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Zürcher Bibel

Was unsere Vorfahren uns erzählten

1 Ein Weisheitslied Asafs. Höre, mein Volk, meine Weisung, neigt euer Ohr den Worten meines Mundes.
2 Ich will meinen Mund auftun zu einem Spruch, will Rätsel kundtun aus der Vorzeit.
3 Was wir gehört und erfahren haben, was unsere Vorfahren uns erzählten,
4 wollen wir ihren Söhnen nicht verschweigen, sondern erzählen der künftigen Generation die Ruhmestaten des HERRN und seine Stärke und seine Wunder, die er getan hat.
5 Er stellte ein Zeugnis auf in Jakob, und Weisung gab er in Israel, als er unseren Vorfahren gebot, sie ihren Söhnen kundzutun,
6 damit eine künftige Generation sie erfahre, die Nachkommen, die geboren würden, dass sie aufstünden und es ihren Nachkommen erzählten
7 und auf Gott ihr Vertrauen setzten, die Taten Gottes nicht vergässen und seine Gebote hielten,
8 und nicht wie ihre Vorfahren würden, eine störrische und trotzige Generation, eine Generation, die nicht festen Sinnes war und deren Geist nicht treu zu Gott hielt.
9 Die Söhne Efraims, wohl gerüstete Bogenschützen, wandten sich ab am Tag der Schlacht.
10 Sie hielten den Bund Gottes nicht und weigerten sich, nach seiner Weisung zu wandeln.
11 Sie vergassen seine Taten und seine Wunder, die er sie hatte schauen lassen.
12 Vor ihren Vorfahren hatte er Wunder getan im Land Ägypten, im Gefilde Zoan.
13 Er spaltete das Meer und führte sie hindurch, liess die Wasser stehen wie einen Damm.
14 Er leitete sie mit der Wolke bei Tag und die ganze Nacht mit Feuerschein.
15 Er spaltete Felsen in der Wüste und tränkte sie reichlich wie mit Urfluten.
16 Bäche liess er hervorbrechen aus dem Stein und Wasser herabfliessen wie Ströme.
17 Sie aber fuhren fort zu sündigen gegen ihn, zu trotzen dem Höchsten im dürren Land.
18 Sie versuchten Gott in ihrem Herzen, forderten Speise in ihrer Gier.
19 Sie redeten gegen Gott und sprachen: Kann Gott einen Tisch in der Wüste decken?
20 Sieh, er hat einen Felsen geschlagen, und Wasser flossen und Bäche strömten, aber wird er auch Brot geben können oder Fleisch verschaffen seinem Volk?
21 Darum, als der HERR das hörte, wurde er zornig, Feuer entzündete sich gegen Jakob, und Zorn stieg auf gegen Israel,
22 weil sie Gott nicht glaubten und nicht auf seine Hilfe vertrauten.
23 Er gebot den Wolken droben, und die Türen des Himmels öffnete er.
24 Er liess Manna auf sie regnen, dass sie zu essen hatten, gab ihnen Himmelskorn.
25 Menschen assen Engelsbrot,1 Nahrung sandte er ihnen, dass sie satt wurden.
26 Er liess den Ostwind losbrechen am Himmel und trieb in seiner Kraft den Südwind heran,
27 liess Fleisch auf sie regnen wie Staub und Vögel wie Sand am Meer,
28 mitten in sein Lager liess er sie fallen, rings um seine Wohnungen.
29 Da assen sie und wurden mehr als satt, und was sie begehrten, brachte er ihnen.
30 Noch hatten sie von ihrer Gier nicht gelassen, noch war die Speise in ihrem Mund,
31 da stieg der Zorn Gottes auf gegen sie und tötete die Stattlichsten unter ihnen, und die Besten Israels streckte er nieder.
32 Trotz allem aber sündigten sie weiter und glaubten nicht an seine Wunder.
33 Da liess er ihre Tage in Nichtigkeit vergehen und ihre Jahre in jähem Schrecken.
34 Tötete er sie, so fragten sie nach ihm, kehrten um und suchten Gott.
35 Sie erinnerten sich, dass Gott ihr Fels, Gott, der Höchste, ihr Erlöser ist.
36 Doch sie betrogen ihn mit ihrem Mund, und mit ihrer Zunge belogen sie ihn.
37 Ihr Herz hielt nicht fest an ihm, und seinem Bund blieben sie nicht treu.
38 Er aber, voll Erbarmen, vergibt die Schuld und vertilgt nicht; immer wieder hält er seinen Zorn zurück und erweckt nicht all seinen Grimm.
39 Er dachte daran, dass sie Fleisch sind, ein Hauch, der vergeht und nicht wiederkehrt.
40 Wie oft trotzten sie ihm in der Wüste, kränkten ihn in der Einöde.
41 Immer wieder versuchten sie Gott und betrübten den Heiligen Israels.
42 Sie gedachten nicht seiner Hand, des Tages, da er sie vom Feind erlöste,
43 als er in Ägypten seine Zeichen tat und seine Wunder im Gefilde Zoan.
44 Er verwandelte in Blut ihre Flüsse und ihre Bäche, dass sie nicht trinken konnten.
45 Er liess Stechfliegen auf sie los, die sie frassen, und Frösche, die ihnen Verderben brachten.
46 Ihren Ertrag gab er der Grille und die Frucht ihrer Arbeit der Heuschrecke.
47 Er zerschlug mit Hagel ihren Weinstock und ihre Maulbeerbäume mit Gewitter.
48 Er gab ihr Vieh dem Hagel preis und ihre Herden den Blitzen.
49 Er liess die Glut seines Zorns gegen sie los, Grimm und Wut und Bedrängnis, eine Schar Unheil bringender Boten.
50 Er liess seinem Zorn freien Lauf, ersparte ihnen nicht den Tod, und der Pest gab er ihr Leben preis.
51 Er schlug alle Erstgeburt in Ägypten, die Erstlinge der Manneskraft in den Zelten Hams.
52 Er liess sein Volk aufbrechen wie Schafe und leitete sie wie eine Herde durch die Wüste.
53 Er führte sie sicher, sie fürchteten sich nicht, ihre Feinde aber bedeckte das Meer.
54 Er brachte sie in seinen heiligen Bezirk, zu dem Berg, den seine Rechte erworben hat.
55 Er vertrieb vor ihnen die Nationen, verteilte sie mit der Messschnur als Erbe, und in ihren Zelten liess er die Stämme Israels wohnen.
56 Doch sie versuchten Gott, den Höchsten, und trotzten ihm, und seine Gesetze hielten sie nicht.
57 Sie wurden abtrünnig und waren treulos wie ihre Vorfahren, versagten wie ein schlaffer Bogen.
58 Sie erzürnten ihn mit ihren Kulthöhen, und mit ihren Götzen reizten sie ihn zur Eifersucht.
59 Gott hörte es und wurde zornig, und er verwarf Israel ganz und gar.
60 Er verliess die Wohnung von Schilo, das Zelt, das er unter den Menschen aufgeschlagen hatte.
61 Er gab seine Kraft in Gefangenschaft und seine Zier in die Hand des Feindes.
62 Er überlieferte sein Volk dem Schwert, und über sein Erbe zürnte er.
63 Seine jungen Männer frass das Feuer, und seine jungen Frauen wurden nicht besungen.
64 Seine Priester fielen durch das Schwert, und seine Witwen konnten nicht weinen.
65 Da erwachte wie ein Schlafender der Herr, wie ein Held, der betäubt war vom Wein.
66 Er schlug seine Feinde zurück, ewige Schmach verhängte er über sie.
67 Er verwarf das Zelt Josefs, den Stamm Efraim erwählte er nicht.
68 Er erwählte den Stamm Juda, den Berg Zion, den er liebt.
69 Er baute den Höhen gleich sein Heiligtum, fest wie die Erde, die er auf ewig gegründet hat.
70 Er erwählte David, seinen Diener, und nahm ihn weg von den Hürden der Schafe.
71 Von den Muttertieren holte er ihn fort, zu weiden Jakob, sein Volk, und Israel, sein Erbe.
72 Und er weidete sie mit reinem Herzen, und er führte sie mit kluger Hand.
1 "Engelsbrot" ist wörtlich "Brot der Starken".
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