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Zürcher Bibel

1 Und Jiftach, der Gileaditer, war ein tüchtiger Krieger, aber er war der Sohn einer Hure. Und Gilead zeugte Jiftach,
2 aber auch die Frau Gileads hatte ihm Söhne geboren. Als die Söhne der Frau heranwuchsen, vertrieben sie Jiftach und sagten zu ihm: Du sollst keinen Erbbesitz haben im Haus unseres Vaters, denn du bist der Sohn einer anderen Frau.
3 Und Jiftach floh vor seinen Brüdern und blieb im Land Tob. Und haltlose Männer scharten sich um Jiftach, und sie zogen aus mit ihm.
4 Und nach einiger Zeit führten die Ammoniter Krieg gegen Israel.
5 Und als die Ammoniter Krieg führten gegen Israel, gingen die Ältesten des Gilead hin, um Jiftach aus dem Land Tob zu holen.
6 Und sie sprachen zu Jiftach: Komm und sei unser Anführer, damit wir gegen die Ammoniter kämpfen.
7 Jiftach aber sagte zu den Ältesten des Gilead: Habt nicht ihr mich gehasst und vertrieben aus dem Haus meines Vaters? Und warum kommt ihr nun zu mir, da ihr in Bedrängnis seid?
8 Da sprachen die Ältesten des Gilead zu Jiftach: Deshalb sind wir nun zu dir zurückgekommen: Geh mit uns und kämpf gegen die Ammoniter, dann sollst du unser Haupt über alle Bewohner des Gilead sein.
9 Und Jiftach sagte zu den Ältesten des Gilead: Wenn ihr mich zurückholt, um gegen die Ammoniter zu kämpfen, und der HERR gibt sie mir preis, dann werde ich euer Haupt sein.
10 Und die Ältesten des Gilead sprachen zu Jiftach: Der HERR wird Zeuge sein gegen uns, wenn wir nicht nach deinem Wort handeln.
11 Und Jiftach ging mit den Ältesten des Gilead, und das Volk machte ihn zu seinem Haupt und zum Anführer über sich. Und Jiftach brachte alle seine Anliegen vor den HERRN in Mizpa.

Jiftach verhandelt mit den Ammonitern

12 Und Jiftach sandte Boten zum König der Ammoniter und liess ihm sagen: Was willst du von mir, dass du gegen mich angerückt bist, um Krieg zu führen gegen mein Land?
13 Und der König der Ammoniter sagte zu den Boten Jiftachs: Israel hat mein Land genommen, als es aus Ägypten heraufzog, vom Arnon bis an den Jabbok und bis an den Jordan. Und nun gib mir dies in Frieden zurück.
14 Aber Jiftach sandte nochmals Boten zum König der Ammoniter,
15 und sie sagten zu ihm: So hat Jiftach gesprochen: Israel hat das Land Moabs und das Land der Ammoniter nicht genommen.
16 Sondern als sie aus Ägypten heraufzogen und als Israel durch die Wüste bis ans Schilfmeer zog und nach Kadesch kam,
17 da sandte Israel Boten zum König von Edom und liess ihm sagen: Ich würde gern durch dein Land ziehen. Aber der König von Edom hörte nicht. Und auch zum König von Moab sandten sie, aber er wollte nicht. So blieb Israel in Kadesch,
18 zog dann durch die Wüste und umging das Land Edom und das Land Moab und kam von Osten her auf das Land Moab zu. Und sie lagerten jenseits des Arnon, in das Gebiet von Moab aber kamen sie nicht, denn der Arnon ist die Grenze Moabs.
19 Und Israel sandte Boten zu Sichon, dem König der Amoriter, dem König von Cheschbon, und Israel sagte zu ihm: Wir würden gern durch dein Land ziehen, bis zu unserem Ort.
20 Aber Sichon traute Israel nicht, dass es durch sein Gebiet ziehe, und er sammelte sein ganzes Volk, und sie lagerten bei Jahaz, und er kämpfte gegen Israel.
21 Und der HERR, der Gott Israels, gab Sichon und sein ganzes Volk in die Hand Israels, und sie schlugen sie. Und Israel nahm das ganze Land der Amoriter, der Bewohner jenes Landes, in Besitz.
22 Und sie nahmen das ganze Gebiet der Amoriter in Besitz, vom Arnon bis an den Jabbok und von der Wüste bis an den Jordan.
23 Und so hat der HERR, der Gott Israels, die Amoriter vor seinem Volk Israel vertrieben, und du, du willst uns enteignen?
24 Ist es nicht so: Was dein Gott Kemosch dir zum Besitz gibt, das nimmst du in Besitz. Und alles, was der HERR, unser Gott, vor uns enteignet hat, das nehmen wir in Besitz.
25 Und nun, bist du etwa besser als Balak, der Sohn Zippors, der König von Moab? Hat er etwa mit Israel gestritten oder hat er etwa gegen sie gekämpft,
26 als Israel in Cheschbon und seinen Tochterstädten weilte, in Aroer und seinen Tochterstädten und in allen Städten, die zu beiden Seiten des Arnon liegen - dreihundert Jahre lang? Und warum habt ihr sie uns nicht in jener Zeit entrissen?
27 Und ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen dir gegenüber, du aber tust mir Böses an, indem du Krieg führst gegen mich. Der HERR, der Richter, wird heute richten zwischen den Israeliten und den Ammonitern.
28 Aber der König der Ammoniter hörte nicht auf die Worte Jiftachs, die er ihm zugesandt hatte.

Jiftachs Gelübde und sein Sieg über die Ammoniter

29 Und der Geist des HERRN war auf Jiftach, und er zog durch das Gilead und durch Manasse, und er zog durch Mizpe im Gilead, und von Mizpe im Gilead zog er hinüber zu den Ammonitern.
30 Und Jiftach legte dem HERRN ein Gelübde ab und sprach: Wenn du die Ammoniter wirklich in meine Hand gibst,
31 so soll, wer herauskommt, wer aus der Tür meines Hauses heraus mir entgegenkommt, wenn ich wohlbehalten zurückkehre von den Ammonitern, dem HERRN gehören: Ich will ihn als Brandopfer darbringen.
32 Dann zog Jiftach gegen die Ammoniter, um gegen sie zu kämpfen, und der HERR gab sie in seine Hand.
33 Und er brachte ihnen eine sehr schwere Niederlage bei, von Aroer an bis dorthin, wo man nach Minnit kommt, zwanzig Städte, und bis nach Abel-Keramim. So wurden die Ammoniter von den Israeliten gedemütigt.
34 Und Jiftach kam nach Mizpa zu seinem Haus, und sieh, da kam seine Tochter heraus, ihm entgegen, mit Trommeln und im Reigentanz. Und sie war sein einziges Kind; ausser ihm hatte er weder Sohn noch Tochter.
35 Und als er sie sah, zerriss er seine Kleider und sprach: Ach, meine Tochter! Du hast mich tief gebeugt! Du gehörst zu denen, die mich ins Unglück stürzen! Ich habe dem HERRN gegenüber meinen Mund aufgerissen und kann nicht zurück.
36 Sie aber sprach zu ihm: Mein Vater, du hast dem HERRN gegenüber deinen Mund aufgerissen, mach mit mir, wie dein Mund es gesagt hat, nachdem der HERR dir Rache verschafft hat an deinen Feinden, den Ammonitern.
37 Und sie sagte zu ihrem Vater: Dies sei mir vergönnt: Lass mir zwei Monate, und ich will weggehen und hinab in die Berge gehen und über meine Jungfräulichkeit weinen, ich mit meinen Freundinnen.
38 Und er sprach: Geh! Und er entliess sie für zwei Monate. Und sie ging mit ihren Freundinnen und weinte auf den Bergen über ihre Jungfräulichkeit.
39 Und nach zwei Monaten kam sie zurück zu ihrem Vater, und er erfüllte an ihr sein Gelübde. Sie hatte aber mit keinem Mann verkehrt. Und das wurde Brauch in Israel:
40 Jahr für Jahr gehen die Israelitinnen, um die Tochter Jiftachs, des Gileaditers, zu besingen, vier Tage im Jahr.
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