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Zürcher Bibel

Die Ankündigung der Tempelzerstörung

1 Und Jesus verliess den Tempel und ging weiter. Und seine Jünger traten zu ihm, um ihm die Bauten des Tempels zu zeigen.
2 Er aber sagte zu ihnen: Nicht wahr, das alles seht ihr? Amen, ich sage euch: Hier wird kein Stein auf dem andern bleiben, jeder wird herausgebrochen.

Zur Frage nach dem Anfang der Endzeit

3 Als er nun auf dem Ölberg sass, traten seine Jünger zu ihm und sagten, als sie unter sich waren: Sag uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen für dein Kommen und für das Ende dieser Welt?
4 Und Jesus antwortete ihnen: Gebt acht, dass niemand euch in die Irre führt!
5 Denn viele werden kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Messias, und sie werden viele in die Irre führen.
6 Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören: Seht zu, dass ihr euch nicht erschrecken lasst! Denn das muss geschehen, aber das Ende ist es noch nicht.
7 Denn erheben wird sich Volk gegen Volk und Reich gegen Reich, und Hungersnöte und Erdbeben wird es geben da und dort.
8 Das alles aber ist erst der Anfang der Wehen.

Die Ankündigung von Verfolgungen

9 Dann werden sie euch der Bedrängnis ausliefern und werden euch töten, und ihr werdet gehasst werden von allen Völkern um meines Namens willen.
10 Dann werden viele zu Fall kommen, und sie werden einander ausliefern und einander hassen.
11 Und viele falsche Propheten werden aufstehen, und sie werden viele in die Irre führen.
12 Und da die Missachtung des Gesetzes überhand nehmen wird, wird die Liebe in den meisten erkalten.
13 Wer aber standhält bis ans Ende, der wird gerettet werden.
14 Und dieses Evangelium vom Reich wird auf dem ganzen Erdkreis verkündigt werden als ein Zeichen für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.

Von der grossen Bedrängnis

15 Wenn ihr nun den Greuel der Verwüstung,1 von dem der Prophet Daniel gesprochen hat, an heiliger Stätte stehen seht - wer es liest, merke auf! -,
16 dann sollen die in Judäa in die Berge fliehen.
17 Wer auf dem Dach ist, steige nicht hinab, um seine Habe aus dem Haus zu holen;
18 und wer auf dem Feld ist, kehre nicht zurück, um seinen Mantel zu holen.
19 Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen!
20 Betet, dass eure Flucht nicht im Winter geschehe oder an einem Sabbat.
21 Denn es wird dann eine Bedrängnis geben, wie es noch keine gegeben hat vom Anfang der Welt bis jetzt und wie auch keine mehr sein wird.
22 Und würden jene Tage nicht verkürzt, es würde kein Mensch gerettet werden; um der Erwählten willen aber werden jene Tage verkürzt werden.

Vom Auftreten falscher Propheten

23 Wenn dann einer zu euch sagt: Da ist der Messias oder dort, so glaubt es nicht.
24 Denn es wird mancher falsche Messias und mancher falsche Prophet aufstehen, und sie werden grosse Zeichen und Wunder tun, um wenn möglich sogar die Erwählten in die Irre zu führen.
25 Seht, ich habe es euch vorhergesagt.
26 Wenn sie also zu euch sagen: Da, in der Wüste ist er, so geht nicht hin! Da, in den Gemächern ist er, so glaubt es nicht!
27 Denn wie der Blitz im Osten zuckt und bis in den Westen leuchtet, so wird das Kommen des Menschensohnes sein.
28 Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier.

Die Zeichen für das Kommen des Menschensohns

29 Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Tage wird sich die Sonne verfinstern und der Mond seinen Schein nicht mehr geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Mächte des Himmels werden erschüttert werden.
30 Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen, und dann werden alle Stämme auf der Erde klagen, und sie werden den Menschensohn auf den Wolken des Himmels kommen sehen mit grosser Macht und Herrlichkeit.
31 Und er wird seine Engel aussenden mit lautem Posaunenschall, und sie werden seine Erwählten zusammenführen von den vier Winden her, von einem Ende des Himmels zum anderen.

Das nahe Ende

32 Vom Feigenbaum aber lernt das Gleichnis: Sobald sein Zweig saftig geworden ist und Blätter treibt, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist.
33 So auch ihr: Wenn ihr dies alles seht, dann wisst ihr, dass er nahe ist und vor der Tür steht.
34 Amen, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bevor dies alles geschieht.
35 Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.
36 Jenen Tag aber und jene Stunde kennt niemand, die Engel im Himmel nicht, der Sohn nicht, nur der Vater.

Die Mahnung zur Wachsamkeit

37 Denn wie in den Tagen des Noah, so wird es sein beim Kommen des Menschensohnes.
38 So wie sie in den Tagen vor der Sintflut weiter assen und tranken, weiter heirateten und verheiratet wurden bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging,
39 und nichts merkten, bis die Sintflut kam und alle wegraffte - so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohnes.
40 Da werden zwei auf dem Feld sein, einer wird mitgenommen, einer wird zurückgelassen;
41 zwei werden an der Mühle mahlen, eine wird mitgenommen, eine wird zurückgelassen.
42 Seid also wachsam, denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.
43 Das aber bedenkt: Wenn der Hausherr wüsste, in welcher Nachtwache der Dieb kommt, wäre er wachsam und liesse nicht zu, dass in sein Haus eingebrochen wird.
44 Darum haltet auch ihr euch bereit, denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht vermutet.

Das Bild vom treuen und vom bösen Knecht

45 Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr über sein Gesinde setzt, damit er ihnen Speise gebe zur rechten Zeit?
46 Selig der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, solches tun sieht.
47 Amen, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen.
48 Wenn sich aber der böse Knecht sagt: Mein Herr kommt noch lange nicht,
49 und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, mit den Betrunkenen aber isst und trinkt,
50 dann wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, da er es nicht vermutet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt.
51 Und er wird ihn in Stücke hauen lassen und ihm seinen Platz bei den Heuchlern zuweisen; dort wird Heulen und Zähneklappern sein.
1 Der Ausdruck "Greuel der Verwüstung" spielt auf die Aufrichtung einer Zeusstatue im Jerusalemer Tempel oder auf die Zerstörung Jerusalems an.
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