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Zürcher Bibel

Klage und Verheissung

1 Wehe mir, es ist mir ergangen wie bei der Obsternte, wie bei der Nachlese zur Weinernte: keine Traube zum Essen, keine Frühfeige, nach der ich begehre.
2 Verschwunden ist der Getreue aus dem Land, und kein Aufrechter ist unter den Menschen. Sie alle lauern auf Blut, und auf den eigenen Bruder macht jeder Jagd mit dem Netz.
3 Besonders gut wollen ihre Hände das Böse tun, der Fürst stellt Forderungen, und wer Recht spricht, tut es gegen Bezahlung, und der Grosse redet, wozu seine Gier ihn treibt, und schon immer haben sie alles verdreht.
4 Der Beste von ihnen ist wie ein Dornenstrauch, selbst ein Aufrechter ist schlimmer als eine Dornenhecke. Der Tag deiner Späher, deine Heimsuchung, ist gekommen, nun wird Verwirrung unter ihnen herrschen!
5 Dem Nächsten sollt ihr nicht glauben, vertraut nicht dem, der euch vertraut ist. Vor ihr, die an deiner Brust liegt, bewache die Pforten deines Mundes!
6 Denn der Sohn hält nichts vom Vater, die Tochter erhebt sich gegen ihre Mutter, die Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter, des Menschen Feinde sind die Menschen im eigenen Haus.
7 Ich aber will Ausschau halten nach dem HERRN, will warten auf den Gott meiner Rettung! Mein Gott wird mich hören.
8 Freue dich nicht über mich, die du mir Feind bist! Wenn ich gefallen bin, stehe ich auf, wenn ich in der Finsternis sitze, ist der HERR mir Licht.
9 Ich werde die Wut des HERRN ertragen, denn ich habe gesündigt gegen ihn, bis er meinen Rechtsstreit führt und mir Recht verschafft; er wird mich hinausführen an das Licht, ich werde seine Gerechtigkeit sehen!
10 Und die mir Feind ist, soll es sehen, und Schande soll sie bedecken, sie, die zu mir sagt: Wo ist der HERR, dein Gott? Meine Augen werden es sehen: Nun wird sie zertreten wie Kot in den Gassen!
11 Ein Tag, um deine Mauern aufzubauen! An jenem Tag rückt die Grenze in die Ferne.
12 An jenem Tag, da wird man zu dir kommen von Assur und den Städten Mazors1 und von Mazor bis zum Strom und von Meer zu Meer und von Gebirge zu Gebirge.
13 Die Erde aber wird zur Wüstenei, ihrer Bewohner wegen, der Frucht ihrer Taten wegen.
14 Weide dein Volk mit deinem Stab, die Schafe deines Erbbesitzes, die in Einsamkeit leben, im Wald, mitten im Fruchtland. Im Baschan und im Gilead werden sie weiden wie in den Tagen der Vorzeit.
15 Wie in den Tagen deines Auszugs aus dem Land Ägypten, lasse ich es Wunder sehen!
16 Nationen werden es sehen und zuschanden werden, werden all ihre Macht verlieren; sie werden die Hand auf den Mund legen, ihre Ohren werden taub.
17 Wie die Schlange lecken sie Staub, wie jene, die auf der Erde kriechen. Zitternd kommen sie aus ihren Gefängnissen, ängstlich nähern sie sich dem HERRN, unserem Gott, und sie fürchten sich vor dir.
18 Wer wäre ein Gott wie du, der Schuld vergibt und hinwegschreitet über Vergehen für den Rest seines Erbbesitzes? Nicht für immer hält er fest an seinem Zorn, denn er hat Gefallen an Gnade!
19 Er wird sich wieder über uns erbarmen, unsere Schuld wird er niedertreten. Und in die Tiefen des Meeres wirst du all ihre Sünden werfen.
20 Jakob erweist du Treue, Abraham Güte, wie du es unseren Vorfahren geschworen hast seit den Tagen der Vorzeit.
1 Mazor ist ein anderer Name für Ägypten.
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