volk, ich würde es verlassen. Denn es ist eine Bande von Abtrünnigen; alle haben dem Herrn die Treue gebrochen.
2 »Ihre Zunge ist wie ein schussbereiter Bogen«, sagt der Herr. »Lüge ist Trumpf, die Wahrheit unterliegt. Sie begehen Verbrechen über Verbrechen; von mir wollen sie nichts wissen.
3 Darum seid auf der Hut vor euren Freunden und traut selbst eurem Bruder nicht! Denn der Bruder ist auch nicht besser als Jakob und betrügt euch bestimmt1 und die Freunde reden nur schlecht über euch.
4 Jeder betrügt jeden, niemand sagt die Wahrheit. Sie sind Meister im Lügen und so ins Böse verstrickt, dass sie sich nicht mehr daraus lösen können.
5 Unterdrückung folgt auf Unterdrückung, Betrug auf Betrug.2 Sie wollen mich nicht kennen.«
6 Deshalb sagt der Herr, der Herrscher der Welt:3 »Wie Metall im Feuer geschmolzen und gereinigt wird, so werde ich mein Volk durch das Feuer des Gerichts schicken. Es bleibt mir nichts anderes übrig.
7 Ihre Worte sind wie tödliche Pfeile. Hinterhältig reden sie miteinander, täuschen Freundschaft und Wohlwollen vor, aber insgeheim stellen sie sich gegenseitig Fallen.
8 Sollte ich ein solches Volk nicht bestrafen«, sagt der Herr, »sollte ich an ihm nicht Vergeltung üben?«

Totenklage über Juda und Jerusalem

9 Ich will weinen über das Bergland, die Totenklage singen über die Weideplätze in der Steppe; denn alles ist verbrannt und verwüstet. Kein Mensch ist mehr unterwegs, das Blöken der Herden ist verstummt, selbst die Vögel und wilden Tiere sind geflohen und lassen sich nicht mehr sehen.4
10 Der Herr sagt: »Jerusalem mache ich zum Trümmerhaufen, in dem die Schakale hausen. Die Städte in Juda mache ich zu Wüsten, in denen niemand mehr wohnt.«
11 Warum ist es so weit gekommen? Warum wird das Land verbrannt und verwüstet, sodass kein Mensch mehr hindurchzieht? Gibt es einen Weisen, der das erklären kann, einen Propheten, dem der Herr es offenbart hat und der es uns sagen kann?
12 Der Herr selbst gibt darauf die Antwort: »Sie halten sich nicht an meine Weisung, sie hören nicht auf das, was ich sage.
13 Vielmehr tun sie, was ihr böses und eigensinniges Herz ihnen eingibt: Sie laufen den Baalen nach, wie sie es von ihren Vorfahren gelernt haben.
14 Darum sage ich, der Herrscher der Welt, der Gott Israels: ›Ich werde diesem Volk bittere Kost zu essen geben und Gift zu trinken.
15 Ich treibe sie fort zu fremden Völkern, von denen weder sie noch ihre Vorfahren etwas wussten; ich lasse Kriege gegen sie wüten, bis nichts mehr von ihnen übrig ist.‹
16 Darum sage ich, der Herrscher der Welt: ›Begreift, was die Stunde geschlagen hat: Ruft die Klagefrauen! Holt die Frauen herbei, die sich aufs Weinen und Klagen verstehen!‹«5
17 Ja, schnellstens sollen sie kommen und über uns das Klagelied anstimmen, damit unsere Augen von Tränen überfließen!
18 Horcht, vom Zionsberg hört man schon die Klage: »Ach, wir können es nicht fassen! Schmach und Schande stürzte auf uns ein. Alle unsere Häuser riss man ein. Unser Land – wir mussten es verlassen!«
19 Auf denn, ihr Frauen, begreift, was der Herr gesagt hat! Singt euren Töchtern das Klagelied vor, eine Frau soll es der anderen beibringen:
20 »Durch die Fenster kam der Tod herein, keins der Häuser hat er ausgelassen. Unsere Kinder holt er auf den Straßen, Burschen sammelt er vom Marktplatz ein.«
21 Auch das noch hat der Herr gesagt und hat mir befohlen, es weiterzusagen: »Menschenleichen werden wie Dünger auf den Äckern liegen. Wie Getreidehalme unter der Sichel des Schnitters, so werden die Menschen fallen, aber niemand wird da sein, um sie aufzuheben.«

Worauf ein Mensch stolz sein darf

22 Der Herr sagt: »Der Weise soll sich nicht wegen seiner Weisheit rühmen, der Starke nicht wegen seiner Stärke und der Reiche nicht wegen seines Reichtums.
23 Grund sich zu rühmen hat nur, wer mich erkennt und begreift, was ich will. Denn ich bin der Herr, der Liebe, Recht und Treue auf der Erde schafft! An Menschen, die sich danach richten, habe ich Freude.«6

Gegen das Bündnis der Beschnittenen

24 »Der Tag kommt«, sagt der Herr, »an dem ich mit allen Beschnittenen abrechne:7
25 mit den Ägyptern und den Leuten von Juda, mit den Edomitern, den Ammonitern, den Moabitern und mit den Stämmen in der Wüste, die sich ihre Schläfen kahl rasieren.8 Denn alle diese Völker – auch die Leute von Israel – sind für mich unbeschnitten, weil sie ihr Herz nicht beschnitten haben!«9
1 Wortspiel zwischen Jakob und betrügen (vgl. Anmerkung zu Gen 25,26).
2 und so ins Böse verstrickt ...: mit alten Übersetzungen; H und verkehrt zu handeln sind sie müde. 5 Dein Wohnen ist inmitten von Betrug.
3 Wörtlich der Herr Zebaot; entsprechend in den Versen 14 und 16.
4 Der Vers blickt auf die schon erfolgte Räumung der ländlichen Gebiete zurück. Bald werden auch Jerusalem und die anderen Städte Judas von den Feinden erobert und zerstört sein (Vers 10). Das ist so gewiss, dass man jetzt schon die Totenklage anstimmen kann (Verse 16-20).
5 die Frauen, die ...: wörtlich die Weisen Frauen.
6 Israel hat dies nicht erkannt und sich nicht entsprechend verhalten. So muss es nun die Folgen tragen.
7 Eine Koalition gegen Babylonien unter diesem für Israel heiligen Zeichen seiner Erwählung mochte den Leuten von Juda als besonders erfolgversprechend erscheinen. Aber das Prophetenwort zerstört jede falsche Hoffnung.
8 Bei manchen Beduinenstämmen gab es die Sitte, sich zu Ehren der Gottheit die Schläfen kahl zu rasieren (vgl. 25,23; 49,32). Deshalb das Verbot Lev 19,27 und der Brauch frommer Kreise in Israel, sich die Schläfenhaare besonders lang wachsen zu lassen.
9 Vgl. Anmerkung zu 4,4.
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