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Zürcher Bibel

Lass deinen Freund nicht im Stich

1 Rühme dich nicht des morgigen Tages, denn du weisst nicht, was ein Tag gebärt.
2 Ein anderer soll dich rühmen, und nicht dein eigener Mund, ein Fremder, und nicht deine eigenen Lippen.
3 Der Stein ist schwer, und der Sand ist eine Last, aber Ärger über einen Toren ist schwerer als beide.
4 Die Wut ist grausam, und der Zorn schäumt über, wer aber kann vor der Eifersucht bestehen?
5 Offene Ermahnung ist besser als Liebe, die verborgen bleibt.
6 Gut gemeint sind die Schläge eines Freundes, die Küsse eines Feindes aber sind zahlreich.
7 Ein Satter tritt Honigseim mit Füssen, einem Hungrigen aber schmeckt alles Bittere süss.
8 Wie ein Vogel, der fern irrt von seinem Nest, so ist ein Mann, der fern irrt von seiner Heimat.
9 Salböl und Räucherwerk erfreuen das Herz, und die Herzlichkeit eines Freundes ist mehr wert als der eigene Rat.
10 Lass deinen Freund nicht im Stich und den Freund deines Vaters, und geh nicht in das Haus deines Bruders, wenn du in Not bist. Besser ein Nachbar in der Nähe als ein Bruder in der Ferne.
11 Sei weise, mein Sohn, und erfreue mein Herz, damit ich dem antworten kann, der mich schmäht.
12 Ein Kluger sieht das Unheil kommen und verbirgt sich, die Einfältigen gehen weiter und müssen es büssen.
13 Nimm dem das Kleid, der für einen Fremden gebürgt hat, und pfände ihn statt der Ausländerin.
14 Wer seinem Nächsten allzu laut Glück wünscht in der Frühe, dem wird es als Verwünschung ausgelegt.
15 Ein ständig tropfendes Dach in der Regenzeit und eine streitsüchtige Frau gleichen einander.
16 Wer sie aufhalten will, will den Wind aufhalten, und seine Rechte will nach Öl greifen.
17 Eisen schleift man mit Eisen, und ein Mann schleift den anderen.
18 Wer einen Feigenbaum pflegt, kann seine Frucht essen, und wer auf seinen Herrn achtet, wird geehrt.
19 Wie das Wasser ein Spiegel ist für das Gesicht, so ist das Herz ein Spiegel für den Menschen.
20 Totenreich und Abgrund sind unersättlich, und unersättlich sind die Augen des Menschen.
21 Der Schmelztiegel ist für das Silber da und der Ofen für das Gold, und ein Mann muss sich vor dem Mund dessen bewähren, der ihn lobt.
22 Auch wenn du den Toren im Mörser zerstampfst samt den Körnern mit dem Stössel, weicht seine Torheit nicht von ihm.
23 Achte auf das Aussehen deiner Schafe, und richte dein Herz auf deine Herden!
24 Denn kein Vorrat hält ewig, und keine Krone bleibt von Geschlecht zu Geschlecht.
25 Ist das Heu eingebracht und frisches Grün erschienen und sind die Kräuter der Berge gesammelt,
26 dann gibt es Lämmer für deine Kleidung und Böcke als Kaufpreis für ein Feld,
27 und reichlich Ziegenmilch ist da als Nahrung für dich und dein Haus und genug zum Leben für deine jungen Frauen.
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