Klagelieder 3 | Neue evangelistische Übersetzung Einheitsübersetzung 2016

Klagelieder 3 | Neue evangelistische Übersetzung

Leiden und Trost

1 Ich bin der Mann, der gelitten hat / durch die Rute seines Zorns.* 2 Mich trieb er weg und ließ mich gehen / im Dunkeln, ohne Licht. 3 Nur mich trifft seine Hand, / immer wieder, jeden Tag. 4 Er ließ meine Haut verfallen / und mein Fleisch; / er zerbrach mir die Knochen. 5 Mit Bitterkeit und Qual / umbaute und umschloss er mich. 6 In Finsternis ließ er mich wohnen / wie die Toten aus uralter Zeit. 7 Er hat mich ummauert, ich komme nicht weg, / er hat mich in schwere Ketten gelegt. 8 Auch wenn ich schrie und flehte, / er verschloss sich vor meinem Gebet. 9 Mit Quadersteinen versperrt er meinen Weg. / Ich komme nicht mehr weiter. 10 Wie ein Bär hat er mir aufgelauert, / wie ein Löwe im Versteck. 11 Er hat mich vom Weg heruntergezerrt, / mich zerrissen und zerfleischt. 12 Er spannte den Bogen und stellte mich hin, / benutzte mich als Ziel für den Pfeil. 13 Die Geschosse aus seinem Köcher / trafen meine Nieren schwer. 14 Die Leute meines Volkes lachten mich aus, / ihre Spottlieder hörte ich jeden Tag. 15 Er machte mich mit Bitternissen satt / und ließ mich bitteren Wermut* trinken. 16 Er ließ meine Zähne auf Kiesel beißen / und trat mich in den Staub. 17 Du hast mich aus dem Frieden verstoßen. / Ich habe vergessen, was Glück bedeutet. 18 Ich sagte: „Meine Zukunft ist verloren, / auch meine Hoffnung auf Jahwe.“ 19 Denke ich an mein rastloses Elend, / ist das wie Wermut und Gift. 20 Doch immer wieder muss ich es tun / und bin schwermütig geworden. 21 Doch das will ich mir zu Herzen nehmen, / darauf darf ich hoffen: 22 Die Güte Jahwes ist nicht zu Ende, / sein Erbarmen hört nicht auf. 23 An jedem Morgen ist es neu. / Deine Treue ist groß! 24 Ich sage: „Alles, was ich habe, ist Jahwe!“ / Darum hoffe ich nur auf ihn. 25 Gut ist Jahwe zu denen, die auf ihn hoffen, / und zu dem, der seine Nähe sucht. 26 Gut ist es, schweigend zu hoffen / auf die Hilfe Jahwes. 27 Gut ist es, wenn einer / das Joch schon in der Jugend trägt. 28 Er sitze einsam und still, / wenn man es ihm auferlegt. 29 Er presse den Mund auf den Boden, / weil es vielleicht noch Hoffnung gibt. 30 Er halte dem die Wange hin, der ihn schlägt, / und ertrage alle Demütigung. 31 Denn nicht für immer / verwirft uns der Herr. 32 Denn wenn er betrübt, erbarmt er sich wieder. / Seine Güte ist unfassbar groß. 33 Denn nicht aus Herzensfreude demütigt er, / fügt Menschenkindern Schmerz und Kummer zu. 34 Dass man mit Füßen tritt / die Gefangenen im Land, 35 dass man das Recht des Menschen / vor den Augen des Höchsten beugt, 36 dass man irreführt vor Gericht, / sollte der Herr das nicht sehen? 37 Wer sonst spricht ein Wort, dass es geschieht? / War das nicht ein Befehl des Herrn? 38 Kommt nicht aus dem Mund des Höchsten / das böse und das gute Geschick? 39 Was beklagt sich der, der noch am Leben ist? / Seine Sünde sollte er beklagen! 40 Wir wollen unseren Wandel erforschen! / Und kehren wir um zu Jahwe! 41 Lasst uns Herz und Hände / zu Gott im Himmel erheben! 42 Wir haben gesündigt und dir getrotzt, / und du, du hast nicht vergeben. 43 In Zorn gehüllt hast du uns verfolgt, / uns ohne Mitleid getötet. 44 Du hast dich mit einer Wolke umhüllt, / kein Gebet kam mehr hindurch. 45 Du hast uns zu Abfall gemacht / und zum Ekel für die Völker. 46 Unsere Feinde reißen ihr Maul gegen uns auf. 47 Uns wurden Grauen und Grube zuteil, / Zusammenbruch und Untergang. 48 Meine Tränen strömen wie Bäche, / weil mein Volk zugrunde ging. 49 Mein Auge zerfließt in Tränen, / kommt nicht zur Ruhe, hört nicht auf, 50 bis Jahwe vom Himmel herunterschaut und es sieht. 51 Was ich sehen muss, tut meiner Seele weh, / das, was den Töchtern meiner Stadt geschieht. 52 Die, die grundlos meine Feinde sind, / jagten mich wie einen Vogel. 53 In der Grube wollten sie mich töten / und warfen Steine auf mich. 54 Das Wasser ging mir über den Kopf. / Ich sagte: „Jetzt bin ich verloren!“* 55 Da rief ich deinen Namen, Jahwe, / aus der Grube schrie ich zu dir. 56 Du hörtest meinen Ruf: / „Verschließ dein Ohr nicht meinem Seufzen, / und meinem Geschrei!“ 57 Als ich rief, kamst du in meine Nähe / und sagtest: „Fürchte dich nicht!“ 58 Du kämpftest im Rechtsstreit für mich, Herr, / du hast mein Leben erlöst. 59 Du sahst meine Entrechtung, Jahwe. / Verhilf mir doch zu meinem Recht! 60 Du hast ihre Rachgier gesehen, / alle ihre Pläne gegen mich. 61 Du hast ihr Schmähen gehört, Jahwe, / alle ihre Pläne gegen mich, 62 ihr Gerede gegen mich / und Tag für Tag all ihren Spott. 63 Schau doch ihr Tun und Lassen an! / Ich bin ein Spottlied für sie. 64 Vergelte es ihnen, Jahwe, / sie haben es nicht anders verdient! 65 Verblende sie, verwirre ihren Sinn! / Dein Fluch soll über sie kommen! 66 Verfolge sie in deinem Zorn, Jahwe, / und rotte sie unter deinem Himmel aus.
Einheitsübersetzung 2016

DRITTES LIED

1 Ich bin der Mann, der Leid erlebt hat / durch die Rute seines Grimms. 2 Er hat mich getrieben und gedrängt / in Finsternis, nicht ins Licht. 3 Täglich von Neuem kehrt er die Hand / nur gegen mich. 4 Er zehrte aus mein Fleisch und meine Haut, / zerbrach meine Glieder, 5 umbaute und umschloss mich / mit Gift und Erschöpfung. 6 Im Finstern ließ er mich wohnen / wie längst Verstorbene. 7 Er hat mich ummauert, ich kann nicht entrinnen. / Er hat mich in schwere Fesseln gelegt. 8 Wenn ich auch schrie und flehte, / er versperrte den Weg meinem Gebet. 9 Mit Quadern hat er mir die Wege verriegelt, / meine Pfade irregeleitet. 10 Ein lauernder Bär war er mir, / ein Löwe im Versteck. 11 Er ließ meine Wege sich verstricken, / machte mich regungslos und einsam. 12 Er spannte den Bogen und stellte mich hin / als Ziel für den Pfeil. 13 In die Nieren ließ er mir dringen / die Geschosse seines Köchers. 14 Ein Gelächter war ich all meinem Volk, / ihr Spottlied den ganzen Tag. 15 Er speiste mich mit bitterer Kost / und tränkte mich mit Wermut. 16 Meine Zähne ließ er auf Kiesel beißen, / er drückte mich in den Staub. 17 Du hast mich aus dem Frieden hinausgestoßen; / ich habe vergessen, was Glück ist. 18 Ich sprach: Dahin ist mein Glanz / und mein Vertrauen auf den HERRN. 19 An meine Not und Unrast denken / ist Wermut und Gift. 20 Immer denkt meine Seele daran / und ist betrübt in mir. 21 Das will ich mir zu Herzen nehmen, / darauf darf ich harren: 22 Die Huld des HERRN ist nicht erschöpft, / sein Erbarmen ist nicht zu Ende. 23 Neu ist es an jedem Morgen; / groß ist deine Treue. 24 Mein Anteil ist der HERR, sagt meine Seele, / darum harre ich auf ihn. 25 Gut ist der HERR zu dem, der auf ihn hofft, / zur Seele, die ihn sucht. 26 Gut ist es, schweigend zu harren / auf die Hilfe des HERRN. 27 Gut ist es für den Mann, / ein Joch zu tragen in der Jugend. 28 Er sitze einsam und schweige, / denn er hat es ihm auferlegt. 29 Er beuge in den Staub seinen Mund; / vielleicht ist noch Hoffnung. 30 Er biete die Wange dem, der ihn schlägt, / und lasse sich sättigen mit Schmach. 31 Denn nicht für immer / verwirft der Herr. 32 Hat er betrübt, erbarmt er sich auch wieder / nach seiner großen Huld. 33 Denn nicht freudigen Herzens / plagt und betrübt er die Menschenkinder. 34 Dass man mit Füßen tritt / alle Gefangenen des Landes, 35 dass man das Recht des Mannes beugt / vor dem Antlitz des Höchsten, 36 dass man im Rechtsstreit den Menschen bedrückt, / sollte der Herr das nicht sehen? 37 Wer hat gesprochen und es geschah? / Hat nicht der Herr es geboten? 38 Geht nicht hervor aus des Höchsten Mund / das Gute wie auch das Böse? 39 Wie dürfte denn ein Lebender klagen, / ein Mann über seine Sünden? 40 Prüfen wir unsre Wege, erforschen wir sie / und kehren wir um zum HERRN! 41 Erheben wir unser Herz samt den Händen / zu Gott im Himmel! 42 Wir haben gesündigt und uns widersetzt; / du hast nicht vergeben. 43 Du hast uns in Zorn gehüllt und verfolgt, / getötet und nicht geschont. 44 Du hast dich in Wolken gehüllt, / kein Gebet kann sie durchstoßen. 45 Zu Unrat und Auswurf hast du uns gemacht / inmitten der Völker. 46 Ihren Mund rissen gegen uns auf / all unsre Feinde. 47 Grauen und Grube wurde uns zuteil, / Verwüstung und Verderben. 48 Tränenströme vergießt mein Auge / über den Zusammenbruch der Tochter, meines Volkes. 49 Mein Auge ergießt sich und ruht nicht; / es hört nicht auf, 50 bis der HERR vom Himmel her / sieht und schaut. 51 Mein Auge schmerzt mich / wegen all der Töchter meiner Stadt. 52 Wie auf einen Vogel machten sie Jagd auf mich, / die ohne Grund meine Feinde sind. 53 Sie stürzten in die Grube mein Leben / und warfen Steine auf mich. 54 Das Wasser ging mir über den Kopf; / ich sagte: Ich bin verloren. 55 Da rief ich deinen Namen, HERR, / tief unten aus der Grube. 56 Du hörtest meine Stimme: / Verschließ nicht dein Ohr / vor meinem Seufzen, meinem Schreien! 57 Du warst nahe am Tag, da ich dich rief; / du sagtest: Fürchte dich nicht! 58 Du, Herr, hast meine Sache geführt, / hast mein Leben erlöst. 59 Du, HERR, hast meine Bedrückung gesehen. / Verschaffe mir Recht! 60 Du hast gesehen ihre ganze Rachgier, / all ihr Planen gegen mich. 61 Du hast ihr Schmähen gehört, o HERR, / all ihr Planen gegen mich. 62 Das Denken und Reden meiner Gegner / ist gegen mich den ganzen Tag. 63 Blick auf ihr Sitzen und Stehen! / Ein Spottlied bin ich für sie. 64 Vergilt ihnen, HERR, / nach dem Tun ihrer Hände! 65 Gib ihnen ein verhärtetes Herz! / Dein Fluch über sie! 66 Verfolge sie im Zorn und vernichte sie / unter dem Himmel des HERRN!