Hiob 29 | Menge Bibel Einheitsübersetzung 2016

Hiob 29 | Menge Bibel

VI. Hiobs Selbstgespräch (Kap. 29-31)

1 Hierauf fuhr Hiob in seiner Rede so fort: 2 »O daß es mit mir noch so stände wie in den früheren Monden, wie in den Tagen, wo Gott mich behütete, – 3 als seine Leuchte noch über meinem Haupte strahlte und ich in seinem Licht durch das Dunkel wandelte, 4 so, wie es mit mir in den Tagen meines Herbstes* stand, als Gottes Freundschaft über meinem Zelt waltete, 5 als der Allmächtige noch auf meiner Seite stand, meine Söhne* noch rings um mich her waren, 6 als meiner Füße Tritte sich in Milch badeten und jeder Fels neben mir Bäche von Öl fließen ließ!« 7 »Wenn ich (damals) hinaufging zum Tor der Stadt und meinen Stuhl auf dem Marktplatz aufstellte, 8 da traten die jungen Männer zurück, sobald sie mich sahen, und die Greise erhoben sich und blieben stehen; 9 die Fürsten* hielten an sich mit ihrem Reden und legten die Hand auf ihren Mund; 10 die Stimme der Edlen verstummte, und die Zunge blieb ihnen am Gaumen kleben. 11 Denn wessen Ohr mich hörte, der pries mich glücklich, und jedes Auge, das mich sah, legte Zeugnis für mich ab; 12 denn ich rettete den Elenden, der um Hilfe schrie, und die Waise, die sonst keinen Helfer hatte. 13 Der Segensspruch dessen, der verloren schien, erscholl über mich, und das Herz der Witwe machte ich jubeln. 14 In Gerechtigkeit kleidete ich mich, und sie war mein Ehrenkleid: wie ein Prachtgewand und Kopfbund schmückte mich mein Rechttun*. 15 Für den Blinden war ich das Auge und für den Lahmen der Fuß; 16 ein Vater war ich für die Armen, und der Rechtssache des mir Unbekannten nahm ich mich gewissenhaft an; 17 dem Frevler* zerschmetterte ich das Gebiß und riß ihm den Raub aus den Zähnen. 18 So dachte ich denn: ›Im Besitz meines Nestes werde ich sterben und mein Leben werde ich lange wie der Phönix erhalten; 19 meine Wurzel wird am Wasser ausgebreitet liegen und der Tau auf meinen Zweigen nächtigen; 20 mein Ansehen wird unverändert mir verbleiben und mein Bogen sich in meiner Hand stets verjüngen.‹ 21 Mir hörten sie zu und warteten auf mich und lauschten schweigend auf meinen Rat. 22 Wenn ich gesprochen hatte, nahm keiner nochmals das Wort, sondern meine Rede träufelte auf sie herab. 23 Sie warteten auf meine Rede wie auf den Regen und sperrten den Mund nach mir auf wie nach Frühlingsregen. 24 Ich lächelte ihnen zu, wenn sie mutlos waren, und das heitere Antlitz vermochten sie mir nicht zu trüben. 25 Sooft ich den Weg zu ihnen einschlug, saß ich als Haupt da und thronte wie ein König in der Kriegerschar, wie einer, der Leidtragenden Trost spendet.«

Public Domain

Einheitsübersetzung 2016

IJOBS SCHLUSSREDE

Gesegnete Vergangenheit

1 Dann setzte Ijob seine Rede fort und sprach: 2 Dass ich doch wäre / wie in längst vergangenen Monden, / wie in den Tagen, da mich Gott beschirmte, 3 als seine Leuchte über meinem Haupt erstrahlte, / in seinem Licht ich durch das Dunkel ging. 4 So, wie ich in den Tagen meiner Frühzeit war, / als Gottes Freundschaft über meinem Zelte stand, 5 als der Allmächtige noch mit mir war, / meine Kinder mich umgaben, 6 als meine Schritte sich in Milch gebadet, / Bäche von Öl der Fels mir ergoss. 7 Ging ich durchs Tor zur Stadt hinauf, / ließ ich auf dem Platz meinen Sitz aufstellen; 8 sahen mich die Jungen, so traten sie scheu beiseite, / die Alten standen auf und blieben stehen. 9 Fürsten hielten mit Reden sich zurück / und legten ihre Hand auf ihren Mund. 10 Der Edlen Stimme blieb stumm, / am Gaumen klebte ihre Zunge. 11 Hörte mich ein Ohr, pries es mich glücklich, / das Auge, das mich sah, stimmte mir zu. 12 Denn ich rettete den Armen, der schrie, / die Waise, die ohne Helfer war. 13 Der Segen des Verlorenen kam über mich / und jubeln ließ ich der Witwe Herz. 14 Ich bekleidete mich mit Gerechtigkeit, / wie Mantel und Kopfbund umhüllte mich mein Recht. 15 Auge war ich für den Blinden, / dem Lahmen wurde ich zum Fuß. 16 Vater war ich für die Armen, / des Unbekannten Rechtsstreit prüfte ich. 17 Ich zerschmetterte des Bösen Kiefer, / entriss die Beute seinen Zähnen. 18 So dachte ich: Mit meinem Nest werde ich verscheiden / und gleich dem Phönix meine Tage mehren. 19 Meine Wurzel reiche bis an das Wasser, / Tau nächtige auf meinen Zweigen. 20 Neu bleibe mir meine Ehre, / mein Bogen verjünge sich in meiner Hand. 21 Auf mich hörten sie und warteten, / sie lauschten schweigend meinem Rat. 22 Nachdem ich gesprochen, ergriff keiner das Wort, / es träufelte nieder auf sie meine Rede. 23 Sie harrten auf mich wie auf Regen, / sperrten den Mund wie nach Spätregen auf. 24 Lächelte ich denen zu, die ohne Vertrauen, / sie wiesen das Leuchten meines Gesichts nicht ab.* 25 Ich bestimmte ihr Tun, ich saß als Haupt, / thronte wie ein König inmitten der Schar, wie einer, der Trauernde tröstet.