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Zürcher Bibel

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

1 Für den Chormeister. Nach der Weise "Hindin der Morgenröte". Ein Psalm Davids.
2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist fern meiner Rettung, den Worten meiner Klage?
3 Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du antwortest nicht, bei Nacht, doch ich finde keine Ruhe.
4 Du aber, Heiliger, thronst auf den Lobgesängen Israels.
5 Auf dich vertrauten unsere Vorfahren, sie vertrauten, und du hast sie befreit.
6 Zu dir schrien sie, und sie wurden gerettet, auf dich vertrauten sie, und sie wurden nicht zuschanden.
7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott und verachtet vom Volk.
8 Alle, die mich sehen, verspotten mich, verziehen den Mund und schütteln den Kopf:
9 Wälze es auf den HERRN. Der rette ihn, er befreie ihn, er hat ja Gefallen an ihm.
10 Du bist es, der mich aus dem Mutterschoss zog, der mich sicher barg an der Brust meiner Mutter.
11 Auf dich bin ich geworfen vom Mutterleib an, von meiner Mutter Schoss an bist du mein Gott.
12 Sei nicht fern von mir, denn die Not ist nahe; keiner ist da, der hilft.
13 Zahlreiche Stiere sind um mich, Baschanbüffel umringen mich.
14 Sie sperren ihr Maul auf gegen mich, ein reissender, brüllender Löwe.
15 Wie Wasser bin ich hingeschüttet, und es fallen auseinander meine Gebeine. Wie Wachs ist mein Herz, zerflossen in meiner Brust.
16 Trocken wie eine Scherbe ist meine Kehle,1 und meine Zunge klebt mir am Gaumen, in den Staub des Todes legst du mich.
17 Um mich sind Hunde, eine Rotte von Übeltätern umzingelt mich, sie binden mir Hände und Füsse.2
18 Zählen kann ich alle meine Knochen. Sie aber schauen zu, weiden sich an mir.
19 Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.
20 Du aber, HERR, sei nicht fern, meine Stärke, eile mir zu Hilfe.
21 Errette vor dem Schwert mein Leben, aus der Gewalt der Hunde meine verlassene Seele.
22 Hilf mir vor dem Rachen des Löwen, vor den Hörnern der Wildstiere. Du hast mich erhört.
23 Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden, in der Versammlung will ich dich loben.
24 Die ihr den HERRN fürchtet, lobt ihn, alle Nachkommen Jakobs, ehret ihn, erschauert vor ihm, alle Nachkommen Israels.
25 Denn er hat nicht verachtet noch verabscheut des Elenden Elend, hat sein Angesicht nicht vor ihm verborgen, und da er schrie, erhörte er ihn.
26 Von dir geht aus mein Lobgesang in grosser Versammlung, meine Gelübde erfülle ich vor denen, die ihn fürchten.
27 Die Elenden essen und werden satt, es loben den HERRN, die ihn suchen. Aufleben soll euer Herz für immer.
28 Alle Enden der Erde werden dessen gedenken und umkehren zum HERRN, und vor ihm werden sich niederwerfen3 alle Sippen der Nationen.
29 Denn des HERRN ist das Reich, und er herrscht über die Nationen.
30 Vor ihm werfen sich nieder alle Mächtigen der Erde, vor ihm beugen sich alle, die in den Staub sinken.4
31 Erzählen wird man vom Herrn der Generation,
32 die noch kommt, und verkünden seine Gerechtigkeit dem Volk, das noch geboren wird. Er hat es vollbracht.
1 Der Massoretische Text wurde korrigiert; er lautet übersetzt: "Trocken wie eine Scherbe ist meine Kraft, ..."
2 Der Massoretische Text wurde korrigiert; er lautet übersetzt: "... umzingelt mich, wie ein Löwe meine Hände und Füsse."
3 Der Massoretische Text wurde korrigiert; er lautet übersetzt: "..., und vor dir werden sich niederwerfen ..."
4 Der Massoretische Text wurde korrigiert; er lautet übersetzt: "30 Es assen und warfen sich nieder alle Mächtigen (wörtlich: Fetten) der Erde, vor ihm beugen sich alle, die in den Staub sinken. Seine Seele aber erhielt er nicht am Leben; 31 Nachkommen werden ihm dienen. Erzählen wird man ..."
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