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Zürcher Bibel

Der Tötungsplan des Hohen Rats

1 Und es geschah, als Jesus alle diese Reden beendet hatte, dass er zu seinen Jüngern sagte:
2 Ihr wisst, dass in zwei Tagen Passa ist; dann wird der Menschensohn ausgeliefert und gekreuzigt werden.
3 Da versammelten sich die Hohen Priester und die Ältesten des Volkes im Palast des Hohen Priesters, der Kajafas hiess,
4 und sie beschlossen, Jesus mit List festzunehmen und zu töten.
5 Sie sagten aber: Nicht am Fest, damit kein Aufruhr entsteht im Volk.

Die Salbung in Betanien

6 Als nun Jesus in Betanien im Hause Simons des Aussätzigen war,
7 kam eine Frau zu ihm mit einem Alabastergefäss voll kostbaren Öls und goss es über sein Haupt, als er bei Tisch sass.
8 Als die Jünger das sahen, wurden sie unwillig und sagten: Wozu diese Verschwendung?
9 Es hätte doch teuer verkauft werden können und wäre Armen zugute gekommen.
10 Als Jesus das merkte, sagte er zu ihnen: Was bringt ihr die Frau in Verlegenheit? Sie hat eine schöne Tat an mir vollbracht.
11 Arme habt ihr ja allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit.
12 Dass sie nämlich dieses Öl auf meinen Leib goss, das hat sie für mein Begräbnis getan.
13 Amen, ich sage euch: Wo immer in der ganzen Welt dieses Evangelium verkündigt wird, da wird auch erzählt werden, was sie getan hat, zu ihrem Gedächtnis.

Der Plan des Judas

14 Da ging einer von den Zwölfen, der Judas Iskariot hiess, zu den Hohen Priestern
15 und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich ihn an euch ausliefere? Und sie vereinbarten mit ihm dreissig Silberstücke.
16 Von da an suchte er eine günstige Gelegenheit, ihn auszuliefern.

Die Vorbereitung des letzten Mahls

17 Am ersten Tag der ungesäuerten Brote kamen die Jünger zu Jesus und sagten: Wo willst du, dass wir dir das Passamahl bereiten?
18 Er sprach: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist nahe, bei dir will ich mit meinen Jüngern das Passa feiern.
19 Und die Jünger taten, wie Jesus ihnen befohlen hatte. Und sie bereiteten das Passamahl.

Die Ankündigung der Auslieferung

20 Am Abend sass er mit den Zwölfen bei Tisch.
21 Und während sie assen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern.
22 Und sie wurden sehr traurig und begannen, einer nach dem andern, ihn zu fragen: Bin etwa ich es, Herr?
23 Er aber antwortete: Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich ausliefern.
24 Der Menschensohn geht zwar dahin, wie über ihn geschrieben steht, doch wehe dem Menschen, durch den der Menschensohn ausgeliefert wird. Es wäre besser, er wäre nicht geboren, dieser Mensch!
25 Da entgegnete Judas, der ihn ausliefern sollte: Bin etwa ich es, Rabbi? Da antwortet er ihm: Du sagst es!

Das letzte Mahl

26 Während sie aber assen, nahm Jesus Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es den Jüngern und sprach: Nehmt, esst! Das ist mein Leib.
27 Und er nahm einen Kelch und sprach das Dankgebet, gab ihnen den und sprach: Trinkt alle daraus!
28 Denn das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
29 Ich sage euch aber: Ich werde von dieser Frucht des Weinstocks nicht mehr trinken von nun an bis zu dem Tag, da ich aufs Neue mit euch davon trinken werde im Reich meines Vaters.

Die Ankündigung der Verleugnung

30 Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus auf den Ölberg.
31 Da sagt Jesus zu ihnen: Ihr alle werdet in dieser Nacht an mir zu Fall kommen, denn es steht geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.
32 Nach meiner Auferweckung aber werde ich euch nach Galiläa vorausgehen.
33 Petrus antwortete ihm: Wenn alle an dir zu Fall kommen - ich werde niemals zu Fall kommen!
34 Jesus sagt zu ihm: Amen, ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnet haben.
35 Da sagt Petrus zu ihm: Selbst wenn ich mit dir sterben müsste - ich werde dich nicht verleugnen. Ebenso redeten auch alle anderen Jünger.

In Getsemani

36 Da kommt Jesus mit ihnen an einen Ort namens Getsemani und sagt zu den Jüngern: Bleibt hier sitzen, solange ich weg bin und dort bete.
37 Und er nahm Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus mit sich, und er wurde immer trauriger und mutloser.
38 Da sagt er zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt, bleibt hier und wacht mit mir.
39 Und er ging ein wenig weiter, fiel auf sein Angesicht und betete: Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber. Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.
40 Und er kommt zu den Jüngern zurück und findet sie schlafend. Und er sagt zu Petrus: So vermochtet ihr denn nicht eine Stunde mit mir wach zu bleiben?
41 Wacht und betet, dass ihr nicht in Versuchung kommt! Der Geist ist willig, das Fleisch aber schwach.
42 Wieder ging er weg, ein zweites Mal, und betete: Mein Vater, wenn dieser Kelch nicht an mir vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille.
43 Und er kam wieder zurück und fand sie schlafend, denn die Augen waren ihnen schwer geworden.
44 Und er verliess sie, ging wieder weg und betete zum dritten Mal, wieder mit denselben Worten.
45 Dann kommt er zu den Jüngern zurück und sagt zu ihnen: Schlaft nur weiter und ruht euch aus! Seht, die Stunde ist gekommen, da der Menschensohn in die Hände von Sündern ausgeliefert wird.
46 Steht auf, lasst uns gehen! Seht, der mich ausliefert, ist da.

Die Gefangennahme

47 Und während er noch redete, da kam Judas, einer von den Zwölfen, und mit ihm eine grosse Schar mit Schwertern und Knüppeln im Auftrag der Hohen Priester und der Ältesten des Volkes.
48 Der ihn aber auslieferte, hatte mit ihnen ein Zeichen verabredet: Den ich küssen werde, der ist es. Den nehmt fest!
49 Und sogleich ging er auf Jesus zu und sagte: Sei gegrüsst, Rabbi, und küsste ihn.
50 Jesus sagte zu ihm: Freund, dazu bist du gekommen! Da kamen sie auf ihn zu, ergriffen ihn und nahmen ihn fest.
51 Da hob einer von denen, die mit Jesus waren, seine Hand und zog sein Schwert, schlug nach dem Knecht des Hohen Priesters und hieb ihm das Ohr ab.
52 Da sagt Jesus zu ihm: Steck dein Schwert an seinen Ort! Denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.
53 Oder meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten und er würde mir nicht sogleich mehr als zwölf Legionen Engel zur Seite stellen?
54 Doch wie würden dann die Schriften in Erfüllung gehen, nach denen es so geschehen muss?
55 Zu jener Stunde sagte Jesus zu den Leuten: Wie gegen einen Räuber seid ihr ausgezogen, mit Schwertern und Knüppeln, mich gefangen zu nehmen? Tag für Tag sass ich im Tempel und lehrte, und ihr habt mich nicht festgenommen.
56 Dies alles aber ist geschehen, damit die Schriften der Propheten in Erfüllung gehen. Da verliessen ihn die Jünger alle und flohen.

Die Verhandlung vor dem Hohen Rat

57 Die aber, die Jesus festgenommen hatten, führten ihn vor den Hohen Priester Kajafas, wo sich die Schriftgelehrten und die Ältesten versammelt hatten.
58 Petrus aber folgte ihm von weitem bis zum Palast des Hohen Priesters; und er ging hinein und setzte sich zu den Gerichtsdienern, um zu sehen, wie es enden würde.
59 Die Hohen Priester aber und der ganze Hohe Rat suchten nach einer falschen Zeugenaussage gegen Jesus, um ihn töten zu können;
60 doch sie fanden keine, obwohl viele falsche Zeugen auftraten. Zuletzt aber traten zwei auf
61 und sagten: Dieser hat behauptet: Ich kann den Tempel Gottes niederreissen und in drei Tagen wieder aufbauen.
62 Und der Hohe Priester erhob sich und sagte zu ihm: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich vorbringen?
63 Jesus aber schwieg. Und der Hohe Priester sagte zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, uns zu sagen, ob du der Messias bist, der Sohn Gottes.
64 Da sagt Jesus zu ihm: Du sagst es. Doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Menschensohn sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels.
65 Da zerriss der Hohe Priester seine Kleider und sagte: Er hat gelästert. Was brauchen wir noch Zeugen? Jetzt habt ihr die Lästerung gehört!
66 Was meint ihr? Sie antworteten: Er ist des Todes schuldig!
67 Da spuckten sie ihm ins Gesicht und schlugen ihn mit den Fäusten, andere aber ohrfeigten ihn
68 und sagten: Weissage uns, Messias: Wer ist es, der dich geschlagen hat?

Die Verleugnung durch Petrus

69 Petrus aber sass draussen im Hof. Und eine Magd trat zu ihm und sagte: Auch du warst mit Jesus, dem Galiläer.
70 Er aber leugnete es vor allen und sagte: Ich weiss nicht, wovon du sprichst!
71 Als er aber in die Torhalle hinausging, sah ihn eine andere, und sagte zu denen, die dort waren: Dieser war mit Jesus, dem Nazarener!
72 Und wieder leugnete er es und schwor: Ich kenne den Menschen nicht.
73 Nach einer Weile traten die Umstehenden auf Petrus zu und sagten: Natürlich, auch du bist einer von ihnen, deine Sprache verrät dich ja.
74 Da begann er zu fluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht. Und dann krähte der Hahn.
75 Da erinnerte sich Petrus an das Wort Jesu, der zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
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