Wer hat recht – Micha oder die vierhundert Propheten Ahabs?
1Gut zwei Jahre lang hatte es keinen Krieg zwischen Aram und Israel gegeben.2Im dritten Jahr besuchte König Joschafat von Juda König Ahab von Israel.3Ahab fragte seine Leute: »Ist euch noch bewusst, dass ´die Stadt` Ramot in Gilead eigentlich uns gehört? Warum unternehmen wir nichts, um sie dem König von Aram wieder wegzunehmen?«4Er wandte sich ´mit seinem Plan` an Joschafat: »Ziehst du mit mir in die Schlacht um Ramot in Gilead?« »Du kannst auf mich zählen«, antwortete Joschafat. »Meine Soldaten und meine Pferde stehen dir zur Verfügung.«*5Dann fügte er hinzu: »Aber frag zuerst den HERRN, was er dazu sagt.«6König Ahab rief seine Propheten zusammen – es waren ungefähr vierhundert Mann – und fragte sie: »Soll ich ´die Stadt` Ramot in Gilead angreifen oder nicht?« »Greif sie an!«, antworteten die Propheten. »Der Herr* wird sie in deine Hand geben.«7Doch Joschafat ´zögerte und` wollte wissen: »Gibt es denn hier keinen Propheten des HERRN, den wir befragen könnten?«*8»Es gib schon noch einen, durch den man den HERRN befragen könnte«, erwiderte Ahab, »Micha, den Sohn Jimlas. Aber ich hasse ihn, denn er kündigt mir immer nur Unheil an, nie etwas Gutes.« »So solltest du als König nicht reden«, tadelte ihn Joschafat.9Da rief Ahab einen Hofbeamten und befahl ihm: »Bring uns so schnell wie möglich Micha, den Sohn Jimlas.«10Ahab und Joschafat saßen in ihren ´königlichen` Gewändern auf zwei Thronen, die man auf dem großen Platz* vor dem Stadttor Samarias aufgestellt hatte. Vor ihnen weissagten die vierhundert Propheten. Sie befanden sich in einem Zustand der Verzückung.11Einer von ihnen, Zedekia, der Sohn Kenaanas, hatte sich ein Paar eiserne Hörner angefertigt und rief: »So spricht der HERR: ›Mit eisernen Hörnern wirst du die Aramäer niederstoßen und völlig vernichten!‹«12Auch die anderen Propheten sagten: »Ja, zieh in den Kampf gegen Ramot in Gilead. Du wirst siegen! Der HERR wird die Stadt in deine Hand geben.«13Der Hofbeamte, der Micha holen musste, sagte zu ihm: »Die Propheten weissagen alle dasselbe und sagen dem König einen Sieg voraus. Mach es ebenso wie sie und kündige auch du ihm Gutes an.«14Doch Micha entgegnete: »So wahr der HERR lebt: Ich werde nur das sagen, was er mir aufträgt.«15Als Micha vor den König trat, fragte dieser: »Sag, Micha, sollen wir gegen ´die Stadt` Ramot in Gilead in den Kampf ziehen oder nicht?« »Geh nur«, erwiderte Micha, »du wirst siegen. Der HERR wird die Stadt in deine Hand geben.«16Doch der König sagte: »Wie oft muss ich dich noch beschwören, dass du mir nichts als die reine Wahrheit sagst? Was hat der HERR dir gezeigt*?«17Da antwortete Micha: »Ich sah das Heer Israels über die Berge zerstreut wie eine Schafherde, die keinen Hirten mehr hat. Und der HERR sagte: ›Sie haben keinen Anführer mehr. Sie sollen nach Hause zurückkehren. Der Krieg ist zu Ende.*‹«18König Ahab wandte sich zu Joschafat und sagte: »Ich habe es dir doch gleich gesagt. Er kündigt mir nie etwas Gutes an, immer nur Unheil.«19»Höre, was der HERR sagt«, fuhr Micha fort. »Ich sah den HERRN auf seinem Thron sitzen, umgeben von seinem himmlischen Hofstaat*.20Der HERR fragte: ›Wer kann Ahab dazu verleiten, nach Ramot in Gilead zu ziehen und dort den Tod zu finden?‹ Der eine schlug dies vor und der andere jenes.21Schließlich trat ein Geist vor und sagte: ›Ich weiß, wie ich ihn dazu verleiten kann.‹ ›Wie denn?‹, fragte der HERR.22›Ich werde zu einem Lügengeist und rede durch alle seine Propheten‹, antwortete der Geist. ›Ja, so wirst du es fertigbringen, ihn ´zu diesem Feldzug` zu verleiten‹, stimmte der HERR zu. ›Geh und tu es!‹23Deshalb, o König, sei gewarnt:* Der HERR hat einen Lügengeist gesandt, der durch alle deine Propheten spricht, denn er hat deinen Untergang beschlossen.«24Da trat Zedekia, der Sohn Kenaanas, auf Micha zu, gab ihm eine Ohrfeige und rief: »Was behauptest du da: Der Geist des HERRN ist von mir gewichen und spricht ´nur noch` zu dir?«25»Du wirst es schon sehen«, gab Micha zurück, »wenn der Tag kommt, an dem du dich in der hintersten Kammer ´deines Hauses` verstecken musst.«26»Nehmt ihn fest!«, befahl König Ahab. »Bringt ihn zum Stadtkommandanten Amon und zu meinem Sohn Joasch.27Ich ordne an, dass er ins Gefängnis geworfen und auf eine Hungerration von Brot und Wasser gesetzt wird, bis ich wohlbehalten von meinem Feldzug zurückkehre.«28»Wenn du tatsächlich wohlbehalten heimkehrst«, erwiderte Micha, »dann hat der HERR nicht durch mich geredet.« Und er fügte hinzu: »Hört dies, all ihr Völker!«
König Ahab fällt in der Schlacht
29König Ahab von Israel und König Joschafat von Juda zogen gemeinsam in den Kampf gegen die Stadt Ramot in Gilead.30Ahab sagte zu Joschafat: »Ich werde mich für die Schlacht ´als normaler Wagenkämpfer` verkleiden. Trag du dein ´königliches` Gewand.« So zog Ahab ´als einfacher Soldat` verkleidet in den Kampf.31Der aramäische König hatte den zweiunddreißig Kommandanten seiner Streitwagen befohlen: »Greift in der Schlacht einzig und allein den König von Israel an und sonst niemand, weder einfache Soldaten noch Offiziere.«32Als die Streitwagenführer Joschafat entdeckten, meinten sie, er wäre der König von Israel, und griffen ihn an. Joschafat schrie laut ´um Hilfe`*.33Da merkten sie, dass es gar nicht König Ahab war, und ließen ihn in Ruhe.34Ein aramäischer Soldat schoss aufs Geratewohl einen Pfeil ab und traf König Ahab an einer ungeschützten Stelle unterhalb des Brustpanzers*. Ahab befahl seinem Wagenlenker: »Dreh um und bring mich vom Schlachtfeld! Ich bin verwundet.«35Doch der Kampf nahm an Heftigkeit zu, und um den Aramäern die Stirn zu bieten, hielt sich König Ahab den ganzen Tag aufrecht in seinem Wagen. Aus seiner Wunde floss so viel Blut, dass es den ganzen Wagenboden bedeckte. Am Abend starb er.36Bei Sonnenuntergang ließ man im israelitischen Lager ausrufen: » ´Der König ist tot.` Jeder soll nach Hause zurückkehren!*«37So starb König Ahab. Man brachte ihn nach Samaria und begrub ihn dort.38Seinen Wagen reinigte man am Teich von Samaria, an dem sich auch die Prostituierten wuschen, und die Hunde leckten Ahabs Blut auf. So erfüllte sich, was der HERR angekündigt hatte.39Was es sonst noch von Ahab und seinen Taten zu berichten gibt, von seinem mit Elfenbein verzierten Palast und von all den Städten, die er gebaut hat, ist in der amtlichen Chronik der Könige von Israel verzeichnet.40Als er starb, folgte ihm sein Sohn Ahasja auf den Thron.
Südreich Juda: König Joschafat
41Im vierten Regierungsjahr König Ahabs von Israel wurde Joschafat, der Sohn Asas, König von Juda.42Joschafat war fünfunddreißig Jahre alt, als er König wurde. Er regierte fünfundzwanzig Jahre lang in Jerusalem. Seine Mutter hieß Asuba. Sie war eine Tochter Schilhis.43Joschafat folgte in allem dem guten Vorbild seines Vaters Asa, ohne sich je davon abbringen zu lassen. Stets tat er, was dem HERRN gefiel.44Nur die Opferstätten überall im Land ließ er bestehen, und das Volk brachte dort weiterhin Schlacht- und Räucheropfer dar.45Mit dem König von Israel schloss Joschafat Frieden.46Was es sonst noch über Joschafat zu berichten gibt, über seine Kriege und die Siege, die er errang, ist in der amtlichen Chronik der Könige von Juda verzeichnet.47Unter seinem Vater Asa waren noch einige Geweihte übrig geblieben, ´die an den Opferstätten Hurerei trieben`.* Joschafat jagte auch die letzten von ihnen aus dem Land.48Das Land Edom hatte ´zu seiner Zeit` keinen König, sondern wurde durch einen Statthalter ´aus Juda` regiert.49Joschafat baute ´in Ezion-Geber` eine Handelsflotte, um im Land Ofir Gold holen zu lassen. Aber dazu kam es nicht. Die Flotte erlitt direkt bei Ezjon-Geber Schiffbruch.50Damals hatte ´der israelitische König` Ahasja, der Sohn Ahabs, Joschafat gebeten: »Lass meine Männer auf deinen Schiffen mitfahren.« Doch Joschafat hatte abgelehnt.51Als Joschafat starb, begrub man ihn in der Grabstätte seiner Vorfahren in der Davidsstadt. Sein Sohn Joram folgte ihm auf den Thron.
Nordreich Israel: König Ahasja
52Im siebzehnten Regierungsjahr König Joschafats von Juda wurde Ahasja, der Sohn Ahabs, König über Israel. Zwei Jahre lang regierte er in Samaria.53Er tat, was dem HERRN missfiel. In allem folgte er dem Vorbild seines Vaters, dem Vorbild seiner Mutter ´Isebel` und dem Vorbild Jerobeams, des Sohnes Nebats, der die Israeliten zum Götzendienst verführt hatte*.54Er diente dem Götzen Baal und betete ihn an. Damit forderte er den Zorn des HERRN heraus, genau wie sein Vater es getan hatte.
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