Klagelieder 5 | Schlachter 2000 Einheitsübersetzung 2016

Klagelieder 5 | Schlachter 2000

Fünftes Klagelied Das Gebet des elenden Volkes um Erbarmen und Wiederherstellung

1 Gedenke, HERR, an das, was uns widerfahren ist! Schau her und sieh unsere Schmach! 2 Unser Erbe ist den Fremden zugefallen, unsere Häuser den Ausländern. 3 Wir sind Waisen geworden, ohne Vater; unsere Mütter sind wie Witwen. 4 Unser Wasser trinken wir um Geld, unser eigenes Holz bekommen wir [nur] gegen Bezahlung. 5 Unsere Verfolger sitzen uns im Nacken; auch wenn wir müde sind, gönnt man uns keine Ruhe. 6 Wir haben Ägypten die Hand gereicht und Assyrien, um genug Brot zu erhalten. 7 Unsere Väter, die gesündigt haben, sind nicht mehr; wir müssen ihre Schuld tragen. 8 Knechte herrschen über uns; da ist keiner, der uns aus ihrer Hand befreit! 9 Wir schaffen unsere Nahrung unter Lebensgefahr herbei, weil uns in der Wüste das Schwert bedroht. 10 Unsere Haut ist schwarz wie ein Ofen, so versengt uns der Hunger. 11 Frauen wurden geschändet in Zion, Jungfrauen in den Städten Judas. 12 Fürsten wurden durch ihre Hand gehängt; die Person der Alten hat man nicht geachtet. 13 Junge Männer müssen die Handmühle tragen, und Knaben straucheln unter Holzlasten. 14 Die Ältesten bleiben fern vom Tor, und die jungen Männer lassen ihr Saitenspiel. 15 Die Freude unseres Herzens ist dahin, unser Reigen hat sich in Klage verwandelt. 16 Gefallen ist die Krone unseres Hauptes; wehe uns, dass wir gesündigt haben! 17 Darum ist unser Herz krank geworden, darum sind unsere Augen trübe — 18 weil der Berg Zion verwüstet ist [und] Füchse sich dort tummeln. 19 Du, o HERR, thronst in Ewigkeit; dein Thron besteht von Geschlecht zu Geschlecht! 20 Warum willst du uns für immer vergessen, uns verlassen alle Tage? 21 Bringe uns zu dir zurück, o HERR, so werden wir umkehren; Lass unsere Tage wieder werden wie früher! 22 Oder hast du uns gänzlich verworfen, bist du allzu sehr über uns erzürnt?

Bibeltext der Schlachter Copyright © 2000 Genfer Bibelgesellschaft Wiedergegeben mit der freundlichen Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten.

Einheitsübersetzung 2016

FÜNFTES LIED

1 HERR, denk daran, was uns geschehen, / blick her und sieh unsre Schmach! 2 An Fremde fiel unser Erbe, / unsre Häuser kamen an Ausländer. 3 Waisen wurden wir, vaterlos, / unsere Mütter wurden Witwen. 4 Unser Wasser trinken wir für Geld, / unser Holz müssen wir bezahlen. 5 Wir werden getrieben, das Joch auf dem Nacken, / wir sind müde, man versagt uns die Ruhe. 6 Nach Ägypten streckten wir die Hand, / nach Assur, um uns mit Brot zu sättigen. 7 Unsere Väter haben gesündigt; sie sind nicht mehr. / Wir müssen ihre Sünden tragen. 8 Sklaven herrschen über uns, / niemand entreißt uns ihren Händen. 9 Unter Lebensgefahr holen wir unser Brot,/ bedroht vom Schwert der Wüste. 10 Unsere Haut glüht wie ein Ofen / von den Gluten des Hungers. 11 Frauen schändet man in Zion, / Jungfrauen in den Städten von Juda. 12 Fürsten werden von ihrer Hand gehängt, / den Ältesten nimmt man die Ehre. 13 Junge Männer müssen die Handmühlen schleppen, / unter der Holzlast brechen Knaben zusammen. 14 Die Alten bleiben fern vom Tor, / die Jungen vom Saitenspiel. 15 Dahin ist unseres Herzens Freude, / in Trauer gewandelt unser Reigen. 16 Die Krone ist uns vom Haupt gefallen. / Weh uns, wir haben gesündigt! 17 Darum ist krank unser Herz, / darum sind trüb unsere Augen 18 über den Zionsberg, der verwüstet liegt; / Füchse laufen dort umher. 19 Du, HERR, thronst ewig, / dein Thron besteht von Geschlecht zu Geschlecht. 20 Warum willst du uns für immer vergessen, / uns verlassen fürs ganze Leben? 21 Lass du, HERR, uns zurückkehren zu dir, / dann kehren wir um! / Erneuere unsere Tage wie in der Urzeit. 22 Oder hast du uns denn ganz verworfen, / zürnst du uns über alle Maßen?