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Zürcher Bibel

Das dritte Klagelied

1 Ich bin der Mann, der das Elend gesehen hat, (Alef) das Werk des Stocks seines Zorns.
2 Mich hat er vertrieben und fortgeführt (Alef) in die Finsternis und nicht ins Licht.
3 Ja, gegen mich wendet er wieder und wieder seine Hand, (Alef) jeden Tag.
4 Mein Fleisch und meine Haut hat er schwinden lassen, (Bet) meine Knochen hat er zerbrochen.
5 Gegen mich hat er gebaut, und mich hat er eingeschlossen (Bet) mit Gift und mit Mühsal.
6 In tiefster Finsternis hat er mich wohnen lassen, (Bet) wie jene, die lange schon tot sind.
7 Er hat mich eingemauert, und ich komme nicht heraus, (Gimel) mit bronzenen Ketten hat er mich beschwert.
8 Auch wenn ich schreie und um Hilfe rufe - (Gimel) er hat sich meinem Gebet verschlossen.
9 Meinen Weg hat er mit Quadersteinen vermauert, (Gimel) meine Pfade hat er verdreht.
10 Ein lauernder Bär ist er für mich, (Dalet) ein Löwe im Verborgenen.
11 Meine Wege hat er mit Dornen versperrt,1 (Dalet) und er hat mich zerrissen, übel hat er mich zugerichtet!
12 Er spannte seinen Bogen und stellte mich auf (Dalet) wie die Zielscheibe für den Pfeil.
13 In meine Nieren liess er eindringen (He) die Söhne seines Köchers.
14 Für mein ganzes Volk bin ich zum Hohn geworden, (He) ihr Spottlied für jeden Tag.
15 Mit bitteren Kräutern hat er mich gesättigt, (He) mit Wermut hat er meinen Durst gestillt.
16 Und auf Kies liess er meine Zähne sich zerreiben, (Waw) in den Staub trat er mich nieder.
17 Und aus dem Frieden hast du mich verstossen, (Waw) was Glück ist, habe ich vergessen!
18 Und ich sagte: Verloren ist mein Ruhm (Waw) und meine Hoffnung auf den HERRN.
19 An mein Elend und meine Heimatlosigkeit denken (Sajin) ist Wermut und Gift.
20 Ständig denke ich daran, (Sajin) und tief bin ich gebeugt!
21 Dies werde ich zurückbringen in mein Herz, (Sajin) darum werde ich hoffen:
22 Es sind die Gnadenerweise des HERRN, (Chet) dass es nicht ganz und gar zu Ende ist mit uns, denn sein Erbarmen hat sich nicht erschöpft.
23 An jedem Morgen ist es neu. (Chet) Deine Treue ist gross!
24 Mein Anteil ist der HERR!, habe ich gesagt. (Chet) Darum werde ich auf ihn hoffen.
25 Der HERR ist gut zu dem, der auf ihn hofft, (Tet) zu dem, der nach ihm fragt.
26 Gut ist es, schweigend zu warten (Tet) auf die Rettung durch den HERRN.
27 Gut ist es für den Mann, (Tet) wenn er das Joch in seiner Jugend trägt.
28 Allein soll er sitzen, und er soll schweigen, (Jod) wenn er es ihm auferlegt.
29 Er tue seinen Mund in den Staub, (Jod) vielleicht gibt es Hoffnung!
30 Er halte dem die Wange hin, der ihn schlägt, (Jod) der sich sättigt an der Schmach.
31 Denn er verstösst nicht für immer, (Kaf) der Herr.
32 Vielmehr: Hat er in Kummer gestürzt, dann erbarmt er sich, (Kaf) wie es der grossen Zahl seiner Gnadenerweise entspricht.
33 Denn nicht von Herzen hat er erniedrigt (Kaf) und die Menschen in Kummer gestürzt.
34 Dass man unter seinen Füssen (Lamed) alle Gefangenen des Landes zertritt,
35 dass man das Recht eines Mannes beugt (Lamed) vor dem Angesicht des Höchsten,
36 dass man einen Menschen behindert bei seinem Rechtsstreit (Lamed) - das sollte der Herr nicht sehen?
37 Wer sollte das sein, der sprach und es geschah, (Mem) ohne dass der Herr es geboten hätte?
38 Kommt nicht aus dem Mund des Höchsten (Mem) das Schlimme und das Gute?
39 Was beklagt sich der Mensch, der lebt, (Mem) was beklagt sich ein Mann über seine Sünden?
40 Lasst uns unsere Wege prüfen und erforschen, (Nun) und lasst uns zurückkehren zum HERRN!
41 Wir erheben unser Herz und unsere Hände (Nun) zu Gott im Himmel.
42 Wir, wir haben uns vergangen und waren widerspenstig, (Nun) du, du hast es nicht verziehen.
43 Du hast dich in Zorn gehüllt und hast uns verfolgt, (Samech) du hast uns umgebracht, ohne Mitleid.
44 In eine Wolke hast du dich gehüllt, (Samech) so dass kein Gebet hindurchdrang.
45 Zu Kehricht und Unrat hast du uns gemacht (Samech) inmitten der Völker.
46 Alle unsere Feinde (Pe) haben ihr Maul gegen uns aufgerissen.
47 Grauen und Grube sind uns zuteil geworden, (Pe) Verheerung und Zusammenbruch.
48 Bäche stürzen aus meinem Auge (Pe) über den Zusammenbruch der Tochter meines Volks.
49 Mein Auge ergiesst sich und findet keine Ruhe, (Ajin) es hört und hört nicht auf,
50 bis der HERR vom Himmel (Ajin) herabblickt und hinsieht.
51 Mein Auge schmerzt mich (Ajin) all der Töchter meiner Stadt wegen.
52 Gejagt, gejagt wie einen Vogel haben mich (Zade) meine Feinde, ohne Grund!
53 In der Grube wollten sie mein Leben zum Schweigen bringen, (Zade) und Steine haben sie auf mich geworfen.
54 Wasser flutete über mein Haupt, (Zade) ich sagte: Ich bin vom Leben2 abgeschnitten!
55 Ich rief deinen Namen, HERR, (Qof) von tief unten aus der Grube.
56 Du hast meine Stimme gehört, (Qof) verschliesse nicht dein Ohr, zu meiner Erleichterung, zu meiner Rettung!
57 Am Tag, da ich dich rief, hast du dich genaht, (Qof) du sprachst: Fürchte dich nicht.
58 Du, Herr, hast um mich die Rechtsstreite geführt, (Resch) hast mein Leben erlöst.
59 HERR, du hast gesehen, wie man mir das Recht beugt, (Resch) verschaffe du mir mein Recht!
60 Du hast all ihre Rachegelüste gesehen, (Resch) all ihre Pläne gegen mich.
61 Ihr Schmähen hast du vernommen, HERR, (Schin) all ihre Pläne gegen mich,
62 das Reden jener, die sich gegen mich erheben, und ihr Gerede (Sin) gegen mich, jeden Tag.
63 Ob sie sitzen oder sich erheben - schau hin: (Schin) Ich bin ihr Spottlied!
64 Zahle es ihnen heim, HERR, (Taw) wie es dem Tun ihrer Hände entspricht.
65 Gib ihnen Verblendung ins Herz. (Taw) Dein Fluch über sie!
66 Verfolge sie voller Zorn und zerschmettere sie (Taw) unter dem Himmel des HERRN!
1 Die genaue Bedeutung des durch 'mit Dornen versperren' wiedergegebenen hebräischen Worts ist nicht gesichert.
2 "vom Leben" wurde in der Übersetzung ergänzt.
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