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Zürcher Bibel

Jeremias Tempelrede

1 Das Wort, das vom HERRN an Jeremia erging:
2 Stell dich ins Tor zum Haus des HERRN und rufe dort dieses Wort aus und sprich: Hört das Wort des HERRN, ganz Juda, die ihr durch diese Tore hineingeht, um euch vor dem HERRN niederzuwerfen.
3 So spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels: Macht eure Wege besser und eure Taten, dann will ich euch wohnen lassen an dieser Stätte.
4 Verlasst euch nicht auf verlogene Worte wie diese: Der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN, das ist1 der Tempel des HERRN.
5 Macht vielmehr eure Wege besser und eure Taten. Wenn ihr wirklich Recht schafft untereinander
6 und den Fremden, die Waise und die Witwe nicht unterdrückt - und kein unschuldiges Blut an dieser Stätte vergiesst - und nicht anderen Göttern nachlauft, zu eurem eigenen Unheil,
7 dann werde ich euch wohnen lassen an dieser Stätte, in dem Land, das ich euren Vorfahren gegeben habe, vor langer Zeit für immer.
8 Seht, ihr verlasst euch auf die verlogenen Worte - ohne Nutzen.
9 Stehlen, töten und ehebrechen und falsch schwören und dem Baal Rauchopfer darbringen und anderen Göttern nachlaufen, die ihr nicht kennt!
10 Und da kommt ihr und tretet vor mich in diesem Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, und sprecht: Wir sind gerettet!, um dann all diese Abscheulichkeiten zu begehen!
11 Ist denn dieses Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, in euren Augen eine Räuberhöhle geworden? Auch ich, seht, ich habe es gesehen! Spruch des HERRN.
12 Geht doch zu meiner Stätte in Schilo, wo ich anfangs meinen Namen habe wohnen lassen, und seht, was ich ihr angetan habe wegen der Bosheit meines Volks Israel.
13 Und nun, weil ihr all diese Taten begeht, Spruch des HERRN, obwohl ich zu euch geredet habe, immer wieder eifrig geredet habe, und ihr nicht gehört habt und ich euch rief und ihr nicht geantwortet habt:
14 Was ich Schilo angetan habe, werde ich dem Haus antun, über dem mein Name ausgerufen ist und auf das ihr vertraut, und der Stätte, die ich euch und euren Vorfahren gegeben habe.
15 Und ich werde euch von meinem Angesicht verstossen, wie ich all eure Brüder verstossen habe, alle Nachkommen Efraims.

Bestrafung für Götzendienst

16 Und du, bitte nicht für dieses Volk! Und flehe nicht und bete nicht für sie, und dränge mich nicht, denn ich werde dich nicht anhören!
17 Siehst du nicht, was sie in den Städten Judas tun und in den Gassen Jerusalems?
18 Die Kinder sammeln Holz, die Väter zünden das Feuer an, und die Frauen kneten den Teig, um für die Himmelskönigin Opferkuchen zu machen, und fremden Göttern spendet man Trankopfer, um mir zu schaden.
19 Schaden sie mir, Spruch des HERRN, und nicht vielmehr sich selbst, zu ihrer eigenen Schande?
20 Darum, so spricht Gott der HERR: Seht, mein Zorn, meine Wut wird sich über diese Stätte ergiessen, über Mensch und über Tier und über die Bäume auf dem Feld und über die Früchte des Bodens, und er wird brennen und nicht erlöschen.
21 So spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels: Eure Brandopfer - häuft sie nur auf eure Schlachtopfer, und esst Fleisch!
22 Über Brandopfer und Schlachtopfer habe ich euren Vorfahren nichts gesagt und ihnen nichts geboten an dem Tag, da ich sie herausgeführt habe aus dem Land Ägypten!
23 Vielmehr habe ich ihnen dies geboten: Hört auf meine Stimme, dann werde ich euch Gott sein, und ihr werdet mir Volk sein. Und geht getreu auf dem Weg, den ich euch gebiete, damit es euch gut geht.
24 Sie aber haben nicht gehorcht und mir kein Gehör geschenkt. Und sie lebten störrisch nach den Ratschlägen ihres bösen Herzens, und sie zeigten mir den Rücken und nicht das Gesicht.
25 Seit dem Tag, an dem eure Vorfahren ausgezogen sind aus dem Land Ägypten, bis auf den heutigen Tag habe ich alle meine Diener, die Propheten, zu euch gesandt, täglich, mit Eifer habe ich sie immer wieder gesandt.
26 Sie aber haben nicht auf mich gehört und mir kein Gehör geschenkt, und sie haben ihren Nacken hart gemacht, sie waren schlimmer als ihre Vorfahren.
27 Und du wirst ihnen alle diese Worte sagen, sie aber werden nicht auf dich hören. Und du wirst sie rufen, sie aber werden dir nicht antworten.
28 Und du wirst ihnen sagen: Dies ist die Nation, die auf die Stimme des HERRN, ihres Gottes, nicht gehört hat und die Unterweisung nicht angenommen hat. Die Treue ist verloren gegangen, und aus ihrem Mund ist sie getilgt.
29 Schneide dir die Haare ab und wirf sie weg, und auf kahlen Höhen stimm die Klage an, denn der HERR hat verworfen und aufgegeben die Generation seines Zorns.
30 Denn die Judäer haben getan, was böse ist in meinen Augen! Spruch des HERRN. In das Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, haben sie ihre Scheusale gestellt, um es unrein zu machen.
31 Und sie haben die Kulthöhen des Tofet2 gebaut, die im Tal Ben-Hinnom sind, um ihre Söhne und ihre Töchter im Feuer zu verbrennen, was ich ihnen niemals geboten habe und was nie in meinen Sinn gekommen wäre.
32 Darum, sieh, es kommen Tage, Spruch des HERRN, da wird nicht mehr gesagt: Tofet und Tal Ben-Hinnom, sondern: Tal des Mordens! Und im Tofet wird man so viele begraben, dass kein Platz mehr ist.
33 Und die Leichen dieses Volks werden den Vögeln des Himmels und den Tieren der Erde als Nahrung dienen, und da wird niemand sein, der sie verscheucht.
34 Und in den Städten Judas und in den Gassen Jerusalems mache ich den Jubelschreien und den Freudenrufen ein Ende, der Stimme des Bräutigams und der Stimme der Braut, denn das Land wird verwüstet.
1 Wörtlich: "..., sie sind der Tempel ..."
2 Tofet bedeutet wohl 'Kochherd', zugleich klingt hebräisch aber das abfällige 'Speichel' mit. Im Text bezieht sich Tofet auf eine Opferstätte.
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