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Zürcher Bibel

Warum schläfst du, HERR?

1 Für den Chormeister. Von den Korachitern. Ein Weisheitslied.
2 Gott, mit eigenen Ohren haben wir es gehört, unsere Vorfahren haben es uns erzählt: Eine Tat hast du getan in ihren Tagen, in den Tagen der Vorzeit,
3 du mit deiner Hand. Nationen hast du vertrieben, sie aber eingepflanzt, Völker hast du zerschlagen, sie aber ausgebreitet.
4 Denn nicht mit ihrem Schwert gewannen sie das Land, und nicht ihr Arm schaffte ihnen den Sieg, sondern deine Rechte und dein Arm und das Licht deines Angesichts, denn du hattest Gefallen an ihnen.
5 Du allein bist mein König, Gott, sende deine Hilfe für Jakob.
6 Mit dir stossen wir unsere Feinde nieder, in deinem Namen zertreten wir, die sich gegen uns erheben.
7 Denn nicht auf meinen Bogen vertraue ich, und mein Schwert hilft mir nicht,
8 sondern du hast uns geholfen vor unseren Feinden, und die uns hassen, hast du zuschanden gemacht.
9 Wir rühmen uns Gottes den ganzen Tag, und deinen Namen preisen wir immerdar. Sela
10 Und doch hast du uns verstossen und mit Schmach bedeckt, du ziehst nicht aus mit unseren Heeren.
11 Du lässt uns zurückweichen vor dem Feind, und die uns hassen, haben sich Beute genommen.
12 Du gibst uns hin wie Schlachtvieh, unter die Nationen hast du uns zerstreut.
13 Du verkaufst dein Volk um ein Spottgeld und hast keinen Gewinn aus seinem Erlös.
14 Du machst uns zum Gespött bei unseren Nachbarn, zu Spott und Hohn bei allen ringsum.
15 Du machst uns zum Sprichwort unter den Nationen, die Völker schütteln den Kopf über uns.
16 Den ganzen Tag steht meine Schande mir vor Augen, und Scham bedeckt mein Angesicht
17 vom Lärm der Lästerer und Spötter, vom Blick des rachgierigen Feindes.
18 All dies ist über uns gekommen, doch wir haben dich nicht vergessen und deinen Bund nicht verraten.
19 Unser Herz ist nicht abtrünnig geworden, auch sind unsere Schritte nicht abgewichen von deinem Pfad.
20 Du aber hast uns zermalmt am Ort der Schakale und mit Finsternis uns bedeckt.
21 Hätten wir den Namen unseres Gottes vergessen und zu einem fremden Gott unsere Hände ausgestreckt,
22 würde Gott es nicht ergründen? Denn er kennt die Geheimnisse des Herzens.
23 Um deinetwillen werden wir getötet Tag für Tag, sind wir geachtet wie Schafe, zum Schlachten bestimmt.
24 Wach auf! Warum schläfst du, Herr? Erwache! Verstosse nicht auf ewig!
25 Warum verbirgst du dein Angesicht, vergisst unsere Not und Bedrängnis?
26 Denn unsere Seele ist in den Staub gebeugt, unser Leib klebt an der Erde.
27 Steh auf, uns zur Hilfe, und erlöse uns um deiner Gnade willen.
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