Hiob 15 | Hoffnung für alle Einheitsübersetzung 2016

Hiob 15 | Hoffnung für alle

Elifas: Du zerstörst die Ehrfurcht vor Gott!

1 Da antwortete Elifas aus Teman: 2 »Und du willst ein weiser Mann sein, Hiob? Leere Worte! Du machst nichts als leere Worte!* 3 Kein Weiser würde so reden wie du! Wie du dich wehrst und zurückschlägst! Das ist doch völlig nutzlos! Was du sagst, hat keinen Wert! 4 Wenn du so weitermachst, wird niemand mehr Ehrfurcht vor Gott haben, niemand wird sich noch auf ihn besinnen. 5 Hinter vielen Worten willst du deine Schuld verstecken, listig lenkst du von ihr ab! 6 Ich muss dich gar nicht schuldig sprechen – du selbst tust es; jedes deiner Worte klagt dich an. 7 Bist du als erster Mensch geboren worden, noch ehe Gott die Berge schuf? 8 Hast du etwa Gottes geheime Beratungen belauscht und kennst seine Pläne? Du meinst wohl, du hast die Weisheit gepachtet! 9 Was weißt du denn, das wir nicht auch schon wüssten; was du begriffen hast, begreifen wir schon längst! 10 Hinter uns stehen alte, weise Männer, die älter wurden als dein Vater. 11 Hiob, Gott will dich trösten! Ist dir das gar nichts wert? Durch uns redet er dich freundlich an. 12 Was erlaubst du dir! Du lässt dich vom Ärger mitreißen, aus deinen Augen sprüht der Zorn; 13 so ziehst du gegen Gott zu Felde und klagst ihn erbittert an! 14 Welcher Mensch ist wirklich schuldlos, wer kann vor Gott bestehen? 15 Selbst seinen Engeln vertraut Gott nicht, in seinen Augen ist sogar der Himmel unvollkommen. 16 Wie viel mehr die Menschen: Abscheulich und verdorben sind sie, am Unrecht trinken sie sich satt, als wäre es Wasser! 17 Hör mir zu, Hiob! Ich will dir etwas erklären, was ich aus eigener Erfahrung weiß, 18 es stimmt auch mit den Worten der alten, weisen Männer überein. Sie wiederum haben es von ihren Vätern gelernt, 19 denen damals das Land ganz allein gehörte, von jedem fremden Einfluss unberührt*. 20 Sie sagten: Der Gewalttäter zittert vor Angst, er, der von Gott nichts wissen wollte, hat nicht mehr lange zu leben. 21 Schreckensrufe gellen ihm in den Ohren, mitten im Frieden wird ihn der Attentäter überfallen. 22 Er glaubt nicht mehr, dass er der Finsternis entkommen wird. Das Schwert des Mörders wartet schon auf ihn. 23 Auf der Suche nach Nahrung irrt er umher, aber findet nichts. Er weiß, dass bald sein letztes Stündlein schlägt. 24 Ihn packt das Grauen, Verzweiflung überfällt ihn wie ein König, der zum Angriff bläst. 25 Denn er hat Gott mit der Faust gedroht und wagte es, den Allmächtigen zu bekämpfen. 26 Starrköpfig, wie er war, rannte er gegen Gott an mit seinem runden, dicken Schild. 27 Ja, er fühlte sich stark, wurde selbstsicher und überheblich,* 28 aber er wird an verwüsteten Orten hausen, in halb zerfallenen Häusern, in denen es keiner mehr aushält, die bald nur noch Ruinen sind. 29 Dieser Mensch wird seinen Reichtum nicht behalten, und sein Besitz ist nur von kurzer Dauer. 30 Der Finsternis wird er nicht entrinnen; er ist wie ein Baum, dessen Zweige das Feuer versengt. Gott spricht nur ein Wort, und schon ist er nicht mehr da. 31 Wenn er auf Werte vertraut, die nicht tragen, betrügt er sich selbst, nur Enttäuschung wird sein Lohn sein. 32 Früher, als er denkt, wird Gottes Vergeltung ihn treffen. Dann verwelkt er und wird nie wieder grünen. 33 Er gleicht einem Weinstock, der die Trauben verliert, und einem Ölbaum, der seine Blüten abwirft. 34 So geht es allen, die Gott missachten: Über kurz oder lang sterben sie aus. Mit Bestechungsgeldern bauen sie ihr Haus, aber ein Feuer wird alles verwüsten. 35 Sie tragen sich mit bösen Plänen, Gemeinheiten brüten sie aus und setzen Unheil in die Welt.«

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Einheitsübersetzung 2016

ZWEITE REDE DES ELIFAS

Sündigkeit aller Menschen

1 Da antwortete Elifas von Teman und sprach: 2 Gibt ein Weiser windige Kunde zur Antwort, / füllt er sein Inneres mit Ostwind an, 3 um zurechtzuweisen mit Gerede, das nichts taugt, / mit Worten, in denen kein Nutzen liegt? 4 Du brichst sogar die Gottesfurcht, / zerstörst das Besinnen vor Gott. 5 Denn deine Schuld belehrt deinen Mund, / die Sprache der Listigen hast du gewählt. 6 Dein eigener Mund verurteilt dich, nicht ich, / deine Lippen zeugen gegen dich. 7 Bist du als erster Mensch geboren, / kamst du zur Welt noch vor den Hügeln? 8 Hast du gelauscht im Rate Gottes / und die Weisheit an dich gerissen? 9 Was weißt du, das wir nicht wissen, / was verstehst du, das uns nicht bekannt ist? 10 Auch unter uns sind Alte, sind Ergraute, / die älter sind an Tagen als dein Vater. 11 Ist zu gering dir Gottes Tröstung, / ein Wort, das sanft mit dir verfährt? 12 Wie reißt doch dein Herz dich fort, / wie überheben sich deine Augen, 13 dass gegen Gott deinen Zorn du wendest / und solche Worte aus deinem Munde stößt? 14 Was ist der Mensch, dass rein er wäre, / der vom Weib Geborene, dass er im Recht sein könnte? 15 Sieh doch, selbst seinen Heiligen traut er nicht / und der Himmel ist nicht rein in seinen Augen. 16 Geschweige denn ein Unreiner und Verderbter, / ein Mann, der Verkehrtes trinkt wie Wasser.

Hoffnungslosigkeit des Frevlers

17 Verkünden will ich dir, hör mir zu! / Was ich geschaut, will ich erzählen, 18 was Weise zu berichten wissen, / was ihre Väter ihnen nicht verhehlten. 19 Ihnen allein war das Land gegeben, / kein Fremder ging unter ihnen einher. 20 Der Frevler bebt in Ängsten all seine Tage, / nur wenige Jahre sind dem Tyrannen bestimmt. 21 In seinen Ohren hallen Schreckensrufe, / mitten im Frieden kommt der Verwüster über ihn. 22 Er kann nicht hoffen, der Finsternis zu entfliehen, / aufgespart ist er für das Schwert. 23 Er irrt umher nach Brot, wo er es finde, / er weiß, dass ihn ein schwarzer Tag bedroht. 24 Not und Drangsal erschrecken ihn, / sie packen ihn wie ein kampfbereiter König. 25 Denn gegen Gott erhebt er seine Hand, / gegen den Allmächtigen erkühnt er sich. 26 Halsstarrig rennt er gegen ihn an / mit den dicken Buckeln seiner Schilde. 27 Sein Gesicht ist bedeckt mit Fett, / an der Hüfte hat er Speck angesetzt. 28 Er wohnt in zerstörten Städten, / in Häusern, darin niemand mehr wohnt, / die man zu Trümmerstätten bestimmt. 29 Er bleibt nicht reich, sein Besitz hat keinen Bestand; / zur Erde neigt sich seine Ähre nicht. 30 Der Finsternis entrinnt er nicht, / die Flammenglut dörrt seinen Schössling aus, / er schwindet dahin beim Hauch seines Mundes. 31 Er baue nicht auf eitlen Trug; / denn sein Erwerb wird nur Enttäuschung sein. 32 Bevor sein Tag kommt, welkt er hin / und sein Palmzweig grünt nicht mehr. 33 Er stößt ihn ab wie der Weinstock saure Trauben, / wie der Ölbaum wirft er seine Blüten fort. 34 Unfruchtbar ist der Ruchlosen Rotte / und Feuer verzehrt die Zelte der Bestechung. 35 Von Mühsal schwanger, gebären sie nur Unheil; / Trug ist, was ihr Schoß hervorbringt.